1. Historiker Volker Reinhardt warnt Politiker vor Inszenierung als Erlöser

2. Neue Studie: Lehrbedingungen an deutschen Hochschulen verschlechtern sich

3. Schauspielerin Natja Brunckhorst träumt von einem Lebensende am Filmset

4. Neue Studie: Schüler in Nord- und Westdeutschland duzen ihre Lehrer häufiger

5. Rostocker Polizeichef kritisiert DFB scharf für Umgang mit Ultras

6. Bundeskanzlerin Merkel: Unterrichtsausfall ist drängendstes Problem von Kindern in Deutschland

7. SPD-Vize Manuela Schwesig: Wutbürger nicht überheblich behandeln

8. Politikwissenschaftler hält politische Präferenz für partiell vorgegeben: "Man wird zu einem Teil bereits als Linker oder Rechter geboren"

9. Greenpeace warnt vor Gentechnik im Fisch

10. Veronica Ferres greift Finanzunternehmen DVAG an: "Ich bin aufgewühlt, enttäuscht und wahnsinnig wütend"

11. Maschmeyer ebnete den Weg für die Veröffentlichung von Skandalbuch

12. Air Berlin ermuntert Piloten trotz Krankschreibung zur Arbeit

13. Benediktinerpater Anselm Grün kritisiert die AfD: "Jesus war kein Rassist"

14. DDR-Bürgerrechtler Frank Richter hält Rechtspopulisten für wichtig

15. Thomas de Maizière kritisiert Kirchen für mangelnden Realitätssinn



Historiker Volker Reinhardt warnt Politiker vor Inszenierung als Erlöser

Der Historiker Volker Reinhardt hat Politiker davor gewarnt, sich im Wahlkampf als Erlöser zu inszenieren. "Erlöser haben mehr zu verlieren als ihre uncharismatischen Konkurrenten, die auf Verheißungen verzichten", so Reinhardt im Gespräch mit der ZEIT-Beilage Christ & Welt. "Wenn scheinbare Propheten ihre Versprechen nicht erfüllen, stürzen sie tief."

Über die Inszenierung des Kanzlerkandidaten Martin Schulz (SPD) als Erlöser habe er sich sehr gewundert. Schulz sei mit "überhöhten, auf ein goldenes Zeitalter gerichteten Erwartungen begrüßt" worden, obwohl er eher dem Typus des Funktionärs und Bürokraten entspreche.

Auch die FDP inszeniere ihren Spitzenkandidaten Christian Lindner als Heilsbringer. "Sein Heilsversprechen ist die Jugend, an die er konsequent appelliert. Er steht damit in einer langen Tradition von jungen Charismatikern, die sich als Vertreter einer dynamischeren Generation vermarkteten", so der Professor für Geschichte der Neuzeit an der Universität Fribourg. Die FDP präsentiere sich als Partei der Veränderung und profitierte von ihrer vierjährigen Absenz. "Das wird sich schnell abnutzen: Auch bei der Bundestagswahl 2009 inszenierte sie sich als Partei des Wandels – und erhielt erstaunliche 14,6 Prozent. Doch die Euphorie schlug schnell ins Gegenteil um", so der Historiker.

Neue Studie: Lehrbedingungen an deutschen Hochschulen verschlechtern sich

Neue Studie: Lehrbedingungen an deutschen Hochschulen verschlechtern sich

An den deutschen Hochschulen verschlechtern sich die Studienbedingungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft, die der ZEIT exklusiv vorliegt. Darunter leiden vor allem Kernfächer wie Ingenieurs- und Naturwissenschaften. So sind die Mittel, die eine Hochschule im Schnitt pro Ingenieurstudent ausgibt, seit 2006 um 19 Prozent gesunken. Ebenso betroffen sind die Naturwissenschaftler mit einem finanziellen Minus von 4 Prozent pro Student und die Mediziner mit 3 Prozent.

