ZEIT-Vorabmeldungen : Aktuelle Vorabmeldungen

DIE ZEIT Nr. 07 vom 11. Februar 2016

Google-Vorstand Philipp Schindler: „Wir sind stärker herausgefordert denn je“

Google-Vorstand Philipp Schindler: "Wir sind stärker herausgefordert denn je"

Philipp Schindler, seit einem halben Jahr im Vorstand von Google und Chief Business Officer, erlebt in Kalifornien einen stärker werdenden Wettbewerb im digitalen Markt: "Die Wahrnehmung, welch starkem Wettbewerb wir unterliegen, unterscheidet sich dramatisch zwischen Europäern und Menschen im Silicon Valley", sagt Schindler in der Wochenzeitung DIE ZEIT. "In Europa werde ich dauernd gefragt, ob wir überhaupt noch Wettbewerb spüren, dabei sitzen wir alle in Kalifornien und denken, wir sind stärker herausgefordert denn je."

In den Schwellen- und Entwicklungsländern, in denen es darum gehe, "wer die so genannte ‚next billion’ für sich gewinnt, also die Menschen in den aufstrebenden Schwellenländern" stehe Google in starkem Wettbewerb mit Unternehmen wie Apple, Facebook, Amazon und WeChat aus China.

Vergangene Woche hatte der Internetkonzern Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, Jahreszahlen vorgelegt. Als Chief Business Officer sei er letztlich für sämtliche Einnahmen von Google zuständig, sagt der einzige Deutsche im Vorstand. Dazu zählt allen voran das Werbegeschäft der Suchmaschine, die Bewegtbildwerbung bei YouTube, aber auch der App-Store und die geschäftliche Seite von Google for Works. "Ich arbeite für eine Firma, die nach wie vor die Welt zum Positiven verändern will. Und ich muss dafür sorgen, dass wir das finanzieren können", so  Schindler.

Über YouTube und das Geschäft mit Bewegtbildwerbung sagt der Google-Vorstand: "Die Nutzung von YouTube ist in Deutschland allein im vergangenen Jahr um 40 Prozent gewachsen, und niemand zweifelt, dass diese Entwicklung weiter voranschreitet. Sie sehen es bereits in den USA: Dort wurde im vergangenen Jahr bereits mehr in Bewegtbildwerbung im Internet investiert als in klassische Fernsehwerbung." Davon profitiert YouTube. Genaue Umsatzzahlen weist Google allerdings nicht aus. Nur so viel sagt Schindler: "Einer der am stärksten wachsenden Bereiche sind so genannte How-to-Videos."

Von der Leyen: Kampf gegen Schlepperbanden in der Ägäis unter deutscher Führung

Von der Leyen: Kampf gegen Schlepperbanden in der Ägäis unter deutscher Führung

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen begrüßt den möglichen Einsatz eines Nato-Verbandes an der Meerpassage zwischen der Türkei und Griechenland. "Eine Präsenz der Nato-Schiffe (…) wäre ein ganz entscheidender Schritt, um den Schlepperbanden das Geschäft zu erschweren", sagt von der Leyen der Wochenzeitung DIE ZEIT. Die Ministerin verweist darauf, dass der Verband turnusgemäß unter deutscher Führung stehe. In ihm seien aktuell auch türkische und griechische Schiffe eingebunden. "Die Strukturen zur nahtlosen Abstimmung stehen und sind eingeübt", so die Ministerin. Die Außengrenze der EU könne an dieser Stelle "wirksamer als bisher" kontrolliert werden. An diesem Mittwoch werden die Nato-Staaten das Vorhaben besprechen.

Scharf kritisiert von der Leyen jüngste Äußerungen von AfD-Politikern. "Die Idee, wehrlose Menschen mit Waffengewalt vom Grenzübertritt abhalten zu wollen, zeigt die Ohnmacht und Plumpheit dieser Partei", sagt die Ministerin. Kassandra könne die AfD spielen: "Aber in der Rubrik Lösungen fällt ihr nichts Perfideres ein, als auf Flüchtlinge zu schießen." Das unterscheide die CDU fundamental von der AfD: "Wir spielen nicht Sicherheit gegen Menschenwürde aus. Wir wollen beides."

