: Vladimir Nabokov

Hinunter und immer weiter

Das Tier, Mensch genannt, die verderbteste Rasse hassenswerten kleinen Ungeziefers, dem die Natur je gestattet hat, auf der Erdoberfläche zu kriechen.

Wie die Tiere

Mich erfüllen ganz andere Dinge mit Ekel als bedrucktes Papier, meinte R. W. Leonhardt in seiner Korrespondenz mit einer Dame über Pornographie.

Despot in meiner Welt

Sie haben fünfzehn Jahre lang in Deutschland gelebt, von 1922 bis 1937. Danach zu urteilen, wie Sie Deutschland und die Deutschen in Ihren damaligen Büchern beschreiben, wurden Ihre Eindrücke immer düsterer.

Neugier, Zärtlichkeit, Leidenschaft

Frage stellen könnten. Im Juni 1897 heißt es bereits wieder: „Mein einzig geliebter Junge, wer trägt Deine Briefe zur Post?“ Sogleich beklagt er sich über den jungen Windhund und bittet andere, ihm endlich die Meinung zu sagen.

Reisespiegel

In hellblauen Shorts und mit sonnigem Ferien-Optimismus gab Vladimir Nabokov in Gardone am Gardasee den Lokalreportern ein Interview.

Was geschieht, trifft schmerzhaft

Wenn ich an meine aufeinanderfolgenden Lehrer denke, beschäftigen mich die seltsamen Dissonanzen, die sie in mein junges Leben brachten, weniger als die fundamentale Stabilität und Unversehrtheit dieses Lebens.

Zeitmosaik

Am letzten Donnerstag wurde in Bochum die bundesdeutsche Shakespeare-Woche eröffnet, in Weimar feierte die Konkurrenz, denn seit nunmehr etwa einem Jahr ist die deutsche Shakespeare-Gesellschaft zeitgemäß gespalten.

Der Museumsbesuch

Als vor ein paar Jahren einer meiner Pariser Bekannten – milde gesagt: ein etwas wunderlicher Mann – erfuhr, daß ich zwei oder drei Tage in Montisert verbringen würde, bat er mich, das dortige Museum aufzusuchen, wo, wie er gehört hatte, ein Porträt seines Großvaters von Leroy hängen sollte.

Für den, der es genau wissen will

Um einer weitverbreiteten Konfusion entgegenzuwirken, hier einige bare Fakten. Während der Prix Formentor von den Verlegern, die ihn gestiftet haben, selber vergeben wird, und zwar für ein noch unveröffentlichtes Romanmanuskript eines unbekannten Autors, entscheiden über, den Internationalen Verlegerpreis, seinem Namen zum Trotz, nicht die Verleger, sondern unabhängige, von ihnen bestellte Jurys.

Liebe in London

Liebe in London? Man denkt vor allem an die Jungen und Mädchen, die an heißen Sommerabenden zu Hunderten dicht aneinandergepreßt in den öffentlichen Parks liegen und dabei alles tun, was man am hellichten Tag nicht tut.

Es ist nicht nur die Zeit der Krise

Mit einigem propagandistischen Getöse traf „Lolita“ in Europa ein, wenige Tage nach der amerikanischen Uraufführung – ein Film mit so verwackelten Akzenten, daß man sich erstaunt fragt: Hat Vladimir Nabokov, der Autor des „Lolita“-Romans, nicht nur das Drehbuch geschrieben, sondern das fertige Produkt, den Film, wirklich gutgeheißen? Zum mindesten wußte James Mason, der Darsteller des Humbert Humbert, in Berlin davon zu berichten.

Rolf Schroers als Gastkritiker: Den Plebejern ausgeliefert

Diktaturen liegen in der Luft. Es scheint nach allem eher eine Aufgabe der Meteorologie als der Politik zu sein, über Entstehung und Verlauf bestürzende Auskunft zu geben, und was die einschlägige Dichtung betrifft, läßt sich ihre Qualität an ihrer Nähe eben zur Meteorologie ausmachen: durchaus auf die Gefahr hin, daß Sturm und Blitzschlag sie treffen.

Zeitmosaik

Die führende tschechische „Literatur-Zeitung“ (Literární noviny) weiß zu berichten: „Die Verleihung des Internationalen Verlegerpreises von 10 000 Dollar an den völlig unbekannten westdeutschen Romanschriftsteller Uwe Johnson hat Empörung hervorgerufen, da sich herausgestellt hat, daß Johnson den Preis auf Grund politischen Druckes erhielt.

Ein früher Nabokov

Einige von den acht frühen, vor der Übersiedlung in den anglo-amerikanischen Sprachbereich entstandenen Romanen Vladimir Nabokovs stehen in dem Ruf, leichte Ware zu sein – Präliminarien, Fingerübungen.

Romane im Roman

Es ist immer etwas riskant, die Thematik eines bedeutenden Romans mit wenigen Worten zu kennzeichnen. Denn auf diese Weise wird ein einziger Aspekt eines komplizierten epischen Gebildes, der freilich der wesentlichste zu sein scheint, herausgegriffen und absolut gesetzt.

Zeichen und Symbole

Die Romane von Vladimir Nabokov, die nun nach und nach auch in Deutschland erscheinen sollen, alle vor der ebenso heftig beschimpften wie belobten „Lolita“ entstanden, dürften auch den argwöhnischsten Leser zumindest davon überzeugen, daß Nabokov keineswegs der gerissene Pornograph ist, als den ihn seine Kritiker gerne hinstellen.

ZEITMOSAIK

Am vergangenen Donnerstag wurde der vierundsechzigjährige Roman- und Bühnenautor Henry de Montherlant („Die tote Königin“, „Tiermensehen“, „Erbarmen mit den Frauen“) mit 24 gegen 5 Stimmen in die Académie Française gewählt – von den 40 Sitzen sind damit wieder.

ZEITMOSAIK

Leicht zu leben ohne Leichtsinn, heiter zu sein ohne Ausgelassenheit, Mut zu haben ohne Übermut, Vertrauen und freudige Ergebung zu zeigen ohne Fatalismus – das ist die Kunst des Lebens.

Humbert Humbert - Affe im Käfig

Die Handlung ist verfänglicher kaum denkbar: Ein vierzigjähriges Ungetüm, das sich Humben Humbert nennt, liebt kleine Mädchen – er nennt sie Nymphchen – in der Knospenzeit ihrer Entwicklung; liebt sie verschämt, brutal, hoffnungslos, so sehr, daß er die Mutter eines Nymphchens heiratet, um der zwölfjährigen Tochter nahe sein zu können.

Wer ist der Lolita-Autor?

Bei unseren westlichen Nachbarn ist seit Monaten der „Kampf um Lolita“ entbrannt, um jenen Roman also, den die einen als genialstes Erzählwerk der Nach-Joyce-Epoche preisen, während ihn die anderen als infame Pornographie empört ablehnen.