Auszeit Mut zur Lücke

Wer nicht direkt von der Schulbank in den Hörsaal wechseln möchte, kann sich zwischendurch die Zeit nehmen, etwas Neues kennenzulernen. Möglichkeiten gibt es viele

Work & Travel

Wer nicht viel Geld, aber trotzdem Lust hat, ein fremdes Land kennenzulernen, kann mit »Work and Travel« zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Man tourt durch das Wunschland und sucht sich Arbeit, wenn das Geld knapp wird – in Jugendherbergen, auf Farmen oder als Kellner. So können die Teilnehmer das Land abseits der Touristenpfade erkunden, leichter Kontakt zu Einheimischen knüpfen und ihre Sprachkenntnisse aufbessern. »Sicherlich lernt man als Barkeeper in Sydney nicht unbedingt konkret etwas für die berufliche Zukunft, aber wenn jemand Arbeitserfahrung sammelt, ist das auf jeden Fall ein Bonus im Lebenslauf«, sagt die Karriereberaterin Claudia von Schultzendoff.

Anzeige

Wer zum ersten Mal allein eine größere Reise antritt, für den lohnt es sich unter Umständen, sich dabei von Profis unterstützen zu lassen. Spezielle Reiseanbieter bieten nicht nur Vorbereitungstreffen an, sondern kümmern sich auch um das Visum und helfen bei der Jobvermittlung. Je nach Entfernung, Unterkunft und Arbeit kostet das 700 bis 3000 Euro. Wer etwa mit dem auf Studentenreisen spezialisierten Anbieter StaTravel ein halbes Jahr lang als Lifthelfer und Blumenpflücker in Kanada verbringen will, muss für Vermittlung und Organisation um die 1300 Euro investieren.

Freiwilligendienste

Freiwillige tun etwas Sinnvolles für sich und andere. Freiwilligendienste in Kurzzeit dauern zwischen zwei Wochen und drei Monaten; bei Langzeit-Freiwilligendiensten arbeitet man zwischen drei und 24 Monaten im In- und Ausland. Ob Sozialarbeit, ökologischer Landbau, Denkmalpflege oder Sport – das Prinzip ist überall gleich: Die Träger koordinieren den Einsatz, die Projekte vor Ort werden von lokalen Einrichtungen betrieben. Die Freiwilligen erhalten Vor- und Nachbereitungskurse, Taschengeld, Verpflegung und bisweilen auch Unterkunft oder einen Zuschuss zur Miete. »Etwa eineinhalb Jahre vorher sollte man sich über die Organisation, die Kosten und vor allem das Betreuungsprogramm informieren«, rät Martin Schulze, Sprecher des Arbeitskreises Freiwilliges Soziales Jahr.

Allein in der Datenbank des Europäischen Freiwilligendienstes sind Organisationen aus 39 verschiedenen Ländern gelistet. Bei diesem Programm, das von der EU gefördert wird, arbeitet der Freiwillige zwischen sechs und zwölf Monaten in einem gemeinnützigen Projekt im europäischen Ausland. Für Freiwilligendienste außerhalb Europas gibt es das Programm »weltwärts« für den Einsatz in der Entwicklungsarbeit. Weitere Möglichkeiten, sich für eine gute Sache einzusetzen und etwas fürs Leben zu lernen, sind ein Freiwilliges Ökologisches oder ein Freiwilliges Kulturelles Jahr.

Au-pair

Schulbrote schmieren, Fahrradfahren üben, Tränen trocknen – einen leichten Job haben Au-pairs nicht. Für drei bis zwölf Monate betreuen sie die Kinder einer Gastfamilie und helfen bei leichten Hausarbeiten. Dafür gibt es ein Taschengeld, Kost und Logis sowie einen Reisekostenzuschuss. Wer sich seine Gastfamilie nicht selbst suchen möchte, kann sich von Au-pair-Agenturen vermitteln lassen. Vertrauenswürdige Anbieter sind mit einem Gütesiegel gekennzeichnet (www.guetegemeinschaft-aupair.de). Wenn sich die Kinder als Teufelsbraten herausstellen oder die Eltern als Anhänger einer fanatischen Sekte, kann die Agentur schlichten oder sich um den Wechsel in eine andere Familie kümmern. Bedenken sollten Interessierte, dass es bei Au-pair nicht allein um den eigenen Wunsch nach Auslandserfahrung und Sprachkenntnissen geht, sondern auch um die zu betreuenden Kinder – eine oft anspruchsvolle Arbeit, die nicht unterschätzt werden darf. Für den Karriereberater Jörn Tschirne ist auch das eine Möglichkeit, den eigenen Lebenslauf interessanter zu gestalten und dazuzulernen: »Egal, was man in dem Jahr gemacht hat, das Wichtigste ist, dass man die Auszeit gut und souverän im Bewerbungsgespräch begründen kann.«

