ZEIT ONLINE: Herr Hoffmann, einen Elternabend kennt man eigentlich aus Schulzeiten, nun haben Sie an der Uni Hamburg zu einem eingeladen. Wie sind Sie denn auf diese Idee gekommen?

Ronald Hoffmann: Unser Präsident hat nachgefragt, welche Angebote wir für Eltern haben. Da habe ich vorgeschlagen, ähnlich wie es das bereits an einigen Hochschulen gibt, einen Elternabend zu veranstalten. Wir wollten Erfahrungen sammeln, wie engagiert die Eltern sind, ob sie tatsächlich kommen und welche Fragen sie haben. Das ist sicherlich auch Teil eines Hochschulmarketings, die Unis bewerben letztlich im Konkurrenzkampf um die Studierenden auch deren Eltern.

ZEIT ONLINE: Elternabend klingt erst einmal nach Helikoptereltern. Sollten junge Menschen nicht gerade an der Uni Selbstständigkeit lernen?

Ronald Hoffmann: Besser: Wir haben uns zuerst auch gefragt, weshalb Eltern etwas über die Universität wissen wollen würden. Ich hatte aber nicht den Eindruck, dass sie fürchterlich besorgt waren oder versuchen wollten, das eigene Kind ins Trockene zu bringen. 

ZEIT ONLINE: Worum ging es dann?

Hoffmann: Die Eltern wollten einfach verstehen, wie eine Uni funktioniert. Was ist ein Credit? Was ist eine Modulprüfung? Hat man einen Masterplatz sicher? Ich hatte nicht den Eindruck, dass eine große Angst dahintersteckt. Es ist einfach eine Situation, die Sorge bereitet und deshalb haben Eltern versucht, Informationen zu bekommen, um gelassener zu sein.

ZEIT ONLINE: Früher haben Eltern so etwas doch auch nicht gebraucht.

Hoffmann: Die Studierenden werden immer jünger. Einmal durch den Wegfall des 13. Schuljahres und dann durch die Abschaffung der Wehrpflicht. Und die letzte Studie von Shell zeigt, dass sich das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern verändert zu haben scheint. Jugendliche sehen Eltern nach der Studie als ganz wichtige Berater, wenn es um Bildungsentscheidungen geht.  

ZEIT ONLINE: Aber wollen junge Menschen in dem Alter nicht unabhängig von ihren Eltern sein?

Hoffmann: Ein No-Go ist natürlich, zu sagen, ich studiere das, weil meine Eltern das wollten. Es ist auch nicht mehr modern zu sagen, "solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst". Aber junge Menschen sagen: Meine Eltern unterstützen mich relativ unabhängig davon, wofür ich mich entscheide und was ich studieren möchte.  

ZEIT ONLINE: Und wie sieht diese Unterstützung aus?

Hoffmann: Wir haben am Abend Werbung dafür gemacht, dass Eltern deutlich Position beziehen. Sie könnten ihren Kinder zum Beispiel sagen: "Dass du auf Lehramt studieren möchtest, das wundert mich. Du hast dich nie für Kinder interessiert, eher am Computer gebastelt. Ich dachte immer, du studierst Informatik." So etwas entlastet Eltern.