Von der Leyen wirft dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor, in der Syrienpolitik ein doppeltes Spiel zu spielen. Einerseits überziehe er die Bevölkerung von Aleppo mit einem Bombenteppich – und gleichzeitig setze er sich bei den Wiener Friedensgesprächen dafür ein, dass in Syrien nicht jede staatliche Ordnung verloren gehe. "Das ist zynisch", sagt die Verteidigungsministerin. "Russland sollte aufhören zu bomben und die Zukunft Syriens am Verhandlungstisch klären." Indirekt droht von der Leyen neue Sanktionen an: "Russland soll nicht glauben, es könne die Zivilbevölkerung in Syrien traktieren und ansonsten business as usual betreiben." Wirtschaftsbeziehungen seien nicht unabhängig von politischem Verhalten.

Stephan Weil: Verschiebung der Aufklärung des VW-Abgasskandals wird es nicht geben

Stephan Weil: Verschiebung der Aufklärung des VW-Abgasskandals wird es nicht geben

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) fordert die Einhaltung des Sachstandsberichts der Volkswagen AG in der zweiten April-Hälfte: "Eine Verschiebung des Sachstandsberichts über die Aufklärung der Hintergründe des Abgasskandals wird es nicht geben", so Weil in der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Über diese spannende Frage will Volkswagen nach wie vor in der zweiten April-Hälfte informieren."

Am vergangenen Freitag hatte die Volkswagen AG überraschend die seit Langem für den 8. März geplante Bilanzvorlage sowie die für den 21. April festgelegte ordentliche Hauptversammlung des Unternehmens verschoben. "Ich kann die Entscheidung des Vorstands, Bilanzvorlage und Hauptversammlung um einige Wochen zu verschieben, nachvollziehen", so der Ministerpräsident, das sei "letztlich auch im Sinne der Aktionäre".

Sozialpädagogen: Spitzenposition im Ranking der gefragtesten Akademiker 2015

Sozialpädagogen: Spitzenposition im Ranking der gefragtesten Akademiker 2015

Die gefragtesten Akademiker auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind 2015 die Absolventen von Fächern wie Sozialpädagogik oder Soziale Arbeit. Sie werden für die Versorgung und Betreuung von Flüchtlingen gebraucht. Parallel zur Entwicklung der Flüchtlingszahlen sind die Engpässe bei sozialen Berufen von Januar bis Dezember 2015 kontinuierlich gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft, die der Wochenzeitung DIE ZEIT exklusiv vorliegt.

"Die klassische Ordnung der Engpassberufe wurde 2015 auf den Kopf gestellt", so Oliver Koppel, Arbeitsmarktforscher beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. "Durch die Zuwanderung der Flüchtlinge sind bei den sozialen Expertenberufen viele neue Stellen entstanden."  

Breites gesellschaftliches Bündnis fordert: Deutschland muss ein weltoffenes Land bleiben!

Breites gesellschaftliches Bündnis fordert: Deutschland muss ein weltoffenes Land bleiben!

Die "Allianz für Weltoffenheit", ein breites Bündnis gesellschaftlicher Gruppen und Institutionen, fordert in einem gemeinsamen Aufruf, dass die Bundesrepublik ein menschenfreundliches, solidarisches und friedliches Land bleiben müsse. Die überparteiliche Allianz, in der sich unter anderem die großen Kirchen, der DGB und der BDA, der Zentralrat der Juden und der Koordinationsrat der Muslime zusammengeschlossen haben, fordert, "die Flüchtlings- und Einwanderungsdebatte sachlich und lösungsorientiert zu führen, statt öffentlich Ressentiments zu schüren".
"Wir rufen dazu auf, menschenfeindlichen Äußerungen und Handlungen, gleich woher sie kommen und gegen welche Gruppe sie sich richten, entgegenzutreten," heißt es in dem Aufruf, den die Wochenzeitung DIE ZEIT in Auszügen dokumentiert.
Die Unterzeichner treten dafür ein, "rechtsextreme, menschenverachtende Angriffe auf Geflüchtete und ihre Unterkünfte, auf Polizistinnen und Polizisten, auf Vertreterinnen und Vertreter der Presse sowie Helferinnen und Helfer strafrechtlich konsequent zu verfolgen".
Überall dort, wo das Gewaltmonopol des Staates missachtet oder Straftaten begangen werden, müssten die Täter strafrechtlich verfolgt werden, wobei Straftäter mit ausländischer Staatsangehörigkeit gegebenenfalls mit der Beendigung ihres Aufenthalts in Deutschland rechnen müssten, heißt es in dem Aufruf.

