: Karl Mickel

ADOLF ENDLER

„ „Ficken“; gegen den stacheligsten innerenWiderstand dieser DDR-nostalgisehenNotiz vorausgeschickt, gehört diese Vokabel neben einigen anderen („vögeln“, „bumsen“ et cetera) zu den vom Autor bis heute strikt gemiedenen; man wird, so lange man auch sucht, dieses Wort schwerlich in meinen bisherigen Texten finden – es handelt sich hier also um eine Premiere! –, selbst in den zotigsten nicht, also in „Ohne Nennung von Gründen“, „Schichtenflotz“ und „Vorbildlich schleimlösend“, alle im Rotbuch-Verlag Berlin erschienen; kein Problem, den Wahrheitsgehalt meiner Behauptung mittels penibler Lektüre zu überprüfen! Wenigstens in dieser Beziehung fällt mein Werk nicht aus dem Rahmen der übrigen DDR-Literatur, wie sie sich bekanntlich trotz Brechts kontradiktorischen Bemühungen durch die fast vollkommene Abwesenheit solchen Schmuddel-Vokabulariums ausgezeichnet hat.

Bahnhof Orstcrux

Ein Sturm auf das Winterpalais sei das gewesen, als die Studierenden an den Arbeiterund Bauernfakultäten die spätbarocke Alma mater einnahmen. So jedenfalls sieht es Iswall in Hermann Kants Roman „Die Aula" von 1965.

Auf nach Venedig!

Gibt es doch zwei deutsche Literaturen? Und was vermögen die Dichter noch, hier und dort? Botho Strauß hat kürzlich in seiner Büchner Rede eine Antwort auf die zweite Frage versucht: „Der Dichter ist die schwache Stimme in der Höhle unter dem Lärm.

Warum schreiben?

hinter sich hat. Ein endloses Diner, aber es gab nur ein Omelett; und „surprise“ war dann nur, daß es keinerlei Überraschungen bot.

Zeitmosaik

Unter dem Sonnenschirm zu lesen: Gedichte aus neuen Lyrik-Bänden, die im Herbst erscheinen werden. In allen geht es, worüber in diesen Tagen überall gesprochen, gestöhnt – oder gejubelt wird: um Sommer, Sonne, Hitze.

Götterdämmerung eines vordergründig politischenEngagements: Die Erde hat sie wieder

Zu vier Bänden hat es das Rowohlt-Literaturmagazin inzwischen gebracht. Wer den Blick an der Reihe zurück lenkt ohne den Zorn der Kritiker, die sich allzusehr betroffen, und ohne die Verachtung der Autoren, die sich allzuwenig beteiligt fanden, dem präsentiert sich unversehens ein Stück Zeitgeschichte unserer Literatur – und des auf dem ersten Titelblatt noch unbefangen geschmähten Literaturbetriebs.