AuslandsstudiumDie Freiheit nutzen

Es muss nicht gleich ein komplettes Studium sein. Eine Station im Ausland aber gehört in jeden Lebenslauf. Sechs Modelle und eine Anleitung

Rechtzeitig anfangen

Es gibt rege und träge Studenten – wenn es um ein Auslandsstudium geht, ist der Unterschied besonders auffällig. Einer repräsentativen Umfrage des Hochschul-Informations-Systems zufolge macht gerade einmal jeder Vierte Station im Ausland. Jeder dritte Befragte gab an, er habe gar keinen Auslandsaufenthalt geplant. Bei den meisten scheiterten die Pläne aus Mangel an Zeit, Geld und Unterstützung. Dabei gibt es heute eine Vielzahl an Programmen, um den Studenten ihren Weg über die Grenze zu erleichtern, und Personalberater sagen, dass längst auch kleine Firmen Auslandsstationen im Lebenslauf erwarten.

Diese Übersicht stellt die sechs wichtigsten Modelle für einen Auslandsaufenthalt vor und gibt Tipps, damit das Vorhaben leicht gelingt.

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Mal rauskommen: Auslandssemester

Erasmus ist das Zauberwort für Auslandssemester. Das Programm der Europäischen Union soll die Mobilität der Studenten fördern. Die meisten Fakultäten an deutschen Unis haben feste Verträge mit europäischen Partnerinstituten, in denen sie sich auf Kriterien für die Zusammenarbeit geeinigt haben. Erasmus-Studenten sind von Studiengebühren befreit, und die Seminare an der Gastuniversität lassen sich leichter in die Module zu Hause einpassen. Zudem erhalten die Studenten bis zu 200 Euro pro Monat als Stipendium – ohne dass das Bafög gekürzt wird. Bei Erasmus geht zudem die Bewerbung schneller über die Bühne als bei anderen Stipendienprogrammen. Sie ist in einem halben Jahr gut zu schaffen, wenn die Sprachkenntnisse ausreichen. Etwas mehr Zeit sollte einplanen, wer sein Auslandssemester auf eigene Faust organisiert.

Im Bachelorstudium ist der richtige Zeitpunkt für ein Auslandssemester das zweite Jahr. Im ersten müssen sich Studenten an der Hochschule zurechtfinden; im dritten steht die Abschlussarbeit an.

Zweigleisig fahren: Doppeldiplom

Viele Hochschulen bieten binationale, manchmal sogar trinationale Studiengänge an. Darunter sind nicht nur Sprach- und Kulturwissenschaften, sondern auch Studiengänge in Ingenieur-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften. Die Studenten absolvieren ihre Ausbildung teils an einer deutschen, teils an ausländischen Hochschulen und haben dann zum Beispiel ein deutsches und ein französisches Diplom. Das ist arbeitsintensiv, doch der Mehrfachabschluss entschädigt dafür.

Leserkommentare
  1. Diese Methode zielt darauf ab eine Sprache so zu lernen, wie wir es mit inserer Muttersprache machen: Wir hören erstmal zu und lassen uns alles zeigen und Versuchen dann nachzusprechen. Alles ohne Grammatik oder Vokabelpauken. Das man eine Sprache nicht kann sollte NIEMALS ein Hindernis sein ein anderes Land, eine andere Kultur zu erfahren. Ich habe die erfahrung gemacht, dass man beim Hilfesuchen im Falle von Verständigungsschwierigkeiten die tollsten Leute kennenlernt.

    • kc333
    • 30.06.2009 um 9:34 Uhr

    Unabhaengig vom persoenlichen Interesse, nach Moeglichkeit im Ausland zu studieren, muss man sich fragen, welche Qualitaet(en) durch einen Auslandsaufenthalt in den Augen eines Arbeitgebers angedeutet bzw. "nachgewiesen" werden.

    Erstens vielleicht die Selbstaendigkeit, die Flexibilitaet und der Mut, sich in einem fremden Umfeld zurechtfinden zu wollen. Zweitens Mobilitaet, Initiative und Interesse, gestalterisch seinen Bildungsweg in die Hand zu nehmen. Drittens die unmittelbaren und direkten Kenntnisse eines anderen Landes und einer anderen Kultur.

    Der dritte Punkt, die "Sprach- und Kulturkenntnisse", werden meiner Meinung nach oft ueberbewertet. Im Alltag einer "deutschen Firma" braucht man eben doch sehr oft Deutsch, und Englisch wird dann eben so "hingebogen" wie es geht. Englisch ist bei internationalen Firmen vielleicht noch ein bisschen wichtiger, aber auch da werden die meisten Leute nicht wegen ihrer Englischkenntnisse beschaeftigt bzw. nicht beschaeftigt. Falls jemand im nicht-englischsprachigen Ausland viel mit lokalen Kunden in Kontakt kommt, wird die Landessprache natuerlich wichtig, aber ueber welchen Anteil an Arbeitskraeften reden wir, 10%, 5% oder 1%?

