Gehirndoping : Pillen schlucken für den Lernrausch

Die Zahl der Studenten, die ihre geistige Leistung mit Medikamenten steigern, wächst. Der Druck vor Prüfungen fördert den Pillenmissbrauch, zeigen Studien.

Ritalin ist wohl eines der bekanntesten Beispiele: Medikamente, die die Leistung des Gehirns steigern können, dafür aber nicht gedacht sind. Offenbar werden solche Mittel zunehmend an Hochschulen und Universitäten geschluckt. Denn gerade im akademischen Umfeld hängt Erfolg stark von der intellektuellen Leistung ab.

An US-amerikanischen Universitäten sind Braindoping-Mittel, also Medikamente, die ohne medizinische Notwendigkeit eingenommen werden, schon länger verbreitet. Sie sollen die eigenen  kognitiven Fähigkeiten längere Zeit abrufbar machen. In Deutschland existierten bislang kaum gesicherte Daten darüber, wie viele Studenten und Wissenschaftler sich dafür über Umwege verschreibungspflichtige Medikamente besorgen. Umfrageergebnisse schwankten zwischen weniger als einem und knapp fünf Prozent.

Zwei Studien, die jetzt in den Magazinen Plos One sowie Substance Use and Misuse erschienen sind, kommen nun zu dem Ergebnis, dass hierzulande etwa einer von 20 Studierenden schon einmal zu Pillen gegriffen hat, die das Lernen erleichtern. Der Bielefelder Soziologe Sebastian Sattler und seine Kollegen aus Erfurt, München und Furtwangen untersuchten aber nicht nur die Verbreitung dieser kognitiven Leistungssteigerer, sondern gingen auch der Frage nach, wie sehr Prüfungsangst und die Furcht vor Nebenwirkungen die Einnahmebereitschaft beeinflussen. Auch zu ihren moralischen Bedenken befragten sie die Probanden.

"Wir haben mehrere Tausend zufällig ausgewählter Studenten aus verschiedenen Fächern und Universitäten einbezogen", sagt Sattler. "Das macht unsere Studie aussagekräftiger als vorherige Untersuchungen." Auch erscheine der Zusammenhang zwischen der Verbreitung der Mittel und der Häufigkeit von Testangst plausibel.

Wer Prüfungsangst hat, greift eher zu

Die Wissenschaftler hatten zwischen 2010 und 2011 mehr als 3.000 Studenten von vier deutschen Hochschulen befragt, ob und wie häufig sie im vergangenen halben Jahr zu Braindoping gegriffen haben. Zudem sollten sie angeben, wie hoch ihre Angst vor Prüfungen und ihre Risikofreudigkeit ist.

Die Befragung ergab, dass von denjenigen Studenten, die schon einmal zu leistungssteigernden Arzneien gegriffen hatten, etwa 40 Prozent in den vergangenen sechs Monaten mindestens einmal ihren grauen Zellen so auf die Sprünge geholfen hatten. Etwa ein Viertel hatte zweimal, ein weiteres Viertel mehr als dreimal gedopt. Die Studie bekräftige zudem die Annahme, dass Prüfungsangst Studierende häufiger zu pharmazeutischen Hilfsmittel greifen lässt.      

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Kommentare

41 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Unterschied

Man darf nicht vergessen, das bei einer vom Psychiater anerkannten Diagnose AD(H)S es sich dabei AUCH (nicht nur) um eine genetisch bedingte Abnormalität der Signalverarbeitung im Gehirn handelt. Daher die Behandlung der Symptome durch Ritalin (was ich ohne begleitende Verhaltenstherapie für einen schwerwiegenden Fehler halte).

Bei einem AD(H)S Betroffenen wirkt das Medikament ANDERS als bei Menschen ohne diese Persönlichkeitsstörung. Bei Menschen ohne AD(H)S wirken Ritalin und Medikinet ähnlich wie Kokain. Deshalb handelt der Artikel von Studenten und Lehrenden, die dieses Medikament zur Leistungssteigerung ilegal einnehmen, nicht von Patienten die damit medikamentös behandelt werden.

Übrigens sind Methylphenidad, Ritalin und Medikinet praktisch dasselbe, Medikinet ist sogar nur ein anderer Name für Methylphenidad.

http://de.wikipedia.org/w...