Im Uni-Alltag schlägt sich das in einer schlechteren Betreuungsquote nieder. Anders ausgedrückt: Professoren müssen immer mehr Studenten betreuen. Die mangelhafte Betreuung wirke sich auch auf den Studienerfolg aus, so die Macher der Studie. "Abbrecherquoten von zum Teil über 50 Prozent, zum Beispiel bei den Mathematikern, sind skandalös", so Christiane Konegen-Grenier, Wissenschaftlerin am IW und Autorin der Studie. Sie fordert einen Absolventenbonus, der den Hochschulen einen finanziellen Anreiz bietet, die Probleme zu beheben. Außerdem, so Konegen-Grenier, sollten die Hochschulpakte erneuert werden, die 2020 auslaufen. "Der klare Fokus muss dann aber auf der Lehre liegen."

Schauspielerin Natja Brunckhorst träumt von einem Lebensende am Filmset

Schauspielerin Natja Brunckhorst träumt von einem Lebensende am Filmset

Die Schauspielerin Natja Brunckhorst, die 1981 als Teenager in der Titelrolle des Films "Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" bekannt wurde, kann sich ein Leben ohne Film nicht vorstellen: "Ich würde gern eines Tages am Set hinter der Kamera tot umfallen", sagt Brunckhorst dem ZEITmagazin, und zwar "am letzten Drehtag, nach der letzten Klappe". Noch besser fände sie es, "im Kino für immer einzuschlafen", während ein neuer Film von ihr vorgeführt wird.

Als Schauspielerin habe sie es "sehr genossen, in andere Leben einzutauchen". Brunckhorst, die mittlerweile auch als Drehbuchautorin arbeitet, sagt, sie sei "auch dankbar dafür, dass ich alle möglichen Dramen in meine Drehbücher packen kann und sie deswegen nicht selbst leben muss". In ihrer Kindheit und Jugend habe sie "einige schwierige Phasen" gehabt. Rückblickend würde sie sich wünschen, "ein paar Jahre früher erkannt zu haben, dass es nicht immer nötig ist, sich an allem abzuarbeiten und aufzureiben". Brunckhorst: "Man bekommt auch viel geschenkt. ,Hör auf zu rudern, setz die Segel!‘ – das ist mein Leitspruch."

Neue Studie: Schüler in Nord- und Westdeutschland duzen ihre Lehrer häufiger

Neue Studie: Schüler in Nord- und Westdeutschland duzen ihre Lehrer häufiger

Ob Grundschüler ihre Lehrer duzen oder siezen, ist offenbar vom Bundesland abhängig und zugleich ein Indikator für die Leistungsorientierung von Lehrern. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die der ZEIT vorliegt. Während im Norden und Westen Deutschlands noch in der 4. Klasse das Du vorherrscht, dominiert im Süden und insbesondere im Osten das Sie. "In Niedersachsen, Bremen und Hamburg liegt die Duz-Rate zwischen 70 und 90 Prozent, in Bayern und Baden-Württemberg liegt sie bei etwa 40 Prozent, in Sachsen fällt sie unter 16 Prozent, und in Sachsen-Anhalt tendiert sie gegen Null", sagt der Germanist Wolfgang Steinig von der Universität Siegen, der das Phänomen untersucht hat.

Die Entscheidung für Du oder Sie hat Konsequenzen für die Sprachfähigkeit und Disziplin der Schüler. So lasse sich nachweisen, dass in Schulkulturen, die das Du erlauben, auch die Rechtschreibung einen geringeren Stellenwert genieße. Die Anrede ist "ein erstaunlich zuverlässiges sprachliches Signal dafür, wie Lehrer ihre eigene Rolle verstehen, welche Beziehung sie zu ihren Schülern haben und wie konsequent sie Leistungen einfordern, vor allem im Umgang mit der Schriftsprache", sagt Steinig der ZEIT. Das Siezen erfordere ein anspruchsvolleres Sprachverhalten, wer dagegen auf der Du-Ebene bleibe, spreche weniger formell – und kontrolliere sich weniger.

