: Adolf Endler

Literarisches leben: Antworten ohne Fragen

Die literaturWERKstatt Berlin, einst in der Wohnung des ehemaligen DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl gegründet, ist in passende Räume mitten im bohemeumraunten Stadtteil Prenzlauer Berg gezogen

Gemeinsam einsam

Seit fünfzig Jahren gibt es die "neue deutsche literatur". Wozu?

ADOLF ENDLER

„ „Ficken“; gegen den stacheligsten innerenWiderstand dieser DDR-nostalgisehenNotiz vorausgeschickt, gehört diese Vokabel neben einigen anderen („vögeln“, „bumsen“ et cetera) zu den vom Autor bis heute strikt gemiedenen; man wird, so lange man auch sucht, dieses Wort schwerlich in meinen bisherigen Texten finden – es handelt sich hier also um eine Premiere! –, selbst in den zotigsten nicht, also in „Ohne Nennung von Gründen“, „Schichtenflotz“ und „Vorbildlich schleimlösend“, alle im Rotbuch-Verlag Berlin erschienen; kein Problem, den Wahrheitsgehalt meiner Behauptung mittels penibler Lektüre zu überprüfen! Wenigstens in dieser Beziehung fällt mein Werk nicht aus dem Rahmen der übrigen DDR-Literatur, wie sie sich bekanntlich trotz Brechts kontradiktorischen Bemühungen durch die fast vollkommene Abwesenheit solchen Schmuddel-Vokabulariums ausgezeichnet hat.

Prosa und Lyrik von Wolfgang Hilbig: Ende der Illusionen

Auf die Frage, welche Absichten er mit dem Roman „Madame Bovary“ verfolgt habe, soll von Flaubert die Antwort gekommen sein: Er habe mit der Geschichte der Emma ein Gefühl beschreiben wollen, das ihm beim Anblick einer von Salpeter zerstörten Pissoirwand überkam.

Die Zeugen leben noch

bei den durchaus gängigen, meist eitlen Selbstbespiegelungen von Schriftstellern sollten wir uns trotz allem doch immer bemühen, nicht zu viel Boden unter den Füßen zu verlieren und uns allzu selbstvergessen der eigenen Verklärung hinzugeben, vor allem wenn noch so viele Zeugen am Leben sind.

Die Krankheit Lüge

Er lügt. Er belügt seine Freunde, er belügt seine Lebensgefährtin, er hat mich belogen, als er mir gestand (im ZEIT-Interview vom 1.

Durch den Sumpf

Die Wahrheit läßt sich nicht verdunkeln, sagte dieser Tage der Schriftsteller Jürgen Fuchs. Was ist Wahrheit, fragte einst Pilatus den Angeklagten und verurteilte ihn.

Ach, unsere arme alte Revolution

Fällt im Kreise debattierender Leser der Name Adolf Endler, folgt regelmäßig Schweigen. Obwohl – erst zögerlich, dann mit Nachdruck – die Literaturkritik seine Verse und den verknarzten selbstironischen Humor, den höheren Blödsinn seiner collagierten Prosa lobte, ist er immer noch zu entdecken.

Jammer, Jammer über alles

Als Mitte der siebziger Jahre in einem deutschsprachigen Gedicht plötzlich das Telephon klingelte und ein Hausbesitzer durchdrehte, die Freundin ihre Tage hatte oder nebenan der Fernseher explodierte, da nannte man das: Neue Subjektivität.

Affenliebe

In Deutschland, wo der Pfeffer wächst, geht Helga Königsdorf (Autorin der Noch-DDR), von Clausewitz inspiriert, zu einem Angriff über, was ganz gewiß ihr Recht ist, würde sie nicht Fakten entstellen und, sonst so larmoyant, mit dem Entstellten klappern.

Der Aufstand der Zeichen

Neue DDR-Literatur der 80er Jahre. Ein Sonderband der Zeitschrift „Text und Kritik“

Der Volkszorn wächst

Wenn ihn etwas ärgert, schreibt er es auf. Seine Ärgernisse aus der jüngsten Zeit füllen einen dicken Ordner. Neuerdings gibt Hans Kadenbach seine gesammelten Gedanken der Betriebszeitung der Defa, bei der er als Toningenieur arbeitet.