: Joachim Kaiser

Büchermesse und Büchermassen

Alle drei Jahre ein neues Automodell der Spitzenklasse, jedes Jahr ein neuer Zeitgeist und zu jeder Saison eine andere Rocklänge: Wir haben uns dem immer schnelleren Rhythmus der Meinungen und Moden anbequemt und reagieren mit professionellem Gleichmut.

Ruth Berghaus: Kühne Künstlerin

Opernfreunde und Musikkritiker geraten in heftigen Streit, seitdem Ruth Berghaus auf den Bühnen des internationalen Musiktheaters den Ton angibt.

Petrarca-Preis und Bachmann-Preis: literarische Inszenierungen: Auf ein Neues

Die Literatur: ein Film, ein Stück fürs Fernsehen, ein Sommerspektakel? Weit geöffnete Türen in der Villa Emo in Fanzolo, nördlich von Venedig: Hermann Lenz erhält den Petrarca-Preis unter den Fresken des Giambattista Zelotti, im großen Saal eines von Palladio Mitte des sechzehnten Jahrhunderts entworfenen Landsitzes – literarische Krönungsfeier, wie in Cinemascope.

Frieda Parmeggiani: Schmerz ist ihr Panzer

In der Hotelhalle ist sie tief über eine Opernkritik gebeugt, in der sie bereits in der zwölften Zeile Erwähnung findet. „Schauen Sie, hier: Kostüme von Frieda Parmeggiani.

Bayerische Staatsoper: In aller Welt blamiert

Otto Voisard bleibt nichts erspart. Kaum sind die negativen Schlagzeilen über sein Unternehmen wieder aus den Wirtschaftsspalten der Zeitungen verschwunden, da muß der Vorstandsvorsitzende der MAN Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg im Kulturteil massiv Kritisches lesen.

Huldigungen eines Kritikers

Einen brillanten Verriß kann jeder Kritiker schreiben, der überhaupt einer ist. Kritische Souveränität zeigt sich dagegen erst an der Kunst, ein Lob – und zwar nicht durch Einschränkungen – so zu differenzieren und zu schattieren, daß jede Spur des Phrasenhaften getilgt ist und die Rhetorik des Rühmens – eine durchaus unverächtliche Rhetorik – am Ende in schlichte Beschreibung einzumünden scheint.

Des Nachtportiers Tag

Es war am dritten Tag des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs in Klagenfurt, als es geschah. Zwanzig Autoren hatten schon gelesen, schlechte und weniger schlechte, manchmal ganz gute Texte, aber immer noch war kein Preisträger in Sicht, immer mehr drohte das Undenkbare zu geschehen, daß kein Autor, keine Autorin sich fände, der mannhaft um Freundlichkeit bemühten Jury mit einem schönen Kunststück behilflich zu sein.

Theater: Alfred Kirchner inszeniert Shakespeare in München: Lache, Shylock!

In unseren Theatern sind zur Zeit die Alten die Sieger. Der große alte Schauspieler Peter Lühr feiert in George Taboris Münchner Inszenierung von Becketts „Warten auf Godot“ Triumphe: Vom Augenblick, da ich dies schreibe, sind es nur noch wenige Tage, bis der große alte Schauspieler Bernhard Minetti in Bochum unter Claus Peymanns Regie in einem neuen Stück von Thomas Bernhard auftritt: „Der Schein trügt“.

Vorsicht Schußwaffen!

I Hamburg, 5. März 1983: Gegen zwei Uhr morgens beobachtet ein Zivilfahnder der Hamburger Polizei, wie der 18jährige Alf Heins und dessen Freund Christian auf einem Parkplatz im Stadtteil Lurup mit einer Taschenlampe in fremde Autos hineinleuchten.

Zeitmosaik

Die Affäre geht weiter, aber sie hat längst eine neue Richtung eingeschlagen: In erster Linie dreht es sich gar nicht mehr darum, ob die Berliner Philharmoniker die Klarinettistin Sabine Meyer in ihren Männerreihen dulden wollen oder nicht – der Vertrag auf ein Probejahr ist (verwaltungs-) ordnungsgemäß abgeschlossen und damit rechtsgültig.

Die Winzörfscheidunk

Wissen Sie, was die sauerste Gurke dieses Sommers war? Sie hieß Windsurf-Scheidung. Plötzlich posaunten es alle Blätter aus: Windsurfen treibt die Ehen auseinander.

Warum ...

... verprellen Menschen andere, wenn sie Mißmut oder Traurigkeit zu erkennengeben? Warum ist der strahlende Held, der sunnyeverybody, der Frauenbetörer und Partylöwe so viel mehr „Identifikationsangebot“ als etwa der Grübler und Melancholiker? Kann man sich Anthony Perkins als Präsidenten der USA vorstellen? Kann man sich – Joachim Kaiser stellte das makabre Tableau einmal auf – Franz Kafka vor der obligaten Chrysanthemen-Rampe als Paulskirchen-Redner denken? Es muß keineswegs eine schenkelklatschende Weißwurstseligkeit im Dunst des Oktoberfestzelts sein, die Leute „anzieht“; aber zieht Nachdenklichkeit sie gleichsam aus? Stört da eine seelische Nacktheit, ist es die taktlose Unerfreulichkeit, mit der manche Leute auf das nichtssagende „Wie geht’s denn?“ einem tatsächlich sagen, daß sie Nierenschmerzen oder Stuhlgangbeschwerden hatten, statt des üblichen „Danke, gut“.

J.M-M.: Der Verriß

Die Kompetenz von Joachim Kaiser, dem prominenten Redaktionsmitglied der Süddeutschen Zeitung, kann nicht angezweifelt werden.

Zeitmosaik

„Deutsch für Deutsche“, unumwunden als Nachhilfestunde für Abiturienten gedacht, die Germanistik studieren wollen, wird im kommenden Semester in Bonn angeboten.

Studien über General Beck: Im Bunde mit dem Teufel?

drei Studien zum Verhältnis. von Heer und nationalsozialistischem System, verbuchte Vorträge des Professors der Hamburger Bundeswehrhochschule, in deren Zentrum immer Ludwig Beck steht, bis 1938 Generalstabschef unter Hitler, dann Haupt der Militärs unter den Verschwörern des 20.

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