Den Aufruf unterzeichnet haben:
- Dr. Zekeriya Altuğ, Sprecher, Koordinationsrat der Muslime   
- Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland
- Reiner Hoffmann, Vorsitzender, Deutscher Gewerkschaftsbund
- Ingo Kramer, Präsident, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
- Kardinal Dr. Reinhard Marx, Erzbischof, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
- Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Präsident, Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege
- Dr. Josef Schuster, Präsident, Zentralrat der Juden in Deutschland
- Prof. Christian Höppner, Präsident, Deutscher Kulturrat
- Alfons Hörmann, Präsident, Deutscher Olympischer Sportbund
- Prof. Dr. Kai Niebert, Präsident, Deutscher Naturschutzring

Meryl Streep über ihren Juryvorsitz bei der Berlinale: „Ich beabsichtige, Spaß zu haben“

Meryl Streep über ihren Juryvorsitz bei der Berlinale: "Ich beabsichtige, Spaß zu haben"

Die amerikanische Schauspielerin Meryl Streep fühlt sich gewappnet für die Jury-Präsidentschaft bei der Berlinale. "Ich beabsichtige, (…) Spaß zu haben und die anderen Jurymitglieder ebenfalls dazu zu ermuntern", so Streep in der Wochenzeitung DIE ZEIT. Zwar sei sie "von allem eingeschüchtert, was nach einem geregelten Verfahren aussieht (...) Jedoch bin ich vierfache Mutter und weiß also, wie man Streit schlichtet, in schwierigen Situationen ablenkt und die Wogen glättet sowie kleine Vereinbarungen aushandelt, die wichtige lebenslange Auswirkungen haben können."

Sie habe in ihrem Leben nie die Präsidentschaft von irgendetwas angestrebt, "und ich denke auch nicht, dass die bevorstehende Erfahrung daran etwas ändern wird". Wichtig für die Jury, so Streep, sei das Vorhandensein von Vorurteilen anzuerkennen und zu versuchen, sie zu überwinden: "Mit anderen Worten: zu entdecken, zu lernen und die Filme möglichst von einem Standpunkt aus zu betrachten, der nicht unser gewohnter, nur in unserem eigenen Schädel existierender ist."

Zu der immer wieder an großen Festivals geübten Kritik, dass zu wenige Filme von weiblichen Regisseuren gezeigt würden, meint Streep: "Tatsache ist, dass es – zumindest in den Vereinigten Staaten – ebenso viele weibliche Absolventen von Filmschulen und Preisträgerinnen von Debütfestivals mit Erfindungsgabe und dem Ehrgeiz gibt, interessante Geschichten in die Welt zu bringen. Dass die Arbeit jener Frauen dann nicht weiter beachtet wird, ist der Fehler der Rekrutierer, der Studios, Kritiker, Blogger, Filmexperten und -agenten, die dafür verantwortlich sind, Karrieren zu fördern. Diese Leute sind vorrangig Männer und grundsätzlich nicht an Geschichten interessiert, die nicht von ihnen selbst handeln."  

Auf die Frage, was ihr Maßstab für einen guten Film sei, antwortet Streep: "Dass ich von ihm zu irgendeinem Zeitpunkt durchbohrt werde."

Und auf die Frage, was das Schlimmste während einer Jurysitzung wäre: "Ein Jurymitglied, das seine Langeweile ausstellt. Langeweile haben nur Langweiler, ich finde sie unerträglich."

