Jens Spahn fordert strengere Zuwanderungsgesetze zur Sicherung von Sozialstandards

Jens Spahn fordert strengere Zuwanderungsgesetze zur Sicherung von Sozialstandards

Der CDU-Politiker Jens Spahn hält Deutschlands Einwanderungssystem für zu großzügig. "Es gibt wenige Länder auf der Welt, in denen es ab dem ersten Tag für Migranten und Flüchtlinge so hohe finanzielle Unterstützung gibt wie in Deutschland", schreibt er in einem Gastbeitrag in der Wochenzeitung DIE ZEIT.

"Wer in einem solchen System den sozialen Frieden nicht gefährden und Akzeptanz für Zuwanderung erhalten will, muss klare Regeln setzen, wer auf welchem Wege Teil dieser Gesellschaft, dieses Sozialstaats werden kann." Spahn fordert: "Wir müssen uns entscheiden: hohe Sozialstandards oder eine großzügige Zuwanderungspolitik."

Die doppelte Staatsbürgerschaft hält er für falsch. Kinder türkischer Einwanderer – diese Gruppe betrifft die Frage vor allem – sollen sich für einen Pass entscheiden. Das alte Optionsmodell, nach dem sie sich zwischen dem 18. und 23. Lebensjahr entscheiden müssen, ob sie die Staatsbürgerschaft ihrer Eltern oder nur noch den deutschen Pass behalten wollen, sei "richtig und besser als die jetzige Regelung".

Den Vorwurf, das Optionsmodell zwinge Deutsch-Türken zu Loyalitätsbekundungen, weist er zurück. "Es geht eben nicht um Ausgrenzung, sondern im Gegenteil um die Aufforderung, sich bewusst auseinanderzusetzen und im Idealfall positiv zu entscheiden für das Land, in dem man groß geworden ist und das einen sehr darin unterstützt, sich zu entfalten", schreibt er. Er antwortet damit auf ein ZEIT-Plädoyer für die doppelte Staatsbürgerschaft aus der Woche zuvor.

Spahn ist seit 2015 Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium.

Rektor der Türkisch-Deutschen Universität in Istanbul: „Unsere europäischen Freunde verstehen uns nicht“

Rektor der Türkisch-Deutschen Universität in Istanbul: "Unsere europäischen Freunde verstehen uns nicht"

Halil Akkanat, Rektor der Türkisch-Deutschen Universität in Istanbul, äußert sich enttäuscht über die deutschen Reaktionen nach dem Putschversuch am 15. Juli: "Dass unsere deutschen Freunde sich ausschließlich um die akademische Freiheit sorgen, hat mich traurig gemacht", so Akkanat in der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Schließlich sind beim Putschversuch etwa 250 Menschen gestorben und mehrere Tausend wurden verletzt." Von Partnern wie dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), mit denen man täglich zusammenarbeite, habe er angesichts dieser Lage erwartet, dass sie sich nach einem erkundigen, anstatt den Kurs der Regierung zu kritisieren.

Den Vorwurf aus Europa, der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan nutze den gescheiterten Putsch, um unliebsame Kritiker aus dem Weg zu räumen, empfindet Akkanat als ungerechtfertigt: "Unsere europäischen Freunde verstehen nicht, welches Trauma wir erlitten haben. Wir wurden von unseren eigenen Brüdern angegriffen."

Nun laufe die Beweisaufnahme für rechtsstaatliche Verfahren. Türkische Wissenschaftler, die sich anonym über die Willkür des türkischen Staates äußerten, wollten die Türkei nur schlecht machen: "Der Schluss liegt nahe, dass auch sie Gülenisten sind. Zum terroristischen Netzwerk gehören auch Rektoren und Professoren." Die Türkisch-Deutsche Universität wird von beiden Staaten gemeinsam finanziert, trotz der Unstimmigkeiten arbeite man weiter eng mit Institutionen wie dem DAAD zusammen. "Die Beziehungen werden jetzt nicht einfach abgebrochen", betont Akkanat.

