Die Geschichten unserer Leser lassen nur einen Schluss zu: Wer auf der Suche nach einer WG Erfolg haben möchte, braucht starke Nerven, Humor oder einen Staubsauger.

Wir haben mehr als 300 E-Mails, Kommentare, Facebook-Posts und Tweets zum Thema WG-Casting und Wohnungssuche ausgewertet. Das Ergebnis: In Wohngemeinschaften können wunderbare Freundschaften entstehen, aber bis dahin ist es ein langer, weiter, anstrengender Weg. 

Charlotte Noltemeyer via Twitter: Vermieter in Berlin: Besuch, also Mutter oder so, ein paar Wochen vorher anmelden und 15 Euro pro Nacht.

Rahel Fankhauser per E-Mail: Zukünftiger WG-Mitbewohner erklärt mir mein Zimmer: "Da wir selbst heizen müssen und dein Zimmer mehr als 20 Quadratmeter groß ist, haben wir eine Wand hineingestellt. Somit bleibt die Wärme besser bei deinem Bett in der Nacht". Ich: "Ah prima, das war ja eine gute Idee. Somit hat es eine Türe zum zweiten Teil des Raumes?" Er: "Nein, nein, wir haben einfach ein Loch in die Wand gesägt, das heißt, du musst krabbeln, um in den anderen Teil deines Zimmers zu gelangen."

Laura Zacharias via Facebook: Nach der Besichtigung: "Wir müssen uns jetzt in Ruhe besprechen und die Bewerber noch mal durchgehen, melden uns dann." Gerade die Treppe runter und im Eingang stehend vibriert mein Handy: "Deine bunte Kette ist toll! Du hast das Zimmer!"

Jennifer Elise Bentz via Facebook: "Hallo, ist Ihr inseriertes WG-Zimmer noch frei?", "Ja.", "Ich bin schwul und bringe einen Konzertflügel mit. Eins davon problematisch?"

MoJi via Twitter: "Ich hoffe du kochst nicht. Das große Wohnzimmer gehört meinem Mops. Hier sind deine 10qm."

Monja Weiß per E-Mail:
Ich suchte damals ein Zimmer in Freiburg. Nach einer Anzeige im Internet traf ich mich mit der "Vermieterin". Ich: Ab wann ist das Zimmer zu beziehen? Sie: Wir müssen erst testen, ob du hierher passt. Nach meinem fragenden Blick zog sie ein Pendel aus der Tasche, dieses hielt sie mir vor die Stirn. Sie: Ich spüre, dass deine Reise noch weiter geht und du dieses Zimmer nicht bekommen wirst. Ich: Tatsächlich.

Alwin H. via Facebook: Ein junger Student brachte zum WG-Casting seine Mutter mit. Als sie wieder gingen, hielten sie Händchen und mir wurde bewusst, dass ich mich geirrt hatte.

Ahato in den Kommentaren: Eine Anzeige war mit dem Zusatz "gepflegtes Auftreten erwünscht, gerne BWL-Student". Denke "hey, das passt zu dir" und bin hin. In der WG lebten 3 richtige Punks (so in der Art Profi-Punk), es war ziemlich unordentlich und dreckig, etliche leere Bierdosen  lagen herum, es roch nach THC. Ich hab erst gestutzt und dann nachgefragt, ob ich richtig bin, wegen "gepflegtem Auftreten" in der Anzeige. "Ja klar, du bist hier voll richtig. Wir brauchen jemanden für den Vermieter, einen den man vorzeigen kann, verstehst?"

Nora Urbanski per E-Mail: Einer der Höhepunkte der Auseinandersetzungen mit unserem Mitbewohner und Hauptmieter war folgendes Gedicht mit der Betreffzeile "Küche und Flur":

Kochen: immer!
Essen: immer!
Smalltalk abends nur im Zimmer

Willst du am Tag gesellig sein, frag kurz in dich selbst hinein,
muss ich zum gesellig sein, Florian* jetzt ne Plage sein?
Oder geht's ganz ohn' Gewimmer,
genauso gut im eig'nen Zimmer?

Bin ich dann laut mal sehr,
tangiert es Florian* nur peripher.
Weil er dann wie ein Doktorsmann,
in Ruhe lesen und lernen kann.

"Die Dusche ist mitten in der Küche"

Oliver Mai per E-Mail: Bei einer Zimmersuche in Göttingen bekam ich auf die Anfrage, wie groß denn das freie WG-Zimmer sei, die Antwort: "Ob du wirklich ein eigenes brauchst, werden wir sehen, wenn du hier ein paar Wochen gewohnt hast."   

