Werner Joseph Mayer

Die Stimme der Verfolgten

Goldenes Jubiläum einer deutschen Zeitung, die in Deutschland kaum einer kennt. Als vor 45 Jahren der frühere Ullstein-Lektor Manfred George in New York die Redaktion des Aufbau übernahm, ging ihm, wer in Deutschland einmal wer war, zur Hand.

Kritik in Kürze

„Drei Zypressen“, von Saliha Scheinhardt. Ein Buch über türkische Frauen zwischen ihrer Heimat und Deutschland, der islamischen und einer „aufgeklärten“ westlichen Kultur.

Gottes Lob um Gotteslohn

Seit 650 Jahren singen die Kiedricher Chorbuben nach Hufnagelnoten und lateinischen Texten ihre gregorianische Messe. Einmal im Jahr stimmen sie die „Stille Nacht“ als Introitus an.

Zeitmosaik

Über aller staatlichen Kunstförderung steht das Verfassungsgebot, den eigengesetzlichen Rahmen der Kunst zu achten und zu wahren und sich jeder Einflußnahme auf Methoden, Inhalte und Tendenzen der Kunst zu enthalten.

Ein Janus der Musik

Am Ende von Carl Orffs „De temporum fine comoedia“, dem Spiel vom Ende der Zeiten, wenn Lucifer mit Maske und Kostüm auch seinen Charakter, mit dem Geständnis „Pater peccavi – Vater, ich habe gesündigt auch seine diabolische Rolle abgelegt hat und wieder zum ursprünglichen Lichtträger wird, singt der Chor, der mit der weltlichen Stimme: „Venio ad Te.

Ehrungen: Wir haben die Mehrheit

Das Zimmer ist klein, riecht muffig, die rustikale Einrichtung strahlt mäßige Gemütlichkeit aus. Der Blick aus dem Zimmer allerdings würde jeden München-Touristen in sprachlose Begeisterung versetzen: vorn der Marienplatz mit dem Rathaus, dahinter die Spitzen des Doms, und das alles aus souveräner Hohe – ein Super-Motiv.

Kritik in Kürze

„Werke Kleists auf dem modernen Musiktheater“. In den nicht ganz vier Jahrhunderten seit 1600 sind nach groben Schätzungen ungefähr dreißigtausend Opern komponiert worden, so daß es nicht erstaunlich, sondern geradezu unabwendbar ist, wenn von dem Verschleiß literarischer Vorlagen, von dem das Musiktheater lebt, schließlich auch ein Autor wie Heinrich von Kleist ergriffen wurde, dessen Dramen und Novellen an sich einer Umformung zum Libretto eher widerstreben als entgegenkommen.

Ein Skeptiker als Bahnbrecher

Es begann eine Zeit, wo es schwer wurde, Komponist zu sein, so daß die musikalische Ernte quantitativ gering ausfallen mußte.

Kritik in Kürze

„Pilzomelett und andere Nekrologe“, Erzählungen von Rolf Schneider. Ein englischer Oberst im Ruhestand heißt G. H. F. L. M. Rock, ein Verleger Sabbermann, ein Dichter Markus Wuszstrich, eine preußische Witwe Ulrike von Reventzow – wenn das nicht witzig ist! Rolf Schneider hat es auf satirische Wirkungen abgesehen; zehnmal werden sie mit Erzählungen in der ersten Person erstrebt, dreimal mit solchen in der dritten, jedesmal stirbt oder verkommt einer.

ZEITMOSAIK

Neuigkeiten aus dem Galerienhaus in der Kölner Lindenstraße 22 (dem einzigen seiner Art in der Bundesrepublik): Die Galerie Müller hat eine Kunst-Börse eröffnet, die Sammlern, die sonst nur auf Auktionen ihr Heil versuchen können, permanent die Möglichkeit gibt, Kunst zu kaufen und zu verkaufen.

Musikratstagung in Bremen: Prästabilierte Harmonie

Die Damen und (in der erdrückenden Mehrzahl) Herren des Deutschen Musikrats, jenes offiziösen Dachverbandes derer, die auf irgendeine Weise am deutschen Musikleben Geld verdienen, die im ehrwürdigen holzgetäfelten Bremer Rathaus ihre 11.

Ende des Prozesses Werner Egk/Konrad Boehmer: Wiederherstellung der Ehre

Zugegeben: die Bemerkung war alles andere als sanft. Zugegeben auch, daß ihr Autor in letzter Zeit mehrmals gezeigt hat, wie er zunächst mit Klugheit und Sachverstand die Rolle der Musik und der Musikerziehung in unserer Gesellschaft zu analysieren versteht, um dann die Erkenntnis so überspitzt zu formulieren, daß er anschließend einiges revozieren muß.

Der Fall Werner Egk

Herr Professor Werner Egk, der berühmte Komponist, hatte kein Verständnis für den Zorn eines jungen Mannes; am 27. Februar erwirkte er eine Einstweilige Verfügung gegen den Carl Hanser-Verlag in München und gegen den in Amsterdam lebenden Komponisten Dr.

ZEITMOSAIK

An diesem Mittwoch begann in München die „Woche der zeitgenössischen Oper“. An acht Abenden will die Bayerische Staatsoper zeigen, was nach ihrer Meinung den Münchner National- und Cuvilliestheater-Besuchern und den Streichern des Staatsopernorchesters zugemutet werden kann.

Wegweiser durch die Oper

Den Anfang bildet ein Abriß der Geschichte des Musiktheaters; es folgen – zum erstenmal in einem Opernführer – Aufsätze über Darstellungsmethoden für die Bühne, aber auch für die Schallplatte, den Hörfunk und das Fernsehen – dies aus der Feder von Spezialisten.

Münchner Olympia 1972: Vorsicht mit den Musen

In Rom hatte das erfolgreiche Duo Daume/Vogel den Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees mit dem Slogan von der „Olympia der kurzen Wege“, das man in der blau-weißen Metropole durchzuführen gedenke, imponiert.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Boris Blacher: „Abstrakte Oper Nr. 1“, „Elektronische Impulse“, „Sonate für Klavier“, „Apréslude“, „What about this, Mr. Clementi?“; Ernst Haefliger (Tenor), Gerty Herzog (Klavier), The University of Illinois Opera Group, Leitung: Ludwig Zirner; Wergo 60 017, 27,– DM.

Lydia Schierning empfiehlt Schallplatten

Nicht viele der heute so zahlreichen Kammerorchester lohnen der Beachtung; doch „I Solisti Veneti“ verdienen alles Lob. Sie spielen die Konzerte des ungeheuer produktiven Komponisten Vivaldi nicht nur frisch, fromm, fröhlich, frei, sie decken auch den architektonischen Aufbau der Werke auf, Sie lassen die Kantilenen breit dahinfließen und erzielen ein dynamisch reich schattiertes und weiches Klangbild.

Gezielte Propaganda

Man dürfte erwarten, daß die Vorsitzende eines pädagogischen Berufsverbandes, der Schuldezernent eines Generalvikariats und ein Pastor mit der Problematik der christlichen Schule nicht nur am Rande vertraut sind.