: Volker Kriegel

Wehwehweh.dot.flop

Fliegen! Ein Elch namens Olaf will nach oben und erlebt dabei sein blaues Wunder

Guter Mensch im bösen

Wer kennt ihn nicht den Warenhausbesitzer Scrooge, diesen Kotzbrocken? In seinem spitznäsigen Kopfe hausten alle Boshaftigkeiten dieser Welt. Er war von Raffgier besessen, mißtrauisch, ein Geizhals, ein Egoist, ein Misanthrop, ein Ekel.

Literatur für jeden Tag

Der „Arche Literatur Kalender“ im achten Jahr ist gewidmet dem Thema „Städte: Faszination und Schrecken“. Für jede Woche ein farbiges Blatt mit dem Bild der vorgestellten Stadt oder des zitierten Schriftstellers, etwa diesem Geständnis von Else Lasker-Schüler: „Bücher bedeuten für mich Städte, Städte Bücher, leere und lebensreiche.

Kunde vom Hunde

Er hat, liest man zur Einführung von Gerhard Polt, „eine Seele wie pures Gold“, der Hund. „Ich sage Ihnen auch gleich, wies is, er is mir auch lieber praktisch wie a jeder Mensch“, auch wenn Hunde, wie man beim Blättern unentwegt und sehr komisch erfährt, überall hinmachen, albern, blöd und indiskret, teuer, faschistoid, verspielt, streitsüchtig und unmusikalisch sind, für ihr Leben gern Socken fressen und sehr alt werden.

Die neue Schallplatte

The United Jazz + Rock Ensemble: „United Live Opus Sechs“. Welche Kraft das hat! Die Bigband-Takte gleich zu Anfang haben nichts mit den netten Radio-Bands zu tun, da wird nicht geschmunzelt, sondern zugebissen.

Geschichten und ein Märchen: Etüden eines Jazzgitarristen

Tja, was für ein Buch ist das nun? Wenn man es aufschlägt, zieht man die Ziehharmonika eines Ziehharmonikaspielers auf, dann liest man den Titel „Hallo und andere wahre Geschichten“ von Volker Kriege! (Verlag Sauerländer, Frankfurt, 1982; 150 S.

Die neue Schallplatte

Volker Kriegel: „Journal.“ Es gibt kein Stück auf dieser Schallplatte, dem man seinen Komponisten nicht anhörte (und das man mit Worten leicht beweisen könnte): Es ist der eigenartige, heiter-melancholische Singsang auffallend schöner Melodien, die eine sehr persönlich gefärbte Harmonik nach sich ziehen; es sind die Finessen einer kleinteiligen, sehr ineinander verzahnten Rhythmik, die den Spielern viel Präzision abverlangt; es ist das ausgesuchte Arrangement origineller, durchsichtiger Klangfarben, die vor allem von Gitarren (darunter eine Sitar-Gitarre mit spitzen hallenden Tönen), den Vibra- und Marimbaphonen und dem feinfühlig gebrauchten Schlagwerk.

Goigoi

Was ist ein Goigoi? Ein weiches, rotes, allerliebstes Liebhabetuch zum Streicheln und Schmeicheln. Und es gehört Lea. Es ist das einzige, was sie hat.

Swingtime und Springtime

Längst Haben die Veranstalter der Berliner Jazztage es sich abgewöhnt, ihr langes Wochenende in der Philharmonie jeweils unter ein Motto zu zwängen, es mit didaktischen Programmideen zu belasten.

Schallplatte

Volker Kriegel: „Tropical Harvest“. Das ist, glaube ich, die schönste Jazzmusik, die in den letzten Monaten auf einer Schallplatte gemacht worden ist.

Der Dixieland ist ivieder in Mode: Ein Abklatsch von Vitalität

Man kann der Meinung sein, Dixieland sei nichts anderes als die akustische Kulisse stärkeren Bierkonsums; man kann die zickige Fröhlichkeit, die kleinkarierten Witzchen, diesen ganzen krampfigen Humor peinlich oder ärgerlich finden; man kann die ausgeleierten Klischees von „lustig“ und „traurig“, die ewig gleichen Phrasen fad und langweilig finden; man kann sich an den Kopf fassen über die stupide Naivität, mit der manche Sänger immer noch den heiseren Gesang Louis Armstrongs nachmachen, ohne eine Sekunde darüber nachzudenken, daß sie damit nicht nur eine miese Karikatur von Vitalität und Originalität abgeben, sondern – unbewußt natürlich – obendrein ein Schlimmes Onkel-Tom-Image verewigen, ein Bild vom Neger, das der gesellschaftlichen Situation von heute grotesk widerspricht.

Die neue Schallplatte

Viele Aufnahmen sind wiederholbar – diese ist es ganz gewiß nicht: Zwei Geiger haben den Trennungsgraben zwischen E- und U-Musik zugetrampelt (Menuhin sagt’s so: er sei mal „vulgär im ursprünglichen Sinne“ gewesen, also „breit, stark und populär – menschlich“) und machen nun zusammen: Jazz, alten natürlich.

Schallplatten

So spannenden Jazz habe ich selten gehört: der Rhythmus von erstaunlicher Gewandtheit, das Stimmengeflecht von bemerkenswerter polyphoner Dichte, die Instrumentation (mit Gitarre, Geige, Celli, Flöte, Saxophon und anderen) schon beinahe bunt, und obendrein glaubt man herauszuhören, daß es dem Sextett Spaß gemacht hat.

Die neue Schallplatte

Jazz oder Pop oder etwas ganz anderes, egal: es ist eine meist leise, schwebende, sublim folkloristische, eine faszinierende und auf eigenartige Weise spannende Kammerjazzmusik mit Flöte, elektrischem Klavier, Schlagzeug, Baß.