Sebastian Tengen per E-Mail: Bremen, ich (männlich, damals 19) schaute mir ein WG-Zimmer bei einem Jungen an. Wir unterhielten uns 1,5 Stunden lang und hatten viele ähnliche Interessen, unter anderem Handball. Er sagte, ich hätte ihn begeistert und wäre in der engeren Auswahl. Drei Tage später bekam ich eine Absage von ihm. Zwei Jahre später haben wir uns beim Hochschulsport (Handball) wiedergetroffen und er sagte, er hätte einem anderen Bewerber mit gleichem Vornamen das Zimmer gegeben und als dieser dann einzog merkte er, dass er der falsche war.

Jule Ortmann-Radau via Facebook: "Hast Du nen eigenen Staubsauger? Weil wenn nicht, dann nehmen wir die andere, die hat einen". Die "andere", die da ist, nickt heftig.

Konstanze Roggensack per E-Mail: Meine erste WG-Erfahrung war leider eine sehr schlechte und traurige. Aber als ich nach dieser Phase endlich wieder frohen Mutes ein WG-Casting organisierte und das letzte Mädel zur Tür rein kam, wusste ich, jetzt bricht eine neue Ära an. Wir kamen direkt ins Gespräch, haben viel gelacht, getratscht und waren überhaupt rundum auf einem Nenner, so dass langweilige Fragen, wie "und was ist dein Hobby?" gar nicht erst künstlich gestellt werden mussten. Dieses Kennenlernen liegt nun schon fast zwei Jahre zurück und ich bin froh, Sarah heute zu meinen engsten Freundinnen zählen zu dürfen! Daher meine Schlussfolgerung: Durch die erste, schlechte WG-Erfahrung musste ich einfach durch, damit ich danach solch einen Gewinn machen konnte!

Helen Brown via Facebook: Hab meine bessere Hälfte beim WG-Casting kennengelernt. Jetzt sind wir seit sieben Jahren zusammen und seit fast einem Jahr verheiratet. 

Ann-Kristin Schäfer via Twitter:Vermieterin in München: "Wenn S' amol a Freundin do haben is kei Problem. Aber Herrnbesuch, des geht fei net, göa!"

Janna Kelbel per E-Mail: Nach vier Tagen mit circa 18 Wohnungen kam ich zu Christian*. Schöne Wohnung, schräger Typ, aber man ist ja offen. Sauberkeit wurde in dieser WG großgeschrieben. Ich musste durch die Zimmer gehen und sagen, welches mal wieder geputzt werden sollte.

 Anica Bergner via Facebook:Frage der WG: "Hast du ein Haustier?" Er: "Ja. Einen Barsch." WG: "Ein Fisch Barsch??!!" Er:" Ja der wohnt in meiner Badewanne. Hier gibt's ja noch ne Dusche. Da muss man sich den Platz dann auch nicht mehr teilen."

"Ein Sofortbildkamera-Foto von jedem Kandidaten"

Katharina Wendler per E-Mail: Ich hatte eine sehr späte Zusage von der Uni in Berlin bekommen und war mit der Wohnungssuche spät dran. Tagelang habe ich das Internet nach Anzeigen durchforstet, hierbei fiel mir als aller erste Anzeige das Gesuch einer Vierer-WG in Berlin Tempelhof in die Hände. Alle weiteren Anzeigen, die ich gefunden habe, überzeugten mich nur mittelmäßig. Auf meine circa 35 E-Mails kam nur eine einzige Antwort: aus der Tempelhofer WG. Also bin ich von Lüneburg nach Berlin gefahren. Um 8.30 Uhr an einem Samstag stand ich dann bei Basti, Dane und Clara vor der Tür. Weil alle gerade aus dem Bett kamen, gab es erstmal Kaffee für alle. Tolle Wohnung, tolles Zimmer, tolle Leute. Im Laufe des Tages war ich so aufgeregt, als hätte ich gerade ein Vorstellungsgespräch hinter mir gehabt. Am nächsten Abend dann Bastis Anruf: "Wir würden uns freuen, wenn du bei uns wohnst!" Ich habe Luftsprünge gemacht. Das war wirklich Liebe auf den ersten Blick. Man darf es ja keinem erzählen, aber bis heute bewahre ich die Anzeige auf, die mich damals sofort überzeugt hat.

