US-Befehlshaber in Europa: Baltische Staaten sind nicht zu verteidigen

US-Befehlshaber in Europa: Baltische Staaten sind nicht zu verteidigen

Der Befehlshaber der US-Landstreitkräfte in Europa, General Ben Hodges, glaubt, dass die Nato nicht in der Lage wäre, die baltischen Staaten vor einem Angriff der russischen Streitkräfte zu schützen. "Russland könnte die baltischen Staaten schneller erobern, als wir dort wären, um sie zu verteidigen", sagt Hodges in der Wochenzeitung DIE ZEIT. Der General stimmt der Einschätzung von Militär-Analysten zu, wonach russische Truppen innerhalb von 36 bis 60 Stunden die baltischen Hauptstädte erobert haben könnten.

Hodges berichtete zudem von zahlreichen Mängeln, die Nato-Truppen aus 22 Ländern während des Großmanöver "Anakonda" in Polen bei ihrer Zusammenarbeit festgestellt hätten. Dazu zähle, dass schweres Gerät nicht schnell genug von West- nach Osteuropa verlegt werden könnte. Große Sorgen, so Hodges, mache ihm auch die Kommunikationstechnik innerhalb des Bündnisses. "Weder Funk noch E-Mail sind sicher. Ich gehe davon aus, dass alles, was ich von meinem Blackberry aus schreibe, mitgelesen wird."

Ex-Notenbanker Issing: „Wir können nur beten"

Ex-Notenbanker Issing: "Wir können nur beten"

Der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, hat seinen ehemaligen Arbeitgeber aufgefordert, sich bei der Erreichung des Inflationsziels mehr Zeit zu lassen. Man solle "akzeptieren, dass es vielleicht etwas länger dauert" das Ziel zu erreichen, sagt Issing im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Stattdessen wird die Dosis expansiver geldpolitischer Maßnahmen immer weiter erhöht. Mich erfüllt es mit Sorge, wenn nun ernst zu nehmende Leute darüber reden, dass die Notenbanken sogar direkt Geld an die Bürger verteilen sollten."

Die EZB begründet ihre expansiven geldpolitischen Maßnahmen vor allem mit der niedrigen Inflationsrate. Sie strebt eine Teuerung von nahe, aber unter zwei Prozent an.

Die Notenbank müsse, so Issing, "einsehen, dass die Geldpolitik ihre Grenzen erreicht hat". Das Denken in den Zentralbanken werde aber zu sehr von abstrakten ökonomischen Modellen dominiert, die einen Anstieg der Inflation vorhersagen, wenn die Zinsen niedrig sind. "Ich bin nicht überzeugt davon, dass dieser Ansatz richtig ist, aber wir können eigentlich nur beten, dass das der Fall ist. Sonst wird irgendwann mit einem großen Knall die nächste Blase platzen", so Issing.

Der Ökonom spricht sich im Interview auch gegen eine immer engere Zusammenarbeit in Europa aus. "Die EU hat immer mit einem mehr an Integration auf Krisen reagiert. Das überzeugt niemanden mehr. Wir müssen uns sehr genau überlegen, welche Bereiche mit Blick auf die Stabilität der Union unbedingt zentralisiert werden müssen und was in nationaler Hand verbleiben kann oder sogar auf die nationale Ebene zurückverlagert werden sollte."

Das Urteil des Verfassungsgerichts über die Anleihekäufe der EZB habe ihn nicht überrascht. "Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ein selektiver Ankauf von Staatsanleihen einzelner Länder de facto gegen das Verbot der monetären Staatsfinanzierung verstößt."

Kölner Oberbürgermeisterin Reker räumt Fehler ein und bezeichnet ihren „Armlängen“-Satz als „unglücklich“

Kölner Oberbürgermeisterin Reker räumt Fehler ein und bezeichnet ihren "Armlängen"-Satz als "unglücklich"

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hält ihren umstrittenen Ratschlag an Frauen, eine Armlänge Abstand zu Fremden zu halten um Übergriffe zu verhindern, rückblickend für "unglücklich". Er sei vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrung entstanden, so Reker, die am 17. Oktober 2015 selbst Opfer einer Messerattacke geworden war: "Wenn man selbst so eine Erfahrung gemacht hat, dann erhält man sich gerne eine Illusion der Wehrhaftigkeit aufrecht", erklärt Reker im ZEITmagazin. Mit Blick auf die Ausschreitungen und massenhaften sexuellen Übergriffe, die sich in der Silvesternacht rund um den Kölner Hauptbahnhof ereignet haben, sagt Reker, der Kölner Polizei fehle es "schon seit Jahren" an Personal: "Ich bin überzeugt, dass dies das größte Problem an Silvester war: Es waren schlicht zu wenig Einsatzkräfte vor Ort."

