1. Was will ich?

Was muss der Raum können? Das ist für Innenarchitektin Reka Visnyei die wichtigste Frage. Mit ihrer Kollegin vom Münchner atelier sv hat Visnyei die Einrichtung mehrerer Studentenwohnheime entworfen. Sie kennt die Herausforderung, dass WG-Zimmer oft Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmer in einem sein müssen. Wie viel Raum die einzelnen Bereiche einnehmen sollten, komme ganz auf die Person an, sagt Visnyei. "Zuerst einmal muss ich mir Gedanken über meinen Tagesablauf und damit über meine Bedürfnisse machen." Dann könne man Prioritäten setzen: Brauche ich einen großen Schreibtisch, weil ich viel zu Hause arbeite? Oder reicht ein Klapptisch, auf dem ich ab und zu meinen Laptop abstelle? Gibt es in der WG ein Wohnzimmer oder eine Küche, in der ich Gäste empfangen kann? Oder brauche ich eine Sitzecke in meinem Zimmer?

2. Bestandsaufnahme

Die schönste Sitzecke bringt nichts, wenn das Zimmer dafür eigentlich zu klein ist. Vor dem Einkaufen sollte man sich bewusst machen, wie der Raum funktioniert: quadratisch oder länglich? Hohe oder niedrige Decken? Wo sind Tür und Fenster? Wo gibt es große Wandflächen? Woher kommt das Licht? "Den hellsten Platz im Raum sollte man für den Schreibtisch reservieren. Von dort aus kann man weiterplanen", sagt Visnyei. Nicht vergessen: Zimmer ausmessen und einen Grundriss zeichnen. Hilft im Möbelhaus bei der Frage, ob der Schrank wohl noch hinter die Tür passt.

3. Die Möbel

Für Pragmatiker: Verwandte, Bekannte, Eltern und Freunde der Eltern anhauen. Beinahe in jedem Keller stehen Möbel, die keiner mehr will oder braucht. Wem das Ergebnis zu wild aussieht, der kann verschiedene Möbel in einer Farbe lackieren oder etwa einheitliche Kommodenknöpfe anbringen. Die bekommt man auf jedem Flohmarkt.

Für Jäger und Sammler: "Wer auf den Flohmarkt geht, muss Geduld mitbringen", sagt Michael Wewerka, 77, der seit 40 Jahren den ältesten Trödelmarkt Berlins organisiert. Geduld und Handelsgeschick: "Wenn Ihnen was gefällt, zeigen Sie das nicht zu hastig", sagt Wewerka. Ein wenig zögern, noch mal eine Runde drehen – so bekomme man oft einen besseren Preis. Und bei Möbeln gilt sowieso: "Am besten kurz vor Feierabend kaufen. Dann wollen die Händler sie loswerden, um sie nicht wieder nach Hause zu schleppen." Die digitale Alternative zum Flohmarkt heißt eBay Kleinanzeigen. Die Suchergebnisse lassen sich nach Postleitzahl sortieren.

Für Handwerker: Wer's individuell möchte, baut seine Möbel selbst. Bauanleitungen für günstige und unkomplizierte Betten, Stühle und Schreibtische gibt es zum Beispiel vom Berliner Architekten Van Bo. Wie man aus einem Baumstamm einen Lederhocker und aus Kanalrohren ein Schuhregal baut, zeigt Alexander Wolff auf meinekleinewohnung.de, einem Einrichtungsblog "fürs studentische Budget". Er muss es wissen, schließlich ist er selbst noch Student. Wer keine Kreissäge besitzt, kann in vielen Städten Co-Working-Werkstätten nutzen, etwa das Betahaus in Berlin, die Dingfabrik in Köln oder das Haus der Eigenarbeit in München. Oft werden dort auch Kurse für Einsteiger angeboten. Eine Übersicht gibt es hier.

Für Langweiler: sind schwedische Möbelhäuser. Oder Designer-Möbel: Für den Bafög-Höchstsatz 'ne schöne Lampe kaufen – das kann wirklich jeder.

4. Farbe und Licht

Weiße Wände sind zu langweilig? Bevor man drei Eimer seiner Lieblingsfarbe kauft, sollte man sich Gedanken über deren Wirkung machen: "Zu intensive Töne können kleine Räume erschlagen", sagt Visnyei, das gelte auch für dunkle oder massive Möbel. Schmale Längsstreifen lassen den Raum höher wirken, Querstreifen dagegen niedriger, ebenso eine farbige Decke. Auch die Beleuchtung kann einen Raum größer wirken lassen. Statt auf einzelne Lichtpunkte im Raum, die zum Beispiel durch eine Deckenlampe entstehen, sollte man auf indirekte Beleuchtung setzen, empfiehlt Visnyei. Das geht mit Lampen, die an der Wand befestigt sind und von dort die Decke oder eine Ecke beleuchten.

5. Ordnung halten

Für mehr Ordnung kann man schon beim Umzug sorgen, sagt Ordnungscoach Anne Kleinhans vom Netzwerk Ordnungsservice. "Jeder sollte sich zuvor die Frage stellen: Was brauche ich wirklich?" Wer sein Zimmer zu voll stellt, hat schnell Mühe, alles geordnet unterzubringen. Dabei lässt sich auch in kleinen Zimmern leicht Stauraum schaffen: Ein Holzbrett als Regalboden über der Tür als Ablagefläche für Dinge, die man nicht regelmäßig braucht. Mit mittelhohen Betten lässt sich der tote Raum unterm Bett nutzen: "Aber immer mit geschlossenen Behältern, damit die Sachen nicht verstauben", sagt Kleinhans. Aus dem gleichen Grund sind Schubladen und Boxen generell pflegeleichter als offene Regale. Und wer etwa seine Winterklamotten im Sommer in zwei große Plastik- oder stabile Pappkisten packt, legt einfach ein Kissen drauf und hat zwei Hocker für Gäste.

In jedes Zimmer gehöre zudem ein Mülleimer sowie ein Behälter für Schmutzwäsche, sagt Kleinhans. So gerate man gar nicht erst in Versuchung, abgehakten Papierkram und schmutzige Kleidung herumliegen zu lassen. Um Papierchaos auf dem Schreibtisch zu vermeiden, empfiehlt die Ordnungstrainerin ein ähnliches System wie auf dem Rechner: Verschiedenfarbige Schnellhefter, für jedes Thema einen. Wichtig dabei: ein Ordner für alle essenziellen Unterlagen wie Mietvertrag, Zeugnisse oder Versicherungen. Und: mindestens einmal pro Semester ordentlich ausmisten.