Wenn Studenten in Vorlesungen lächeln, ist meist nicht der Vortrag gut, sondern der Facebook-Post besonders witzig. Ein Dozent will das WLAN gar ausschalten lassen.

Die Vorlesung startet gleich, ich setze mich auf einen der hölzernen Klappstühle. In die Mitte durchrutschen, da huscht noch ein Zuspätkommer rein. Nun folgt das morgendliche Ritual: Laptops auf den Tisch. Aufklappen. Willkommen. Apfelsymbole leuchten auf.  

Professoren reden oft gegen eine Wand aus silbernen Laptoprücken. Auf den ersten Blick ersetzen die Computer bloß Stift und Papier. Doch tippen alle Studenten tatsächlich fleißig mit? Wohl kaum. Für viele sind die digitalen Geräte nicht Arbeitsmittel, sondern Freizeitspaß in der Vorlesung. Als könnte man beides gleichzeitig haben: Lernen und Entspannen, Konzentration und Abschalten. Der Vortrag der Dozenten steht in Konkurrenz zu Buzzfeed, Facebook und WhatsApp. Wer die Studenten nicht unterhält, muss damit rechnen, dass sie ins Internet abwandern.

Ein Affront der Studenten? Sollte die Technik lieber daheim auf dem Schreibtisch bleiben?

"Für Dozenten ist der Blick auf die Rückseite Hunderter Laptops monströs", sagt Jura-Professor Thomas Hoeren, zurzeit Gastprofessor in Steinfurt. "Ich fühle mich wie bei Star Trek und wirklich sehr einsam." Seine Beobachtung: Die Gesichter der Studenten verschwinden hinter immer größer werdenden Bildschirmen – bis man sie irgendwann gar nicht mehr sieht. Erhascht er doch mal einen Blick auf seine Zuhörer, verrät ihm die nonverbale Kommunikation nicht mehr, wie seine Vorlesung ankommt. "Lächelt jemand, hat das meist nichts mehr mit dem Vortrag zu tun, sondern mit dem jüngsten Facebook-Eintrag des Studis."

Romy Fröhlich gehört zu den Professoren, die sich mit der Lage arrangiert haben. Sie ist Professorin für Kommunikationswissenschaft an der Universität München und sagt: "Wir haben früher in der Vorlesung immer gestrickt. Das war viel eher ein Affront." 40 Prozent ihrer Studenten seien während ihrer Vorlesungen online, schätzt Fröhlich. Die Professorin lässt ihre Zuhörer unbehelligt – und glaubt an das Gute im Studenten. "Die Studierenden hängen zwar nicht an den Lippen des Dozenten. Aber ich kann mir zumindest vorstellen, dass sie im Netz sind und irgendetwas zum Thema der Vorlesung googlen."

WLAN für Hörsäle ausschalten, fordert ein entnervter Professor

In die Displays blicken kann sie schließlich nicht von ihrem Posten am Pult aus. Wer in den Stuhlreihen sitzt und von hinten auf die vorderen Reihen sieht, kann manch interessantes Detail über seine Kommilitonen erfahren: Wo ist Freitag Ladies Night? Wer versucht sein Glück lieber im Online-Dating?       

Jurist Hoeren gehört zu denen, die gegen den Siegeszug digitaler Technik in den Hörsälen kämpfen wollen. "Wenn es zu arg wird, mache ich dumme Witze. Hilft aber wenig", klagt Hoeren. Er ringt zurzeit mit der EDV-Abteilung der Universität darum, das Web im Hörsaal ausschalten zu lassen, um seine Studenten zurückzubekommen. Die könnten sich kaum noch auf längere Vorträge konzentrieren, ohne zu chatten und sich auf Facebook einzuloggen.