Rostocker Polizeichef kritisiert DFB scharf für Umgang mit Ultras

Rostocker Polizeichef kritisiert DFB scharf für Umgang mit Ultras

Der Rostocker Polizeidirektor Michael Ebert hat den DFB massiv für dessen Politik gegenüber den Ultra-Fangruppen kritisiert und mehr Engagement gefordert. "Es reicht aus meiner Sicht nicht aus, was der DFB an präventiver Fanarbeit leistet", sagt Ebert der ZEIT. Die zehn Millionen Euro, die der Verband für Fanarbeit an die Vereine der ersten drei Ligen gebe, seien "viel zu wenig". Es fehlt laut Ebert an "deutlicher, dauerhafter und klarer Positionierung, an glaubwürdigen Vorbildern gegen Gewalt, Intoleranz, Ablehnung und Hass – über das verbale Bekunden hinaus".

Der 47-Jährige wehrt sich dagegen, die Verantwortung für die Sicherheit in den Stadien ausschließlich der Polizei zu überlassen: "Verbände und Vereine entziehen sich immer noch zu sehr ihrer höchst ureigenen Verantwortung im Fußballalltag", so Ebert. "Ich bemängele seit Jahren die fehlende professionelle Distanz zwischen Vereinsoffiziellen und denen, die Gewalt ins Stadion tragen."

Seine Mitarbeiter seien in Konfliktsituationen oftmals ohnmächtig: "Wir haben mit Menschenmassen zu tun, in manchen Situationen umringen uns mehr als 1000 Fans. Wir können in diesen hochdynamischen, emotional geladenen und aggressiven Situationen oft nicht zwischen dem einzelnen Gewalttäter und vermeintlich Unbeteiligten differenzieren. Auch weil Unbeteiligte sich nicht entfernen, damit Deckung bieten, sich solidarisieren."

Eberts Kritik gilt auch den eigenen Reihen, auch die Polizei habe den Wandel in der Fankultur in Deutschland unterschätzt: "Wir haben in der Gesellschaft den Wandel vom Hooliganismus zur Ultrabewegung nicht umfassend verstanden und nicht richtig darauf reagiert – auch bei der Polizei nicht."

Bundeskanzlerin Merkel: Unterrichtsausfall ist drängendstes Problem von Kindern in Deutschland

Bundeskanzlerin Merkel: Unterrichtsausfall ist drängendstes Problem von Kindern in Deutschland

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält die hohe Zahl an ausfallenden Unterrichtsstunden für das größte Problem von Kindern. "Es sollte weniger Unterrichtsausfall geben", sagt Merkel gegenüber der LEO-Kinderseite der ZEIT auf die Frage, was sich für Heranwachsende in Deutschland am dringendsten verändern müsste. "Außerdem ist es wichtig, dass alle Schulen bald mit modernen digitalen Lehrmitteln ausgestattet sind und wenigstens Grundzüge des Programmierens vermitteln", so die Kanzlerin weiter. Von den Kindern selbst wünscht sich Merkel, dass sie, wann immer möglich, Zeit in der Natur verbringen.

Ihr Herausforderer Martin Schulz (SPD) plädiert dafür, dass alle Kinder die gleichen Bildungschancen bekommen sollten, "egal aus welchem Stadtteil und welcher Familie sie kommen und wie viel die Eltern verdienen". Und weiter: "Wenn Kinder miteinander spielen, interessiert es sie herzlich wenig, welche Hautfarbe der andere hat oder wo er herkommt", sagt Schulz gegenüber der LEO-Kinderseite der ZEIT.

Die Spitzenkandidatin der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, wünscht sich, "Kinder sollten öfter mal offline sein". Für Wagenknecht sei ein Nachteil der heutigen digitalen Welt, dass Kinder sich weniger mit sich selbst und mit Freunden beschäftigen würden.

Der grüne Spitzenkandidat Cem Özdemir drängt auf mehr Engagement von Kindern gegen Cybermobbing. "Im Internet ist es manchmal echt fies, wie sich manche Leute benehmen. Lasst sie damit nicht durchkommen!", fordert Özdemir gegenüber der LEO-Kinderseite der ZEIT. Die ZEIT hatte alle vier Spitzenkandidaten zu den aus ihrer Sicht drängendsten Problemen von Kindern befragt.

