Neu in der ZEIT Aktuelle Vorabmeldungen
DIE ZEIT Nr. 23 vom 31. Mai 2012
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- Neu in der ZEIT
Hier finden Sie die Vorabmeldungen der ZEIT Nr. 23 mit Erstverkaufstag am Donnerstag, 31. Mai 2012. Die kompletten Artikel zu den nachfolgenden Meldungen senden wir Ihnen für Zitierungen gern zu. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an DIE ZEIT Unternehmenskommunikation und Veranstaltungen (Tel.: 040/3280-237, Fax: 040/3280-558, E-Mail: presse@zeit.de). Unsere aktuellen Pressemitteilungen finden Sie unter www.zeit.de/presse.
Günter Wallraff als Paketfahrer undercover für das ZEITmagazin unterwegs
Günter Wallraff war wieder undercover für das ZEITmagazin unterwegs. Seit mittlerweile fünf Jahren berichtet er regelmäßig über die Schattenseiten der Arbeitswelt. Diesmal recherchierte er monatelang verdeckt als Paketfahrer beim Logistikunternehmen GLS, das seinen deutschen Hauptsitz im hessischen Neuenstein hat. „Was mir die Kollegen in dieser Zeit berichtet haben, welche Zerstörung an Leib und Seele diese Arbeit für sie gebracht hat – ich hatte geglaubt, so etwas gäbe es seit dem Frühkapitalismus nicht mehr“, schreibt Günter Wallraff in seiner Reportage.
Kurz vor Weihnachten 2011 stieg er ins Paketauslieferungsgeschäft ein, in der Anlernphase zunächst als Beifahrer. Arbeitszeiten von 12 bis 14 Stunden sind in der Branche üblich zu einem pauschalen Festgehalt von 1200 und 1300 Euro brutto. Überstunden werden nicht gezahlt, Pausen sind bei den langen Touren der Fahrer kaum möglich – obwohl die Verordnungen über Lenk- und Pausenzeiten für Kraftfahrer eigentlich eine Dreiviertelstunde Pause nach 4,5 Stunden Lenkzeit vorschreiben. „Wenn du entsprechend dem Gesetz nach 4,5 Stunden Fahrt eine Dreiviertelstunde Pause machst, kommst du abends nämlich nicht im Depot an“, sagte einer der Fahrer. „Die unausweichliche Folge dieser ständigen Übermüdung ist, dass sie (die Fahrer) sich selbst und andere im Straßenverkehr erheblich gefährden“, schreibt Günter Wallraff im ZEITmagazin. Eine Statistik über Unfälle durch Paketfahrer existiere nicht, sie müsste seiner Ansicht nach dringend eingeführt werden.
Die Fahrer sind nicht von GLS angestellt, sondern von Subunternehmern, mit denen der Konzern Auslieferungsverträge unterzeichnet. So handhaben das auch viele andere Paket- und Kurierdienste. Die Konzerne können damit viele Risiken auslagern. Den Fahrern werde geraten, das Fahrtenbuch nicht allzu ernst zu nehmen und die Fahrtzeiten zu schönen.
„Die Arbeit zehrt an der Gesundheit, auch bei den vorwiegend jungen Fahrern. Sie altern in einem rasanten Tempo“, schreibt Wallraff. Häufig hielten Fahrer höchstens zwei, drei Jahre durch. Die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen ruinieren ganze Familien, viele Beziehungen zerbrechen daran. Am schlimmsten ist es nach Wallraffs Recherchen bei den Subunternehmern, die das ganze Unternehmerrisiko alleine tragen. „Ich habe bei meinen Recherchen über ein Dutzend Subunternehmer kennengelernt, die für GLS fahren oder gefahren sind. Bei allen mit zwei Ausnahmen sind die Beziehungen kaputtgegangen, die Familien zerbrochen.“ Meist halten auch die Subunternehmer nur einige Jahre durch und stehen nicht selten am Ende mit einem großen Schuldenberg da.
GLS konnte bislang für Gesetzesüberschreitungen von Fahrern und Subunternehmern nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Günter Wallraff fordert deshalb staatliche Kontrollen und gegebenenfalls Strafen gegen die Logistikkonzerne selbst und nicht gegen Fahrer und Subunternehmer.