    Als Fazit wuerde ich sagen, falls sich die ersten zwei von mir genannten Einschaetzungskriterien anders belegen lassen, sollte ein Auslands(nicht-)aufenthalt auch fuer sehr viele verantwortungsvolle Positionen kein Ausschlusskriterium sein. Falls eine Firma unbedingt und ohne sichtliche Notwendigkeit auf Auslandserfahrung besteht, ist sie vielleicht bornierter, als sie es sich selbst denkt.

    Die zweite Seite der Medaille ist auch: wenn man wirklich einmal die grosse Chance bekommt andere Kulturen aus der Naehe kennenzulernen, sieht man bald seine eigene in einem anderen Licht, genauso wie die Prediger der grenzenlosen Flexibilitaet und die Einforderer des 30-jaehrigen Doktors mit 10 Jahren Berufserfahrung. Man kann sich nur wuenschen, dass wir uns, in vielleicht typisch deutscher Manier, nicht immer selbst verrueckt machten und zu unseren Staerken und zu unseren, moeglicherweise auch sympathischen, Schwaechen mit geradem Ruecken einstaenden. Wir koennten den an unserer Kultur und unseren Werten Interessierten dann immer noch erklaeren, was es bedeutet, die Kirche im Dorf zu lassen.

    • maja.
    • 30.06.2009 um 11:55 Uhr

    Es ist interessant, was hier so beschrieben wird.
    Ich bin gerade ein Semester (um genau zu sein 5 Monate) in Italien und lebe mein Erasmus aus. Dabei ist es wahrlich nicht so, dass man alle Erasmus-Studenten über einen Kamm scheren darf. Es gibt die typischen Vorurteilsstudenten, die den ganzen Tag am Feiern sind und die Uni kaum von innen kennen, doch es gibt vermutlich mehr, die sich wirklich anstrengen und auch in einem fremden Land in einer meist fremden Sprache den Hürden stellen. Man bleibt auch nicht unter Erasmusstudenten. Sicher bilden sich Freundschaften innerhalb der Erasmus-Gruppe, aber gerade weil jeder was anderes studiert, lernt man andere Leute kennen. Und hier reden alle Italienisch. Ich habe meine Sprache deutlich verbessert. Das liegt allerdings mit Sicherheit nicht an dem Sprachkurs, der zwar ganz nett, aber doch sinnlos, war.
    Mein Studium in Deutschland verschiebt sich dadurch um 1 Jahr, da einige Kurse nur im Sommersemester angeboten werden und ich somit nicht alles schaffe, aber das war es mir wert. Ich wollte meinen Lebenslauf nicht aufpolieren. Es ging und geht mir um das Leben in einem anderen Land. Ich sehe Deutschland wirklich mit anderen Augen. Mir sind Sachen aufgefallen, die in Deutschland besser sind und welche, die hier besser laufen.
    Ich habe aus diesem Semester hier unglaublich viel gelernt und kann es jedem empfehlen, der neugierig auf Neues ist.

  2. "Schwierig ist nach wie vor die Anerkennung von Leistungen, die Studenten von der ausländischen Uni mitbringen. Obwohl die Credit Points eingeführt wurden, um Noten international vergleichbar zu machen, erkennen viele deutsche Hochschulen die im Ausland erworbenen Punkte nicht an."
    Was bringt einem denn ein Auslandssemester, wenn man dafür ein bis zwei Semester länger studieren muss, in welchem/n es dann kein Bafög und nur selten noch Stipendien gibt und man im schlechtesten Fall noch Studiengebühren zahlt?
    Ich persönlich finde ja: 3.000 Euro Studienkreditschulden + 50 % Bafög-Rückzahlung sind genug Schulden. Da versuch ich lieber meine Persönlichkeitsbildung auf nach dem Studium zu verschieben... auch wenn das im Studium in diesem Artikel alles sehr einfach klingt...

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    • maja.
    • 01.07.2009 um 9:17 Uhr

    ...meist halten sie sich für etwas besseres und sehen ihre Lehre als unerreichbar für andere an. Mit Sicherheit ist so ein Auslandssemester eine finanzielle Schwierigkeit. Das trifft gerade die Studenten, die diese 500 Euro Studiengebühren aufbringen müssen. Ich kann dir, -turtuga-, zustimmen. Die Verschuldung, die Studenten heute meist auf sich nehmen, ist enorm. Die ganze Hochschulpolitik müsste umgestellt werden, damit es für alle diese Chance gibt. Doch ich glaube, das würde den Rahmen hier sprengen.
    Der Autor des Artikels hat recht, wenn er sagt, dass Auslandserfahungen einen prägen. Doch diese Erfahrungen kann man auch in Deutschland machen - zumindest ähnlich. Dabei kommt es auf die Persönlichkeit des Einzelnen an. Wer neugierig ist, wird auch an deutschen Hochschulen seine Persönlichkeit bilden.

