: Wolfenbüttel

Neues Bauen-alte Umgebung

Je nachdem, wie man zählt, sind es vier, fünf oder neun Gebäude von durchweg schwer definierbarem Alter, die gleich neben der schönen mittelalterlichen Alten Brücke am Mainufer in Würzburg stehen.

Strafvollzug: Wie ein Schauermärchen

Aus den alten, verfilzten Wollsocken läßt sich der Sand nicht mehr herauswaschen. Die muffigen Schuhe gehen als „Fußpilz-Agenten“ von Mann zu Mann.

Zum Tode von Richard Alewyn: Vom Vorzug, elegant zu sein

Am 14. August ist Richard Alewyn 77jährig gestorben, zu früh für seine Freunde, welche zuversichtlich den 80. mit ihm zu feiern gedachten, und trotz des biblischen Alters zu früh auch für die deutsche Literaturwissenschaft, die er skeptisch betrachtet und mit scheinbar Wenigem überreich beschenkt hat.

Zeitmosaik

Wenn andere Leute eine „Gemeinde“ haben (bigotte Leute mit andächtig-ernsten Gesichtern und salbungsvoller Rede), so Arno Schmidt eine häretische, karnevalistische.

Walter Jens: Lessing trifft Heine im Hades

Das Stück spielt im Totenreich, dessen Zentralraum aus dem ins Gigantische vergrößerten Kuppelbau der Herzog-August-Bibliothek zu Wolfenbüttel besteht: einem gewaltigen Saal mit Tausenden von Folianten, die auf schmalen und schwankenden Leitern erreichbar sind.

Eine einzigartige Forschungsstätte

Viel Spott hat unsere auf ständig wachsende Zentralgewalten eingeschworene Zeit über die Duodez-Fürsten vergangener Jahrhunderte ausgegossen.

Handgemalte Literatur

Eine Ausstellung nicht alltäglicher Art veranstaltet die in letzter Zeit mit vielfältigen interessanten Aktivitäten aufwartende Wolfenbütteler Bibliothek: aus ihren Beständen zeigt sie griechische Handschriften, ergänzt durch Frühdrucke aus der Werkstatt der Aldus Manutius.

Die Schnapsidee der Brenner

Das lange Schattendasein hatte für Norbert Karner in der vergangenen Woche ein Ende. „Noch nie“, bekennt der Geschäftsführer im Arbeitgeberverband der bayerischen Ernährungswirtschaft, „haben bisher Zeitungen oder Rundfunk einen unserer Tarifabschlüsse überhaupt erwähnt.

Kunstkalender

Vostells Happenings, soviel Legende darän hängt, haben ihren historischen Platz, und seine Environments verstehen es, gegensätzliche Objekte assoziativ zu einer Situation zusammenzuführen.

Goslar: Historie wird eingeebnet: Löwe mit Dauerwellen

Im „Merian“ war vor kurzem noch zu lesen, die Stadt sei „eben kein Museum, ganz und gar nicht. Auf der Kirchhofsmauer rund um Jakobi sitzt Jung-Goslar wie die Spatzen auf dem Zaun, nur viel bunter“.

Zeitmosaik

Ein Gespenst geht um in Deutschland: die Langeweile. Die ehemals radikalen Schüler sitzen schwitzend über Bonus- und Malus-Werten und denken über die Höhe ihrer Pension nach; die ehemals radikalen Studenten sitzen frischrasiert und gerade an ihren sauberen Schreibtischen und entdecken die alte oder die neue Ordnung, auf jeden Fall eine Ordnung; die ehemals radikalen Schriftsteller liegen in den warmen Armen der Gewerkschaft, seitdem sind sie ruhig.

Wohin mit dem aktiven Müll?

Um ein neues Schlagwort bereicherte Forschungs- und Technologieminister Matthöfer den Wortschatz der Verantwortlichen für Abfälle aus nuklearer Energie- und Erkenntnisgewinnung.

Erzieher und Rebell

„Adolf Reichwein – Ein Lebensbild in Briefen und Dokumenten“; ausgewählt von Rosemarie Reichwein und Hans Bohnenkamp. Herausgegeben und kommentiert von Ursula Schulz; Gotthold Müller Verlag, München 1974; 375 S.

Vor- und Nachteile marxistischer Literaturgeschichte: Tapferer Zinnsoldat Lessing

Lessing war, ganz im Gegensatz zu Autoren späterer Epochen, völlig den Gedanken, Büchern und Polemiken hingegeben; es war nicht die Art des vernünftigen Zeitalters noch seine besondere Neigung, das eigene Ich in empfindsamen Selbstbekenntnissen zu analysieren (wie Exhibitionisten und Romantiker es dann taten), und die Verzweiflung der Lessing-Biographen war zugleich die Chance der kritischen Wissenschaft.

Lichter im Hades

Die Bäume müsse man dort suchen, wo sie wachsen, „die Götter nicht in einem gottlosen Lande, auf einem gottlosen Boden. Hier aber sind Götter und Helden Landesprodukte.

Witze in der Morgenandacht

Im Dom wird das Chorgestühl repariert. Der Bischof sieht sich das an, als sich ein Zimmermann fürchterlich auf den Daumen haut.

Gotthold Ephraim Lessing

Was immer er war: Antiquar und Philologe, Kritiker und Pamphletist, Sammler und Dramenschreiber, Theologe, Lyriker und Bibliothekar – zuerst war er Redner; ein Komödiant auf der Rostra und ein Prediger auf den Brettern der Welt; ein Mann, dem es selbstverständlich war, daß die Lustspielschreiber auch in der Kirche ihren Mann stehen würden.

Einer Stadt droht die Pleite

Die Stadt Salzgitter hat ihren 25. Geburtstag in aller Stille, ohne Flaggen, Volksfest oder Festumzug gefeiert. Das Jubiläum dieser – an der Flächenausdehnung gemessen – immerhin sechstgrößten Stadt der Bundesrepublik vollzog sich fast so prosaisch wie ihre Gründung.

Ein Ärgernis

Das Buch will, laut Vorwort, „der Jugend helfen, mündige Staatsbürger zu werden“. Dazu gehört, wie der Verfasser betont, Information und eine demokratische Haltung, die sich in Achtung vor der Meinung anderer, in Mitverantwortung und „aufbauender Kritik“ äußert.