"Friending"-AppHallo, wir kennen uns aus dem Internet

Zwei Studenten haben eine App programmiert, die einem helfen soll, Freunde zu finden. Wie vielversprechend ist der digitale Datenabgleich vorm Treffen? von 

Wie findet man Freunde, wenn man fürs Studium in eine neue Stadt gezogen ist? Man könnte zum Beispiel einen nett wirkenden Kommilitonen ansprechen. Die Studenten Christopher Obereder und Florian Thiel, beide 21 Jahre alt, vertrauen lieber auf technische Hilfe. Sie haben eine App fürs Handy entwickelt, die einem helfen soll, neue Freunde zu finden.

Friending heißt die Anwendung. Ähnlich wie bei Datingportalen werden Leute miteinander verkuppelt, die laut ihrem Profil zueinanderpassen. Die App greift über Facebook auf die Interessen und Likes der Mitglieder zu. Mithilfe eines Algorithmus' wird daraus eine Indexzahl zwischen eins und 100 errechnet, die sich mit den Werten der anderen Mitglieder vergleichen lässt. Je höher die Indexzahl, desto besser sollen zwei Leute zusammenpassen. Neben der Indexzahl kann man die Profilbilder der Leute sehen. Die App rechnet außerdem über die Ortung von Facebook aus, wie viele Kilometer die andere Person von einem entfernt ist. Je näher, desto besser. In welchem Café sie sitzt, kann man allerdings nicht sehen.

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Ein halbes Jahr lang haben die Studenten an der App gearbeitet. Florian Thiel, der an der LMU in München Medieninformatik studiert, hat sich um die Technik und die Entwicklung gekümmert. Der BWL-Student Obereder ist fürs Marketing zuständig. Sie kennen sich seit der Schulzeit. Die Idee von Friending entstand, weil beide gerne Golf spielen. "Es ist schwer, andere Leute in unserem Alter zu finden, die auch gerne golfen", sagt Obereder. Um etwa potenzielle Golfpartner zu finden, muss man einmalig zustimmen, dass die App auf die Interessen-Angaben des Profils zugreifen darf. Außerdem kann man nur Leute anschreiben, die die App auch benutzen.  

Erst digital, dann real kennenlernen

Seit einigen Tagen ist die App auf dem Markt; bislang haben sich rund 1.250 Mitglieder angemeldet. Damit die App brauchbar wird, müssen es noch deutlich mehr werden. Doch wie vielversprechend ist der digitale Datenabgleich vor dem ersten Treffen? Jan-Hinrik Schmidt, der am Hamburger Hans-Bredow-Institut zu Trends bei digitalen interaktiven Medien forscht, sieht die App skeptisch: "Nur weil jemand wie ich Fußball mag und außerdem noch Musik und Hamburg, heißt das nicht, dass ich den kennenlernen muss." Fraglich ist für ihn, wie spezifisch die Nutzer ihre Interessen bei Facebook angeben. Schaut man sich außerdem in seinem echten Freundeskreis um, haben die eigenen Freunde oft andere Hobbys als man selbst. Die hätte man über die App nie kennengelernt.

Doch offenbar gibt es ein Interesse, Menschen erst digital und dann real kennenzulernen. Über das soziale Netzwerk Nextdoor.com kann man beispielsweise mit den Nachbarn in Kontakt treten – statt einfach mal zu klingeln. Und auf den Spotted-Seiten bei Facebook, die es für viele Unis gibt, ist die Idee ähnlich: Studenten können ihre Kommilitonen erst einmal digital anflirten, bevor es zum Treffen kommt. Die Friending-Erfinder sind deshalb zuversichtlich, dass ihre App erfolgreich wird: Sie träumen davon, dass Facebook ihre Idee irgendwann kauft.

Die App ist kostenlos, die neuen Freunde sind es nicht: Um andere Leute nicht nur angezeigt zu bekommen, sondern ihnen schreiben zu können, muss man Nachrichten-Pakete kaufen. Fünf Kontaktaufnahmen kosten 89 Cent. Vielleicht sollte man während der Orientierungswoche einfach mit den neuen Kommilitonen in die Kneipe gehen und das Geld in Bier investieren.

