Eigentlich ist es zu laut, um sich zu unterhalten. An der Bar drängen sich die Erstsemester, die hier den Studienbeginn feiern. Auch Farah Ahdour ist mit neuen Bekannten aus der Uni zur Party gekommen. Über den Beat hinweg unterhalten sie sich über die ersten Wochen als Studenten. Ein Kommilitone wendet sich Farah zu. Er muss fast schreien. "Sag mal, wissen deine Eltern eigentlich, dass du hier bist?"

Im Nachhinein hätte Farah damals gerne gesagt: "Klar, die haben mir einen GPS-Sender eingebaut." Im Club hat sie die Frage des Studenten erst einmal sprachlos gemacht. "Wissen deine Eltern, dass du hier bist?", hat sie deshalb heute mit schwarzem Filzstift auf die weiße Tafel geschrieben, die sie vor der Mannheimer Uni in die Kamera hält. Neben ihr auf dem Boden liegt ein Schild, selbstgebastelt aus zwei Supermarkt-Pappkartons. "#AuchIchBinDeutschland" steht in Großbuchstaben darauf geschrieben.

Unter dem Hashtag "AuchIchBinDeutschland" stellen Studenten mit Migrationshintergrund Bilder wie das von Farah Ahdour ins Netz. Sie haben dafür ein Tumblr-Blog angelegt, nutzen aber auch Facebook und Instagram, um sie zu verbreiten. Für ihre Bilder haben sie Vorurteile aufgeschrieben, mit denen sie im Alltag konfrontiert werden. Vorurteile wie das über Farahs strenge marokkanische Eltern. "Nein, ich verkaufe kein Weed", hat einer geschrieben. Ein anderer: "Ja, ich darf eine deutsche Freundin haben." Vor der Universität Mannheim soll das Pappkarton-Schild mit den Großbuchstaben heute Studenten anlocken, die ähnliche Sprüche erlebt haben.

Vorbild für die Fotoaktion war das Projekt einer Studentin der amerikanischen Eliteuniversität Harvard. Für einen Uni-Kurs bat sie schwarze Kommilitonen, ihre alltäglichen Erfahrungen mit Diskriminierung auf dem Campus auf weißen Tafeln aufzuschreiben. Unter dem Titel "I, too, am Harvard" lud sie die Bilder der Studenten mit den Sprüchen auf Tumblr hoch. Schnell fand das Projekt weltweit Unterstützer, etwa an den Universitäten in Oxford und Cambridge.

In Deutschland betreuen Stipendiaten der Deutschlandstiftung Integration das Foto-Projekt. An den Universitäten in Berlin und Friedrichshafen schossen sie im April die ersten Bilder für das deutsche Tumblr-Blog. Auf Mannheim sollen rasch weitere Unistädte folgen, als nächstes zum Beispiel Aachen, Köln und Marburg. Aber auch Einsendungen privat geknipster Fotos sind willkommen.