: Alfred Jarry

Schriftsteller: Ganz viele bunte Fäden

Maria Cecilia Barbetta erhält den "aspekte"-Literaturpreis. Die in Berlin lebende Argentinierin im Interview über ihr Romandebüt und die Stoffe der Literatur

Jean Baudrillards Kritik der simulierenden Vernunft: Nach der Orgie

Viele Diagnostiker der postmodernen Zustände nehmen kein Blatt vor den Mund, doch niemand stellt den Befund so schonungslos wie Baudrillard: „Wollte man den gegenwärtigen Stand der Dinge benennen, so würde ich sagen, wir befinden uns nach der Orgie.

Eine Reise nach Mexiko

Antonin Artaud hat diesen Text 1947, ein Jahr vor seinem Tod, als Postskriptum zu seinem „Theater der Grausamkeit“ geschrieben, das auch eine Art Revision seines „Theaters als Double“ darstellt.

Einer gegen alle

Der Herr, der am Eingang die Programmzettel verteilt, sieht eher unscheinbar aus. Man hält ihn für einen Gehilfen des Künstlers, der gleich die Bühne besteigen wird.

Mehrere Männer

Ror Wolf ist wieder da. Ganz verschwunden freilich war er nie, seit in den sechziger Jahren seine Alltags-Katastrophenberichte erschienen („Pilzer und Pelzer“).

LUDWIG HARIG:: Kleine Konfession

Es haben entscheidend mein Leben geprägt: These, Antithese und Synthese, das heißt die Ordnungsbesessenheit meines Vaters, Schillers Spieltheorie und die Pataphysik.

Feinkostfäkalien

Ein Punker schlurft durch die Stadt. Seine Stiefel sind ihm zu groß, die Hosen zu eng, die Haare stehen ihm zu Berge: „Alles Scheiße!“.

Kritik in Kürze

„Phantasielösungen – Kleines Lehrbuch der Pataphysik“, von Thomas M. Scheerer. Vor fünfundsiebzig Jahren, am 1. November 1907, ist Alfred Jarry gestorben.

Ein Menschenalter nach Krieg und Besatzung, vor der ersten Wahl zum Europa-Parlament: Lichten sich die Schatten zwischen Frankreich und Deutschland?: Böll und Butt Mark und Marx

Was ist da los? Hieß es nicht vor kurzem noch, unsere Nachbarn im Westen buchstabierten die Schreck-Vokabel „Berufsverbot“ als wahren Namen der Bundesrepublik Deutschland und fühlten sich durch die „Holocaust“-Sendung des französischen Fernsehens in ihrer ungünstigen Meinung über „die Deutschen“ bestätigt? Und dann bringen zwei große französische Zeitschriften Sonderhefte über die Bundesrepublik heraus, in denen wir lesen: „Das Deutschland von heute ist demokratischer – oh, ja! – als Frankreich“ (so der Chef des Express, Jean-François Revel), oder: „Die deutsche Frage ist eine Frage für Frankreich“ (so Jean-Paul Dolle in dem deutscher Literatur gewidmeten Märzheft des magazine litteraire).

Ein neuer Mythos

Paradoxer ist noch keine Schau gewesen, seit es einen regulären Kunstbetrieb mit eingespielten Selbstverständlichkeiten gibt.

Zeitmosaik

Eine ausdauernde Wühlarbeit hat Erfolg gehabt: Das neue Filmförderungsgesetz, im Bundestag von der SPD/FDP-Mehrheit angenommen, ist im Bundesrat erst einmal von Christdemokraten und Christlich Sozialen blockiert worden.

Ersatzbefriedigung im Roman: Der Anarchist auf dem Thron

Gustave Flauberts Werk brach deutlich in zwei Kategorien auseinander, die künftig die Literatur bestimmen sollten: in die Auseinandersetzung mit der Gegenwart („Education sentimentale“, „Madame Bovary“) und eine dichterische Mythisierung der Historie, die zugleich ein Moment der Utopie einschloß („Salammbo“, „Die Versuchung des heiligen Antonius“).

Zierliche Sprachorgien

Gleich im ersten Kapitel schleicht Messalina, Kaiserin von Rom und Gattin des göttlichen Claudius, durch die stille Nacht ins Bordell, um dort Leistungen zu vollbringen, die alles Bisherige in den Schatten stellen.