In der Gemeinschaftsküche des Studentenwohnheims der London School of Economics (LSE) herrscht dicke Luft. "Verdammte Asiaten", sagt einer der fünf Bewohner, er meint es halb im Scherz. "Die Chinesen bei uns im Wohnheim kanzeln sich völlig ab – wenn überhaupt sieht man sie nur in der Küche." Der Deutsche bekommt Rückendeckung von seiner litauischen Mitbewohnerin. "Die wollen den Kontakt auch gar nicht. Uns ist das aber auch egal, die meisten können eh kaum Englisch", sagt sie trotzig. Auch Dozenten sprechen über ihren Frust. "Bei den meisten meiner chinesischen Studenten habe ich nicht das Gefühl, dass sie an einem intellektuellen Austausch interessiert sind", sagt ein UCL-Dozent der Anthropologie. "Sie beteiligen sich selten an den Kursen, sind nur schwer in Gang zu bringen – es macht nicht sehr viel Spaß, mit ihnen zu arbeiten."        

Eigentlich gelten die britischen Unis als weltoffen, sie sind extrem international ausgelegt. Wie kann es da sein, dass sich eine bestimmte ethnische Gruppe an Studenten solchen Stereotypen ausgesetzt sieht?

Ein Grund ist die rasant steigende Zahl. Chinesische Studenten bilden an Großbritanniens Unis mittlerweile die mit Abstand größte Gruppe an Nicht-Briten. Vor 20 Jahren studierten in Großbritannien genau 2.368 chinesische Studenten. Im vergangenen akademischen Jahr waren 84.000 Chinesen eingeschrieben. Auf Platz zwei folgt abgeschlagen Indien mit 22.000 Studenten, aus Deutschland sind es 14.500. Im April dieses Jahres druckte die Daily Mail die Schagzeile "There are now almost as many Chinese students on postgraduate courses at English universities as British students". Fast genauso viele Chinesen (23 Prozent des aktuellen Jahrgangs) wie Engländer (26 Prozent) absolvieren im laufenden Jahr Master-Kurse an englischen Unis. 

Was zählt, ist das Diplom an der Wand

Viele Neuankömmlinge aus China haben tatsächlich große Probleme mit der Integration in Großbritannien. Und weil sie einen guten Teil der Studentenschaft ausmachen, rücken diese Probleme im Studienalltag immer mehr in den Vordergrund. 

Zum einen sprechen viele Studenten kein gutes Englisch. An den meisten britischen Unis reicht als Sprachnachweis ein Zertifikat eines offiziell anerkannten Sprachkursanbieters wie TOEFL oder IELTS, als Maßstab der tatsächlichen sprachlichen Kompetenz sind die aber alles andere als zuverlässig.