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DIE ZEIT Nr. 25 vom 13. Juni 2013

Neu in der ZEIT

Hier finden Sie die Vorabmeldungen der ZEIT Nr. 25 mit Erstverkaufstag am Donnerstag, 13. Juni 2013. Die kompletten Artikel zu den nachfolgenden Meldungen senden wir Ihnen für Zitierungen gerne zu. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an DIE ZEIT Unternehmenskommunikation und Veranstaltungen (Tel.: 040/3280-237, Fax: 040/3280-558, E-Mail: presse@zeit.de). Unsere aktuellen Pressemitteilungen finden Sie unter www.zeit.de/presse.

Philipp Lahm: Merkel ist in Sachen Fußball  eine "echte Expertin"

Das Thema Fußball solle Barack Obama anlässlich seines Besuchs bei Angela Merkel lieber meiden. Das zumindest empfiehlt Philipp Lahm, Kapitän des FC Bayern München, dem US-Präsidenten in der ZEIT: "Nachdem ich Angela Merkel schon öfter treffen durfte, kann ich Ihnen, Mr. President, nur raten, abseits der politischen Themen keine Diskussion über Fußball zu beginnen, denn da ist unsere Bundeskanzlerin inzwischen eine echte Expertin."

Die Schauspielerin Eva Mendes wurde als Kind von dem Wunsch angetrieben, ihre Mutter "vor dem wirtschaftlichen Ruin zu bewahren": "Ich wuchs mit der tiefen Sehnsucht auf, sie eines Tages von diesem Druck und der ständigen Existenzangst befreien zu können", sagte Mendes dem ZEITmagazin. "Dieser Traum war ein wichtiger Antrieb für mich."

Ihre Mutter habe nach ihrer Flucht aus Kuba und der Trennung von ihrem Mann die kleine Eva und ihre Geschwister allein durchbringen müssen: "Sie hat sich aufgerieben, um uns Kleidung, Essen und ein Dach über dem Kopf geben zu können. Sie war meistens sehr gestresst, überarbeitet und voller Angst, die Rechnungen nicht zahlen zu können."

In gewisser Weise, sagt Mendes, sei sie selbst, als US-Model und Schauspielerin, für ihre Eltern "der große amerikanische Traum in Person". Wie viele Einwanderer, "die bereit sind, für ihre Träume immense Risiken einzugehen", seien ihre Eltern von der Hoffnung getrieben gewesen, "ihren Kindern bessere Chancen im Leben zu eröffnen. Es ist ein gutes Gefühl, dass es mir gelungen ist, diese Chancen zu nutzen und ihnen heute etwas zurückgeben zu können."

EU-Handelskommissar Karel De Gucht hat die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union davor gewarnt, sich von China in Handelsfragen gegeneinander ausspielen zu lassen. De Gucht sagte im Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT: "Wir Europäer sollten nicht in die Falle laufen, uns von irgendjemandem spalten zu lassen. Seien es die Chinesen, die Russen oder wer auch immer."

Zugleich verteidigte der Belgier seine Entscheidung, vorläufige Strafzölle auf chinesische Solarmodule zu verhängen. China betreibe "massives Preisdumping", sagte De Gucht. "Wenn wir ihnen das bei solch einer klaren Faktenlage durchgehen lassen, verschwindet in Europa ein ganzer Industriezweig. Und mit ihm die entsprechende Forschung." Es gehe also um mehr als nur Solarmodule: "Es geht hier darum, die wirtschaftliche Stellung Europas zu bewahren."

Die Entscheidung der EU-Kommission, Strafzölle zu verhängen, war von der deutschen Regierung öffentlich kritisiert worden. De Gucht sagte nun, es ärgere ihn, "wenn wir China in die Karten spielen. (…) Wenn China zu verstehen gibt, Deutschland sei für China das wichtigste Land, sollte Deutschland das nicht einfach glauben." Die Versuchung in den Mitgliedsstaaten, kurzfristig zu denken, sei vielleicht größer als in der EU-Kommission. "Die Mitgliedsstaaten verfolgen verständlicherweise nationale Interessen", so De Gucht. "Aber diese lassen sich langfristig nur gemeinsam durchsetzen."