Hochbegabtenklassen haben keinen Vorteil

Hochbegabtenklassen haben keinen Vorteil

Besonders intelligente Kinder in speziellen Hochbegabtenklassen unterrichten zu lassen, bringt keine Vorteile mit sich. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die der Wochenzeitung DIE ZEIT vorliegt. Wissenschaftler um den Würzburger Entwicklungspsychologen Wolfgang Schneider verglichen in der Studie Schüler aus 16 Begabtenklassen an bayerischen und baden-württembergischen Gymnasien mit Alterskameraden aus gewöhnlichen Gymnasialklassen.

Zwar zeigten die Schüler aus den Begabtenzügen unter anderem in Deutsch und Mathematik bessere Leistungen. Das führen die Forscher jedoch nicht auf den besonderen Unterricht, sondern auf die höhere Intelligenz der Schüler zurück. Rechnete man diesen Faktor heraus, gleicht sich das Leistungsniveau an jenes normaler Klassen an. Das Fazit des Abschlussbericht der PULSS-Studie (Projekt zur Untersuchung des Lernens in der Sekundarstufe) lautet: "Schülerinnen und Schüler mit besonders hohem intellektuellem Niveau kommen in beiden Kontexten mehrheitlich gut zurecht."

Chefanklägerin am Internationalen Strafgerichtshof beklagt „Glasdecke“ für Frauen

Chefanklägerin am Internationalen Strafgerichtshof beklagt "Glasdecke" für Frauen

Fatou Bensouda, Chefanklägerin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, plädiert für mehr Chancengleichheit: Die Gesellschaft wolle "uns Frauen einreden, dass für uns an einem bestimmten Punkt Schluss sein sollte. Da existiert eine Art Glasdecke, die unser Weiterkommen verhindert. Aber diese Barriere muss zerschmettert werden", so Bensouda im ZEITmagazin. "Es gibt keine Begrenzung! Nicht für mich und auch für niemand anderen."

Die 55-jährige Juristin stammt aus Gambia. Ihre Eltern hätten sie dazu erzogen, ein nützliches Mitglied der Gesellschaft zu sein: ",Sei kein Yafus‘, sagt man in Wolof, meiner Muttersprache. Das bedeutet, dass man nicht nutzlos und faul sein soll. Dass man immer danach streben muss, besser zu werden und etwas zur Gesellschaft beizutragen."

Eine Situation in der Vergangenheit sei ihr zum Ansporn geworden: Als der Vater eines Freundes gesehen habe, dass ihr Zeugnis besser war, als das des Sohnes, "schrie er ihn an: Wie kannst du es zulassen, dass ein Mädchen besser ist als du? Ich fühlte mich so erniedrigt", erinnert sich Bensouda. "Das war einer der seltenen Momente, in denen ich wirklich weinen musste. Und ich schwor mir, niemals in eine Situation zu geraten, wo man sagen könnte: Sie war eben schlechter, weil sie ein Mädchen ist. Bildung wurde mein Werkzeug, Bildung wurde meine Rettung. Letztlich bestärkte mich dieses Erlebnis nur auf meinem Weg."

Medizinnobelpreisträger Thomas C. Südhof gesteht Misserfolge ein

Medizinnobelpreisträger Thomas C. Südhof gesteht Misserfolge ein

Der Biochemiker und Medizinnobelpreisträger Thomas C. Südhof gesteht Misserfolge auf seinem beruflichen Weg ein. Südhof, der heute an der Universität Stanford in den USA lehrt, sei vor Jahren von der Studienstiftung des deutschen Volkes als Stipendiat abgelehnt worden. Lange Zeit habe ihn dies gekränkt: "Die Biologie- und Medizinprofessoren, die mich interviewten, waren relativ jung, aber konnten trotzdem nichts mit mir anfangen – ich gehörte nicht zu ihrer ‚In’-Gruppe", so Südhof in der Wochenzeitung DIE ZEIT. Die Ablehnung habe sich langfristig als lehrreich erwiesen. Seitdem kümmere er sich weder um "In-Gruppen", noch unterstütze er sie. "Das würde ich jedem raten!"