SPD-Vize Manuela Schwesig: Wutbürger nicht überheblich behandeln

SPD-Vize Manuela Schwesig: Wutbürger nicht überheblich behandeln

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) warnt davor, ostdeutschen Wutbürgern arrogant zu begegnen. "Manchmal kommen Westdeutsche und sagen: Die sollen sich mal nicht so haben. Die sollen mal dankbar sein. Aber mit dieser Einstellung komme ich an niemanden ran", sagt Schwesig der ZEIT. Das bedeute aber nicht, dass sie als Politikerin zu allem Ja und Amen sage. Wenn eine Rentnerin ihr erkläre, die Flüchtlinge seien besser gestellt als sie selbst – dann nütze es nichts, ihr zu sagen, dass man so nicht argumentieren dürfe, so die SPD-Politikerin: "Man muss erst mal zuhören, sich für die Argumente öffnen, auch wenn man sie für falsch hält. Nur so kommt man in die Diskussion."

Oftmals hätten biografische Brüche in der Nachwendezeit Minderwertigkeitsgefühle ausgelöst, glaubt Schwesig. "Ich weiß von meinen Eltern, dass Entwertungsgefühle nicht nur mit Geld zu tun haben. Es geht ganz einfach um Anerkennung." Auch ihr Vater sei nach 1990 arbeitslos geworden. Das sei ein tiefer Einschnitt für die Familie gewesen.

Politikwissenschaftler hält politische Präferenz für partiell vorgegeben: „Man wird zu einem Teil bereits als Linker oder Rechter geboren“

Politikwissenschaftler hält politische Präferenz für partiell vorgegeben: "Man wird zu einem Teil bereits als Linker oder Rechter geboren"

Der Schweizer Politikwissenschaftler Markus Freitag, der in einer groß angelegten Studie die Wähler seines Landes untersucht hat, hält die politische Präferenz von Menschen für in Teilen genetisch vorgegeben. "Es ist im Charakter angelegt, welche politische Position jemand einnimmt", so Freitag in einem Gespräch mit der Schweiz-Ausgabe der ZEIT. "Da unsere Charakterzüge zur Hälfte vererbt sind, heißt das: Man wird zu einem Teil bereits als Linker oder Rechter geboren." Freitag ist Professor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bern. Für seine Untersuchung hat er 14 000 Schweizerinnen und Schweizer einen Test aus der Persönlichkeitspsychologie absolvieren lassen. Das Modell "Big Five" beschreibt den Menschen anhand von fünf Charakterzügen und fragt, wie offen, gewissenhaft, verträglich, extrovertiert und emotional stabil jemand ist.

Der Politikwissenschaftler hält es für unbedingt notwendig herauszufinden, "wie einzelne Segmente eines Volkes ticken, um politische Entscheidungen an der Urne einordnen zu können". Allerdings sei eine Wahlentscheidung viel zu komplex, als dass man sie allein anhand von Persönlichkeitsmerkmalen ableiten könne. "Neben dem Charakter spielen auch das Alter, die Bildung, die Erfahrung, das Milieu und unvorhersehbare Ereignisse wie etwa Fukushima eine Rolle."

Auf die Frage, was seine Erkenntnisse, die er im Buch "Die Psyche des Politischen" veröffentlicht hat, über die Volksabstimmung über die große Schweizer Rentenreform vom kommenden Sonntag sagen, will Freitag keine Prognose wagen. "Dafür ist das Ganze viel zu knapp", sagt Freitag. "Wir tragen alle nicht nur ein Charaktermerkmal in uns, sondern mehrere. Wer gewissenhaft und extrovertiert ist, wird diese Vorlage tendenziell ablehnen; aber je verträglicher und offener er gleichzeitig ist, desto weniger wahrscheinlich wird ein Nein."

Greenpeace warnt vor Gentechnik im Fisch

Greenpeace warnt vor Gentechnik im Fisch

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnt vor kanadischem Genlachs in deutschen Kühltheken. Nachdem am Donnerstag dieser Woche das europäisch-kanadische Abkommen Ceta in Kraft trete, werde der Import von kanadischen Produkten wie genmanipulierten Fischen leichter, sagt Christoph von Lieven von Greenpeace der ZEIT. Kanada habe 2016 einen gentechnisch veränderten Fisch als Nahrungsmittel zugelassen und auf eine Kennzeichnungspflicht verzichtet. "Damit wächst die Gefahr, dass Genlachs in Deutschland verkauft wird", so von Lieven.