EU-Handelskommissar Karel De Gucht hat dem Wunsch Frankreichs widersprochen, bei den geplanten Verhandlungen mit den USA über ein Freihandelsabkommen bestimmte Wirtschaftszweige auszuschließen. De Gucht sagte der Wochenzeitung DIE ZEIT: "Wenn wir das tun, öffnen wir den Amerikanern eine Tür, ebenfalls Themen auszuschließen, die für uns von Interesse sind. Schließlich gibt es auch auf Seiten der USA sensible Branchen."

Frankreich besteht darauf, die Film- und Musikindustrie bei möglichen Verhandlungen auszuklammern. Andernfalls droht die Regierung in Paris mit einem Veto. An diesem Freitag wollen die EU-Außenminister über die Aufnahme von Verhandlungen mit den USA entscheiden.

Die französische Film- und Musikindustrie ist bislang durch besondere EU-Regeln geschützt, die sogenannte "exception culturelle". "Niemand in der EU will diese Regeln ändern", sagte De Gucht. "Daher ist es nicht nötig, diesen Bereich komplett aus den Verhandlungen auszuschließen." Der Kommissar warnte Frankreich: "Wir sollten vorsichtig damit sein, Politik auf der Grundlage von Symbolen zu machen."

EU-Energiekommissar Günther Oettinger will die Haftung von Kraftwerksbetreibern europaweit vereinheitlichen. Der Wochenzeitung DIE ZEIT sagte Oettinger: "Ende des Jahres schlage ich vor, wie die Haftung für Kernkraftwerke geregelt werden muss. Dann weiß der Verbraucher endlich, was Atomstrom wirklich kostet."

An diesem Donnerstag wird Oettinger neue Sicherheitsregeln für Kernreaktoren auf den Weg bringen. Unter anderem sollen Stresstests künftig verbindlich geregelt werden. Untersuchungen nach Fukushima hätten Oettinger darin bestärkt. "Aus unseren Stresstests geht hervor, dass kein Kernkraftwerk stillgelegt werden muss, aber alle nachgerüstet werden müssen", erklärt Oettinger.

Nach einer Türkeireise hat Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschef Erwin Sellering (SPD) die Gemeinsamkeiten zwischen Ostdeutschen und Türken hervorgehoben. Ostdeutsche begegnen den Türken "unvoreingenommener" als Westdeutsche, sagte er in einem Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. "In den westdeutschen Ländern ist das Bild der Türkei geprägt von Millionen Gastarbeitern, die dort seit Jahrzehnten leben. Das gibt es im Osten nicht", so Sellering. "Ich glaube, dass wir deshalb unbefangener sind und kein vorgefertigtes Bild von der Türkei haben. Die Ostdeutschen sind empfänglicher für das neue, enorm große Potenzial der Türkei."

Ostdeutsche und die Türken hätten jeweils Erfahrungen damit, anderen gegenüber wirtschaftlich aufschließen zu müssen. "Wir holen seit 20 Jahren auf! Das bedeutet, dass wir reden können, die Ostdeutschen und die Türken", ergänzte der 63-Jährige. "Wir verstehen uns, sehen beide unsere Aufstiegsgeschichten. Wir haben das gleiche Grundgefühl."

Auf die Frage, ob es den Ost-Ländern gut täte, wenn dort mehr Migranten lebten, sagte Sellering: "Ja! Die leider bestehenden Ressentiments mancher Leute gegenüber Ausländern rühren schlicht daher, dass sie einfach keine kennen. Das Beste, das man tun kann, ist: Mit großer Selbstverständlichkeit Menschen zusammenbringen. Ich wäre zum Beispiel froh, wenn viele Mecklenburger und Vorpommern die Möglichkeit hätten, türkische Arbeitgeber kennenzulernen. Deshalb werbe ich ja in der Türkei um Investoren."

Sellering war am 4. Juni mit einer Wirtschaftsdelegation in die Türkei gereist. Über die dortigen Demonstrationen sagte er: "Mich fasziniert, mit wie viel Ernsthaftigkeit und mit wie viel Enthusiasmus die Proteste ablaufen. Ich hoffe, dass es gelingt, die Konflikte friedlich zu lösen."