Die administrativen Kämpfe während seiner Zeit als Direktor des Max-Planck-Instituts für experimentelle Medizin in Göttingen waren aufreibend: "Das war wahrscheinlich der undankbarste Job, den ich je hatte." Nach eigenem Bekunden wäre er vor 15 Jahren gerne nach Deutschland zurückgekehrt. In dieser Phase seiner Karriere, "in der ich zwar schon einige Preise gewonnen hatte, aber noch nicht besonders bekannt war", so Südhof habe er "‘vorgesungen‘ bei einem Auswahlsymposium, aber das Komitee dachte wohl, ich sei zu alt und hat Leute ausgewählt, die etwas jünger waren. Im Nachhinein bin ich froh, da die letzten 15 Jahre die produktivsten Jahre meiner Laufbahn waren".

In der aktuellen ZEIT haben vier führende Vertreter der Wissenschaft ihre "Lebensläufe der Misserfolge publiziert". Damit greifen sie eine Idee auf, die der Princeton-Professor Johannes Haushofer kürzlich popularisiert hatte.

Fachärztin: Stotternde sollen bei Wahl der Therapie genau hinschauen

Fachärztin: Stotternde sollen bei Wahl der Therapie genau hinschauen

Katrin Neumann, Expertin für die Behandlung von Stotternden, warnt Patienten vor Enttäuschungen bei Therapien. "Wenn ein Anbieter Heilsversprechen macht, ist das ganz klar unseriös", sagt die Fachärztin für Phoniatrie und Pädaudiologie in Bochum in der Wochenzeitung DIE ZEIT. Den rund 800000 Stotternden in Deutschland werden viele Therapien angeboten, für die ein klarer Wirknachweis fehle.

Im September tritt nun eine neue Leitlinie für die Behandlung von Stotternden in Kraft. Sie fasst den aktuellen Stand der Forschung für Ärzte und Therapeuten praktisch zusammen. Eine Heilung bei Erwachsenen ist demnach nicht wahrscheinlich, bei Kindern sieht es anders aus. "Drei von vier Kindern hören tatsächlich von alleine wieder auf zu stottern. Das vierte Kind aber braucht so früh wie möglich eine wirksame Behandlung", sagt Katrin Neumann, die zu den Autoren der neuen Leitlinie gehört.

Die Experten plädieren auch für eine exaktere Bezeichnung und sprechen vom "originär neurogenen Stottern". So soll die Redeflussstörung ab jetzt heißen, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass Stottern zu 70 bis 80 Prozent erblich bedingt ist. Betroffene werden also mit der Veranlagung geboren. "Das Gehirn von Stotternden funktioniert von Anfang an anders", sagt Katrin Neumann.

Priester und Bestsellerautor Schießler spricht über die Liebe zu einer Frau

Priester und Bestsellerautor Schießler spricht über die Liebe zu einer Frau

Der katholische Pfarrer und Bestsellerautor Rainer Maria Schießler spricht in der ZEIT-Beilage "Christ & Welt" zum ersten Mal über Gunda, die Frau an seiner Seite. "Warum sollte ich als zölibatär Lebender für Gunda nicht genau dieselbe Art von Liebe empfinden, wie andere Menschen dies auch tun?", so Schießler. Er bezeichnet sie als seine Seelenverwandte. "Wenn ich sage, Gunda ist meine Haushälterin, wird das ihrer Bedeutung für mich nicht mal ansatzweise gerecht. Außerdem erfüllt das ein altes Klischee: der Pfarrer und seine Haushälterin – das passt überhaupt nicht. Und wenn ich sage, sie ist meine Freundin, versteht das jeder gleich falsch und vermutet etwas Sexuelles. Das passt genauso wenig." 

