Migration : Wie die Suche nach Arbeit junge Südeuropäer nach Berlin führt

Jeder zweite junge Grieche oder Spanier hat die Wahl: Arbeitslos zu sein oder auszuwandern. Wir haben drei Auswanderer in Berlin bei ihrem Neustart mit der Kamera begleitet.
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39 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Diese jungen Menschen

leiden unter der Krise - sie sind ja nicht ganz freiwillig aus ihren Heimatländern weggegangen. Vielleicht schaffen sie es, sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen - vielleicht aber auch nicht - dann müssen sie in ein paar Jahren nachhause zurückkehren.
Andererseits bluten die Heimatländer dieser Menschen aus; wenn ich lese, daß mehr als 500 000 Spanier inzwischen ihre Heimat verlassen haben, frage ich mich, was aus dem Land wohl noch werden wird, denn mit Sicherheit sind die Auswanderer wohl ein Teil der besser ausgebildeten Menschen. Gleichzeitig verlassen viele gut ausgebildete Menschen Deutschland, um sich einen Job in der Schweiz oder Norwegen zu suchen - oder in Australien etc.
Wir haben also eine neue Völkerwanderung - und die, das sollte man nicht vergessen, ist politisch gewollt, sie ist kein Naturereignis und kein Schicksal. Hätte man eine andere Politik gemacht, wären auch die Ergebnisse anders. Und diese Politik ist nicht arbeitnehmerfreundlich, im Gegenteil, die früher erkämpften Rechte der Arbeitnehmer werden peu a peu ausgehebelt, mit prekären Beschäftigungsverhältnissen und Lohndumping. Gleichzeitig wird uns das als 'neue Freizügigkeit und Liberalisierung' angepriesen, das klingt besser.
Schöne neue Welt - in der wir uns in die Vergangenheit zurückentwickeln.
Es wird Zeit, daß die Arbeitnehmer sich wieder auf ihre Stärke besinnen und sich nicht mit Brot und Spielen abfinden lassen.

Andererseits....

...dass z.B. Polen einen solchen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt hat, ist der Tatsache geschuldet, dass sehr viele Menschen in andere Laender ausgewandert sind, Kenntnisse und Fertigkeiten erworben haben und dann zum einen internationale Netzwerke gebildet haben und zum zweiten nach einiger Zeit zurueckgekehrt sind, sobald in den jeweils anderen Laendern die witschaftliche Lage schwieriger wurde. Wer innerhalb Deutschlands einem Arbeitsplatz hinterherzieht, kann am Ende auch eine Tagesreise von seinem Heimatort entfernt sein und hat auch Freunde und Familie nicht in unmittelbarer Naehe.

Schon mal in die Fakten geschaut?

Deutschland hat ca 357000 km^2 Landesfläche, Spanien dagegen 505000 km^2. Das entspricht einer Bevölkerungsdichte in D von 229 / km^2, wohingegen in Spanien trotz dieser "Bevölkerungsexplosion" nur 94 / km^2 leben.

Das Territorium Deutschlands wird wohl erst mal so bleiben wie es ist und deswegen finde ich es ziemlich merkwürdig wenn sich Spanien durch Migration nach D stabilisiert. Stellen Sie sich mal vor D wäre in der Lage Spaniens und würde durch Migration z.B. nach Polen, Frankreich oder Tschechien sich zu stabilisieren suchen. Auf deren "freundliche" Aufnahme würde ich eher nicht setzen.

kann denen mal bitte jemand sagen...

dass Berlin das deutsche Griechenland ist und oekonomisch quasi tot??

Wer nach DE kommt zum arbeiten und dabei gut Geld verdienen, der muss leider in die Provinz: FFM und suedlich, aber da ist ja leider nix los und deswegen geht man da auch nicht hin.

Eine andere Erklaerung waere dann nur noch, dass die Leute bloed genug sind nicht mal wenigstens einen Blick auf die A-losenstatisik zu blicken. Dann wuerde mich aber auch nicht wundern, dass sie zu Hause keine Arbeit gefunden haben.

suedlich..

mit dem suedlich von FFM hab ich neben dem groesseren Einzugsgebeit von Frankfurt auch den ganzen Rest gemeint: BaWue und Bayern.

Berlin hat ~14% A-lose und ein BIP pro Koppf von ~ 25.000 Euro, wobei die Stadt ziemlich zweigeteilt zu sein scheint: Auf der einen Seite der Politbetrieb mit Parlamenten, Beamten, Behoerden, Verbaenden, Lobbies und ein paar Konzernzentralen (DB). Also ein ordentlicher Wasserkopf, wo man sehr gut verdient, der aber zahlenmaessig relativ klein ist und vor allem geschlossen.

Auf der anderen Seite gibt es dann die grosse Masse der Leute, die fuer 5 Euro irgendwelchen niederen Dienstleistungen nachgehen und nebenher studiern, lebenskuenstlern oder ihr Praekariat zelebrieren.

Es spielen auch soziale Aspekte eine Rolle...

Meine Mutter (geb. in Bayern) und mein Vater (geb. in Norwegen) sind beide 1971 nach Berlin gekommen. Meine Eltern behaupten heute einstimmig, dass es mein Vater einfacher hatte. Er kam in Berlin an, hat sich dort informiert wo
sich die Schweden, Dänen und Norweger so rumtreiben und hat sofort Anschluss gefunden.
Für meine Mutter als Deutsche, die dadurch ja nichts besonderes war und auf keine spezielle, Deutsche Community zurückgreifen konnte, war es definitiv schwieriger.
Beide sind dann nach Bayern gezogen wo ich dann zur Welt gekommen bin und heute ebenfalls in Berlin lebe - mit meiner Russischen Frau. Die Geschichte hat sich wiederholt...

Ein Ausländer hat es in Berlin sicher leicher, erstmal Leute zu finden und in Deutschland anzukommen als auf dem Land in BaWü oder Bayern. Aber ich stimme zu - langfristig ist Berlin sicher nicht das Pflaster um Karriere zu machen.

Man sollte nicht vergessen: Stuttgart ist die Stadt mit den meisten Menschen mit Migrationshintergrund. Und auch in unserer kl. unbekannten "Stadt" auf dem Bayerischen
Land gibt es viele Ausländer oder Menschen mit Migrationshintergrund, die dort arbeiten. Also, die wissen schon, wo es Jobs gibt :-)

Berlin ist in der Tat eine schöne, interessante aber zerrissene

Dem Vernehmen nach weist die Stadt Berlin innerhalb ihrer Grenzehn einen Bestand an Harz IV-Empfängern von sage und schreibe 400'000 auf! Was das für eine Stadt mit knapp 4 Mio Einwohnern bedeutet, muss nicht weiter beschrieben werden. Zwischen dem Wasserkopf des Staates und dessen Bürokratie mit ihren sozialen Privilegien auf der einen Seite und dem Präkariat auf der anderen, liegen Welten. Diese Situation verbessern können nur private Investoren, die auf den Industriestandort Berlin setzen. Die Frage stellt sich zwangsläufig, ob ein geistreicher und cooler Salonlöwe der richtige Regierende ist für diese Stadt in schwierigen Zeiten.