Studenten sind zu arm, um billig zu kaufen. Denn teure Lieblingsteile trägt man öfter und der günstige Aufstrich macht nicht immer satt. Experten verraten ihre Spartipps.

Kino, Spülmittel, Krankenkasse, alles kostet Geld. Ungefähr 864 Euro hat der deutsche Durchschnittsstudent im Monat zur Verfügung. Davon geht der größte Teil für die Miete drauf, gefolgt von Essen und Fahrtkosten. Durchschnittlich bleiben etwas mehr als 300 Euro für Bücher, Clubbesuche, Handyrechnungen und Klamotten. Wir haben bei Experten nachgefragt, wo Studenten sparen können und wann der Geldbeutel keine Rolle spielen sollte.

Essen: "Von Billigprodukten braucht man mehr, um satt zu werden"

"Studenten müssen sparen. Dabei übersehen sie oft, dass ein billiges Preisschild nicht bedeutet, dass das Lebensmittel billig ist. Wenn ein Aufstrich nur Bindemittel und Chemikalien enthält, ist der eigentliche Inhalt, also zum Beispiel Tomaten, im Verhältnis sehr teuer. Man zahlt sozusagen für eine winzige Menge an natürlichen Nährstoffen vergleichsweise viel. Satt macht das nicht. Ein weißes Brötchen ist billig, klar. Dagegen sind Nüsse teuer. Aber Nüsse haben das sechsfache an Vitalstoffen, sie sind Brainfood, während wir nach einem Brötchen bald wieder Hunger haben. Das Loben und Preisen etlicher Extra-Vitamine auf der Verpackung ist meistens nur heiße Luft. Das einzige Extra ist der Preis! Die einfachste Regel ist: regional und saisonal essen, das schont auch den Geldbeutel. Studenten können nicht immer Bio kaufen, aber zumindest bei fetthaltigen tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Eiern und Milchprodukten ist es einfach viel gesünder. Und wenn es mal Fast Food sein soll, dann ab in die Döner-Bude. Klar, das Fleisch sollte ordentlich sein. Mit Brot und Salat hält Döner lange satt und ist nicht teuer."  

Petra Forster, Ernährungsberaterin in Stuttgart

Freizeit: "Die meisten Fitness-Gadgets braucht kein Mensch"

Den Mitgliedsbeitrag fürs Fitness-Studio kann man sich schenken. Draußen Sport zu treiben ist viel gesünder. An der frischen Luft schüttet unser Körper Glückshormone aus und wir werden auch noch mit Vitamin D versorgt, das wir nur über das Tageslicht aufnehmen. Fürs Laufen braucht man auch kein extra Training, zumindest für den Anfang. Wer Schmerzen hat, sollte einen Fachmann fragen, da stimmt dann etwas mit der Lauftechnik nicht. Auch Krafttraining funktioniert draußen. Am besten sind Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, also Liegestützen oder Kniebeugen. Wer sich unsicher ist, kann bei einem Trainer nachfragen. Dann passiert auch der Wirbelsäule nichts. Bei der Ausrüstung würde ich nicht sparen, denn sie muss unbedingt wetterdicht und gelenkschonend sein. Schuhe für 300 Euro braucht aber kein Mensch, genauso wenig wie Eiweißshakes nach dem Training. Ein Stück Fleisch und viel Gemüse, oder auch Tofu und Nüsse, geben dem Körper genau das, was er nach einem anstrengenden Training braucht. Die meisten Gadgets sind auch Quatsch. Ein Kilometerzähler ist sinnvoll, aber dafür gibt es kostenlose Apps.

Felipe Rojas, Fitness-Coach bei Outdoor Gym in Bonn

Miete: "Wohnungen mit Aufzug sind immer teurer."