Die Fragen, die Menschen überall auf der Welt beschäftigen, seien die nach der Gerechtigkeit, dem Gemeinwohl und dem Generationenvertrag, erklärt der US-Philosoph Michael Sandel im Interview mit der ZEIT. "Die wachsende Ungleichheit bei wachsendem Wohlstand beschäftigt alle", so Michael Sandel. "Die Frage, was Gerechtigkeit sei, ist vielleicht die wichtigste, die zurzeit überall gestellt wird."

Eine zweite große Frage, für die sich jeder interessiere sei die  Frage, "was Gesellschaften zusammenhält, was also das Gemeinwohl ist." Und als dritte Frage, mit der wohl jeder ringe, nennt Sandel, "die Frage nach dem Zusammenhalt der Generationen". 

"Philosophen sollten sich nicht als Menschen verstehen, die Fragen beantworten, sondern als solche, die Fragen stellen", sagt Michael Sandel, der an der Universität Harvard politische Philosophie lehrt. Anders als Forscher und Wissenschaftler ließen sich Philosophen "auf die Frage ein, wie wir leben, was ein gutes Leben wäre und was Ideen bedeuten".

Die ehemalige HSV-Managerin Katja Kraus glaubt, dass ihre Branche selbst für Profis gefährlich ist. "Die Fußballbranche ist faszinierend und zugleich extrem überdreht. Das ist eine Verlockung und eine Gefahr für die handelnden Personen", sagte die 42-Jährige dem ZEITmagazin. "Gerade für die Spieler, die noch sehr jung sind und ständig von allen Seiten ihrer Bedeutung versichert werden. Da ist es leicht, vom System korrumpiert zu werden und an die eigene Größe zu glauben, auch wenn es sich im Inneren anders anfühlt."

Kraus war selbst Torhüterin der Frauen-Nationalmannschaft, bevor sie 2003 in den Vorstand des Hamburger Sportvereins eintrat. Sie ist die einzige Frau, die jemals im Vorstand eines Bundesligaclubs arbeitete. 2011 wurde ihr Vertrag nicht verlängert. Heute sieht Kraus ihre Branche generell kritisch: "Wenn man sich in diesem Gefüge bewegt, bekommt man tatsächlich das Gefühl, Fußball sei die bedeutendste Sache der Welt."

Für ihr Buch "Macht", das eben erschienen ist, hat Kraus mit Prominenten gesprochen, die Top-Positionen verloren haben. Sie habe sich in vielen Aussagen wiedererkannt: "Ich fand erstaunliche Übereinstimmungen: zum Beispiel, dass die Menschen, die einem nach dem Bruch begegnen, allesamt freundlich und unterstützend sind. Die Egalität nach dem Fall wirkt offenbar tröstlich."

Am 26. Januar 1998 hätte Uwe Böhnhardt, einer der Gründer des NSU, verhaftet werden können – stattdessen ließ man ihn laufen. So schildern es jetzt zwei Polizisten im aktuellen ZEITmagazin.

Thomas Matczak, heute Kriminalhauptkommissar beim Staatsschutz in Jena, war an jenem Tag bei der Durchsuchung zweier Garagen in Jena dabei, die als mögliche Bombenwerkstätten in Frage kamen. Eine der Garagen gehörte der Familie Böhnhardt. Nachdem in einer dritten Garage, deren Mieterin Beate Zschäpe war, tatsächlich Sprengstoff gefunden worden war, beobachtete Matczak, wie Böhnhardt aus dem Haus seiner Eltern mit einer Reisetasche kam und vor den Augen der Polizei mit dem Auto wegfuhr.

Böhnhardt, Zschäpe und Uwe Mundlos galten damals bereits als harter Kern der thüringischen Rechtsextremen, am Tag der Garagenuntersuchungen verschwanden sie im Untergrund.

Der LKA-Beamte Mario Melzer, der damals bereits mit Ermittlungen gegen Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos beschäftigt war, war an diesem Tag für einem anderen Einsatz eingeteilt worden. Melzer sagte zu einer Reporterin des ZEITmagazins: "Als ich mitgekriegt habe, dass die drei weg sind, bin ich ausgerastet. Ich habe mich maßlos geärgert."

