Ingenieurwissenschaft Frau im Mond

Die Esa sucht vier Astronauten für den nächsten Flug ins All. Eine junge Ingenieurin aus Bayern schaffte es unter die letzten 40 von 8500 Bewerbern

Noch eine scharfe Rechtskurve, dann in den Sinkflug. In der Ferne taucht die Landebahn auf. Regina Egelhofer drückt den Steuerknüppel nach unten. Auf dem kleinen Monitor im Cockpit hat das Flugzeugsymbol fast München erreicht. Felder und Häuser rücken immer näher. Die Landebahn blinkt schon, als sich die Tür öffnet und eine Studentengruppe im Flugsimulator der TU München steht: "Können wir jetzt auch mal?"

Wenn sich Regina Egelhofers Traum erfüllt, wird sie keine Felder und Häuser vom Cockpit aus mehr sehen und nicht auf Landebahnen zusteuern. Ihr Ziel wird nicht München, sondern der Weltraum sein. Als die Europäische Raumfahrtagentur Esa im Mai 2008 eines der seltenen Auswahlverfahren startete, um innerhalb eines Jahres vier Astronauten zu suchen, füllte Egelhofer eine Bewerbung aus. Inzwischen ist sie dem Flug ins All ganz nah gekommen.

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Eine deutsche Frau im Weltraum gab es noch nie, bislang ist die "bemannte" Raumfahrt ihrem Namen gerecht geworden. Von den 8500 Bewerbern aus ganz Europa, die sich voriges Jahr bei der Esa meldeten, waren nur 16 Prozent Frauen. Eine von ihnen war Regina Egelhofer. "Wenn ich einmal im Leben diese Chance habe, dann muss ich sie nutzen", sagte sich die Ingenieurin. Es war das erste Mal seit 1992, dass die Esa unter Naturwissenschaftlern, Technikern und Medizinern neue Astronauten suchte: maximal 37 Jahre alt, Promotion und Russischkenntnisse erwünscht.

Den Pilotenschein hat sie schon

Die formalen Kriterien erfüllte die 30-Jährige, die Luft- und Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München studiert und vor Kurzem ihre Promotion abgeschlossen hat. "Aber am Anfang habe ich mir kaum Chancen ausgerechnet", sagt sie. Doch sie schaffte es durch die Vorauswahl und wurde mit rund 1000 anderen zu "psychotechnischen Tests" eingeladen, in denen räumliches Denken und technisches Verständnis geprüft wurden. Die Bewerber mussten zweistellige Zahlen im Kopf multiplizieren und sich geometrische Figuren einprägen. Die Aufgaben selbst seien gar nicht so schwierig gewesen, sagt Egelhofer: "Aber der Testtag war ein Marathon von 9 Uhr morgens bis 18 Uhr abends. Irgendwann wird man blöd. In der letzten halben Stunde stand ausgerechnet der Test zur Konzentrationsfähigkeit an."

Offenbar hatte die noch nicht allzu sehr nachgelassen: Egelhofer gehörte zu den 192 Besten und schaffte es in die zweite Runde im Herbst 2008. Die Esa testete, ob die Kandidaten eine ausgeglichene Persönlichkeit haben und den Beruf realistisch sehen. Psychologen führten ausführliche Gespräche mit den Bewerbern. Sind sie sich des hohen Risikos bewusst? Kommen die Familien damit zurecht? "Natürlich habe ich Angst", hat Egelhofer geantwortet. "Aber Angst ist etwas Gutes: Sie steigert die Aufmerksamkeit." Wer Gefahren ausblende, mache eher Fehler.

Regina Egelhofer bestand auch die psychologischen Tests. Vielleicht auch, weil sie viel Erfahrung mitbrachte. Sie hat neben dem Diplom den Pilotenschein gemacht und weiß bereits, wie sich Schwerelosigkeit anfühlt. 2002 nahm sie an der Student Parabolic Flight Campaign teil, einem Esa-Nachwuchsprogramm. Studenten entwerfen Experimente für die Schwerelosigkeit. Die besten werden während eines Parabelflugs getestet, bei dem die Maschine mehrmals hintereinander rasch zwischen Steig- und Sinkflug wechselt und so Schwerelosigkeit entstehen lässt.

Jetzt nicht nervös werden

Egelhofers Gruppe entwickelte einen Raumanzug, der Astronauten vor Muskelschwund schützen soll: "Ein Training mit Gewichten wäre ja in der Schwerelosigkeit sinnlos." Deshalb bauten sie Metallgelenke ein, die Widerstand erzeugen, wenn der Astronaut sich bewegt. 20 Parabelflüge machten die Studenten, um den Anzug zu testen. "Es war das Coolste, was ich je erlebt habe", schwärmt Egelhofer. Ein bisschen mulmig war ihr nur am Anfang, als sie im Steigflug mit fast doppelter Schwerkraft in ihren Sitz gedrückt wurde.

Leser-Kommentare
    • Rellem
    • 21.07.2009 um 10:30 Uhr

    Hallo
    Keine Panik, die Frauenquote wird es schon regeln.
    Gruss
    Rene

  1. Leider ist das alles nur Augenwischerei, will doch die NASA das Raumfährenprogramm einstellen und die Mondflüge a la 70'er Jahre durchführen. Hieran sieht man mal wieder wenn Bürokraten das Sagen haben.

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