1. Schauspielerin Alicia von Rittberg will sich Alternativen offen halten

2. Marieluise Beck: Von Kriegseindrücken in Bosnien geprägt

3. Judith Butler: Die Freiheit der Universitäten verteidigen

4. AfD-Reisen nach Osteuropa offenbar mit russischer Unterstützung / Umstrittene Wahlbeobachtermissionen sollen Außenpolitik des Kreml legitimieren

5. Air-Berlin-Chef Winkelmann sieht seine Firma als Opfer des neuen Berlin-Flughafens

6. Umweltpsychologe kritisiert Lärmgrenzwerte für Autos als "bedenklichen Bonus für PS-Protze"

7. EKD-Ratsmitglied Rachel: Evangelische Kirche nimmt zu wenig Rücksicht auf konservative Christen

8. Ströbele: Ohne mich wäre Merkel wohl nicht Kanzlerin geworden

9. Continental-Vorstandsfrau berichtet von früherer Diskriminierung


Schauspielerin Alicia von Rittberg will sich Alternativen offen halten

Die Schauspielerin Alicia von Rittberg ("Herz aus Stahl") möchte sich mit ihrem Studienabschluss "weitere Möglichkeiten" offen halten. Sie habe "nicht alles auf den einen Traum Schauspielerin setzen" wollen, so die 23-Jährige im ZEITmagazin. "Woher sollte ich schließlich wissen, ob ich das in fünf Jahren überhaupt noch machen wollte? Dazu kam, dass ich mich nie nur als künftige Schauspielerin gesehen habe, daneben gab es immer noch etwas anderes, vielleicht eine kleine eigene Firma. Und eine große Familie!" Außerdem, so von Rittberg weiter, "half es mir, mit den kleinen geplatzten Träumen zurechtzukommen: Wenn ich mal eine Rolle nicht bekommen habe, habe ich mich eben wieder auf die Uni konzentriert, dadurch gab es nie Leerlauf."

Nach dem Abschluss des Studiums glaube sie nun, "dass es an der Zeit ist, mich ganz und gar auf einen Traum zu konzentrieren und darin Erfüllung zu suchen: und zwar auf den Traum, als Schauspielerin richtig Fuß zu fassen".

Marieluise Beck: Von Kriegseindrücken in Bosnien geprägt

Marieluise Beck: Von Kriegseindrücken in Bosnien geprägt

Marieluise Beck, 65, Grünen-Politikerin, verabschiedet sich nach mehr als 30 Jahren aus dem Bundestag. Besonders geprägt hätten sie ihre Reisen nach Bosnien während des Krieges in den 90er Jahren, sagt Beck dem ZEITmagazin. Die Begegnungen im Kriegsgebiet hätten zu einer "180-Grad-Drehung" in ihrem Kopf geführt: "Nie wieder Aggression ist die eine Seite. Die andere ist: Schutz derjenigen, die zu Angegriffenen werden." Für die pazifistischen Grünen sei das damals eine schwierige Position gewesen, denn "um sie zu schützen, braucht man notfalls militärische Mittel".

Auch persönlich seien die Erlebnisse in Bosnien einschneidend gewesen. Auf einer Reise geriet sie in ein Dorf nah der Front, "wir hörten das Artilleriegedonner", so Beck. "Ich habe gedacht: Was ist, wenn du deine Kinder nicht wiedersiehst? Nie wieder habe ich eine solche Angst verspürt." Trotzdem sei sie danach immer wieder nach Bosnien gefahren.

Beck engagiert sich in ihrer Fraktion bis heute für Osteuropa. "Wenn ich jetzt in die Ukraine reise, habe ich oft ein Déja-vu."