GLS antwortete auf Anfragen: „Die Transportunternehmen werden bei der Erledigung von Transportaufträgen von GLS grundsätzlich zur Beschäftigung von Fahrern in rechtskonformen, sozialversicherungspflichtigen Anstellungsverhältnissen verpflichtet.“
Der frühere Botschafter der Schweiz in Deutschland, Thomas Borer, kritisiert die harte Haltung von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer im Fluglärmstreit am Züricher Flughafen. Um süddeutsche Anlieger zu verschonen, setzt sich die deutsche Seite nach Informationen der ZEIT für einen Staatsvertrag mit strengen Ruhezeiten und einer Begrenzung der Landungen ein. „Minister Ramsauer schneidet sich ins eigene Fleisch“, sagte Borer, der heute als Unternehmensberater tätig ist, im Gespräch mit der ZEIT. „Die deutschen Bürgerinitiativen an anderen Flughäfen werden von ihm die gleiche Behandlung bezüglich Einschränkungen des Fluglärms verlangen, wie das Bundesverkehrsministerium sie der Schweizer Seite abringen will.“ Die nächste Verhandlungsrunde zwischen Deutschland und der Schweiz ist für den 14. Juni geplant.
Einen „Energieminister“, fordert Hans-Peter Villis, Vorstandsvorsitzender des baden-württembergischen Energiekonzerns EnBW. Im Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT klagte Villis, seine Branche habe „keinen zentralen Ansprechpartner beim Thema Energie“. In Berlin herrsche ein „Dickicht“. Es fehle die „Klammer, die die dezentrale Energieerzeugung, den Netzausbau, die Subventionierung der erneuerbaren Energien und die Europapolitik koordiniert“.
Seit dem japanischen Atomunglück bei Fukushima habe die Regierung die Kommunikation mit seiner Branche leider weitgehend eingestellt, kritisierte der EnBW-Chef. Auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler kümmere sich nicht genug: „Er hätte mehr tun müssen.“ Werde die Energiewende weiterhin so schlecht umgesetzt wie bisher, könne es zu Stromausfällen kommen. Villis: „Wir werden die Versorgung nicht mehr garantieren können. (…) Das Risiko, dass uns in Zukunft partielle Abschaltungen des Stroms drohen, wird größer.“
Nach Auffassung von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) streiten Ostdeutsche weniger gern als Westdeutsche. Er beobachte, „dass Ost und West sich in der Öffentlichkeit unterschiedlich kontrovers auseinandersetzen“, schreibt Platzeck in einem Beitrag für die Wochenzeitung DIE ZEIT. Als eine Ursache nennt er die „unterschiedliche Sozialisation“: Während das Leben im Westen auf Wettbewerb ausgerichtet und konfrontativ verlaufen sei, sei es in der DDR eher kooperativ gewesen. „So erzogen, ist man leiser, zurückhaltender, vermittelnder“, so Platzeck. Nach der Wende „wurde insbesondere ritualisierter politischer Streit im Osten als hinderliche Polemik empfunden. Vielleicht ist deshalb auch der Begriff ‚Streit‛ bei den meisten Ostdeutschen immer noch eher negativ besetzt.”
Vor diesem Hintergrund wünscht sich der Direktor der Sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung, Frank Richter, mehr Streitlust im Osten. „Die Wertschätzung des politischen Streits ist im Osten nicht so stark ausgeprägt, wie ich mir das wünsche“, sagte der frühere Bürgerrechtler im ZEIT-Interview. „Ich habe den Eindruck, dass politische Debatten in den alten Bundesländern viel selbstverständlicher geführt werden“, so Richter. Für „geistige Wandlungsprozesse“ seien 20 Jahre ein zu kurzer Zeitraum. „Die DDR war als Konsensgesellschaft angelegt. Das heißt, dass der offen ausgetragene Streit nicht vorgesehen war“, sagte der Theologe. „Man darf nicht unterschätzen, wie stark und wie lange dieses erlernte Verhalten nachwirkt.“ Es gebe im Osten „das Defizit, dass man weniger bereit ist, die Zumutungen auszuhalten, die zur Demokratie gehören“.
Um für Debatten zu werben, hat Sachsens Landeszentrale für politische Bildung das Jahresmotto „Lasst uns streiten!“ ausgerufen.
