Anwärter schwammen in einem Pool aus Essensresten, Urin und Kotze. Sie wurden gezwungen, Omeletts aus Erbrochenem zu essen. Nach der Aufnahme füllten sie Mädchen ab, um mit ihnen zu schlafen und anschließend ihren Verbindungsbrüdern herablassend davon zu erzählen.

So erzählt es Andrew Lohse in seinem Buch Confessions of an Ivy League Frat Boy, das seine Zeit in einer Studentenverbindung in Dartmouth seziert. Er schreibt nicht nur über ekelerregende und gefährliche Rituale, sondern auch über K.-o.-Tropfen und Missbrauch. Seine Beispiele sind extrem, manche werfen ihm vor, zu übertreiben. Doch dass die Uni ein Problem hat, bezweifeln die wenigsten.

"Schafft die Verbindungen ab", fordert die Campuszeitung The Dartmouth vor einem Monat auf ihrer Titelseite. Ein Auszug: "Das Verbindungsleben ist nicht die Wurzel der Probleme einer Uni. Aber das System verstärkt das schlimmste Verhalten von Studenten. Es unterstützt Komatrinken und sexuellen Missbrauch. Es sichert ungleiche Machtstrukturen und institutionalisiert willkürliche Exklusivität. Es trennt die Studenten: Erstsemester von Älteren, Männer von Frauen."

In Dartmouth ist die Tradition der Verbindungen besonders groß. Ungefähr zwei Drittel der Studenten sollen zu den Mitgliedern zählen. Doch die Schlagzeilen aus diesem Jahr betreffen Verbindungen in den ganzen USA.   

  • In der vergangenen Woche starb ein Erstsemester in einem Verbindungshaus der West Virginia University, die Polizei konnte noch keine genauen Angaben zur Todesursache machen.
  • Anfang des Monats hat eine 16-Jährige zwei Männer angezeigt, die sie während einer Verbindungsparty an der Johns Hopkins University vergewaltigt haben sollen.
  • Im September nahm die Polizei Ermittlungen gegen eine Verbindung in Wisconsin auf, nachdem mehrere Studentinnen vergiftet und mit Erinnerungslücken ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Der Verdacht: Ihnen wurden K.-o.-Tropfen in die Drinks gemixt. Alle Gäste hatten einen schwarzen oder roten X-Stempel auf ihrer Hand. Die Polizei vermutet, dass potenzielle Opfer so markiert wurden.
  • Im September wird das Chapter der Phi Delta Theta aus Lubbock, Texas, von der nationalen Verbindung ausgeschlossen, nachdem Bilder eines Plakats kursieren, auf dem steht: "No means yes. Yes means anal." 
  • Anfang September fällt eine Studentin auf einer Verbindungsparty am MIT aus dem Fenster.
  • Im Februar wird bekannt, dass ein Student am Baruch College nach einem Aufnahmeritual an Kopfverletzungen gestorben ist. 30 Verbindungsstudenten sollen ihn attackiert haben, während er mit einer Augenbinde und einem 20 Pfund schweren sandgefüllten Sack seinen Weg finden sollte. Nachdem er das Bewusstsein verloren hatte, sollen sie ihn ins Haus gebracht und die Kleidung gewechselt haben. Erst nach einer Internetrecherche zum Stichwort Kopfverletzungen und einer Stunde Wartezeit sollen sie ihn ins Krankenhaus gefahren haben. Die Polizei stufte die Tat als Tötungsdelikt ein.

Nach diesen Vorfällen haben die erwähnten Unis die betroffenen Verbindungen in den meisten Fällen verboten. Die West Virginia University verbannte nach dem aktuellen Todesfall gleich alle Studentenverbindungen bis auf Weiteres. Das MIT hat Partys mit mehr als 49 Personen untersagt. 

Bedeutet das das Ende einer jahrhundertelangen Tradition?