Judith Butler: Die Freiheit der Universitäten verteidigen

Judith Butler: Die Freiheit der Universitäten verteidigen

Judith Butler wehrt sich gegen den Vorwurf von Alice Schwarzer, ihr Werk sei sektiererisch und schade der feministischen Sache. Schwarzers Darstellung ihrer Person, sei, so die amerikanische Philosophin im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT, eine "Karikatur" und entstamme keiner "sorgsamen, wissenschaftlichen Lektüre". Schwarzer hatte Butler und die von ihr begründeten Gender Studies vergangene Woche in der ZEIT (Nr. 33/2017) als frauenfeindlich kritisiert. Dies sei zwar Schwarzers gutes Recht: "Allerdings unterstützt Alice Schwarzer damit einen antiintellektuellen Zeitgeist", so Butler.

Judith Butler, die an der University of California in Berkeley Rhetorik und Komparatistik lehrt, fordert außerdem, sich nach den rechtsextremen Gewaltausbrüchen in Charlottesville zu positionieren: "Wir müssen dem systemischen Rassismus radikal entgegentreten." Es sei kein Zufall, dass die Gewalt ausgerechnet in einer Campus-Stadt ausgebrochen sei: "Die Universitäten gelten als liberale Orte, an denen Antirassismus unterrichtet wird und wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden, die soziale und politische Debatten stützen, etwa die Klima- und Gesundheitspolitik."

Die weltweite Solidarität für die Wissenschaft beim "March for Science" im April diesen Jahres bewertet Butler als "bedeutend". Die Bedingungen für freie Forschung und Lehre gerieten weltweit in Gefahr.

AfD-Reisen nach Osteuropa offenbar mit russischer Unterstützung / Umstrittene Wahlbeobachtermissionen sollen Außenpolitik des Kreml legitimieren

AfD-Reisen nach Osteuropa offenbar mit russischer Unterstützung / Umstrittene Wahlbeobachtermissionen sollen Außenpolitik des Kreml legitimieren

Deutsche Geheimdienste gehen Hinweisen nach, wonach Russland gezielt Rechtsextremisten sowie Teile der Alternative für Deutschland (AfD) nutzt, um die Politik des Kreml in abtrünnigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu legitimieren. Im Mittelpunkt der Aktivitäten steht das Deutsche Zentrum für Eurasische Studien in Berlin, das 2016 vom Chefredakteur der rechtsextremen Zeitschrift "Zuerst!", Manuel Ochsenreiter, zusammen mit dem AfD-Funktionär Markus Frohnmaier gegründet worden ist. Ochsenreiter organisiert seit mehreren Jahren Wahlbeobachtermissionen für Landtagsabgeordnete der AfD in separatistische Gebiete wie den Donbass, nach Bergkarabach oder in die Ukraine. Mindestens elf Parlamentarier der AfD reisten seit 2014 zu inoffiziellen Wahlbeobachtermissionen und gaben so der umstrittenen russischen Außenpolitik den Anstrich internationaler Legitimität. Bezahlt wurden die Reisen teilweise von der jeweiligen pro-russischen Regierung oder kremlnahen Thinktanks. Das berichtet die Wochenzeitung DIE ZEIT in ihrer aktuellen Ausgabe.

Eine wichtige Rolle spielte dabei der Mitgründer des Deutschen Zentrums für Eurasische Studien, Mateusz Piskorski, der im vergangenen Jahr in Polen als mutmaßlicher russischer Agent festgenommen wurde. Deutschen Geheimdiensten lägen Hinweise vor, wonach mindestens eine von Piskorski organisierte Reise auf die Krim "durch russische Nachrichtendienste gesteuert oder zumindest maßgeblich beeinflusst wurde", heißt es in einer Expertise für das Kanzleramt. Moskau fördere gezielt "Parteien aus dem rechten Lager, die für populistische Ziele werben und für gute Beziehungen zu Russland einstehen".

Die Pseudo-Wahlbeobachtungen sind umstritten. Kritiker werfen der russischen Regierung vor, die Abstimmungen in Ländern von autoritären pro-russischen Regierungen durch eigene westliche Beobachter legitimieren zu wollen. Der Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff (FDP), kritisiert die AfD-Abgeordneten massiv für ihre Teilnahme: "Durch ihren Besuch werden die Mandatsträger der AfD zu Marionetten der russischen Regierung", sagt Lambsdorff der ZEIT. Die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel, deren Sprecher Markus Frohnmaier zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Zentrums für Eurasische Studien zählt, wollte sich gegenüber der ZEIT nicht zu den Aktivitäten äußern.