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Leserkommentare
  1. "Um andere Leute nicht nur angezeigt zu bekommen, sondern ihnen schreiben zu können, muss man Nachrichten-Pakete kaufen. Fünf Kontaktaufnahmen kosten 89 Cent."

    Würde ich nicht bezahlen. Vor allen Dingen nicht für einen solchen Blödsinn.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das schöne an unserer Marktwirtschaft ist doch dies: Jemand wittert eine Marktlücke, entwickelt eine Idee sie zu füllen und klebt ein Preisschild drauf. Trifft das Angebot tatsächlich auf eine Nachfrage, wird die Sache vielleicht zum Erfolg. So wird ein gesellschaftlicher Mehrwert geschaffen. Wenn nicht, so verschwindet das Angebot wieder und niemand muss sich aufregen.

  2. Das schöne an unserer Marktwirtschaft ist doch dies: Jemand wittert eine Marktlücke, entwickelt eine Idee sie zu füllen und klebt ein Preisschild drauf. Trifft das Angebot tatsächlich auf eine Nachfrage, wird die Sache vielleicht zum Erfolg. So wird ein gesellschaftlicher Mehrwert geschaffen. Wenn nicht, so verschwindet das Angebot wieder und niemand muss sich aufregen.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Ganz schön teuer."
    • sub81
    • 12. August 2013 17:56 Uhr

    Das Problem ist genau das richtige, aber Kennenlernen und Hobbies abchecken geht offline viel besser. Zum Beispiel hier: http://www.meetup.com/aus... .

    2 Leserempfehlungen
  3. Die Idee ist echt gut, mal sehen ob es auf dem Markt einschlagen wird. Sollte auf jeden Fall noch eine Android Version kommen.
    Die Interface sieht Hammer aus. Message Paket ist halt echt nicht günstig, aber wenn viele Nutzer da sind, dann könnte es interessant werden.

    Wird sich zeigen, ob die App es ganz nach oben schafft. Potential gibt es jedenfalls

    • reineke
    • 12. August 2013 18:56 Uhr

    die wievielte ?
    der Bedarf scheint immer noch nicht gedeckt zu sein
    tja,man kann ja auch nicht einfach Jemanden in der Bar oder auf der Strasse ansprechen,geht gar nicht

    5 Leserempfehlungen
  4. ich nehme mal an, jener berechnet nur einen Index der gemeinsamen Interessen - und wer glaubt, Freundschaft basiere (nur) darauf, daß man gleiche Hobbys und Ansichten hat, der weiß mit dem Begriff nicht richtig umzugehen.

    Und wenn es nur darum geht, Leute für gemeinsame Aktivitäten zu finden (im Artikel Golf), so gibt es dafür schon seit langem diverse Foren, die darüberhinaus auch in der Regel kostenlos sind.

    Alles in allem wohl ziemlich nutzlos.

    2 Leserempfehlungen
  5. Profile zu matchen und nach passenden Partnern, Freunden, Tennisgegnern oder Rollenspielfans zu suchen, ist ja nun wirklich nicht neu. Ich bin im IT-Bereich tätig und wenn man sich in der App-Branche ein wenig umkuckt, gibt es da bei weitem spannendere Projekte.
    Lonlyles ist da nur ein Beispiel, die versuchen nicht das übliche "stay in your comfort zone", sondern laden ein zum realen Kennenlernen wildfremder Menschen - ganze egal welches Alter, welcher Musikgeschmack oder wie viele common likes auf Facebook...
    http://www.indiegogo.com/...

    • minusme
    • 13. August 2013 12:38 Uhr

    ...hat doch nichts mit Freunde finden zu tun, viel mehr mit:
    "Wer ist das? Was bringt der mir?" usw. also mit Nutzen und Business...
    weshalb zwei 21jährige vermutlich auch so "leidenschaftlich" Golf spielen,
    die Kontaktaufnahmen Geld kosten und falls sie es damit zur ersten Million schaffen sollten, hoffe ich, dass dann auch nicht "bei Geld die Freundschaft endet"...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Internet | Medien | App | Facebook | Student | Alter
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