Sie vergreifen sich am Obst in der Küche, stürzen sich auf die Marmelade oder benutzen heimlich das Badezimmer. Sie trappeln rücksichtslos über den Holzboden der WG-Flure, machen keinen Halt vor privaten Räumen. Sie machen Dreck, passen nicht auf die Möbel auf und zahlen keine Miete. Sie, das sind Schädlinge – und damit denkbar schlechte Mitbewohner.

Spinnen, Käfer, Motten, keiner will darüber reden. Dabei kreuchen und fleuchen sie durch zahlreiche Wohnungen. Der Kammerjäger aber ist für die meisten Studenten keine Option: Die Nachbarn gucken, irgendjemand legt sprühend und schlagend die Wohnung auseinander und verlangt hinterher noch einen Batzen Geld dafür.

Wozu auch jemanden beauftragen, wenn die Antwort doch nur 130.000 Google-Ergebnisse entfernt liegt! Die Suchmaschine spuckt ein Sammelsurium an Ratgeber-Seiten wie frag-mutti.de, gutefrage.net, zuhause.de oder med1.de aus. Dort verschwören sich in Foren selbsternannte Haus- und Gartenexperten gegen die Eindringlinge.  

Spinnen können noch so nützlich sein, Phobiker kriegen absolute Panik, wenn sie sich neben ihnen abseilen.

Hass-Objekt Nummer eins: Spinnen. Friedliebende schwören auf den "Spider-Catcher". Der sieht aus wie eine Mischung aus Pistole, Gartenschlauch und Pinsel und bewahrt den Jäger davor, dem Spinnenvieh zu nahe zu kommen. Ein User, der nach eigener Angabe selbst Angst vor Spinnen hat, empfiehlt auf chefkoch.de Vogelspinnen als praktische Maßnahmen gegen normale Spinnen. Auf diesen Tipp hat wohl jeder Spinnenphobiker sein Leben lang gewartet.

Sabine Prozell ist Biologin und nimmt während der Biologischen Beratung in Berlin panische Anrufe zu Lästlingen und Schädlingen entgegen. Sie erklärt, welche Tipps aus dem Internet funktionieren und welche Unsinn sind.

Tipp aus dem Internet: "Gegen die großen, dicken, ekligen Spinnen helfen die süßen, kleinen, niedlichen Zitterspinnen – da wo die sind, mögen die bösen nicht sein. Also fleißig die Zitterspinnenpopulation am Leben erhalten, somit hat man zumindest das kleinere Übel gewählt." 

Sabine Prozell: "Das ist natürlich Quatsch. Mehrere Spinnen in einem Raum bekämpfen sich, aber ob jetzt die niedliche Lieblingsspinne gewinnt oder die große, fette, kann man nicht beeinflussen."

"Spinnen darf man auf keinen Fall mit dem Staubsauer einsaugen. Die krabbeln wieder heraus!"

Prozell: "Das stimmt sogar. Es kommt auf den Staubsauger an, aber ohne Rückschlagklappe können Spinnen wieder raus. Je nachdem, wie voll der Staubsauger schon ist, ist das etwa wie Trampolin springen, sie federn einfach zurück. Problematischer ist das mit Kleidermotten. Die finden alles, was sie brauchen, in diesen Beuteln. Viele Leute wissen gar nicht, dass sie eine richtige Insekten-Zuchtstation im Staubsauger aufgebaut haben. Da ist es schön warm, dunkel und ruhig. Also entweder gleich rausbringen oder einmal komplett durchfrieren."

Was ist das?
Die Webspinnen (Araneae) sind die Spinnen, die wir alle kennen. Während Insekten immer sechs Beine haben, haben Spinnen acht. Viele spinnen Netze, um kleinere Insekten zu fangen, andere überfallen ihre Beute im Lauf oder Sprung. Spinnenseide ist zwanzigmal dünner als menschliches Haar, aber reißfester als Stahl.

Was macht das?
Spinnen sitzen am liebsten versteckt hinter Schränken, warten und fressen Fliegen, Stechmücken und andere Biester. Trotzdem wollen Spinnenphobiker niemals das Zimmer mit ihnen teilen. Die Panik vor Spinnen existiert vor allem in den Teilen der Erde, in denen es keine gefährlichen Arten gibt.

Wie geht das wieder weg?
Ein Fliegengitter in den Fenstern hält sie ab und gewissenhaftes Fegen in allen Ecken und hinter den Möbeln vertreibt sie. Sind ihre mühevoll gewebten Netze immer wieder verschwunden, ziehen Spinnen genervt ab.

Sie wissen nicht, was in Ihren vier Wänden kreucht und fragen sich, wie Sie es wieder los werden? Dann wenden Sie sich gern mit Bildern und Fragen an leser-studium@zeit.de. Alle Folgen finden Sie auf www.zeit.de/unigeziefer