Videolesung: Karen Duve liest aus "Anständig essen"

Jede Woche stellen Autoren auf ZEIT ONLINE ihre Werke vor. Diese Woche liest Karen Duve aus ihrem neuen Roman "Anständig essen".
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Kommentare

2 Kommentare Kommentieren

Interessant...

...finde ich sowohl den Selbstversuch einer Frau Duve als auch – und das im besonderen Maße – die Reaktionen darauf. Von sachlichen Fehlgriffen über eindeutig polemische Reaktionen bis hin zu selbstkritischen Kommentaren habe ich alles gefunden. Schade nur, dass die Selbstkritik nicht überwiegt. Auf jeden Kommentar einzeln zu antworten erspare ich mir.
Sicherlich kann es nicht Lösung des Problems sein einem Pferd, das letztendlich als Nutztier oder – schlimmer – als „Sportgerät“ von uns gezüchtet, gehalten und (völlig wertungsfrei) „genutzt“ wird einen Plastiksattel auf den Rücken zu schnallen nur um das Problem Leder zu umgehen. Der Selbstversuch Duves hat , so habe ich es verstanden, auch zu diesem Ergebnis geführt.
Ein bisschen mehr Nachdenken tut uns, die wir im Allgemeinen nicht Gefahr laufen zu verhungern, schon gut. Die Erkenntnis, dass unser Organismus nunmal darauf ausgelegt ist Fleisch, Milchprodukte, Eier, Getreide Gemüse UND Obst zu verwerten kann dann nur zu der Frage führen: Wie kann man der Notwendigkeit zu essen begegnen ohne dabei ein zu schlechtes Gewissen zu haben?
Nun ist es nunmal so, dass ein Tier nicht plötzlich ganz von selbst umfällt und den Menschen in die Lage versetzt das Tier – günstigstenfalls bereits zerlegt – auf der Weide einzusammeln.
- Maßvoll zu essen könnte ein Ergebnis des Versuches sein eine Balance zu schaffen. Die Akzeptanz, dass Tiere Bedürfnisse haben, die Geld kosten, Zeit und Verantwortungsbewusstsein.
- Es stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoller ist Rind zu essen als Kalb und ein Suppenhuhn einem Stubenküken vorzuziehen.
- Die Verwertung aller Bestandteile eines Tieres gehören zu unserer Verantwortung. Das schließt die Verwertung von Leder ebenso ein wie die Überlegung, dass ein Tier nicht nur aus Premiumstücken besteht.
- Lange Transportwege sind unnötige Quälerei, Ställe ohne Einstreu, ohne ausreichend Fenster, Tiere ohne Weidegang auch.
Aber was passiert wenn ein Kilo Fleisch am Ende doppelt so viel kostet wie vorher? Der Konsument greift (schmollend) zur Plastikschale denn täte er es nicht, würde er artgerechte Tierhaltung und Schlachtung ohne unnötige Brutalität verlangen und notfalls auf Fleisch verzichten wenn kein Hersteller den Anforderungen entspricht, hätte artgerechte Tierhaltung längst an Bedeutung gewonnen.
Aber Fleisch sieht in seiner Plastikschale nunmal harmlos aus, es schreit nicht und erweckt auch nicht den Eindruck zu leiden. Was also wird ein Konsument tun der eine Familie ernähren, Kleidung kaufen, Miete bezahlen, den Schulausflug der Kinder finanzieren und und und muss. Was tut jemand der die Erfahrung gemacht hat, dass dem knappen Lohn für seine Arbeit eine ganze Reihe von Bedürfnissen gegenübersteht die allesamt befriedigt werden wollen?
Das Problem geht tiefer, viel tiefer als die Frage ob Frau Duve übertreibt wenn sie sich wochenlang von Erbsen und eingeflogenen Kokosnüssen ernährt.
Wer keine anderen Sorgen hat als die Frage wie verantwortungsvoll Nahrung produziert sein muss könnte auch überlegen, ob er oder sie nicht insgesamt verantwortungsvoller einkaufen müsste, einfach auch um andere in die Lage zu versetzen sich Sorgen auf den gleichen Niveau zu machen wie man selbst.

Selbstversuch - klingt irgendwie nach Heldentum ...

Dieser Selbstversuch ist nichts weiter, als der Versuch, seine grauen Zellen endlich mal, wenn auch nur vorübergehend, sinnvoll einzusetzen. Wenn ich begriffen habe, dass ich mich durch meine "Fleischeslust", meine "normale" Essgewohnheiten schuldig gemacht und schuldig mache, nämlich an den Wesen, deren Fleisch ich mir so unglaublich selbstverständlich und arrogant einverleibe und die für meine in mir steckende Dämlichkeit sterben mussten, braucht es keines Selbstversuches, der obendrein auch noch befristet ist. Ich mach es einfach - und zwar auf Dauer! Mir ist kein Fall bekannt, dass jemand daran gestorben wäre, weil er sich vegetarisch ernährt hat oder aus diesem Grunde krank geworden war. Aber sei es drum. Ein "Selbstversuch" ist für die Menge Tiere, die ich in dieser Zeit töten lassen und fressen würde, auch eine Atempause. KDR.

http://www.anecken.de