MigrationWie die Suche nach Arbeit junge Südeuropäer nach Berlin führt

Jeder zweite junge Grieche oder Spanier hat die Wahl: Arbeitslos zu sein oder auszuwandern. Wir haben drei Auswanderer in Berlin bei ihrem Neustart mit der Kamera begleitet.

 

Leserkommentare
  1. leiden unter der Krise - sie sind ja nicht ganz freiwillig aus ihren Heimatländern weggegangen. Vielleicht schaffen sie es, sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen - vielleicht aber auch nicht - dann müssen sie in ein paar Jahren nachhause zurückkehren.
    Andererseits bluten die Heimatländer dieser Menschen aus; wenn ich lese, daß mehr als 500 000 Spanier inzwischen ihre Heimat verlassen haben, frage ich mich, was aus dem Land wohl noch werden wird, denn mit Sicherheit sind die Auswanderer wohl ein Teil der besser ausgebildeten Menschen. Gleichzeitig verlassen viele gut ausgebildete Menschen Deutschland, um sich einen Job in der Schweiz oder Norwegen zu suchen - oder in Australien etc.
    Wir haben also eine neue Völkerwanderung - und die, das sollte man nicht vergessen, ist politisch gewollt, sie ist kein Naturereignis und kein Schicksal. Hätte man eine andere Politik gemacht, wären auch die Ergebnisse anders. Und diese Politik ist nicht arbeitnehmerfreundlich, im Gegenteil, die früher erkämpften Rechte der Arbeitnehmer werden peu a peu ausgehebelt, mit prekären Beschäftigungsverhältnissen und Lohndumping. Gleichzeitig wird uns das als 'neue Freizügigkeit und Liberalisierung' angepriesen, das klingt besser.
    Schöne neue Welt - in der wir uns in die Vergangenheit zurückentwickeln.
    Es wird Zeit, daß die Arbeitnehmer sich wieder auf ihre Stärke besinnen und sich nicht mit Brot und Spielen abfinden lassen.

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    ...dass z.B. Polen einen solchen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt hat, ist der Tatsache geschuldet, dass sehr viele Menschen in andere Laender ausgewandert sind, Kenntnisse und Fertigkeiten erworben haben und dann zum einen internationale Netzwerke gebildet haben und zum zweiten nach einiger Zeit zurueckgekehrt sind, sobald in den jeweils anderen Laendern die witschaftliche Lage schwieriger wurde. Wer innerhalb Deutschlands einem Arbeitsplatz hinterherzieht, kann am Ende auch eine Tagesreise von seinem Heimatort entfernt sein und hat auch Freunde und Familie nicht in unmittelbarer Naehe.

    Seit der Euro-Einführung in 1999 ist die Bevölkerung Spaniens explodiert. Von knapp unter 40 Millionen auf 47 Millionen. Umgerechnet auf Deutschland, hätten wir heute mehr als 100 Millionen Einwohner. Wenn jetzt einige wieder auswandern, dann stabilisiert das Spanien.

  2. Das Phänomen ist mit der Landflucht im frühen Industriezeitalter vergleichbar. Für die ländlichen Regionen war dieser Prozess katastrophal, weil durch den braindrain die regionalen Entwicklungsperspektiven nachhaltig gestört wurden.

    Über diesen Negativeffekt der europäischen Freizügigkeit wurde bislang in den Medien kaum berichtet. Unabhängig davon wünsche ich aber jeden der Auswanderer alles Gute. Aus ihrer persönlichen Situation heraus kann ich sie sehr gut verstehen.

    Eine Leserempfehlung
    • bmovie
    • 16. Oktober 2012 14:11 Uhr

    und in die Schweiz auswandere.

    Das ist spätesten seit dem EHRLICH und UNPARTEIISCH erworbenen Nobelpreis klar. EU - meine Lachnummer :D

    Näheres hier:
    http://de.wikipedia.org/w...

    (Der sogenannte europäische INSIDE-JOB nach dem amerikanischen 9/11) LOL

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    • hairy
    • 16. Oktober 2012 15:21 Uhr

    Diesbezgl. ist die Schweiz selber eine Lachnummer.

    Deutsche sind da ja übermäßig beliebt.

  3. dass Berlin das deutsche Griechenland ist und oekonomisch quasi tot??