Air-Berlin-Chef Winkelmann sieht seine Firma als Opfer des neuen Berlin-Flughafens

Air-Berlin-Chef Winkelmann sieht seine Firma als Opfer des neuen Berlin-Flughafens

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann hofft trotz der Insolvenz seiner Fluglinie Schaden von den Mitarbeitern abzuwenden. Der Wochenzeitung DIE ZEIT sagt Winkelmann: "Ich glaube, trotz Insolvenz mein Ziel zu erreichen und einen Großteil der Jobs zu sichern. Das kriegen wir hin." Der Schritt sei jedoch unumgänglich gewesen: "Eine Insolvenz ist immer eine schlechte Nachricht, das ist kein zynisches Spielchen, das wir hier treiben."

Als Grund für die Misere seiner Fluggesellschaft nennt Winkelmann auch die Verzögerungen beim Bau des Berliner Flughafens: "Natürlich ist Air Berlin auch ein Opfer der dauernden Verschiebungen um den neuen Flughafen BER. Wir tragen Berlin im Namen, sind der Königscarrier hier und haben unser gesamtes Konzept der Umsteigeverkehre auf diesen neuen Flughafen ausgelegt. In Tegel geht das nicht, das haben meine Vorgänger schmerzhaft erlebt."

Umweltpsychologe kritisiert Lärmgrenzwerte für Autos als „bedenklichen Bonus für PS-Protze“

Umweltpsychologe kritisiert Lärmgrenzwerte für Autos als "bedenklichen Bonus für PS-Protze"

Der Verkehrslärm-Experte Rainer Guski kritisiert im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT die Lärmgrenzwerte für Pkw und Lkw als "sehr hoch". Der Umweltpsychologe von der Ruhr-Universität Bochum verweist darauf, dass der Straßenverkehr in deutschen Städten in den vergangenen dreißig Jahren lauter geworden sei. "Außerdem gelten die Anforderungen des Kraftfahrtbundesamtes ungeprüft schon als erfüllt, wenn die Hersteller technische Unterlagen dazu vorlegen", sagt Guski. "Wenn Sie nach der Zulassung einen lauten Reifen aufziehen, prüft das niemand."

Guski fordert: "Wir brauchen Grenzwerte für das gesamte Fahrzeug im Fahrbetrieb, die beim TÜV wiederholt geprüft werden." Der Experte beklagt, es gebe beim gesetzlich zulässigen Lärm einen "gesundheitlich bedenklichen Bonus für PS-Protze". Er verweist darauf, "dass Depressionen mit zunehmender Lärmbelastung zunehmen", und dass ein hoher nächtlicher Lärmpegel ein Risikofaktor bei Herzinfarkten und Schlaganfällen sei.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der Chef der Mannheimer Verkehrspolizei vom Flensburger Kraftfahrtbundesamt Nachprüfungen zum Geräuschpegel von Autos gefordert hat.

EKD-Ratsmitglied Rachel: Evangelische Kirche nimmt zu wenig Rücksicht auf konservative Christen

EKD-Ratsmitglied Rachel: Evangelische Kirche nimmt zu wenig Rücksicht auf konservative Christen

Die evangelische Kirche nimmt aus Sicht des CDU-Staatssekretärs Thomas Rachel zu wenig Rücksicht auf konservative Christen. "Es besteht eine Diskrepanz zwischen der Basis und den Gremien", sagt Rachel, der auch EKD-Ratsmitglied ist, in einem Gespräch mit der ZEIT-Beilage Christ & Welt. Er habe das Gefühl, dass Konservative von der evangelischen Kirche "vielleicht nicht immer genug" gehört werden.