Bestätigt fühlt sich Greenpeace durch ein Schreiben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), das der ZEIT vorliegt. In dem verweist dessen Präsident Helmut Tschiersky zwar darauf, dass gentechnisch veränderte Produkte in Deutschland gekennzeichnet werden müssten und es Kontrollen gebe. Trotzdem könne nicht "zu 100 Prozent ausgeschlossen werden", dass geringe Mengen des gentechnisch veränderten Lachses in Deutschland auf den Markt kämen.

Greenpeace warnt zudem vor weiteren negativen Auswirkungen des Ceta-Abkommens auf den Verbraucherschutz und die Landwirtschaft. So sei die europäische Verbraucherschutz- und Agrarpolitik dort gefährdet, wo sie strenger als die kanadischen Bestimmungen seien. Gefährdet sieht die Umweltschutzorganisation neben der Kennzeichnung von Gen-Essen die Möglichkeit der Verbraucher, den Ursprung von Lebensmitteln zu erfahren

Veronica Ferres greift Finanzunternehmen DVAG an: „Ich bin aufgewühlt, enttäuscht und wahnsinnig wütend“

Veronica Ferres greift Finanzunternehmen DVAG an: "Ich bin aufgewühlt, enttäuscht und wahnsinnig wütend"

Die Schauspielerin Veronica Ferres fordert das Finanzunternehmen DVAG auf, zu einer angeblichen Rufmord-Kampagne gegen ihren Ehemann Carsten Maschmeyer und das damals von ihm geführte Unternehmen Allgemeiner Wirtschaftsdienst (AWD) Stellung zu beziehen: "Mich regt auf, dass die DVAG bisher noch nicht zur Rechenschaft gezogen wurde", sagt sie der ZEIT. "Ich fände es an der Zeit, dass Herr Bohl und die DVAG ihre kriminellen Machenschaften uns gegenüber erklären und zwar öffentlich." Ferres weiter: "Ich bin aufgewühlt, enttäuscht und wahnsinnig wütend."

Hintergrund der Ferres-Vorwürfe ist, dass der Autor Stefan Schabirosky in seinem kürzlich erschienenen Skandalbuch "Mein Auftrag: Rufmord" behauptet, von der DVAG jahrelang dafür bezahlt worden zu sein, das Konkurrenzunternehmen AWD in der Öffentlichkeit schlecht zu machen. Friedrich Bohl ist Aufsichtsratsvorsitzender der DVAG und ehemaliger Chef des Bundeskanzleramts.

In der Zeit der Kampagne sei sie persönlich bedroht worden, sagt Ferres der ZEIT: "Präsentiert wurden die manipulierten Geschichten sehr oft auch mit meinem Foto, weil es sich so besser verkauft hat." Und weiter: "Ich habe einen ganzen Aktenordner, voll mit schlimmsten Beschimpfungen. Da waren harte Drohungen dabei, Mails wie zum Beispiel: Wenn du den Mann nicht verlässt, vergraben wir dich als Leiche im Wald." Werbeverträge und Filmdeals seien wegen der Anfeindungen gegen Maschmeyer geplatzt. Auch die Kinder des Paares hätten darunter zu leiden gehabt: "Sie wurden ausgegrenzt und teilweise richtig angefeindet, in der Schule, im Sportverein, auf dem Spielplatz, für das, was ihrem Vater angedichtet wurde."

Maschmeyer ebnete den Weg für die Veröffentlichung von Skandalbuch

Maschmeyer ebnete den Weg für die Veröffentlichung von Skandalbuch

Der Unternehmer und ehemalige Vorstandsvorsitzende des Allgemeinen Wirtschaftsdienstes (AWD), Carsten Maschmeyer, war offenbar hinter den Kulissen in die Entstehung des umstrittenen Skandalbuchs "Mein Auftrag: Rufmord" eingebunden. Das berichtet die ZEIT. In dem im August 2017 erschienenen Buch beschreibt der ehemalige Finanzberater Stefan Schabirosky, wie er im Auftrag des AWD-Konkurrenten Deutsche Vermögensberatung (DVAG) fünf Jahre lang eine Rufmord-Kampagne gegen Maschmeyer und den AWD geführt hat.