    Wer nach DE kommt zum arbeiten und dabei gut Geld verdienen, der muss leider in die Provinz: FFM und suedlich, aber da ist ja leider nix los und deswegen geht man da auch nicht hin.

    Eine andere Erklaerung waere dann nur noch, dass die Leute bloed genug sind nicht mal wenigstens einen Blick auf die A-losenstatisik zu blicken. Dann wuerde mich aber auch nicht wundern, dass sie zu Hause keine Arbeit gefunden haben.

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    "kann denen mal bitte jemand sagen...
    dass Berlin das deutsche Griechenland ist und oekonomisch quasi tot??"

    Das habe ich mir auch gedacht.
    Bin Berliner; Elektroniker.
    Aber Arbeit gibts hier kaum.
    Deswegen bin ich wiederum auf europaweiter Montage.

    Blühende Landschaften waren einmal...

    . . .wie es in Berlin ist.In den Medien höre ich nix gutes, wenn man überhaupt was hört. Aber gut ist es südlich von Köln/Bonn, Gegend um Euskirchen, Rheinbach und so. Ich denke, dort ist die Lebensart und Qualität dazu besser. Mehr "südlich" geprägt ;-).

    • mozzo
    • 16. Oktober 2012 15:30 Uhr

    naja.. das waren jetzt halt drei Einzelschicksale. Ähnliche gibts hier in München auch. Nur die Zeit-Redaktion gibts hier halt nicht um Interviews zu führen.

    mit dem suedlich von FFM hab ich neben dem groesseren Einzugsgebeit von Frankfurt auch den ganzen Rest gemeint: BaWue und Bayern.

    Berlin hat ~14% A-lose und ein BIP pro Koppf von ~ 25.000 Euro, wobei die Stadt ziemlich zweigeteilt zu sein scheint: Auf der einen Seite der Politbetrieb mit Parlamenten, Beamten, Behoerden, Verbaenden, Lobbies und ein paar Konzernzentralen (DB). Also ein ordentlicher Wasserkopf, wo man sehr gut verdient, der aber zahlenmaessig relativ klein ist und vor allem geschlossen.

    Auf der anderen Seite gibt es dann die grosse Masse der Leute, die fuer 5 Euro irgendwelchen niederen Dienstleistungen nachgehen und nebenher studiern, lebenskuenstlern oder ihr Praekariat zelebrieren.

    • Afa81
    • 16. Oktober 2012 16:41 Uhr

    Meine Mutter (geb. in Bayern) und mein Vater (geb. in Norwegen) sind beide 1971 nach Berlin gekommen. Meine Eltern behaupten heute einstimmig, dass es mein Vater einfacher hatte. Er kam in Berlin an, hat sich dort informiert wo
    sich die Schweden, Dänen und Norweger so rumtreiben und hat sofort Anschluss gefunden.
    Für meine Mutter als Deutsche, die dadurch ja nichts besonderes war und auf keine spezielle, Deutsche Community zurückgreifen konnte, war es definitiv schwieriger.
    Beide sind dann nach Bayern gezogen wo ich dann zur Welt gekommen bin und heute ebenfalls in Berlin lebe - mit meiner Russischen Frau. Die Geschichte hat sich wiederholt...

    Ein Ausländer hat es in Berlin sicher leicher, erstmal Leute zu finden und in Deutschland anzukommen als auf dem Land in BaWü oder Bayern. Aber ich stimme zu - langfristig ist Berlin sicher nicht das Pflaster um Karriere zu machen.

    Man sollte nicht vergessen: Stuttgart ist die Stadt mit den meisten Menschen mit Migrationshintergrund. Und auch in unserer kl. unbekannten "Stadt" auf dem Bayerischen
    Land gibt es viele Ausländer oder Menschen mit Migrationshintergrund, die dort arbeiten. Also, die wissen schon, wo es Jobs gibt :-)

  4. Wenn ein junger Europäer wie der junge Grieche hier sagt, dass er denkt er helfem seinem Land ehr, in dem er es verlässt, dann wird einem klar dass das Projekt Europa gescheitert ist.