    • maja.
    • 01.07.2009 um 9:17 Uhr

    ...meist halten sie sich für etwas besseres und sehen ihre Lehre als unerreichbar für andere an. Mit Sicherheit ist so ein Auslandssemester eine finanzielle Schwierigkeit. Das trifft gerade die Studenten, die diese 500 Euro Studiengebühren aufbringen müssen. Ich kann dir, -turtuga-, zustimmen. Die Verschuldung, die Studenten heute meist auf sich nehmen, ist enorm. Die ganze Hochschulpolitik müsste umgestellt werden, damit es für alle diese Chance gibt. Doch ich glaube, das würde den Rahmen hier sprengen.
    Der Autor des Artikels hat recht, wenn er sagt, dass Auslandserfahungen einen prägen. Doch diese Erfahrungen kann man auch in Deutschland machen - zumindest ähnlich. Dabei kommt es auf die Persönlichkeit des Einzelnen an. Wer neugierig ist, wird auch an deutschen Hochschulen seine Persönlichkeit bilden.

    • maja.
    • 01.07.2009 um 9:17 Uhr

    ...meist halten sie sich für etwas besseres und sehen ihre Lehre als unerreichbar für andere an. Mit Sicherheit ist so ein Auslandssemester eine finanzielle Schwierigkeit. Das trifft gerade die Studenten, die diese 500 Euro Studiengebühren aufbringen müssen. Ich kann dir, -turtuga-, zustimmen. Die Verschuldung, die Studenten heute meist auf sich nehmen, ist enorm. Die ganze Hochschulpolitik müsste umgestellt werden, damit es für alle diese Chance gibt. Doch ich glaube, das würde den Rahmen hier sprengen.
    Der Autor des Artikels hat recht, wenn er sagt, dass Auslandserfahungen einen prägen. Doch diese Erfahrungen kann man auch in Deutschland machen - zumindest ähnlich. Dabei kommt es auf die Persönlichkeit des Einzelnen an. Wer neugierig ist, wird auch an deutschen Hochschulen seine Persönlichkeit bilden.

    • Saciel
    • 03.07.2009 um 15:17 Uhr

    ... ich les hier überall Erasmus, Erasmus, Erasmus... das ist ja alles schön und gut aber glaubt hier wirklich jemand, Frankreich oder Spanien seien DIE Auslandserfahrung?
    Es spricht jetzt nichts dagegen aber zwingend muss man da nicht hin.

    Für mich sind diese Programme vollkommen irrelevant, weil ich für einen nützlichen Auslandsaufenthalt nach Indien oder China müsste, und wer hilft mir da?
    NIEMAND.

    Sämtliche Leistungen die es überhaupt nach Asien gibt sind fast vollständig auf Wirtschaftswissenschaftler und Techniker ausgerichtet. Ich fühle mich richtig unerwünscht.
    Ich habe grade beim genannten Aiesec nachgeschaut und mich fast totgelacht. Praktika gibt es dort für Wirtschaftler, Informationstechnologie und Entwicklungshilfe.
    Das Gehalt deckt die LebensERHALTUNGSkosten - AUßER bei "Developement Traineeships". Außerdem werden keine Fahrtkosten übernommen und man sol 250€ bezahlen.
    Ich würde also 250€ dafür bezahlen, dass Aiesec absolut nichts für mich tut und der "Service" ist nur für Wiwi und IT.

    Das schärfste war aber noch ein Artikel vom DAAD letztes Jahr:
    Scheinbar wolle ja niemand nach China, dabei sei das so in tolles Land.
    Auf 12 freie Plätze hätten sich ja nur 45 Leute beworben! Also schon viel mehr als Platz wäre.
    Ich wär ja liebendgern nach China gegangen - aber das ganz war NUR für Manager und andere Wirtschaftswissenschaftler.

    DANKE, DAAD, ihr gebt einem echt Hoffnung.
    Als Geisteswissenschaftler kommt man einfach nirgendwohin, egal wie nützlich es wäre.
    Maximal kann man sich persönlich und mit evtl. Empfehlung des Profs (um die man eh betteln muss, denn die meisten Profs kommen da allein nich drauf) bewerben, dafür muss man aber auch zwischen 1.0 und 1.5 stehen.
    Das wäre bei mir auch kein Problem, wenn nicht der Sprachkurs wäre. Als ich in China war (mit einem Unikurs) hat sich meine Sprache sofort um 2 Note verbessert und ich war n 2 1/2 Monate dort. Wie soll ich super Noten im Sprachkurs haben, wenn ich nicht rüber komme? Die Leute, die bei uns echt gut abschneiden, sind nämlich für gewöhnlich Kantonesen und andere Chinesen zweiter Generation.

    lg
    Saciel

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