: Ferhat Abbas

Doppelkreuz

Es war immer und unbestritten eines der höchsten Ziele von Charles de Gaulle, alle Franzosen in seinem Namen zu einigen. Als er 1958 wieder an die Macht kam und eine Regierung auf sehr breiter Grundlage bilden konnte, meinte er im ersten Ministerrat: „Jetzt fehlen nur noch Maurice Thorez (der Kommunistenführer) und Ferhat Abbas (der damalige Chef der algerischen Exilregierung) – und man kann nie wissen .

Bilanz des Algier-Putsches

Nun hat also Oberst Boumedienne – seit dem 19. Juni neuer Machthaber Algeriens – endlich die Zusammensetzung seines Revolutionsrats bekanntgegeben.

Von ZEIT zu ZEIT

Mit einer Sondersitzung über Krankenversicherung und Mutterschutz endete die 4. Legislaturperiode des Bundestages. Durch ein Schutzbau- und Selbstschutzgesetz wurden Luftschutzvorrichtun- gen und Notrationen obligatorisch.

Ärger über Algier

Algier hat weltweiten Ärger erzeugt: die einen trauern um ihren gestürzten Freund Ben Bella, die anderen sind enttäuscht über den Fehlschlag der zweiten Bandung-Konferenz, die auf den 5, November vertagt werden mußte.

Noch radikaler?

Die Ereignisse im nachbarlichen Algerien werden in der marokkanischen Hauptstadt Rabat mit großer Sorge verfolgt – zumal deutlich geworden ist, daß die Passivität, mit der die algerische Bevölkerung zunächst auf den Putsch vom vergangenen Sonnabend reagierte, nur der ersten Verblüffung zuzuschreiben war, die der unerwartete Sturz Ben Bellas ausgelöst hatte.

Von ZEIT zu ZEIT

Der Bonn-Besuch Charles de Gaulles endete mit verminderter Hoffnung auf eine EWG-Gipfelkonferenz. Unter Beteiligung von etwa 200 Firmen der Bundesrepublik wurde die Posener Messe eröffnet.

Weg zur Diktatur?

Mit Pathos hatte ein Sprecher des algerischen Rundfunks am letzten Sonntag verkündet: „Dies ist ein großer Tag für Algerien; heute wird das Volk die Verfassung billigen“ .

Ferhat Abbas sagt: Zusammenarbeit

Den Betrachter aus der Ferne erinnert die politische Szene Algeriens bisweilen an ein amerikanisches Rodeo: ein Spiel, in dem die starken Männer ihre Kräfte messen.

Unabhängig – aber wohin führt der Weg?

Überschäumende Freude im einen Lager, Bitterkeit, Melancholie im andern. Während sich die Algerier muselmanischer Religion mit kaum gezügeltem Temperament die endlich gewonnene politische Unabhängigkeit genießen, packen die Algerier europäischer Herkunft weiterhin ihre Koffer und belagern die Flugplätze von Algier und Oran.

Der Saim und die alten Kämpfer

Die große Prüfung für Algeriens Führer – „Schließt die Reihen, handelt nicht unüberlegt...“

De Gaulles Triumph

Es hat wenig Sinn zu fragen, welches Sprichwortanzuwenden sei, das deutsche „Was lange währt, wird endlich gut“ oder das französische „mieux vaut tard que jemals“ (besser spät als gar nicht): Zwar hört und liest man in Paris das eine wie das andere, samt den dazwischenliegenden Nuancen.

„Die ganze Freiheit auf einen Schlag“

Die Umbildung der provisorischen algerischen Regierung (G.P.R.A.) hat einen Mann an die Spitze getragen, dessen Name in der breiten europäischen Öffentlichkeit bisher keine genauen Vorstellungen erwecken konnte: Jussef Ben Khedda.

Zeitspiegel

„Hitler hatte den Boden des Rechts verlassen; deshalb war der Eid auf ihn nicht mehr bindend. Der Eid ist in der Geschichte des Abendlandes immer eine zweiseitige Verpflichtung gewesen; er bindet den, der ihn entgegennimmt nicht weniger als den, der ihn leistet.

Pause in Evian

In Evian wurden die Verhandlungen zwischen der französischen Regierung und dem FLN unterbrochen – wie es heißt: auf unbestimmte Zeit.

Sieben Jahre schmutziger Krieg

In dem Kurort Evian-les-Bains am Genfer See haben am Wochenende, abgeschirmt vor den neugierigen Blicken der Öffentlichkeit und durch ein Massenaufgebot von Polizisten gegen Anschläge der Ultras abgesichert, die Verhandlungen über Algerien begonnen.

„Was schlimmer ist als Krieg“

Kürzlich hat ein Korrespondent der Pariser Zeitung „Figaro“, Jean-Marie Garraud, ein Zwiegespräch mit König Hassan II. von Marokko geführt.

Frieden für Algerien?

Seine Exzellenz Präsident Burgiba von Tunesien hat keine Extrawünsche, was die Speisekarte betrifft. Nicht zu schwere Gerichte, wenn es geht, und Orangensaft statt des Weines, aber ein Glas Champagner zum Nachtisch lehnt er nicht ab .

Großer Mann in kleinem Land

Wie erklärt sich das Geheimnis, daß de Gaulle und Burgiba – kaum, daß sie sich aufschloß Rambouillet zum ersten Male gesehen – so offensichtlich Gefallen aneinander fanden? Burgiba, der an der Sorbonne die Rechtsgelehrsamkeit studiert hat, spricht besser Französisch als Arabisch, noch besser! Dabei weiß er in arabischer Rede Funken aus den andächtig lauschenden Massen zu schlagen, wenn er nur will.

Die Chance für den Frieden

Als Mohamed Masmudi, der Abgesandte des tunesischen Staatspräsidenten Burgiba, das Privatbüro der Generals de Gaulle verließ, überraschte er die Neugierigen mit dem Ausruf: „Ruhig Blut!“ Oder sollte dies eine Art Selbstgespräch zur eigenen Beruhigung gewesen sein? Er war einem de Gaulle begegnet, wie er ihn bisher nicht kannte: Distinguiert, aber präzise, beharrlich, aber verständig – in jeder Beziehung verhandlungsbereit.

Nach dem „Ja” - was nun?

Wenn die Gerüchte aus dem Elyseepalast stimmen, dann sprechen sie schon miteinander: Abgesandte der französischen Regierung und Vertreter der algerischen Rebellenbewegung.

Blockbildung in Afrika

Einige eifrige Kommentatoren haben die Konferenz afrikanischer Staatsmänner, die vorige Woche in Casablanca stattfand, ein bißchen vorschnell als afrikanisches Gipfeltreffen und als zweite Bandung-Konferenz bezeichnet.

Leuchtturm de Gaulle

Seht den Staatschef de Gaulle wie einen Leuchtturm im Nebel; gleichmütig, gelassen, unnahbar: hell, dunkel, hell! – Wahrhaftig, an diesem Vergleich, den die Pariser Zeitung Figaro wagte, ist etwas, daran.

Ein blutiges Vorspiel

Nach dem roten Sonntag in Algier, der weißen Stadt am Meer, behauptete der französische Oberkommandierende in Algerien, General Crépin: „Die Demonstrationen kann man auf keinen Fall als den Ausdruck des freien Volkswillens bezeichnen.