Die Geschichte des 26. Januars 1998 ist eine Geschichte voller Ungereimtheiten. So ist zum Beispiel der Leiter der Ermittlungsgruppe Terrorismus/Extremismus Jürgen Dressler ausgerechnet am Durchsuchungstag bei einer Fortbildung. In den Tagen nach der Durchsuchung kommt es zu einer Aneinanderreihung unglücklicher Umstände, zum Gerangel verschiedener Behörden, so dass ZEITmagazin-Autorin Jana Simon in ihrem Text die Frage stellt: "Wollte man die drei gar nicht fassen?"

"Diesen Verdacht kann man schon haben", sagt der Polizist Thomas Matczak. "So ein heilloses Durcheinander habe ich nie wieder davor oder danach erlebt."

Über seine persönliche Reinkarnation äußert sich das geistige und weltliche Oberhaupt der Tibeter, der Dalia Lama,  im Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT: "Mein individuelles Leben wird mit meinem nächsten Leben andauern. Und wenn die Lage bei meinem Tod so ist wie heute, dann werde ich aller Wahrscheinlichkeit nach in einem freien Land wiedergeboren werden", erklärt der Dalai Lama.

Der Zweck der Wiedergeburt sei, "dass wir eine in unserem vorherigen Leben unerfüllte Aufgabe erledigen. Also müsste meine Wiedergeburt  an einem Ort stattfinden, an dem das leichter fällt." Ginge es ihm dabei um harte Arbeit, würde er selbst "Deutschland wählen. Aber sehr wahrscheinlich wird daraus nichts. Denn der heitere Typ in mir zieht Italien vor", so der Friedensnobelpreisträger gegenüber der ZEIT.

Die Institution des Dalai Lama müsse hingegen nicht zwangsweise fortdauern. Wenn die Umstände so seien, dass diese Institution keine Bedeutung mehr habe, dann höre sie automatisch auf zu existieren.

Mit einem leidenschaftlichen Appell für einen "freundschaftlichen Dialog" hat sich der Dalai Lama zum ersten Mal in der Öffentlichkeit an die neue Führung in Peking gewandt. Dabei grenzte sich das religiöse Oberhaupt der Tibeter deutlich wie nie zuvor von den Selbstverbrennungen junger Tibeter in China ab. Im Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT warnte der Dalai Lama, dass die Selbstverbrennungen "Schaden anrichten und Gewalt auslösen" können, sowie der tibetischen Sache nicht helfen würden. Stattdessen fand er versöhnliche Worte gegenüber der neuen kommunistischen Führung in Peking. Nur eine in Übereinstimmung mit Peking erzielte Lösung könne das Tibet-Problem lösen, so der Dalai Lama.

Der Dalai Lama erinnerte seine Landsleute daran, dass jedes Denken an die Unabhängigkeit Tibets unangemessen sei und man sich aufrichtig zum Leben in der Volksrepublik China bekenne – "ohne jede Trennung von China". Deutlich bekannte er sich zur politischen Führungsrolle der chinesischen KP in Tibet. Seine Hoffnung gelte einer neuen "Ära Xi Jinpings". Xi ist seit vergangenem Herbst KP-Chef und seit März auch chinesischer Staatspräsident. Von ihm erwartet der Dalai Lama auch deshalb mehr Einsicht in die Forderungen der Tibeter, weil, so der Exilführer, heute 400 Millionen Buddhisten in China lebten, zu denen auch die Familie des KP-Chefs zähle.

Zuletzt hatte sich der Dalai Lama geweigert, zu den Selbstverbrennungen in Tibet Stellung zu nehmen. Nun will er mit seiner Kritik an den Aktionen radikaler Tibeter offenbar eine Tür zum Dialog mit der neuen chinesischen Führung aufstoßen. Die aber hält sich in der Tibet-Frage bisher bedeckt. Doch ist es für den 76-jährigen Friedensnobelpreisträger möglicherweise die letzte Chance zum Dialog mit Peking. Bisher verwehrten alle KP-Führer dem Dalai Lama das direkte Gespräch.


 
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