Quizfrage: Wer ist faul, eingebildet, ein Schmarotzer und mit der Miete überfordert? Richtig! Der gemeine Student, zu finden an allen Hochschulen des Landes – wenn er gerade nicht am Badesee oder in der Eckkneipe weilt. So geht seit Jahrzehnten die gängige Mär vom entspannten Studentenleben.

Woher die Vorurteile kommen, ist offensichtlich: Studenten haben keinen 9-to-5-Job, keine feste Wochenarbeitszeit und keinen Chef, der sie kontrolliert. Mal gehen sie erst um zwölf zur Vorlesung, mal sind sie um 14 Uhr schon wieder zu Hause. Und dann noch monatelang im Jahr Semesterferien – von außen betrachtet sieht das ziemlich entspannt aus. Zugegeben: Manchmal, gerade zu Beginn des Semesters, ist es das auch. Und ja: Vier Monate Ferien sind unfassbar viel und großartig!

Aber etwas fehlt in diesem Bild: Die Prüfungsphasen mit durchgepaukten Nächten. Die Hausarbeiten und Praktika, die die Semesterferien füllen. Die Nebenjobs, die das Bier in der Kneipe erst ermöglichen. Die Lektürestunden, die auf keinem Stundenzettel auftauchen und die auch mal spätnachts abgearbeitet werden. Nicht jeder Student, der mit Laptop auf dem Bett liegt, zieht sich gerade die neueste US-Serie am Stück rein. Und es macht wirklich keinen Spaß, seine Eltern um Bürgschaft und Schufa-Bescheinigung zu bitten, nur um als Student irgendwo wohnen zu dürfen. 

Vorurteile hat jeder, zugeben will das lieber keiner. Gut, dass es Google gibt. Schnell das Klischee ins Suchfenster getippt, schon liefert die Suchmaschine völlig wertfrei Ergebnisse: Teilen andere Leute meine Einschätzung? Oft lockt Genugtuung: 442.000 Ergebnisse für "Studenten sind faul"? Dann muss da wohl etwas dahinterstecken.

Will man wissen, was Deutschland über seine Studenten denkt, lohnt deshalb ein Blick auf Google Suggest. Das Tool liefert automatisch Vorschläge zur Vervollständigung der Suchanfrage, sobald man einige Buchstaben eingetippt hat. So wird für "Ber" "Berlin" vorgeschlagen, für "Berlin" "Berlin Tag und Nacht" und für "Berlin ist" "Berlin ist out". Zwar macht Google keine Angaben dazu, wie der Algorithmus hinter Suggest im Detail funktioniert. Die Beliebtheit der einzelnen Anfragen spielt aber eine wichtige Rolle.

Und tatsächlich bestätigt Suggest alle Vorurteile über die Vorurteile: Googles Vorschläge für die Eingabe "Studenten sind":  

  • dumm
  • faul
  • was besseres
  • doof
  • eingebildet
  • Schmarotzer
  • Schweine
  • arm
  • mit der Miete überfordert.

Nur wenn es um die politische Ausrichtung geht, sind sich die Vorurteils-Googler uneins: Warum nur sind alle Studenten links, fragen sich die einen. Warum heute so konservativ, die anderen. Manchen scheint die Spezies Student dagegen völlig fremd zu sein: Warum sind Studenten so komisch? Warum so anders, fragen Google-User. Und was machen die eigentlich den ganzen Tag?

In englischsprachigen Ländern haben Studenten anscheinend einen besseren Status. Dort taucht das Sätzchen "Students are the future" in den Vorschlägen auf.

Welche Sprüche können Sie nicht mehr hören? Mit welchen Vorurteilen werden oder wurden Sie als Student konfrontiert? Wie reagieren Sie darauf? Schicken Sie uns Ihre kuriosen Anekdoten oder Leidensgeschichten als Mail an leser-studium@zeit.de oder posten Sie einen Kommentar unter den Artikel oder auf Facebook. Die besten Einsendungen werden in der nächsten Woche veröffentlicht.