Yvonne Karoske via Facebook: Er: "Sind da Energiesparlampen drin"? Ich: "Nee." Er: "Hmm, weil ich bin Informatiker und würde gerne einen Server aufbauen. Dann müssen WIR ja Strom sparen".

Caroline Brandau per E-Mail: 3er WG (2 Jungs) suchen Mitbewohnerin (!) zwischen 20-25. Ich erinnere mich nicht mehr an den Vortext, aber die Wohnung klang ziemlich gut. Bis auf den letzten Absatz: "Also, unser Bad ist etwas ungewöhnlich, die Dusche ist nämlich mitten in der Küche. Das ist am Anfang etwas seltsam, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran."

Mirjam Kappes per E-Mail: Beim Eintritt eines Massencasting-Besichtigungstermin wird ein Sofortbildkamera-Foto von jedem Kandidaten gemacht und an eine Pinnwand gehängt ("bitte schreib doch noch deinen Namen dazu ja?") 

Maike Vorwald via Facebook: Bei uns rief jemand an (4er Mädels-WG). Er: "Ich wollte noch fragen, wie ist bei euch so das zusammenwohnen?" Ich: "Naja, wir sind nett zueinander, machen auch gern was zusammen, gehen ins Kino, gehen was trinken, kochen zusammen..." Er: "Und was ist mit dem Schlafen? Also in meiner alten WG konnte ich, wenn ich Alpträume hatte, auch zu meinen Mitbewohnern ins Bett..."

Ro Män via Facebook: Kurz nach meinem Einzug übergab mir meine Gastmutter einen rosa leuchtenden Stein. Ich sollte diesen nachts nicht nur angeschaltet im Zimmer lassen, sondern auch einmal anlecken, damit ich gut schlafen kann. Ich entfernte das Ding aus dem Zimmer, fortan wurden mir Alpträume prophezeit.

"Du musst erstmal ein, zwei Wochen probewohnen"

Nicolas Koutsoubelis per E-Mail: Nach einer kleinen Führung durch die Wohnung frage ich, warum das Zimmer denn keine Tür hat, darauf wird mir erklärt. "Wir hier glauben nicht an Türen. Die stören den Energiefluss durch die Wohnung." Ich etwas erstaunt und unsicher: "Also habt ihr gar keine Türen auch nicht vor dem Klo oder so?" "Ne, da braucht man doch auch einen guten Energiefluss!

Anne Punch via Facebook: Per SMS: "Hallo, ist das Zimmer noch zu haben?" - "Ja!" - "Nein danke." 

Mira Kimmer per E-Mail: Ein 20-Jähriger sitzt auf unserer Couch. Wir fragen ihn nach seinen Hobbys. "Ziemliche viele verschiedene: Online-Pokern, Computerspiele spielen, am PC rumtüfteln und in letzter Zeit mache ich mir häufiger Gedanken darüber, was passiert, wenn Andorra mit der Erde zusammenstößt. Was dann an menschlicher Kultur überlebt."  

Nils Böö via Facebook: Souterrain-Wohnung, Terrassentür zum Garten ohne Mitbenutzung. O-Ton Vermieterin: "Uns ist daran gelegen, dass Sie die Vorhänge möglichst geschlossen halten. Dann sehen wir Sie nicht so, und Sie uns ja auch nicht."

Manuela Kraus per E-Mail: Nach der bestanden "Coolness"-Probe (ich musste mit ihm über ne klapprige Leiter aufs Dach steigen) kam folgender Brüller: "Also, du bist echt cool und ich könnte mir das mit dir wirklich vorstellen. Allerdings müsstest du erst mal so ein, zwei Wochen probewohnen. Man kauft ja nicht die Katze im Sack."   

Anja Lotta via Facebook: "Sitzt du auch oft tagelang am Computer und bewegst dich nicht? Bist du Computerfreak und hast trotzdem Lust in einer WG zu wohnen? OpenSource-affine-Firmen-WG hat noch ein Zimmer frei. Achtung bitte nur Leute, die sich ernsthaft mit Technologie-Themen beschäftigen. Keine Sozialfälle. Das Zimmer ist dunkel mit Blick auf eine Wand aber ruhig."

Ja Nosch via Facebook:  "Und wie stellst du dir so das WG-Leben vor?" – "Wie bei Berlin Tag & Nacht."

Carolin Wollny via Facebook: Der Bewerber bat darum, eine Nacht auf seiner Gartenliege (die er selbstverständlich mitbringt) im Wohnzimmer probezuschlafen. Ohne Testschlafen könne er das Zimmer unmöglich nehmen.

*Namen geändert