: Joachim Kaiser

Ein Mann, ein Theater

August Everding machte es möglich: München hat sein Prinzregententheater wieder: Große Bühne, Orchestergraben, Gartensaal - alles wie vor 95 Jahren

Zeitmosaik

Wir sind nur großgeworden im Zusammenbruch. Die Herren Peymann, Stein, Flimm und wie sie alle heißen, die haben ihre Position doch nur deshalb erlangt, weil das Theater von Herrn Strome bis Herrn Knux nicht mehr haltbar war.

DAS LETZTE

Von allen journalistischen Gattungen ist die Lobrede (lat. laudatio hudeliensis) die am wenigsten gepflegte. Im Verriß, in der Häme, in der furchtlosen Entlarvung der Unmoral überbieten sich die Kollegen nach Kräften.

Zeitmosaik

Alte Damen, zumal wenn sie einigermaßen unbescholten sind und nicht unvermögend, haben ihre unverhohlene Freude am Klatsch, und sie kichern gern.

DAS LETZTE

Unser Thema heute: Der Prinz (schon freut sich der Leser). Der klügste Prinz war natürlich Prinz Hamlet. Immerzu sann er schwermütig nach über Sein oder Nichtsein.

Zeitmosaik

Hitler war schlecht. Daran wollen wir, gewissen Zeitströmungen zum Trotz, festhalten. Nur eins an Hitler war gut. Nein, jetzt kommt nicht wieder diese blöde Geschichte mit den Autobahnen.

Zeitmosaik

Als nun Lucia auftrat, als Edita Gruberova ihre wunderbare erste Szene und Arie vortrug (sie schaudert vor dem Gespenst einer imaginierten Selbstmörderin, sieht das Brunnenwasser blutig rot, preist dann in virtuos zarten Sequenzen ihr Liebesglück), da geschah etwas, was derart zwingend, vollendet und kunstvoll auch die glühendsten Fans der Gruberova nicht erwartet hatten.

Zeitmosaik

Jeder Mensch hat ein wirkliches Leben – aber das ist uninteressant. Doch jeder wirkliche Mensch spielt im Laufe seines wirklichen Lebens unzählige Rollen, und dabei kann er sein Leben verwandeln in einen Theatertraum – ein schönes Kostüm genügt zu dieser Metamorphose, oder ein angeklebter Bart, oder auch nur eine schöne Lüge.

DAS LETZTE

„Zuerst ist Nichts, dann tiefes Nichts und schließlich blaue Tiefe“, sagen die Philosophen. Und all das steckt schon in dem schönen kleinen Wort.

Causerien eines Kurzstreckenläufers

Als 1951 die Bayreuther Festspiele wiedereröffnet wurden, saß im zarten Alter von 23 Jahren auch ein Student namens Joachim Kaiser im Zuschauerraum, und er verfaßte damals bereits einen Bericht über seine Bayreuther Eindrücke für die Frankfurter Hefte.

Trostloses Fremdgehen

Oh, wie trostlos sind die kleinen deutschen Städte!“ – Dostojewskis Stoßseufzer („Der Spieler“), den Eckhard Henscheid als Motto einem der Prosastücke vorangestellt hat, die der Band „Die drei Müllerssöhne“ versammelt, gibt nicht nur diesen Glossen, Märchen und Erzählungen ein Leitmotiv; er ist vielmehr auch eins der Kraftzentren, die Henscheids Werk im Ganzen organisieren.

Ich will keine lebende Leiche sein

FRIEDRICH GULDA: Ich weiß, daß gewisse Herren, die sich einbilden, von Musik furchtbar viel zu verstehen, Vorbehalte gegen meine Kompositionen haben, aber das Publikum gibt seiner Zustimmung lautstarken Ausdruck.

Zeitmosaik

Der Beruf des Journalisten (wir wollen nicht klagen, aber es muß gesagt sein) ist ein harter Beruf. Dabei ist das Schreiben, wer wüßte das besser als die Kollegen von der Frankfurter Rundschau, noch das Geringste.

„Weißt Du, wie das wird?“ Mit dieser Frage der Nomen fahren die Wagner-Enthusiasten wieder zu den Bayreuther Festspielen, die in dieser Woche beginnen und die dem Willen ihres Gründers gemäß geblieben sind:: Das perfekte Provisorium

Fast ein Vierteljahrhundert ist es her, daß diese Zeitung es für angemessen hielt, über mehrere Wochen einen größeren Teil des Feuilleton-Raumes einer Diskussion zur Verfügung zu stellen darüber, ob „Wagner-Opern veränderten Verhältnissen angepaßt werden können, dürfen oder müssen“.

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