: München

Wer hungert, muß betteln gehen

Uud der Streik dauerte an. Ich sah von neuem, wie meine Mutter ihren Anteil an der Mahlzeit zurückwies mit dem Bemerken, sie habe keinen Hunger.

Begegnung mit den Scherenschleifern

Es war die Zeit der großen Trecks in die Staaten. Am 29. April 1865 stach das Schiff in Hamburg in See. Der Auswanderer war zweiundzwanzig, seine Frau einundzwanzig Jahre alt.

Die Hinterbliebenen

Nach dem großen Schrecken der Naziotie war das Kabarett die Kleinform, in der sich die Kunst (oder was sich dafür hielt) zuerst wieder in die freier gewordene Luft hinauswagte.

München: Provinz und Prominenz

Im fünfundvierziger Jahr, im bittern Hoffnungsgrün des Zusammenbruchs, haben viele prominente Schauspieler die sinkende Reichshauptstadtverlassen und sind da und dorthin, die meisten jedoch nach München emigriert.

Thespis – dreifach angestrahlt

Das deutsche Theater ist heute mehr denn je heftigen, wenn auch nicht stets gerechtfertigten Angriffen ausgesetzt. Ehemalige, heute noch geheime oder umgetaufte Nationalsozialisten auf der einen, vom Nazismus gepeinigte oder ihm feindlich gebliebene Theaterfreunde auf der anderen Seite, sowie ausländische Beobachter, die die deutschen Aufführungen nach dem Zusammenbruch kritisch verfolgen, kommen zu sehr auseinanderstrebenden Meinungen.

Die Brücken der Kunst

München hatte zwei Wochen lang eine Sensation: die Ausstellung moderner französischer Malerei im Haus der Kunst. Die rituellen Ehren, die bislang nur dem Fisch, dem Grünzeug, dem Sauerkraut in Anerkennung ihrer Lebensnotwendigkeit galten, sie sind nun auch dem gemalten Grünzeug, gemaltem Fleisch, kurzum der Kunst zuteil geworden: es wurde ihretwegen schlangegestanden.

„Können Sie liefern oder nicht“?

Export Exhibition“ steht auf den Transparenten am Haus der Kunst in München. Übersetzt, heißt das „Export-Ausstellung“. Es bedeutet die Vorführung von Waren für den Export.

Elend und Größe einer Ruinenstadt

Früher wohnten die Freunde in der Domstraße. Jetzt wohnen sie auf der Höhe des Hügels, in dem Stadtteil mit dem hübschen Namen Frauenland.

Machtergreifung

Am 1. Januar hat das Zweizonenverwaltungsamt für Wirtschaften Minden seine Tätigkeit aufgenommen. Endlich einmal eine wirklich gute Sache, so hoffte man bei aller üblich gewordenen Vorsicht.

Seligkeit im Irdischen

Als vor einem guten Jahrzehnt die Gedichte von Paul Appel erschienen, war dieser Band eines ebenso beunruhigten wie zarten Geistes den Freunden unserer Lyrik bald wert geworden, und es fehlte nicht an Stimmen, die die Glut seiner Empfindung, die Genauigkeit des Bildes und die Vielfalt der lyrischen Tonarten rühmten.

Weißblaue Devisengrenzen

Die Organisation des deutschen Geld- und Kreditwesens ist, technisch gesprochen, eine Art Verbundwirtschaft, deren Glieder sich gleich kommunizierenden Röhren gegenseitig ergänzen und in ihrer Versorgung ausgleichen.

Kirchenbauten der Zukunft

Auf Einladung des Landeskirchenamtes der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers erörterten auf der ersten Kirchenbautagung in Hannover, der weitere Tagungen in Bielefeld und Lübeck folgen werden, Architekten und Theologen die Probleme, die sich aus der Notwendigkeit des Neubaues Hunderter zerstörter Kirchen ergeben.

Die letzte Börsenwoche

Fünf der sechs deutschen Börsenplätze blieben nach Weihnachten bis zum 30. Dezember geschlossen. Nur die Niedersächsische Börse in Hannover hielt am 27.

Ein neues Etikett?

Die jetzt vollzogene Errichtung von Landeszentralbanken in den drei Ländern der amerikanischa Besatzungszone scheint in erster Linie ein Produkt der politischen Optik zu sein, weniger dagegen von unmittelbarer praktischer Bedeutung.

Europäische Botschaft

Hier, das Märchen von „Undine“ zuerst schrieb,Baron Friedrich de la Motte Fouqué, war aus hinein alten französischen Geschlecht, das nach Deutschland ausgewandert war; sein Großvater war preußischer General gewesen und ein Freund Friedrich des Großen.

Nora oder ein Puppenheim

Der einsame Stammgast, der allabendlich im Café Luitpold in München erschien, um die Zeittungen zu lesen, hatte auf dem Grunde seines modischen Zylinderhutes einen Spiegel, in den er von Zeit zu Zeit verstohlen hineinblickte, um sich meines korrekten Aussehens zu vergewissern.

Kurze Wirtschaftsmeldungen

Zur Versorgung der Bergarbeiter mit Verbrauchsgütern wurde ein Punktsystem ausgearbeitet, das je nach Arbeitsleistung zum Erwerb von Verbrauchsgütern berechtigt.

Das gute Recht – worauf?

Der Verlag (Kurt Desch, München), nennt Kasimir Edschmids neues Buch („Das gute Recht“) einen Roman. Also gerinnen Begebenheiten und Schicksale zum Weltbild? Also gehen uns die Gestalten des-Buches wie lebendige Menschen nahe und nach? Dazu, mit Verlaub, lebt das Buch doch zu sehr aus dem „Bezug“: auf die Zeitumstände der letztvergangenen Epoche.

Jugend an der Sonnenseite

Länder können durch Waffengewalt, aber Menschen nur durch die Gewalt der Liebe erobert werden. Als sie vernahmen, daß auf dem Kontinent nach der Zeit der Tyrannis und der Kriegsnot das große Elend angebrochen sei, beschlossen tatkräftige Engländerinnen, nach Deutschland zu gehen.

Eva Katharina Lessing

Als er „müßig am Markte“ steht, erreicht den freien Schriftsteller Lessing der Ruf nach Hamburg. Er soll dem neu zu begründenden Nationaltheater als Dramaturg sein kritisches Gewissen widmen.

Schattenrisse des Nichts

Die Moderne steht allenthalben im Blickfeld. Während Zürich in einer umfassenden Ausstellung Wassily Kandinski, Picasso und Braque zusammenfaßt, begegnen sich in Basel hans arp, Mondrian und Paul Klee.

Die letzte Börsenwoche

Nach vorübergehender leichter Abschwächung haben die Umsätze an den Börsen der britischen Zone – mit Ausnahme Düsseldorfs – wieder eine Belebung erfahren.

Kunst in Hamburg

In Hamburg hat die bildende Kunst immer einen ein wenig insularen Charakter gehabt. Die Maler und Bildhauer lebten hier wie in der Diaspora; der Kreis, der sich für ihr Schaffen interessierte, war klein; gemessen an der Größe der Stadt.