Man kenne sich seit 20 Jahren, heute sortiere Gunda seine Schränke, außerdem fahre man gemeinsam in den Urlaub – wenn auch sehr selten. Natürlich gebe es auch Kritiker dieser Freundschaft: "Aber auch die wissen, dass ich nicht gegen das Evangelium verstoße", so Schießler. "Wir leben in einer vollkommen sexualisierten Gesellschaft. Da fehlt es am Vorstellungsvermögen für eine andere Lebensform." Schießler weiter: "Die meisten Menschen können es sich einfach nicht vorstellen, dass man mehr vom Leben hat, wenn man eben nicht alles vom anderen haben kann." 

Das Zölibat bringe Einsamkeit mit sich, "das größte Berufsrisiko der Priester", so Schießler. "Die meisten meiner Zunft, denke ich, leben sozial eher isoliert. Singles. Sie waschen selber. Sie kochen selber. Und sind abends viel allein. Die meisten Priester haben keinen quasifamiliären Anschluss mehr. Deshalb besteht die Gefahr, irgendwann wunderlich zu werden."

Dennoch: Vom Zölibat sei er seit seiner Jugend fasziniert: "So sehr, dass ich ihn absolut überzeugt lebe: Und das freiwillig, anders macht’s keinen Sinn!" Das verpflichtende Zölibat für katholische Priester sieht er jedoch als Problem. "Das freiwillige Abenteuer wird zur Pflicht. Daran habe ich sehr viele, gerade junge Menschen zerbrechen sehen. Den Zölibat kannst du nicht erzwingen, das muss aus freiem Willen aus dir selbst heraus gewollt sein. Viele junge Männer, die mit Sicherheit hervorragende Seelsorger wären, schrecken vor dem Zölibat zurück. Die Folge ist, dass wir sehr guten Priesternachwuchs verlieren. Ein echtes Drama!"

Rainer Maria Schießler ist Pfarrer in der katholischen Münchner Pfarrgemeinde St. Maximilian Er moderiert eine eigene Talkshow für den Bayerischen Rundfunk, "Gäste & Geschichten", predigt im ZDF und schreibt eine Kolumne für die TV-Zeitschrift "Gong". Sein aktuelles Buch "Himmel, Herrgott, Sakrament" (Kösel Verlag) schaffte es auf die Bestseller-Liste des "Spiegel".

Sängerin Imany träumte von New York

Sängerin Imany träumte von New York 

Die französische Sängerin Imany hatte als Kind ein einziges Ziel: "Das Einzige, wovon ich wirklich träumte, war New York", sagt Imany dem ZEITmagazin. "Ich kannte die Stadt aus dem Fernsehen, sie war für mich ein Sehnsuchtsort", so Imany weiter. "Das ist kein Wunder, wenn man wie ich in einem Vorort von Paris aufgewachsen ist." Die einzige Möglichkeit, dieser Tristesse zu entkommen, seien ihre Träume gewesen: "In ihnen erschien mir New York lebendig und aufregend. Eine coole Metropole, wie im Film."

Mit 19 sei sie dann tatsächlich nach New York gekommen, weil sie einen Job als Model bekommen hatte: "An meine erste Nacht in der neuen Stadt erinnere ich mich noch genau: Sie war schrecklich. Ich wohnte in einem lausigen Hotel. Mein Zimmer war dunkel und dreckig. Vom engen Hinterhof war das Kreischen sterbender Vögel zu hören." Es sei "furchtbar" gewesen, erinnert sich die 37-Jährige. "Trotzdem war ich entschlossen, genau dort zu leben, in New York, der Stadt meiner Träume." Sie habe eine bessere Unterkunft bekommen und sei sieben Jahre geblieben.