Ihr eigenes öffentliches Auftreten nach Silvester sieht die Kölner Bürgermeisterin selbstkritisch: "Vielleicht habe ich den Frauen, den Opfern, zu wenig Trost gespendet", räumt sie ein. "Aber meine Aufgabe ist es, dass diese Stadt funktioniert, ich bin nicht die oberste Hirtin. Mir geht es um die Sicherheit in der Stadt."

Mit dem Wissen, über das man im Vorhinein verfügt habe, so der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD), "hätte man die Übergriffe nicht verhindern können". In der Nacht selbst seien dann Fehler gemacht worden: "In der Silvesternacht wussten viele etwas, aber keiner alles." Jäger zufolge sei es ein zentraler Fehler gewesen, dass der Einsatz der Polizei von der Kölner Polizeiinspektion Mitte geführt wurde.

Jäger kritisiert außerdem, dass sich die marokkanische Regierung bei Abschiebungen in das Land wenig hilfreich zeige. Seit Neujahr habe Nordrhein-Westfalen erst elf Marokkaner nach Marokko abschieben können. "Wenn das in dem Tempo weitergeht, dann ziehen sich die anstehenden Abschiebungen noch 25 Jahre hin", so Jäger.

Am Donnerstag, 23.06.2016, dem Erscheinungstag des ZEITmagazins, findet um 19 Uhr die Veranstaltung "Nach dem Exzess" zu den Rechercheergebnissen im Kölner Gloria-Theater statt. In Kooperation mit Instituten der Universität Köln versuchen unter anderem die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die Anwältin Seyran Ateş und ZEITmagazin-Redakteur Mohamed Amjahid eine Bestandsaufnahme der Ereignisse.

Staatsanwaltschaft zählt laut Anzeigen 1276 Opfer in der Silvesternacht zu Köln

Staatsanwaltschaft zählt laut Anzeigen 1276 Opfer in der Silvesternacht zu Köln

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Köln gibt es durch die Vorfälle in der Silvesternacht insgesamt 1276 mutmaßliche Opfer. Das berichtet das ZEITmagazin. Mit Stand vom 16. Juni lagen 1182 Anzeigen zur Silvesternacht in Köln vor, von denen sich 497 auf sexuelle Übergriffe beziehen, die 648 Opfer betreffen. 284 Personen wurden den Anzeigen zufolge zugleich Opfer eines sexuellen Übergriffs und eines Eigentumsdelikts. Es liegen fünf Anzeigen wegen vollendeter Vergewaltigung und 16 wegen versuchter Vergewaltigung vor.

Von den 183 Beschuldigten gelten 55 als Marokkaner, 53 als Algerier, 22 als Iraker, 14 als Syrer und 14 als Deutsche. 73 Beschuldigte sind Asylsuchende, 36 hielten sich illegal in Deutschland auf, elf hatten eine Aufenthaltserlaubnis; bei den Übrigen ist der Status ungeklärt. Acht Beschuldigte befinden sich derzeit in Untersuchungshaft.

Am Donnerstag, 23.06.2016, dem Erscheinungstag des ZEITmagazins, findet um 19 Uhr die Veranstaltung "Nach dem Exzess" zu den Rechercheergebnissen im Kölner Gloria-Theater statt. In Kooperation mit Instituten der Universität Köln versuchen unter anderem die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die Anwältin Seyran Ateş und ZEITmagazin-Redakteur Mohamed Amjahid eine Bestandsaufnahme der Ereignisse.

Stadtteilschulleiter: „Unser Schulsystem droht zu scheitern“

Stadtteilschulleiter: "Unser Schulsystem droht zu scheitern"

Die Leiter der Hamburger Stadtteilschulen schlagen gemeinsam einen weitgehenden Umbau des gesamten Schulsystems vor. Eine "Schule für alle" sollte aus ihrer Sicht als einzige weiterführende Schule anstelle der Zweiteilung in Gymnasien und Stadtteilschulen treten. So steht es in einem von 51 der 59 Stadtteilschulleiter beschlossenen Positionspapier, über das die Wochenzeitung DIE ZEIT in ihrem aktuellen Hamburg-Teil berichtet. "Das Zwei-Säulen-Modell mit Gymnasium und Stadtteilschule funktioniert nicht", sagt der Sprecher der Vereinigung der Schulleiter an Hamburger Stadtteilschulen, Thimo Witting. "Unser Schulsystem droht zu scheitern." Das Positionspapier wurde am Montag dem Senator übergeben und soll am heutigen Mittwoch veröffentlicht werden.