"Auch wenn es nervt: Wer sich gut informiert, spart eine Menge Geld. Andere Mieter im Haus wissen zum Beispiel, ob die Hausverwaltung sich um Reparaturen kümmert. Ein Blick auf den Mietspiegel der Stadt zeigt, ob die Kosten für die Wohnung im Rahmen liegen oder nicht. Wohnungen mit Aufzug im Haus sind immer teurer. Warmwasser aus dem Durchlauferhitzer kommt viel günstiger als aus einem Heißwasserspeicher. Vor dem Einzug sollte außerdem klar sein, ob Kabelgebühren, für den Fernseher zum Beispiel, im Strompreis inbegriffen sind.

Sylvia Houschka, Immobilienmaklerin in Brandenburg


"Lieblingsteile sind unterm Strich günstiger"

Kleidung: "Ich kaufe nach der Mode-Mathematik: Lieblingsteile sind unterm Strich günstiger."

"Die Ausgaben für Klamotten sind höher, als die meisten Studenten denken. Ich empfehle jedem, zumindest ein oder zwei Jahre lang alle Belege zu sammeln und am Ende des Jahres noch mal alles durchzugehen und sich zu fragen: "Wie viele Lieblingsteile waren dabei?" Ich nenne das Mode-Mathematik. Also: Nicht der Kaufpreis entscheidet, sondern die Euros pro Tragen. Wenn ich ein Paar Schuhe für 80 Euro kaufe und dann 80 mal anziehe, kostet einmal Tragen einen Euro. Ein extravagantes Shirt für 20 Euro, das man dann einmal anzieht, kommt auf eine viel schlechtere Bilanz. Spaßklamotten können aus dem Wühltisch kommen, bei Schuhen und Wintermänteln mache ich keine Kompromisse. Die müssen in erster Linie warm halten und bequem sein. Marken sind nicht unbedingt hochwertiger, auf jeden Fall aber teurer als No-Name-Kleidung. Also: möglichst wenig Einzelteile kaufen, auch gerne mal Second Hand und auf jeden Fall immer die Verarbeitung überprüfen. Qualität ist total wichtig, hochwertige Kleidung lässt sich auch problemlos reparieren."

Ines Meyrose, Image-Beraterin in Hamburg

Sonstiges: "Studenten können bei Büchern, Fahrttickets und der Krankenkasse sparen"

"Fahrtkosten innerhalb der Stadt sind meistens im Studententicket enthalten. Das hängt von der Stadt und vom Bundesland ab. Für die Fahrt in andere Städte sind Mitfahrgelegenheiten und Fernbusse eine günstige Alternative zur Bahn. Auch Handyanbieter werben mit Rabatten für Studenten. In Deutschland gilt die Buchpreisbindung, Studentenrabatte wären hier illegal. Aber man muss ja auch nicht alle Bücher neu kaufen: Die Literatur für Hausarbeiten kann man sich in der Bibliothek ausleihen. In der Uni, im Netz und bei Bekannten aus höheren Semestern findet sich auch oft das ein oder andere gebrauchte Buch zum Schnäppchenpreis. Außerdem empfehle ich jedem, sich bei Stiftungen um Stipendium zu bewerben. Die nehmen nicht nur Elitestudenten und zahlen unabhängig vom Bafög-Satz ein Büchergeld.

Im Normalfall sind Studenten über die Eltern krankenversichert, bis sie 25 Jahre alt sind. Das gilt zumindest bei gesetzlichen Kassen. Die einzige Bedingung: Der Student darf nicht mehr als 400 Euro im Monat dazuverdienen. Aufpassen sollte man allerdings bei privaten Krankenkassen! Wer über die Eltern versichert bleiben möchte, muss sich hier von der gesetzlichen Versicherungspflicht befreien lassen. Das heißt, wer einmal raus ist, kann bis zum Ende seines Studiums – also eventuell bis zur Doktorarbeit – in keine gesetzliche Krankenkasse eintreten. Das kann dann richtig teuer werden!"

Beate Wargalla, Soziale und Psychologische Beraterin am Studentenwerk Essen-Duisburg