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    • Zitouni
    • 16. Oktober 2012 16:32 Uhr

    Vielleicht ist die Möglichkeit der freizügigen Wanderung genau der Punkt, indem es um das "vereinigte" Europa geht. So wie die Leute innerhalb Deutschlands, wenn sie die Möglichkeit haben, dahin ziehen, wo es für sie die besseren Arbeitsmöglichkeiten gibt, so ziehen die Leute innerhalb Europas dahin, wo sie Geld verdienen können. Dadurch erwirtschaften sie Steuereinnahmen, und diese können dann in Transferzahlungen durchaus ihrer ursprünglichen "Heimat" dienen.
    Wenn wir Europa wirklich wollen, müssen wir dies vielleicht akzeptieren, und begrüssen.

    • jkochtr
    • 16. Oktober 2012 16:36 Uhr

    Ganz und gar nicht! Subjektiv sicher traurig, wird so doch objektiv eine europäische Mobilität und Durchmischung gefördert, die langfristig dazu beiträgt eine Eu-Identität der Bevölkerung zu befördern. Das war und ist ja auch die Absicht der europäischen Politik und der so oft geschmähten Europapolitiker (z.B.Schäuble, Juncker). Die Krise befördert nun diesen ja gewünschten und beabsichtigten Effekt. Gerade dies ist ein erfreulicher Aspekt der Krise. Europa ist eben nicht gescheitert. Die Krise wird gehen,die Migrationseffekte werden bleiben.

    • SBNCL
    • 16. Oktober 2012 14:23 Uhr

    Vor fast 10 Jahren habe ich den Schritt aus Deutschland weg gemacht. Ich habe es mir auf dem damaligen Arbeitsmarkt mit einem brotlosen Studium selbst nicht einfach gemacht (ich studierte Philologie Deutsch, Englisch und Literatur). Der Arbeitsmarkt war (und ist?) dafuer nicht ausgelegt. Ich bin damals ein Jahr nach Studienabschluss nach UK und nach uber einem Jahr Gelegenheitsjobs und zielloser Praktika habe ich dort innerhalb 3 Wochen einen Vollzeitjob gehabt. Ein Job, der das abdeckte, was ich studiert habe. Ich sage nicht, es ist eine Loesung aus seinem Land wegzugehen aber es ist durchaus eine Option.

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    Auch innerhalb der USA, praktisch ein Sub-Kontinent, müssen sich die Menschen flexibel den unterschiedlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten anpassen und unter Umständen kurzfristig auf Veränderungen des Arbeitsmarktes innerhalb des riesigen Bundesstaates reagieren. Das heisst, ein gewisses nomadisierendes Verhalten an den Tag legen. Damit tun sich die Europäer schwer. Man bleibt eher im gewohnten Umfeld, nicht zuletzt auch deshalb,, weil man vielleicht ein Häusle für die eigene Ewigkeit gebaut hat. Die Schweiz war vor hundert Jahren auf dem Stand des heutigen Bangladesh. Das Ventil für die Jungen war die Emigration; nach Deutschland (!), Russland, die USA, Argentinien. Das alles natürlich auf eigene Rechnung und Gefahr und ohne die geringste soziale Absicherung. Die Maxime lautete: Vogel friss oder stirb! Nicht dass man sich das wünscht, aber nicht nur die Möglichkeit, sondern sogar die Wahrscheinlichkeit eines schleichenden sozialen Abstieges für breite Bevölkerungsschichten dürfte grösser werden. Staatliche £Eingriffe können das wahrscheinlich nur bedingt beeinflussen.

  5. "kann denen mal bitte jemand sagen...
    dass Berlin das deutsche Griechenland ist und oekonomisch quasi tot??"

    Das habe ich mir auch gedacht.
    Bin Berliner; Elektroniker.
    Aber Arbeit gibts hier kaum.
    Deswegen bin ich wiederum auf europaweiter Montage.

    Blühende Landschaften waren einmal...

    • MaxS2
    • 16. Oktober 2012 14:43 Uhr

    Für unser Land ist es natürlich toll, wenn jetzt soviele qualifizierte und fähige Menschen zu uns kommen.

    Trotzdem bleibt ein bitterer Nachgeschmack, wenn man an die Herkunftsländer denkt. Diese haben ebenso wie wir ein demographisches Problem und wegen der gemeinsamen Währung wird dort die Zukunft der jungen Menschen gefährdet. Diese Länder bluten aus, und vor dem Hintergrund kann ich mich darüber nicht freuen.

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