Sprachkurse

Wer das Gefühl hat, dass sein Schulenglisch nicht alltagstauglich ist, oder für sein Wunschstudienfach einen Sprachtest bestehen muss, der kann mit Sprachkursen Abhilfe schaffen. Am besten im Ausland, wo man gezwungen ist, das Gelernte gleich anzuwenden, zum Beispiel beim Einkaufen. Gängig sind 20 Wochenstunden, Ganztageskurse lassen dagegen kaum Zeit, das Gelernte zu verarbeiten und Land und Leute kennenzulernen.

Qualitätskriterien, die es zu beachten gilt, sind laut dem Fachverband Deutscher Sprachreise-Veranstalter: nicht mehr als 15 Teilnehmer, geringe Altersunterschiede, Einstufungstests. Oft werden Komplettpakete angeboten, bei denen die Unterkunft eingeschlossen ist – bei Gastfamilien oder auch in Appartements mit anderen Studenten. Wer zum Beispiel über den Anbieter Studiosus Sprachreisen, ein Mitglied des Fachverbands, drei Wochen in St. Petersburg Russisch lernen will, zahlt in einer Privatunterkunft in der Hauptsaison knapp 1500 Euro bei 20 Stunden Kurs pro Woche. Kleine Sprachschulen vor Ort sind zwar oft billiger als große deutsche Anbieter, allerdings gilt es hier zu bedenken, dass man sich im Schadensfall nicht auf deutsches Reiserecht berufen kann.

Reisen

Nach zwölf oder dreizehn Jahren auf der Schulbank überkommt viele die Sehnsucht, die Welt auf eigene Faust zu erkunden. Wer mehrere Kontinente bereisen möchte, für den lohnt sich ein Round-the-World-Flugticket, das je nach Anbieter und Route zwischen 1600 und 4000 Euro kostet und für ein Jahr gilt. Bei der Auswahl der Länder spielt nicht zuletzt das Budget eine Rolle: Eine Nacht in einem Hostel in Japan kostet zwischen 18 und 30 Euro, in Thailand dagegen um die 5 Euro. Auch eine Weltreise könne dazu dienen, reifer und selbstständiger zu werden, sagt Niclas Storz, Geschäftsführer Recruiting bei Boston Consulting. »Wer mit dem Rucksack durch Indien tourt, fördert seine Persönlichkeit genauso wie der Praktikant. Wir legen neben sehr guten Noten Wert auf den berühmten Blick über den Tellerrand – egal, ob der Bewerber nach dem Abi Schulkinder in Guatemala unterrichtet hat oder als Taxifahrer in Manhattan unterwegs war.«

Jobben & Praktika

Wer nicht genügend Geld für die große Reise hat und stattdessen lieber welches verdienen möchte, kann bei einem Praktikum erste Arbeitserfahrungen sammeln. Angehende Germanistikstudenten, die später als Lektor arbeiten möchten, können zum Beispiel testen, ob ihnen der Alltag in einem Verlag überhaupt Spaß macht. Gute Anlaufstellen für Praktika sind Jobbörsen im Internet. Wer schon genau weiß, zu welchem Unternehmen er möchte, kann sich auf dessen Website schlaumachen und in der Personalabteilung nachfragen, ob es Praktikumsplätze gibt. Auch ganz normale Jobs finden sich auf diesem Weg: Dazu kann man Jobbörsen im Internet und Stellenanzeigen in der Lokalzeitung beobachten oder im Lieblingscafé nachfragen, ob dort noch jemand gebraucht wird.

 
Leser-Kommentare
    • PhilN
    • 24.06.2009 um 7:30 Uhr

    Dem Freiwilligendienst sollte man hinzufügen, dass man in der Regel die gleichen Träger auch für seinen Zivildienst nutzen kann. Gegebenenfalls kann man auf diese Weise dann auch seinen Zivildienst durch einen Anderen Dienst im Ausland ersetzen, bzw. wird für den inländischen Zivildienst nicht mehr herangezogen. Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass das Gelaber von den Personalverantworlichen nur bedingt richtig ist. Man muss nicht unbedingt als Backpacker durch Indien gereist sein, um neue Eindrücke zu erhalten. Ein Besuch in der örtlichen Bahnhofsmission reicht da meistens, obwohl Indien sicherlich toll ist.

    • Anonym
    • 24.06.2009 um 9:51 Uhr
    2. (...)

    (Auf Wunsch des Users gelöscht. Die Redaktion/jk)

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service