Als einziges Mitglied im fünfzehnköpfigen Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat sich Rachel offen gegen die "Ehe für alle" ausgesprochen. Im Gegensatz zur Führungsebene der Kirche, so Rachel, seien die Christen mit einem frommen und bürgerlichen Weltbild in den Gemeinden oft in der Mehrheit. "Die konservativen Stimmen spielen in den Gemeinden gewiss nicht selten eine größere Rolle als in manchen überregionalen Gremien", so Rachel. Die EKD sei daher gut beraten, auch in der Synode dieses Meinungsspektrum abzubilden: Eine "der größten Herausforderungen der evangelischen Kirche in den nächsten Jahren" sei es laut Rachel, dass "die frommen und bürgerlichen Gemeindeglieder nicht heimatlos werden".

Thomas Rachel ist seit 2005 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium. Er ist zudem Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU und seit 2015 Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Ströbele: Ohne mich wäre Merkel wohl nicht Kanzlerin geworden

Ströbele: Ohne mich wäre Merkel wohl nicht Kanzlerin geworden

Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele bezichtigt seinen ehemaligen Fraktionskollegen Ludger Volmer der Lüge. In einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT sagt Ströbele, Volmers Darstellung, wonach acht Bundestagsabgeordnete der Grünen anlässlich der Abstimmung über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr 2001 "geknobelt" hätten, wer mit Nein habe abstimmen dürfen, sei "eine bösartige Lüge". "So eine Gewissensentscheidung mit Streichhölzern oder Ähnlichem auszuknobeln, wäre nun wirklich unter unserer Würde!", so Ströbele. Volmer hatte in einem Buch behauptet, es sei damals darum gegangen, wer den Kanzler der rot-grünen Koalition, Gerhard Schröder, hätte retten müssen. Ströbele habe ein Nein erwischt und so seinen "Rebellennimbus" retten können.

Ströbele,78, der mit Ende dieser Legislaturperiode aus Altersgründen den Bundestag verlässt, sagt auch: "Ohne meine bescheidene Mitwirkung wäre Angela Merkel wahrscheinlich 2005 nicht Kanzlerin geworden." Denn seine Frage, ob Wolfgang Schäuble in der Parteispendenaffäre Geld angenommen habe, hätte erst dazu geführt, dass Schäuble den Parteivorsitz räumen musste – was Merkel den Weg an die Spitze gebahnt habe.

Continental-Vorstandsfrau berichtet von früherer Diskriminierung

Continental-Vorstandsfrau berichtet von früherer Diskriminierung

Zwei Dax-Vorstandsfrauen schalten sich in der neuesten Ausgabe der ZEIT in die Debatte um Sexismus und Frauenförderung in der IT-Branche ein. Ariane Reinhart, Continental-Personalvorstand, hat als Frau selbst Diskriminierung erfahren und sagt der ZEIT, ähnliches habe "jede Frau in meinem Alter in der Industrie erlebt." SAP-Vertriebsvorstand Adaire Fox-Martin ärgert sich über die Konsequenzen solcher Vorfälle: "Mich stört der schlechte Ruf meiner Branche, wenn es um Vielfalt geht."

Fox-Martin will Frauen daher stärker fördern und nennt dafür ausschließlich wirtschaftliche Gründe. Persönlich habe sie "nicht so viel für die Quote übrig". Sie sei jedoch "ein gutes Management-Werkzeug. Nur was sich messen lässt, ist auch zu managen." Es interessiere sie deshalb, was die Quote "im täglichen Geschäft bewirkt".

Anlass für die Äußerungen der Vorstände ist der Skandal um einen Software-Entwickler bei Google, der in einem umstrittenen Text die Bemühungen des Konzerns kritisiert, mehr Frauen einzustellen. Frauen seien "im Durchschnitt" in vieler Hinsicht weniger geeignet als Männer für die Arbeit bei Google.

Reinhart hält diese Sichtweise für fatal: "Wir können uns diese Diskussion gesellschaftspolitisch nicht leisten. Wir müssen schauen, dass wir in jeder Personengruppe die besten Leute und ihre Fähigkeiten entdecken, bei Frauen und Männern, bei Flüchtlingen, jungen Arbeitslosen und Studienabbrechern."