"Eigentlich sind wir die erste Säule, auf der man alle Abschlüsse bis zum Abitur machen kann", sagt Witting. "Das Gymnasium ist eine Spezialschule für eine ausgewählte Schülerschaft, die besonders leistungsfähig ist." Derzeit melden aber immer weniger Eltern ihre Kinder an den Stadtteilschulen an. "Wenn wir die soziale Ausgrenzung  beenden wollen, wenn wir die ungleiche Verteilung von Bildung und Wohlstand in der Stadt angehen wollen, dann müssen wir das Schulsystem ändern", folgert Witting. "Wir glauben, dass das Modell der einen Schule für alle dafür eine gute Lösung ist." In ihrem Papier kündigen die Schulleiter an, für die Durchsetzung der "Schule für alle" Bündnispartner in der Hamburger Gesellschaft zu suchen.

Schulpolitik ist in Hamburg seit Jahren umstritten, allerdings haben sich die Parteien vor sechs Jahren auf einen so genannten Schulfrieden verständigt: Nachdem eine von der damaligen schwarz-grünen Landesregierung geplante Reform in einem Volksentscheid gescheitert war, einigten sich die Parteien, das Schulsystem zehn Jahre lang nicht mehr anzutasten. "Wir können den Schulfrieden nicht beenden, weil wir keine Politiker sind", sagt Wittings Sprecherkollege Mathias Morgenroth-Marwedel. "Wir sind Praktiker. Wir würden uns aber eine Debatte wünschen, bei der Menschen zu Wort kommen, die etwas von Bildung verstehen."

Berlin entwickelt Aktienindex für "ethisches" Anlegen

Berlin entwickelt Aktienindex für "ethisches" Anlegen

Die Hauptstadt will ihre Rücklagen künftig nicht mehr in Aktien von Unternehmen stecken, "die mit Kriegswaffen, Atomkraft oder fossilen Energien ihr Hauptgeschäft machen", sagt der Berliner Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung  DIE ZEIT. Deshalb lasse er einen Aktienindex entwickeln. Diesen könne man als "eine Infrastruktur des ethischen Anlegens für den öffentlichen Bereich begreifen", so Kollatz. Der Index soll auch anderen Städten und Bundesländern zur Verfügung stehen.

Berlin verfügt als Versorgungsrücklage für die Berliner Beamten über 750 Millionen Euro, die von der Bundesbank verwaltet werden. Die Stadt wird den Auftrag zur Entwicklung und einer jährlichen Aktualisierung des Indexes ausschreiben. Bis zum Ende des Jahres soll der Index fertig sein.

Das Studium bewahrte Goto Midori vor einer Depression

Das Studium bewahrte Goto Midori vor einer Depression

Der international erfolgreichen Geigerin Goto Midori hat ein Studium geholfen, ihre schwere Depression zu überwinden. "Da galt es, Fristen einzuhalten, das gab mir eine Struktur vor, die mir auch in meiner Krise half", sagt die 44-jährige Ausnahmemusikerin dem ZEITmagazin.

Die aus Japan stammende und bereits seit dem Kindesalter in den USA lebende Midori hatte in den neunziger Jahren an schweren Schlaf- und Essstörungen gelitten. Sie schrieb sich dann in New York für ein Studium der Psychologie und Genderforschung ein. Zu dieser Zeit habe sie auch gelernt, das wertzuschätzen, "was ich bisher erreicht habe. Ich denke nicht mehr: Oh, ich habe dieses nicht, ich habe jenes verloren. (…) Ich denke positiv: Immerhin hatte ich das einmal. Das zu verinnerlichen hat mich gerettet." Midori lebt heute als Professorin für Violine in Los Angeles.

Franziska Weisz mag schlechte Träume

Franziska Weisz mag schlechte Träume

Die Schauspielerin Franziska Weisz, 36, mag keine netten Träume: "Merkwürdigerweise sind angenehme Träume für mich oft schlimmer als Albträume", sagt Weisz, die unter anderem als neue Tatort-Kommissarin an der Seite von Wotan Wilke Möhring spielt, im ZEITmagazin. Sie erinnere sich an einen Traum, in dem sie mit dem verstorbenen Großvater, den sie sehr vermisse, den Tag verbracht habe. "Es war ein wunderschöner Traum, ich muss im Schlaf gestrahlt und gelacht haben, so glücklich war ich. Dann aufzuwachen und zu merken, dass es nur ein Traum war und mein Großvater in Wahrheit tot ist, war viel schlimmer, als aus einem Katastrophentraum aufzuwachen."