: Stadt

Ost-Magistrat gegen West-Berlin

Seit dem 30. November, dem Tage, an dem die SMA einen durch keine Wahl oder sonstige demokratische Willensäußerung: legitimierten Magistrat einsetzte, ist der von den Russen kontrollierte Teil der Stadt Berlin, ein Gebilde für sich.

Venezolanische Episode

Sie hatten es satt. Die Venezolaner nämlich im vorigen Dezember. Nach 20 Jahren Diktator und 10 Jahren Militärregime glaubten sie, daß die Staatsführung dringender eines moralisch einwandfreien Menschen, als eines gewiegten Politikers bedürfe.

Die dunkle Hauptstadt

Jetzt weiß ich, daß man sehr zu Recht immer (in „etwas schlechtes Gewissen hat, wenn man durch die hellerleuchteten Städte Westdeutschlands geht – aus dem warmen Büro in ein warmes Zimmer – und sich derweil vorsteht, daß die Berliner noch immer – wie wir vor zwei Jahren – in Mänteln und mit verklammten Fingern an ihren Arbeitsplätzen sitzen und zu Hause bestenfalls eine Kerze vorfinden oder eine petroleumgefüllte Konservenbüchse mit blakendem Docht.

Ausgefahrene Gleise

In allen größeren deutschen Städten haben die öffentlichen Verkehrsbetriebe – Straßenbahn, Obus und Omnibus – als Erbe aus dem vergangenen Kriege ein ungewöhnlich hohes Maß an Sorgen aufgebürdet erhalten.

Stadt der Kindheit

Es gibt eine Liebe, die so groß ist, daß man nicht mehr über sie schreiben kann; das zeigt der Roman „Axel Wernerode“ der in Petersburg geborenen deutschen Schriftstellerin Rohde Liebenau, der jetzt im Vier Falken Verlag (Düsseldorf) erschien.

Frankfurt oder Bonn

Es scheint, daß sich der Parlamentarische Rat zur Zeit über die vorläufige Bundeshauptstadt ebensowenig einig ist wie über die vorläufige Verfassung.

Friedensgedenktage

Der deutsche Romanschriftsteller Kückelhaus hat einmal sein Wiedersehen mit Münster beschrieben: „Die Stadt Münster blieb stets dieselbe, so oft wir auch zurückkehrten.

Logbuch einer Stadt

Jedermann, der seine Arbeit tut, ob er nun Kabel legt, Konten führt, Schuhe, Möbel oder Zeitungen macht, tut noch ein weniges mehr als eben dies: er ist mitbeschäftigt am sausenden Webstuhl der Zeit.

Ashberg taucht auf

Herr Ashberg, der „Bankier der Sowjets“, befaßte sich kürzlich während eines Besuchs in Berlin mit der Frage des Sammeldepots und fuhr dann nach Paris, um, wie es heißt, die russische Delegation bei den Berlin-Verhandlungen zu beraten.

Die ewige Stadt

Die Frage, ob Rom eine moderne geistige Stadt sei, ist noch nicht entschieden. Mailand ist Rom in der literarischen Kapazität überlegen; die europäischen Schauprozesse werden in Nürnberg oder in Moskau aufgeführt; es gibt in Rom keinen Dichter, der die geistige Welt bewegen könnte wie Camus in Paris.

Notizen

An der in den Berliner Westsektoren geplanten „Freien Universität Berlin“ werden die Vorlesungen voraussichtlich mit dem kommenden Wintersemester beginnen.

Spiel mit dem Hunger

Vier Wochen ist Berlin blockiert, und jeder neue Tag bringt eine neue Nuance in das Bild der von den Sowjets eingeschlossenen Stadt.

Zwischen Alt- und Neumark

Ein mehr ironischer als artiger Zufall hat es gewollt, daß die Ureinführung der Deutschmark in München von Uraufführungen der Theater zahlreich garniert war.

Anouilh konjugiert

Treffe ich da meinen Freund EP. beim revidierten „Revisor“ im Brunnenhof, einen Abend vor der allerjüngsten Münchener Anouilh-Premiere.

Hauptstadt des Schwarzhandels

Von H. L. Kaster, Cairo Die internationale Stadt, an der Nordwestecke Afrikas ist in bewegten Zeiten von jeher ein Treffpunkt dunkler Existenzen gewesen.

Notizen

Der Kunstpreis der Stadt Berlin; für Musik wird ab jetzt den Titel „Franz-Schrecker-Preis“ führen, verkündete der Leiter der Abteilung Volksbildung beim Magistrat zum siebzigsten Geburtstag des 1943 verstoßenen, Dichter-Komponisten in der Städtischen Oper, Berlin.

Erinnerung an Schmeling

Ein englischer Offizier, ein Box-Experte, der amRing saß, sagte: „Sie boxen, aber sie kämpfen nicht“und dann: „Das ist eher eine Ausstellung als ein Kampf“, und danach: „Hier geht es mehr um Geld als um Sport“, doch schließlich: „Immerhin, Schilling erinnert an sich selbst.

Der Organist Lelestu

Charles Letestu ist der Name eures französischen Organisten der in der Christus-Kirche zu Hamburg-Othmarschen einem Kreis geladener Gäste Werke Bachs und der vorbachischen norddeutschen Schule vortrug.

Die zerbrochene Stadt

Diese Stadt hat durch den Krieg ihr Herz verloren, Tatsächlich, der Krieg hat dieser Stadt bei lebendigem Leibe das Herz herausgebrochen.

Thespis – dreifach angestrahlt

Das deutsche Theater ist heute mehr denn je heftigen, wenn auch nicht stets gerechtfertigten Angriffen ausgesetzt. Ehemalige, heute noch geheime oder umgetaufte Nationalsozialisten auf der einen, vom Nazismus gepeinigte oder ihm feindlich gebliebene Theaterfreunde auf der anderen Seite, sowie ausländische Beobachter, die die deutschen Aufführungen nach dem Zusammenbruch kritisch verfolgen, kommen zu sehr auseinanderstrebenden Meinungen.

Der Fall Kehl

Wie die Rhein-Neckar-Zeitung meldet, ist die deutsche Bevölkerung aus Kehl evakuiert worden, da Frankreich die Stadt Kohl seit 1945 als zu seinem Hoheitsgebiet gehörig betrachtet.

Gerettete Altstadt und moderner Verkehr

Das Mittelalter baute sein Leben nach den Regeln einer Werklehre, nämlich der Lehre von den guten, Gott wohlgefälligen, den gelingenden Werke.

Herz einer mittelalterlichen Stadt

Mittelpunkt und Herzstück des Prinzipalmarktes zu Münster ist das mächtige Rathaus, von dem nur noch die Mauern stehen, eines der bedeutendsten Zeugnisse der klassischen Gotik gewesen.