Die Uni Konstanz sorgt in diesen Tagen für Aufruhr. Vertrauen Lehrende ihren Studenten nicht mehr? Fünf Vorschläge unserer Leser, das angeschlagene Verhältnis zu kitten

Vor einigen Tagen wetterte ein Konstanzer Professor gegen seine Studenten. ZEIT ONLINE kommentierte und fragte seine Leser, was Dozenten und ihre Studenten tun können, um wieder ein besseres Verhältnis zueinander zu finden. Professor Rüdiger Bachmann schlug bereits Gespräche im Biergarten vor. Hier die Antworten von Studenten:

Gegenseitige Wertschätzung

Als Studentin hatte ich einen Professor, der uns zu Beginn des Semesters gleich mal verkündete, dass er absolut nicht gerne unterrichte. Das hat man ihm und seiner Lehre angemerkt. Für uns Studierende war es nicht sonderlich motivierend. 
Als ich dann selber als wissenschaftliche Mitarbeiterin vor der Herausforderung stand, meine Studis von arbeitssoziologischen Themen zu begeistern, fiel mir seine Aussage wieder ein. Und in diesem Moment begriff ich ihn: Eigentlich geht es doch um die gegenseitige Wertschätzung. Voneinander lernen zu wollen, sich gegenseitig verstehen zu wollen, gemeinsam Ideen zu entwickeln und Gedankengänge nachzuvollziehen, das hat mir in der Lehre immer Spaß gemacht. Und einigen meiner Studis auch, die mir das auf unterschiedlichste Art und Weise mitteilten. Ich habe das Gefühl, dass allein der Professorenstatus die Lehrenden verändert. Über gegenseitige Wertschätzung machen sich wohl die wenigsten Gedanken.

Melanie Hyll

Vertrauen schaffen

Liebe Professoren, wir müssen reden. Ich weiß, es ist nicht immer leicht mit uns Studierenden. Aber immer nur mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, bringt ja auch nichts – deswegen möchte ich Ihnen eine Hand reichen: Vertrauen Sie uns einfach. Das Versprechen der Universität ist: Hier behandeln wir dich auf Augenhöhe. Meine Professorin mag mehr gelesen und geforscht haben als ich, aber sie kommt im Seminar auf mich zu und fragt: Was halten Sie davon? Sie geben uns die Möglichkeit, zu wachsen, uns selbstständig weiterzuentwickeln – aber dann müssen Sie uns auch die Freiheit lassen, das zu tun.

Sie, liebe Professoren, haben es weit gebracht. Sie haben hart gearbeitet, Sie forschen an Dingen, die sie faszinieren und drehen das große Rad der Wissenschaft. Da mögen unsere Probleme mit der Deadline der Hausarbeit manchmal klein und billig erscheinen. Aber Sie haben es geschafft. Sie wissen, dass Sie morgen genau da sitzen werden, wo Sie gestern saßen – Sie kennen die Angst nicht, keinen Masterplatz zu bekommen. Sie haben Ihr Leben auf die Reihe gekriegt, und wir werden das auch schaffen, ganz bestimmt. Aber, liebe Professoren, Sie müssen uns vertrauen, dass wir das hinkriegen. Sonst verlieren wir uns unterwegs. Und das wäre wirklich schade.

Hannes Schrader, Student der Geschichte und VWL an der Humboldt-Uni in Berlin. Seinen ganzen Kommentar gibt es bei der UnAufgefordert, der Studierendenzeitung der HU.

Respekt für eigene Meinungen

Ich glaube, es ist wichtig, dass Studierende und ProfessorInnen sich gegenseitig respektieren und anerkennen, dass sie auch voneinander lernen können. Auch eine Professorin hat nach ihrer Habilitation nicht alles Wissen der Welt in sich vereinigt, ein Student im dritten Semester sowieso nicht. Und so konnten Dozierende mich während meiner Unilaufbahn auch motivieren und für Forschungsfragen interessieren – indem ich als wissenschaftlich interessierter Mensch wahrgenommen wurde und auch eigene Meinungen zählten.

Stefan Christoph macht gerade seinen Master

Zeit für eigene Interessen lassen

Was Professoren/innen und Studenten das gemeinsame Verständnis so schwer macht, ist mit Sicherheit die Art des Selbstverständnisses, das man von sich selbst und der eigenen Generation hat. Vielen Professor/innen ist unklar, wie Studenten mit multimedialem "Schnick-Schnack" und dem Studium gleichzeitig klarkommen. Sie hätten ja damals nie Zeit gehabt, sich von neuen Posts und sich anhäufenden virtuellen Konversationen ablenken zu lassen und gleichsam das eigene Studium im Blick zu behalten.

Doch in einer Wissensgesellschaft, die erfordert, immer up-to-date zu sein, ist es unmöglich, sich ausschließlich auf das Studium zu fokussieren, ohne die Nachrichten der Welt zu aktualisieren. Für mich müssen diese Dinge mit dem Studium einhergehen! Es schockte mich erst kürzlich, als ein Kommilitone gestehen musste, von den revolutionären Kräften des Maidans und dem ukrainischen Krieg im Osten der Ukraine nichts mitbekommen zu haben. Wer hätte ihm denn Bescheid gesagt, wenn der Dritte Weltkrieg begonnen hätte?

Ich denke, was Studenten brauchen, ist die Freiheit, das Lernen mit den eigenen Interessen parallel laufen zu lassen. Damals traten Studenten beim Einschreiben gleichzeitig in einen Verein ein, heute kann man nur (selten) davon schwärmen, Sport außerhalb des Hochschulsports zu betreiben.

Alexander Beck studiert an der Universität Potsdam.