Eine der erfolgreichsten deutschen Schriftstellerinnen, Juli Zeh, fordert niedrigere Preise für elektronische Bücher. Der ZEIT sagte Zeh: „Ich glaube (…), dass man durch überhöhte Preise die Verbraucher zum Klauen erzieht. Sie sind nicht bereit, für ein E-Book mehr als 20 Euro auszugeben, also machen sie Raubkopien. Die kriminelle Energie entsteht erst durch das Gefühl, abgezockt zu werden, und deshalb wäre es schlau, E-Books billiger anzubieten.“
Zeh kritisierte auch, dass sie ihre E-Books nicht weitergeben kann. „Wer im Internet eine Datei kauft, dem ist sie einfach nicht so viel wert, wie die Verlage heute verlangen, auch weil sie mit Kopierschutz belegt ist. Man kann sie nicht einfach dem besten Freund leihen wie das gute alte Buch. Nach dem Motto: Reich mir mal das E-Book rüber.“ In der seit Monaten tobenden Debatte ums Urheberrecht und die Frage, wie man es schützt, bezieht Zeh Stellung: „Ich stehe eher auf der Seite derer, die das Internet verteidigen. Aber ich bin trotzdem gegen das Raubkopieren. Beides kann man nämlich zusammendenken. Leider kapiert das momentan keiner.“
RTL-Gründer Helmut Thoma will den deutschen Fernsehmarkt noch einmal aufrollen und einen dritten, nationalen Senderverbund im Privatfernsehen aufbauen. Sein neues Projekt hieße „Volks.TV“, sagte Thoma der ZEIT. Der Start soll in den kommenden Wochen erfolgen. Thoma sagte, er wolle in den nächsten zwei Jahren das „erste deutsche Network“ knüpfen: Ein Verbund aus Regional- und Lokalfernsehsendern solle zu bestimmten Kernzeiten ein Mantelprogramm übernehmen, das er produzieren wolle. Eines Tages solle es bis zu 70 Prozent der Sendezeit der kleineren Fernsehstationen füllen. „Das Programm muss nur erfrischend anders sein, notfalls auch erschreckend anders – aber es muss anders sein.“
Entsprechende Verträge sind geschlossen. Thoma hat regionale Partnerstationen in NRW, Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Sachsen und der Rhein-Main-Region, die insgesamt elf Millionen Kunden mit ihren Programmen beliefern. Die Medienkonzerne Springer und WAZ sind bei Thomas „Volks.TV“ über diverse Beteiligungen an jenen Regionalsendern mit an Bord. Ein britischer Wagniskapitalgeber stellt das Startkapital bereit. Thoma beziffert die Kosten für die ersten zwei Sendejahre auf 30 Millionen Euro.
Der Großteil der Spieler siezt Bundestrainer Joachim Löw, manche duzen ihn aber auch. „Lukas Podolski duzt mich“, sagte Löw im Interview mit dem ZEITmagazin. „Damals als Co-Trainer unter Jürgen Klinsmann war das mit ihm irgendwie automatisch so. Explizit angeboten habe ich es niemanden“, so Löw. „Aber damals war ich zumindest mit allen älteren Spielern wie Lehmann, Ballack oder Frings per Du. Bei den jüngeren lief es – mit Ausnahme von Lukas Podolski – per Sie. Etwa bei Philipp Lahm oder Bastian Schweinsteiger oder Per Mertesacker. Und sie siezen mich auch heute noch – ebenso wie die jüngeren Spieler, die ab 2006 kamen.“ Löw selbst duze dagegen alle Spieler.
Der Vorsitzende der Piratenpartei, Bernd Schlömer, will mit Künstlern über das Urheberrecht sprechen. „Wir bereiten gerade Runde Tische zum Urheberrecht vor, da geht es um Journalismus, Bildung, Musik und Popkultur“, sagte Schlömer in einem Interview mit der ZEIT. Er kritisierte Parteimitglieder, die behaupten, Kunst sei ein Hobby und Künstler sollten vom bedingungslosen Grundeinkommen leben. „Ich kann die Fassungslosigkeit mancher Künstler verstehen, wenn sie so was hören. Aber wir sagen an keiner Stelle in unserem Programm, dass das, was Künstler tun, keinen Wert hat. Mich wundert, dass manche Piraten unsere eigene Position nicht richtig kennen und stattdessen mit Umsonst-Parolen das Feuer schüren.“
Laut Schlömer könnten die Piraten „in zwei Jahren“ regierungsfähig sein: Die Partei sei „jetzt in 25 Prozent der Bundesländer vertreten, sie muss den Parlamentsbetrieb kennenlernen. Wenn sie zeigt, dass sie gute Politik macht, ist sicherlich einiges vorstellbar“, sagte er mit Blick auf die Bundestagswahl. Dass sein Amt zu einem politischen Interessenkonflikt mit seiner Stelle als Referent im Verteidigungsministerium führen könnte, glaube er nicht. „Die Piratenpartei hat schon vor geraumer Zeit gesagt, dass sie dagegen (das nationale Cyberabwehr-Zentrum) ist. Ich selbst habe mich zu den Einsätzen gegen die Piraten in Somalia geäußert und gesagt, dass eine gute Entwicklungshilfepolitik die beste Außen- und Sicherheitspolitik ist.“ Seine politische Haltung habe keine Konsequenzen für ihn gehabt. „Ich mache nicht Politik, weil ich ein bestimmtes Karrieremodell vor Augen habe und mein Leben zusammenbricht, wenn ich nicht mehr Bundesvorsitzender bin.“
- Datum 30.05.2012 - 20:08 Uhr
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