: Horst Mahler

Veteranen einer ausgefallenen Revolution

Eine Bewegung wie die Protestwelle der Jahre 1967/69, die, wenn auch widersprüchlich und diffus, aufs ganze ging und jedenfalls den Einsatz der ganzen Person verlangte, läßt ihre Akteure nicht ungezeichnet.

Zeitmosaik

Es begann mit einem Triumph: als Hans Hollmann im Dezember 1974 im Foyer des neuen Basler Theaters seine spektakuläre Karl-Kraus-Revue „Die letzten Tage der Menschheit“ inszenierte, rief ihn das Basler Publikum zum neuen Intendanten, zum Nachfolger Werner Düggelins aus.

Justiz in eigener Sache: Anklage gegen den Ankläger

Drei volle Sitzungstage sind für den Prozeß gegen den Rechtsanwalt Otto Schily vorgesehen. Er wird kaum Aufsehen machen. Er findet statt in einem der gegen Terroranschläge besonders gesicherten Säle des Krimi – nalgerichts Berlin-Moabit, die für die ersten Baader-Meinhof-Verfahren hergerichtet wurden.

Die deutschen Terroristen haben keine großen Chancen mehr. Ihnen fehlt der ideologische Kopf. Es treibt sie nur noch die Lust am Terror. Zu dieser Auffassung gelangt der Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz in Hamburg, Hans Josef Horchem: Terroristen ohne Chance

Die Entführung der Air-France-Maschine durch ein deutsch-palästinensisches Kommando nach Uganda hat erneut gezeigt, wie verwundbar, wie hilflos westliche Demokratien gegenüber dem internationalen Terrorismus sind.

Kaum ein Zweifel an Müller

Das lockige sympathische Bübchen, unter dessen Photos in den deutschen Zeitungen immer noch „Gerhard Müller“ steht, scheint der 28jährige Schwabe und ehemalige Aktivist der „RAF“ nicht mehr zu sein: Im Zeugenstand in Stammheim erschien ein stämmiger, selbstbewußter Mann mit zurückgekämmtem, mittellangem schwarzem Haar, der sein glattes Gesicht hinter einer dunklen Sonnenbrille verbarg und flotte bürgerliche Kleidung trug.

Sicherheitsrisiko: Angst vor Horst Mahler?

Am 4. November 1975, um 13 Uhr, auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin, wurde Dorothea Mahler, geb. Nixdorf, von ihren Kindern Klaus, Peter und Relli zu Grabe getragen.

Zeitmosaik

Heinrich Böll ist mein Freund schon seit vielen Jahren. Als erster im Westen hat mir Heinrich Böll ein Dach angeboten, und wir stehen in ständigem Briefwechsel.

Terror ohne Chance

Manche Leute haben die Nase nicht nur vorn, sondern auch immer im Wind. Zu ihnen gehört der Innenminister des Landes Rheinland-Pfalz, Heinz Schwarz.

Worte der Woche

„Ich bin der festen Überzeugung, daß sich durch den Kampf der revolutionären Massen gegen dieses kapitalistische Ausbeutersystem die Gefängnisse für alle politischen Gefangenen öffnen werden, daß die gegen mich gefällten Terrorurteile hinweggefegt werden, weshalb ich es ablehne, mich auf diese Weise außer Landes bringen zu lassen.

Auch in der Zelle aktiv

Die inhaftierten Mitglieder der Baader-Meinhof-Gruppe haben ein gut funktionierendes Informationssystem untereinander und zu ihren Anhängern in der Außenwelt aufgebaut; mehrere Anwälte gaben zu erkennen, daß sie sich mit den Zielsetzungen der Gruppe identifizieren: Dies wird nach Ansicht des Bundesinnenministeriums durch eine Dokumentation bewiesen, die Innenminister Maihofer am vergangenen Freitag veröffentlichte.

Wunschträume – wahr durch Terror?

Vor zwei Wochen explodierte in einer Bremer Wohnung ein Sprengsatz. Verletzt festgenommen wurde der 20jährige Extremist Wolf gang Quante, Mitglied der „Roten Armee Fraktion /Aufbau-Organisation“.

NACHRICHTEN DER WOCHE

In einer Feierstunde im Gouverneurspalast von Lourenço Marques wurde am vergangenen Freitag die Übergangsregierung eingesetzt, die in Moçambique bis zur Unabhängigkeit im Juni 1975 amtieren soll.

Ulrike Meinhof: Ausschluß erreicht

Der zweite Prozeß um die Befreiung des Kaufhausbrandstifters Andreas Baader findet ohne die beiden Hauptangeklagten statt. Am Dienstag wurde Ulrike Meinhof – wie zuvor schon der frühere Rechtsanwalt Horst Mahler – von der weiteren Verhandlung ausgeschlossen.

Baader-Befreiung: Zweiter Prozeß

Mit Handgreiflichkeiten und Beschimpfungen begann am Dienstag im Westberliner Kriminalgericht Moabit der zweite Prozeß um die gewaltsame Befreiung des Frankfurter Kaufhausbrandstifters Andreas Baader.

Verurteilt: der Verleger Wagenbach: Neun Monate

Natürlich ist es ganz in Ordnung, wenn einer vor Gericht zu seiner Verteidigung nur jenen Teil der Wahrheit vorträgt, der ihm der taktisch klügste scheint; wenn Klaus Wagenbach also behauptet, die 1971 von ihm als „Rotbuch 29“ veröffentlichte, vermutlich von Horst Mahler verfaßte und von der Polizei sogleich beschlagnahmte Schrift „Über den bewaffneten Kampf in Westeuropa“ sei eine niveauvolle theoretische Erörterung des Problems von Gewalt und Gegengewalt und nichts weiter; wenn er die Aktionsvorschläge, die sein ebenfalls beschlagnahmter „Roter Kalender 1972“ Lehrlingen und Schülern macht („Veränderung von Kriegerdenkmälern.

Satire und Melancholie

An einem Spätsommertag des Jahres ’73 wurden dem Ausländer Zerutt, Constantin, Alter etwa 60, Herkunft ungeklärt, in seiner Wohnung Badgasse 23 a folgende Verletzungen beigebracht: ein Lungensteckschuß, ein Schulterdurchschuß, ein Streifschuß beim linken Auge; fünf weitere Schüsse wurden in den Türrahmen der Altwohnung abgegeben.

Fehlurteil im Mahler-Prozeß: Der entthronte Kronzeuge

Vor gut einem Jahr, am 26. Februar 1973, wurde der Rechtsanwalt Horst Mahler vom 1. Strafsenat des Kammergerichts in Berlin wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes und Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung – der Baader-Meinhof-Gruppe – zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt: Mahler sollte am 29.

Mahler-Prozeß: Das Fehlurteil von Moabit

Von dem Urteil, das der Erste Strafsenat des Berliner Kammergerichts am Montag über den Rechtsanwalt Horst Mahler sprach, sind bisher nur die mündlichen Gründe bekannt.

Worte des Jahres

„Es ist ein Verbrechen, daß dem britischen Volk das Recht verwehrt wird, seine Meinung auszudrücken, während es dem französischen Volk erlaubt ist, über den Beitritt der Briten zu entscheiden.