Am 17.01.2009 hat sich mein Leben komplett verändert. Ich bin bei einem Skiunfall verunglückt, habe mir das Genick gebrochen und sitze seitdem querschnittsgelähmt im Rollstuhl.

Vor meinem Unfall war ich Soldat, doch diesen Beruf kann ich natürlich nicht mehr ausüben. Da ich aber erst 25 Jahre alt bin und etwas aus meinem Leben machen möchte, habe ich letztes Jahr ein Fernstudium aufgenommen. Das hatte ich eigentlich schon viel früher vor, doch aufgrund meiner unzähligen Operationen und monatelangen Krankenhausaufenthalte konnte ich diesen Schritt zunächst nicht gehen. Als es mir 2012 nach einer weiteren längeren Operation wieder besser ging, unternahm ich eine Reise nach Dubai und entdeckte dabei das Fotografieren für mich. 2013 habe ich mich dann an einer Fernakademie angemeldet, um Fotografie zu studieren. Das erste Semester habe ich bereits hinter mir und mit dem Notendurchschnitt 1,5 abgeschlossen. Das klingt nun vielleicht, als wäre alles ganz einfach. So ist es aber nicht.

Normalerweise logge ich mich nach dem Aufstehen als Erstes im Onlineportal ein und überprüfe, ob die Kommilitonen aus meiner Lerngruppe online sind, auf meine Fragen geantwortet oder mir welche gestellt haben. Dann fange ich mit dem Lernen an – wenn es geht. Denn seit vier Monaten werden meine Schmerzen immer schlimmer und sind teils so unerträglich, dass ich mich einfach nicht konzentrieren kann, was das Lernen sehr schwer oder gar unmöglich macht.

Natürlich gibt es auch praktische Aufgaben. Wenn ich einen guten Tag habe, was in letzter Zeit nicht allzu oft vorgekommen ist, verlasse ich in meinem Rollstuhl das Haus und fotografiere. Gerade diese Tage tun unglaublich gut, weil ich sehr gerne umherfahre oder sogar reise, um zu fotografieren. Im Juli werde ich zum Beispiel als Fotograf auf einer Hochzeit sein.

Doch auch die guten Tage sind für mich sehr anstrengend, weil durch meine Lähmung vom Hals abwärts die Funktionen meiner Hand vermindert und die meiner Finger gar nicht mehr vorhanden sind. Meine Arme kann ich nur sehr eingeschränkt bewegen und über meinen Rumpf habe ich keine Kontrolle, sodass ich immer mit einem Gurt am Rollstuhl fixiert werden muss. Dank der heutigen Technik besitze ich aber Hilfsmittel, um meine Kamera trotz allem selbst bedienen zu können: Ich verknüpfe sie zum Beispiel mit einem Tablet-Computer, das ich mit den Knöcheln der Finger betätige.

Sowohl mein persönliches als auch mein studentisches Leben sind keineswegs gewöhnlich und oft falle ich wegen der Schmerzen in tiefe Löcher, die das Studium nicht unbedingt einfacher machen. Aber ich bin unheimlich froh, dass es Menschen wie mir überhaupt möglich ist, zu studieren und so eine Lebensaufgabe zu haben. Deshalb kann ich nur jedem empfehlen, der in einer ähnlichen Situation ist, sich ein Studium oder eine andere Aufgabe mit einem anschließenden Ziel zu suchen. Denn das Ziel, Fotograf zu werden, gibt mir Kraft.