: Peter Härtling

© Monja Gentschow für DIE ZEIT
Serie: Gestrandet in

Nürtingen: Bisch au da?

Sie wollten nie nach Nürtingen? Jetzt sind Sie nun mal da. Unser Autor nimmt Sie zwei Stunden lang an die Hand. Sie entdecken: Italiener in kurzen Hosen.

Peter Härtling: Hüter guter Geister

Mit leisen Anwandlungen von Melancholie: Peter Härtling tat alles für die großen Künstler. Zum Tod des Schriftstellers

Peter Härtling über Walter Gröner: Schrift am Himmel

Er schafft in der Fabrik an der Werkbank, kommt abgeschafft heim, liest und liest sich den Kopf klar, ist endlich bei sich und gerät schreibend, sich mit Dichtern von einst verbrüdernd, außer sich: Walter Gröner, ansässig in Heubach am Trauf der Schwäbischen Alb.

Ich bin der Weggehetzte

Es ist schwerer über ein Buch zu schreiben, das man schätzt, als über eines, das man mißlangen findet. Zuneigung begründet man zögernder, suchender als Abneigung.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT eine Reihe kluger Essays über Gestalten der neueren deutschen und französischen Literatur, die nicht nur Geschöpfe reiner dichterischer Imagination, sondern oft genug für ihre Autoren gleichzeitig Maske oder Wunschbild sind – außer Palmström und Anna Blume (ein Geschöpf Kurt Schwitters) umschließt der Kreis so Gegensätzliches wie Jarrys König Ubu und Else Lasker-Schülers Prinzen Jussuf, Trakls Knaben Elis und Brechts Herrn Keuner.

Geschichten für Kinder: Zärtlichkeit und Trauer

Nach dem Tod seines Vaters wird der zwölfjährige Jakob zum Sonderling. Die bedrohliche Veränderung beginnt langsam. Zunächst nur schweigsam, eigenbrötlerisch, schließlich aufsässig wird der Junge, ein Tagträumer, Schulschwänzer und Streuner.

Zum Strichjungen Hypi

Als Wolf von Niebelschütz 1949 seinen Roman „Der blaue Kammerherr“ veröffentlichte (dieses vergessene Buch, das – so Walter Boehlich – „die gesamte Elendsliteratur durch seine Schönheit, Poesie und Kunstfertigkeit überragt“), schrieb er dazu: „Den Keim zu diesem Tulpenbaum legte Hugo von Hofmannsthal durch sein nachgelassenes Fragment ‚Danae oder Die Vernunftheirat‘, gedacht als Oper für Richard Strauss.

Jetzt wird der Literaturfonds auch noch Verleger: Flieg, Phoenix!

Man kann sich die Szene gut vorstellen: Da saßen sie drunten in Darmstadt alle beisammen und machten ihrem Ärger darüber Luft, daß sie bestenfalls mittelmäßige Autoren förderten und doch nicht alle Mittel ausgeben konnten, die ihnen aus dem Innenministerium zuflössen.

Die Schere im Kopf

Erster Fall: In der gut beleumdeten Reihe „Editionen für den Literaturunterricht“ des Stuttgarter Klett-Verlags soll ein Sammelband „Alltagslyrik und Neue Subjektivität“ erscheinen.

Ich hatt’ einen Mord-Kameraden...

Bei den Blockaden, die schon hinter uns liegen, ist viel vorgelesen worden. Für Mutlangen hatte Günter Grass die „Kassandra“ von Christa Wolf vorgeschlagen, Peter Härtling hat aus seinem neuen Roman „Das Windrad“ gelesen, den man auch als Lektüre für Jugendliche empfehlen sollte, weil die Jungen darin auch Kritisches über sich selbst finden werden.

Kurzstreckenläufer

Das Leitmotiv ist ein Leidensmotiv. „Fremd bin ich eingezogen. Fremd zieh ich wieder aus.“ Diese Verse aus Wilhelm Müllers „Winterreise“ sind zum Sinnbild eines Schicksals geworden, das es mit jeder griechischen Tragödie aufnehmen kann.

„Die die Wege an ihren Zielen messen die irren“: Und immer aufrechten Ganges

Der Satz von Gottfried Benn ist bekannt: „... keiner auch der großen Lyriker unserer Zeit hat mehr als sechs bis acht vollendete Gedichte hinterlassen“, sagte er 1951 in seinem Vortrag „Probleme der Lyrik“; fügt man noch das Verdikt hinzu: „Gut gemeint ist das Gegenteil von Kunst“ – dann hat man das Arsenal beisammen, aus dem sich Erich Frieds Gegner zeitlebens bedienten.

Kästner, Härtling, Wallraff-zu gefährlich: Leben und lesen lassen

Immer, wenn Ostern vorüber ist, können die Schokoladenfabrikanten darangehen, die Osterhasen, auf denen sie sitzengeblieben sind, wieder in Nikoläuse umzugießen oder auch nur in neues Silberpapier zu hüllen, unter dem sich die Hasenohren unbeschadet in Nikolausmützen, der Eierkorb in den Sack für Apfel, Nuß und Mandelkern verwandeln können, zwar nur scheinbar, aber immerhin: „Wenn die Weihnachtsmänner / wie Weihnachten die Hausfraun sagen / umgepreßte Osterhasen / sind / dann sind / Ostern / die Osterhasen / umgepreßte / Weihnachtsmännerosterhasen / und in Wirklichkeit / Weihnachten / die Weihnachtsmännerosterhasenweihnachtsmänner / umgepreßte / Osterhasenweihnachtsmännerosterhasenweihnachtsmänner / O weh! / Der Osterhase hat einen Weihnachtsmann in den Ohren / dem Weihnachtsmann wird das Fell über den Sack gezogen.

Des Nachtportiers Tag

Es war am dritten Tag des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs in Klagenfurt, als es geschah. Zwanzig Autoren hatten schon gelesen, schlechte und weniger schlechte, manchmal ganz gute Texte, aber immer noch war kein Preisträger in Sicht, immer mehr drohte das Undenkbare zu geschehen, daß kein Autor, keine Autorin sich fände, der mannhaft um Freundlichkeit bemühten Jury mit einem schönen Kunststück behilflich zu sein.

Lyrik aus zweiter Hand

Härtling geht es um zeitgenössische Gedichte: Wilhelm Lehmann, Ingeborg Bachmann, Walter Höllerer, Helmut Heißenbüttel, Johannes Poethen, Günter Eich, Karl Krolow, Paul Celan sind mit je einem Gedicht vertreten, das Härtling dann genauer untersucht.