Die Weltmeere sind eine Müllhalde. Fischernetze schwimmen neben Flaschen und Verpackungen. Schätzungen gehen von Hunderten Millionen Tonnen aus.      

Für Menschen ist dieser Müll meist erst sichtbar, wenn er an den Strand gespült wird. Doch auf hoher See sammelt er sich in spiralförmigen Wirbeln, die gigantische Ausmaße annehmen. Der Abfallstrudel im Nordpazifik, der Great Pacific Garbage Patch, ist viermal so groß wie Deutschland. Mehr als eine Million Seevögel und 100.000 Säugetiere fallen der Meeresverschmutzung jedes Jahr zum Opfer. Wale stranden mit kiloweise Plastikmüll im Magen, von verendeten Seevögeln bleiben oft nur ein Schnabel, ein paar Federn und viel Plastikmüll übrig. 

Ideen, wie sich die Verschmutzung der Meere in den Griff bekommen lässt, gibt es viele.Doch eine echte Lösung für das Müllproblem scheint bisher niemand entdeckt zu haben. Der Niederländer Boyan Slat, ein 20-jähriger Student mit Surferfrisur und Sendungsbewusstsein, glaubt, sie gefunden zu haben. Ocean Clean Up heißt sein Konzept. Die Idee: Das Meer soll sich selbst aufräumen.  

Anstatt den Müll von Schiffen aus einzusammeln, will Slat riesige Fangarme auf der Wasseroberfläche auslegen, schlauchförmig sollen sie aussehen, bis zu 50 Kilometer lang. An ihnen soll der Abfall auf seiner Bahn durchs Meer hängenbleiben. Von dort, so die Theorie, treiben ihn der Wind und die natürliche Meeresströmung auf eine Auffang-Plattform zu, die am Ende des Trichters wartet. Delfine, Wale und andere Meeresbewohner könnten dagegen problemlos unter den Barrieren hindurchschwimmen.        

Dieses 40 Meter lange Modell wird zu Testzwecken verwendet. © The Ocean Cleanup

Slat hat für seine Idee schon Preise, viel Lob und noch mehr Aufmerksamkeit bekommen. Jetzt könnte sie Realität werden. Die zwei Millionen Dollar, die er für den Bau eines Prototypen benötigt, hat er jetzt zusammen, eingesammelt per Crowdfunding. Mehr als 37.000 Menschen haben sein Projekt bislang finanziell unterstützt. Bereits im Juni hatten Slat und sein Team eine Machbarkeitsstudie vorgelegt.

Im Internet hat es Slat, der sein Luft- und Raumfahrtstudium im Moment unterbrochen hat, zu einer gewissen Berühmtheit geschafft. Seine Auftritte sind sorgfältig inszeniert. Viel Pathos, flotte Sprüche, große Versprechen. Innerhalb von zehn Jahren könne er die Hälfte des Plastiks aus dem Great Pacific Garbage Patch herausfiltern. Über den Verkauf des Plastiks trage sich die Anlage am Ende sogar selbst. "Warum können wir das nicht einfach sauber machen?", rief er seinen Zuhörern auf einer TEDx-Veranstaltung 2012 zu. Seine Antwort: Wir können. Bei Youtube hat das Video mehr als 1,6 Millionen Klicks.