Sie könnte Terroristin sein, und er hat das Stipendium doch nur, weil er Migrant ist: So denken manche an deutschen Unis. Zwei Studenten erzählen von #campusrassismus.

#Schauhin. Unter diesem Hashtag twitterten vor zwei Jahren Zehntausende ihre Erlebnisse zu Alltagsrassismus.

Zwei Jahre später heißt der Hashtag #campusrassismus, initiiert von der Hochschulgruppe People of Colour der Uni Mainz. Sie wurden inspiriert von #schauhin und den darauf folgenden Gesprächen, online wie offline.

Die einzelnen Geschichten, die Studenten an deutschen Unis erlebten, seien plötzlich nicht mehr "Fehlinterpretationen" oder "subjektive Empfindlichkeiten" gewesen. Zusammen sollen sie diskriminierende Strukturen zeigen und die Studenten untereinander vernetzen. Hunderte haben ihre Geschichten erzählt.

Es geht um rassistische Aussagen,

aber auch um Lehrbücher …

… und die große Mehrheit der weißen Professoren:

Wir haben die Erfahrungen von zwei Studenten einmal in etwas mehr als 140 Zeichen aufgeschrieben:

"Du Schlampe, ich weiß, wo du studierst"

Amina Yousaf, 25 Jahre, studiert Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt Interdisziplinäre Indienstudien an der Uni Göttingen:

Seit Samstag habe ich schon 100 Menschen blockiert, die mich angetwittert haben, nachdem ich meine Erfahrungen geteilt hatte. Erst habe ich noch den Dialog gesucht, aber dann waren Leute dabei, die schrieben Sachen wie: "Du Schlampe, ich weiß, wo du studierst, pass' besser auf."

Ich dachte immer, dass an der Hochschule gerade die Studis reflektieren, was Rassismus bedeutet. Aber ausgerechnet während meiner Arbeit im Studierendenparlament habe ich das anders erlebt. Unsere ehemalige Asta-Vorsitzende hatte einen muslimischen Nachnamen, über sie wurde in einem Verteiler geschrieben, sie solle sich ihre Pflicht in ihren islamischen Arsch schieben. Als sie das ansprach, wurde darüber in einer Sitzung gelacht.

Ich sei selber eine Rassistin

Und als der Asta einen Künstler einlud, den ich rassistisch fand, wurde mir gesagt, ich solle froh sein, in einem Land zu leben, in dem ich diskriminiert werden kann. Und wenn ich Meinungsfreiheit nicht akzeptieren könne, sei ich selber eine Rassistin. 

Seit Charlie Hebdo, seit Paris, wird wieder thematisiert: Wo kommst du her? Was ist deine Geschichte? Seitdem achte ich wieder stärker darauf, was ich sage und welche Kleidung ich trage. In der Schule hatte ich meist Hosen an, an der Uni hatte ich mich endlich in der traditionellen pakistanischen Kleidung wohlgefühlt: weite Hosen, langes Oberteil und ein Schal dazu. Ich hatte meine Freiheit. Jetzt frage ich mich: Wo bist du heute unterwegs? Ziehst du vielleicht doch lieber eine Hose an? Sonst kommt wieder das Stigma, ich wolle mich nicht integrieren.

Auch Sätze wie "Bei dir weiß man ja nie, ob du eine Terroristin bist" fallen seit Anfang des Jahres. Natürlich meinen die das nicht ernst, aber immer bin ich in der Position, mich rechtfertigen zu müssen.