Paul Kirchhof: 2005 vom Wähler „vor der Politik bewahrt“

Paul Kirchhof: 2005 vom Wähler "vor der Politik bewahrt"

Der emeritierte Jura-Professor Paul Kirchhof ist im Nachhinein nicht unglücklich darüber, kein  Minister geworden zu sein: "Der Wähler hat mit seiner Entscheidung für die große Koalition den Weg bestimmt und mich sozusagen vor der Politik bewahrt", so Kirchhof, der 2005 zu Merkels Schattenkabinett zählte, im ZEITmagazin. "Ich wäre bereit gewesen, mich mit ganzer Kraft für ein besseres Steuerrecht einzusetzen. Nun genießen wir unser Leben in Heidelberg."

Kirchhof war im Wahlkampf von Gerhard Schröder herablassend ‚dieser Professor aus Heidelberg’ genannt worden – eine Aussage, die bis heute an Kirchhof haftet. "Der Satz zu meiner Person sollte in der Aufgeregtheit des Wahlkampfes von meinem Konzept eines einfachen, allgemein verständlichen und gerechten Steuerrechts ablenken", so der 72-jährige ehemalige Bundesverfassungsrichter.

Nach der Wahl war Kirchhof mit seiner Frau vier Tage lang am Neckar Fahrrad gefahren. "Der Wahlkampf war für mich eine ganz ungewöhnliche Beanspruchung: ständig Vorträge, Diskussionen, Autoreisen. Das gleißende Licht der Medien ist für den erfahrenen Politiker kein Problem. Für mich war es eine Strapaze. Diese wollten wir hinter uns lassen, abschütteln."

Laetitia Casta kritisiert das Model-Geschäft

Laetitia Casta kritisiert das Model-Geschäft

Laetitia Casta (37), französisches Supermodel und Schauspielerin, kritisiert die Modelbranche. "Heute wird über ein Model ein Jahr lang gesprochen, dann ist es weg",  sagt Casta im ZEITmagazin. "Ich weiß nicht, wie diese Mädchen denken. Ob ihre Haut dick genug ist. Ich weiß nicht, was sie fühlen, wenn sie auf dem Laufsteg sind oder sich fotografieren lassen. Ob ihr Herz noch schlägt."

Sie selbst würde unter den heutigen Bedingungen keine Model-Karriere mehr starten können: "Ich bin zu sensibel dafür. Ich würde zerbrechen."

Laetitia Casta war in den 90er Jahren eines der bekanntesten Models der Welt – und ist für viele Franzosen ein nationales Symbol. Zuweilen hadert sie mit dieser Rolle. "Ich hatte in letzter Zeit nicht viel Grund, stolz auf Frankreich zu sein", so Casta.

Zur französischen Flüchtlingspolitik: "Frankreich will für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit stehen. Aber Frankreich verschließt sich, die Menschen haben Angst. Und deshalb werden sie kleingeistig." Sie finde, "dass (...) Deutschland das besser macht". Casta lobt das Nachbarland: "Die Deutschen haben die Flüchtlinge ins Land und sogar in ihre Häuser gelassen."

SPD-Politiker Eppler würdigt Merkels Flüchtlingspolitik

Der langjährige SPD-Politiker Erhard Eppler hat die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewürdigt. Mit einer "fast ungläubigen Verwunderung" sehe er, wie Merkel mit ihrer Aufnahmebereitschaft eine erstaunliche Aufwertung der Deutschen im internationalen Ansehen erreicht habe, sagt Eppler der ZEIT-Beilage "Christ und Welt". Er hoffe nun, dass es gelinge, in diesem Jahr den Zustrom auf die Hälfte zu reduzieren, "ohne dass Merkel kapitulieren muss". Eppler, der in diesem Jahr 90 wird, leitete von 1975 bis 1991 die Grundwertekommission der SPD. Von 1968 bis 1974 war er Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Kritisch beurteilte Eppler den jetzigen Zustand seiner eigenen Partei. Die SPD habe sich nie ganz dem Marktradikalismus entzogen. Doch hinter ihm stehe ein inhumanes Menschenbild: "Menschen werden zu Konkurrenten, die um Geld, Arbeitsplätze und Positionen kämpfen." Die Sozialdemokraten in ganz Europa würden politisch erst wieder eine größere Rolle spielen, "wenn sie diesem Gesellschaftsbild ein eigenes entgegensetzen können, in dem wieder Solidarität und Kooperation im Vordergrund stehen".