: Aldous Huxley

Schönes neues Baby

Baby Brown kam auf die Welt, wie es sich Mütter in Groschenromanen erträumen: gesund, millionenschwer und weltberühmt. Marktschreierisch von auflagenstarken englischen Boulevardblättern als „Baby des Jahrhunderts“ und „Unser Wunder-Baby“ angekündigt, erblickte Louise Brown, gut 2600 Gramm schwer, 13 Minuten vor Mitternacht am Dienstag letzter Woche im Hospital der mittelenglischen Industriestadt Oldham das Licht der Welt – per Kaiserschnitt und einige Tage zu früh, weil bei Mutter Lesley Brown, die im Wochenbett 31 wurde, eine leichte Blutvergiftung aufgetreten war.

ZEITLUPE 20: Wie ein Chamäleon

Individualität, wo gibt es die noch? In einem Leben zwischen Handmixer und Büchsenfleisch, zwischen Fließband und fernbedientem Radiowecker? Jeder Handgriff unseres Lebens ist verplant und vermarktet.

Eine Gesellschaft auf dem Lande

War Huxley, der Gesellschaftsromancier, denn in den dreißiger Jahren und dann noch einmal von Fünfundvierzig an nicht unsere Kraftnahrung, unser allerfeinster Gesprächsstoff? Wollten nicht alle Bürgertöchter wie Lucy Tantamount sein („Kontrapunkt des Lebens“) oder wenigstens so tun, als seien sie wie Lucy: überlegene und unbefangene Lebedamen? Alle vielleicht doch nicht.

Wie politisch ist das Wetter?

Das zweifellos beste Journal für Naturwissenschaft und Technik hierzulande, Habers „bild der Wissenschaft“ (Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart) kümmerte sich kürzlich gleich zweimal um die Schöne Literatur: Es dokumentierte die „Poesie der Naturforscher“ (Werner Heisenberg kommentierte Einsteins Lehrmeister Ernst Mach: „Er war zu wenig poetisch“) und erklärte die „Gesetze der Dichtung“ (der Experimentalphysiker Wilhelm Fucks analysierte mit mathematischer Methode Bibeltexte und Bismarck-Worte, Goethe und Grass).

Hier schneidet der Chef persönlich

Barsington, das Landhaus der Lady Ottoline Morrell bei Oxford, ist den Freunden der englischen Literatur ein Begriff wegen der klugen Leute, die dort vor fast 60 Jahren aus und ein gingen – Bertrand Russell, Virginia Woolf, Aldous Huxley, D.

Aber die Mütter arbeiten umsonst

Das klingt verdächtig nach dem fatalen Henne-Ei-Problem. In Wirklichkeit ist die Situation keineswegs hoffnungslos. Es bestehen zahlreiche Ansatzpunkte zur Verbesserung der Mutter-Kind-Beziehungen gerade in den ersten drei bis vier Lebensjahren, in denen sich das Schicksal des Kindes weitgehend entscheidet und in denen dennoch vielen Kindern die optimalen Entwicklungsbedingungen versagt bleiben.

Kritik in Kürze

„Eiland“, Roman von Aldous Huxley. Dieser letzte Roman Huxleys, 1962, ein Jahr vor seinem Tod veröffentlicht, hat lange auf Übersetzung (von Marlys Herlitschka) und Veröffentlichung warten müssen.

Von ZEIT-Mitarbeitern

Robert Lucas: „Frieda von Richthofen – ihr Leben mit D. H. Lawrence.“ Im Frühjahr 1912 suchte ein kränklicher englischer Schullehrer, Sohn eines Kohlenkumpels, den Etymologen Professor Weekley in Nottingham auf mit der Bitte, ihm zu einem Lektorposten an einer deutschen Universität zu verhelfen.

Gemisch aus Zorn und Trauer

Vor beinahe dreiundzwanzig Jahren wußten die deutschen Gazetten und die Nachrichtenagenturen zu berichten, in Berlin werde unter des Amerikaners Melvin J.

Zwang wird abgeschafft

Es hat sich als sozialpsychologisch fruchtbarer Forschungsansatz erwiesen, die Kultur einer traditionsgeleiteten Gesellschaft als Geflecht von „Selbstverständlichkeiten“ zu sehen.

Pendereckis Priester-Passion

Man hatte Außerordentliches erwartet. Seit zehn Jahren gehört ja der Pole Krzysztof Penderecki zu den berühmten, spätestens seit der Uraufführung seiner Lukas-Passion, also seit 1966, zu den wenigen weltberühmten Komponisten seiner Generation.

Lektüre für fünfzehn Jahre

Mit dem Begriff der Enzyklopädie hantiert die Bildung seit mehr als zweihundert Jahren, solange der menschliche Geist sich noch unterfangen konnte, die Summe seines Wissens zu ziehen.

Ich habe meine Nachwelt überlebt

„Eine der Schwierigkeiten, die Fähigkeiten der praktischen Ärzte jener Zeit richtig einzuschätzen, ist die Tatsache, daß Berichte von Patienten, die sich in Behandlung begaben, nahezu völlig fehlen.

Nicht alle Sportlerinnen sind Frauen

Prügelnde Spieler, wildgewordene Fans, gedopte Radrennfahrer – das waren bisher die Skandalfiguren im Sport. Seit den Europameisterschaften der Leichtathleten in Budapest im vorigen Herbst ist eine neue Spezies dazugekommen, die aber mehr Mitleid als Mißfallen verdient – die Hermaphroditen, oder, wie der Fachausdruck auch lautet, die Intersexe.

Chemische Mystik

Drei geheimnisvolle Buchstaben halten Amerika und jetzt auch schon Europa in Atem. LSD – den einen verheißt es zeitentrückte Seligkeit, das mystische Glück kosmischer Erlebnisse, den anderen öffnet es den Blick in einen Abgrund von Qual und Verbrechen, verkündet es den wo nicht physischen, so doch moralischen Untergang der Menschheit durch eine Massenflucht ins chemisch erzeugte künstliche Paradies.

Erbverfall durch Nächstenliebe

Die Medizin ist Wegbereiterin derselben Krankheiten, die sie zu heilen versucht. Die Krankheiten, um die es hier geht, sind die Erbleiden.

Im Bürgerkrieg

Thomas Mann und Hemingway, Theodore Dreiser und Georges Bernanos, Aldous Huxley und Clement Attlee, Malraux und Unamuno sympathisierten während des spanischen Bürgerkrieges mit jenen Kräften, die dem konservativen Rebellengeneral Franco Widerstand leisteten.