Nachdem ein Verlag und mehrere Medien abgelehnt hatten, diese Geschichte zu veröffentlichen, traf sich der Autor Schabirosky 2016 mit Maschmeyer. Dieser vermittelte das Manuskript persönlich an den Herbig-Verlag. Mindestens zwei Mal traf sich Maschmeyer während der Produktionsphase des Buchs mit dem Verlag. Sein Anwalt Matthias Prinz hatte zudem Vorabdrucke aus dem Buch im "Handelsblatt" und der "Welt am Sonntag" eingefädelt.

Außerdem durften Maschmeyer und sein Anwalt das Buch bereits vor Druck lesen. Der ZEIT liegen zwei frühere Fassungen des Manuskripts aus den Jahren 2014 und 2015 vor, die sich stark von dem nun publizierten Buch unterschieden: Darin kritisiert der Autor seinen früheren Chef Maschmeyer als "kaltherzig, unfreundlich" sowie sein "Betrugssystem". Im nun publizierten Buch wird Maschmeyer dagegen als Opfer einer Rufmord-Kampagne porträtiert, der ein "Vorbild für alle" Mitarbeiter gewesen sei und keine Schuld an den umstrittenen Produkten des AWD trage.

Carsten Maschmeyer hatte seine Anteile am AWD 2008 an den Konzern Swiss Life verkauft und ist heute in der Öffentlichkeit vor allem als Investor und Juror der TV-Show "Die Höhle der Löwen" auf Vox bekannt. Ab 2018 soll er bei Sat.1 die Existenzgründer-Show "Das ist deine Chance" moderieren.

Air Berlin ermuntert Piloten trotz Krankschreibung zur Arbeit

Air Berlin ermuntert Piloten trotz Krankschreibung zur Arbeit

Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin hat krankgeschriebene Piloten, die sich wieder fit fühlen, zur Rückkehr an den Arbeitsplatz aufgefordert. Das geht aus einer internen Mitteilung aus dem Intranet des Unternehmens hervor, die der ZEIT vorliegt: "Viele Arbeitnehmer denken, dass es verboten ist, während der Krankschreibung an den Arbeitsplatz zurückzukommen und zu arbeiten. Ein Mythos... Ein Mitarbeiter kann also auch vor Ablauf der Krankschreibung wieder arbeiten gehen – und er sollte das sogar, soweit mit seinem persönlichen Befinden vereinbar, wenn er vorzeitig wieder arbeitsfähig ist." Unterschrieben ist das Schreiben mit: "Viele Grüße, Ihr Flugbetrieb."

Ein langjähriger Air-Berlin-Pilot kritisiert die Aufforderung scharf. "Diese Art, mit dem Personal umzugehen, ist neu", so der Air-Berlin-Pilot, dessen Name der ZEIT bekannt ist, der aber aus rechtlichen Gründen um Anonymität gebeten hat. "Das Motiv unseres Arbeitgebers war wohl, Mitarbeiter, die sich aus Frust krankschreiben lassen, zu ermuntern, schnellstmöglich wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Aber pauschal zu sagen: ‚Leute kommt vorzeitig aus der Krankschreibung zurück, wenn Ihr Euch gut fühlt!’, das halte ich für gefährlich. Der Arbeitgeber ist sogar haftbar, wenn dann etwas passiert."

In der vergangenen Woche hatten sich rund hundert Piloten überraschend krankschreiben lassen. Der hohe Krankenstand war als Protest gewertet worden. Air Berlin bestätigt den Inhalt der Mitteilung gegenüber der ZEIT. Das Unternehmen fordere "keinen auf, krank zur Arbeit zu kommen, sondern nur, wenn er wieder gesund ist"

Benediktinerpater Anselm Grün kritisiert die AfD: „Jesus war kein Rassist“

Benediktinerpater Anselm Grün kritisiert die AfD: "Jesus war kein Rassist"

Der Benediktinerpater Anselm Grün lehnt die Vereinnahmung von Jesus durch die AfD ab. "Die versuchen es. Aber die entsprechen Jesus sicher ganz und gar nicht", sagt Grün der ZEIT-Beilage Christ & Welt. "Jesus war kein Rassist, Jesus hat nicht verurteilt." Auch keine andere deutsche Partei könne Jesus für sich in Anspruch nehmen. "Keine Partei hat alle christlichen Werte im Programm. Obwohl die CDU und die SPD versuchen, sich ihnen anzunähern." Auf die Frage, ob Jesus ein Populist im positiven Sinne gewesen sei, sagt Grün: "Nein, er war ein freier Mensch. Populist war Jesus nicht. Populisten verbiegen sich." Jesus habe beim Predigen falsche Selbstbilder entlarvt und dem Volk nicht "aufs Maul geschaut"  – das sei das Gegenteil von Populismus.

DDR-Bürgerrechtler Frank Richter hält Rechtspopulisten für wichtig

DDR-Bürgerrechtler Frank Richter hält Rechtspopulisten für wichtig

Der frühere Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, fordert mehr Verständnis für rechtspopulistische Wutbürger. Vor wenigen Jahren habe man noch darüber geklagt, "dass die Gesellschaft gerade im Osten apolitisch und lethargisch sei", sagt Richter im Gespräch mit der ZEIT. "Nun erleben wir eine starke Politisierung. Die zeigt sich nicht formvollendet und korrekt wie im Proseminar Politikwissenschaft, sondern vulgär, auf der Straße, inklusive aller denkbaren Emotionen. Aber warum sollte das nicht erlaubt sein?"

Es sei notwendig, sich mit den Positionen der AfD auseinanderzusetzen, so Richter, der vor einigen Wochen aus der CDU ausgetreten war, weil er ihr eine fehlende Debattenkultur vorwirft. "Ich glaube nicht, dass plötzlich alles gut wäre, wenn wir ab morgen keine Populisten mehr hätten: Sie zeigen auf die Lücken, die andere Parteien lassen." Er sei selber "ein Wutbürger" gewesen, bekannte der Bürgerrechtler – in der DDR. Am Anfang der Wut stünden Ohnmacht und das Gefühl, die Welt nicht mehr mitgestalten zu können. "Das ist ein Gefühl, das sich nicht einfach wegdiskutieren lässt, dem muss man nachgehen", so Richter. Auf diese Weise könne man verhindern, dass zerstörerischer Hass entstehe.

Thomas de Maizière kritisiert Kirchen für mangelnden Realitätssinn

Thomas de Maizière kritisiert Kirchen für mangelnden Realitätssinn

Der Bundesinnenminister kritisiert die christlichen Kirchen als weltfremd: "Ich würde mir von den Kirchen manchmal mehr Verständnis wünschen für die Realitäten, in denen politisches Handeln stattfinden kann", sagt Thomas de Maizière der ZEIT. Der Protestant mahnt die Kirchen, sich "als Mittler im interreligiösen und interkulturellen Dialog noch mehr einsetzen". Zur Verantwortung der Religionsgemeinschaften gehöre es, ihre Mitglieder zur Toleranz aufzufordern.

Von den Islamverbänden verlangt er, sie sollten sich "aktiver in die Auseinandersetzung mit religiös begründeten extremistischen Positionen unter Muslimen einmischen". Islamistische Radikalisierung sei deshalb so brisant, weil sie "die deutsche Gesellschaft und die hier verbreitete Lebensweise sowie den Rechtsstaat" infrage stelle. "Diese Haltung ist religiös verbrämt, aber im Kern auf die Abschaffung unserer freiheitlichen Grundordnung gerichtet."

Zur Integrationspolitik erklärt der Minister: "Ich halte es für sehr wichtig, dass sich islamische Organisationen in Deutschland verorten und sich unabhängiger von Herkunftsländern wie der Türkei machen."