1. Vinton Cerf, einer der Erfinder des Internets, warnt vor dem digitalen Mittelalter

2. Tennisstar Angelique Kerber fühlte sich leer und orientierungslos

3. Theologe Stephan Goertz bescheinigt katholischer Kirche einen "Umschwung" im Umgang mit Homosexuellen

4. Nikolaus Schneider fordert "Gesten der Wiedergutmachung" für Missbrauchsopfer

5. Anselm Grün fordert Politik zu mehr Vertrauen auf

6. Jameda bevorzugt Ärzte, die für ihr Profil zahlen

7. Biathlon-Trainer Wolfgang Pichler: "Ich bin Opfer eines Komplotts"

8. Beckstein (CSU) vergleicht Machtverlust mit Tod eines Freundes

9. Künstler Georg Baselitz: Donald Trump agiert "wie ein vernünftiger Politiker"

10. "Da haben wir alle viel zu oft geschwiegen" – Iris Berben über Machtmissbrauch am Film-Set

11. Reform der Agrarpolitik – Ende der Brüsseler Direktzahlungen gefordert


Vinton Cerf, einer der Erfinder des Internets, warnt vor dem digitalen Mittelalter

Vinton Cerf, 74, der in den siebziger Jahren die Grundlagen des Internets mit entwickelte, ist heute Vice President von Google. Im ZEITmagazin warnt er vor dem "digital Dark Age", dem digitalen Mittelalter: Er will mit diesem Begriff darauf hinweisen, dass "unsere Daten irgendwann verloren gehen werden. Das ist wirklich beängstigend. Ständig ändern sich die Speichermedien, und Programme werden weiterentwickelt, sodass die alten Formate irgendwann nicht mehr gelesen werden können. Wichtige Fotos sollte man daher ausdrucken."

Cerf kommuniziert mit seiner Frau ständig per Mail. "Da ich seit dem 13. Lebensjahr ein Hörgerät trage, war schriftliche Kommunikation für mich eine enorme Erleichterung." Auch seine Frau Sigrid war fast taub, als die beiden heirateten, sie hatten sich in einem Laden für Hörgeräte kennengelernt.


Tennisstar Angelique Kerber fühlte sich leer und orientierungslos

Tennisstar Angelique Kerber fühlte sich leer und orientierungslos

Die Tennisspielerin Angelique Kerber, 30, hat im vergangenen Jahr gelernt, "den eigenen Wert als Person nicht über sportliche Erfolge zu definieren": "2016 war so viel auf mich eingestürzt", sagt Kerber über das Jahr, in dem sie zur Nummer eins der Weltrangliste geworden war. "Mir fehlte die Zeit, das alles zu verarbeiten." Anfang 2017 habe sie sich "eine Zeit lang leer gefühlt, orientierungslos". Kerber: "Meine Träume, die mich bis dahin angetrieben hatten, waren erfüllt. Ich musste eine neue Motivation finden, mich selbst neu finden." Die Niederlagen hätten ihr dabei geholfen: "Die wichtigste Lektion war, den eigenen Wert als Person nicht über sportliche Erfolge zu definieren und die Weltrangliste nicht zum Maßstab aller Dinge werden zu lassen", sagt sie. Sie habe verstanden, "dass ich der gleiche Mensch bin, ob ich nun gewinne oder verliere. Und dass es auch noch anderes im Leben gibt als Tennis."

Nun dränge die Frage, was nach der aktiven Karriere komme, in ihr Bewusstsein: "Im Moment ist das alles noch sehr vage – ein Haus, eine Familie, ein geregeltes Leben eben", sagt sie. "Und ich möchte einen Weg finden, meine Erfahrungen mit anderen zu teilen. Anderen helfen, ebenfalls mit schwierigen Situationen und Herausforderungen klarzukommen." Doch das Leben nach dem Tennis erscheine ihr "noch ziemlich weit weg": "Mein aktueller Traum ist es, mich 2018 zurückzukämpfen und alles aus mir herauszuholen, was ich kann."

Theologe Stephan Goertz bescheinigt katholischer Kirche einen „Umschwung“ im Umgang mit Homosexuellen

Theologe Stephan Goertz bescheinigt katholischer Kirche einen "Umschwung" im Umgang mit Homosexuellen

Der Moraltheologe Stephan Goertz bescheinigt der katholischen Kirche in Deutschland einen "Umschwung" im Umgang mit Homosexuellen. Es sei eine "neue bischöfliche Nachdenklichkeit" erkennbar sowie eine "Abkehr von der bisherigen generellen Verurteilung homosexueller Beziehungen", schreibt Goertz in einem Gastbeitrag für die ZEIT-Beilage Christ & Welt. Der katholische Theologe verweist auf jüngste Äußerungen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, von dessen Stellvertreter Bischof Franz-Josef Bode sowie des Berliner Erzbischofs Heiner Koch. Diese drei Wortmeldungen innerhalb kurzer Zeit "ließen aufhorchen". Und weiter: "Es ist theologisch legitim und Zeichen von Lebendigkeit, wenn die Kirche im 21. Jahrhundert zu einer neuen Bewertung von homosexuellen Beziehungen gelangt."

Über lange Zeiten habe eine "rigoristische und erfahrungsarme Morallehre die Weiterentwicklung kirchlicher Positionen verhindert", schreibt der Theologieprofessor der Universität Mainz, "hier ist unter Papst Franziskus eine Wende eingetreten". Der moralischen Kompetenz und Urteilskraft der Menschen werde mehr zugetraut. Wenn die Kirche bereit sei, "das Gute und Richtige in homosexuellen Ehen anzuerkennen", würde dies "Verkrampfungen im Umgang mit homosexuellen Seelsorgerinnen und Seelsorgern" lösen, so Goertz weiter. "Sie würde von den menschlichen Qualitäten und nicht den Defiziten von Homosexuellen sprechen. Die Kirche könnte in sich gehen und Abbitte bei denen leisten, in deren Biografien sie in der Vergangenheit gewütet hat." Es sei Zeit für eine "Theologie des Leibes", die die Wirklichkeit und Erfahrungen sexueller Minderheiten nicht länger an den Rand dränge. Die Kirche sei gut beraten, ihre Stellung im Staat nicht für einen "antiliberalen Kulturkampf gegen Freiheitsrechte" aufs Spiel zu setzen.

Stephan Goertz, Jahrgang 1964, ist Professor für Moraltheologie an der Universität Mainz. Er hat das Kompendium "‚Wer bin ich, ihn zu verurteilen?’ Homosexualität und katholische Kirche" herausgegeben. Reinhard Kardinal Marx hatte sich Anfang Januar in der "Herder Korrespondenz" geäußert, sein Stellvertreter, Bischof Franz-Josef Bode, wenige Tage später in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Der Berliner Erzbischof Heiner Koch hatte im Juni 2017 in einer Pressemeldung der Deutschen Bischofskonferenz Stellung bezogen.

Nikolaus Schneider fordert „Gesten der Wiedergutmachung“ für Missbrauchsopfer

Nikolaus Schneider fordert "Gesten der Wiedergutmachung" für Missbrauchsopfer

Der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD kritisiert den Umgang seiner Kirche mit Missbrauchsopfern. "Viel zu oft hat meine Kirche den Opfern misstraut und verharmlost, was Betroffene ihr anvertrauten. Interessengeleitetes Misstrauen stand der Wahrheit im Wege!", sagt Schneider im Gespräch mit Anselm Grün in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT.

Der Pfarrer spricht mit dem Benediktinerpater und spirituellen Bestsellerautor über die derzeitige Vertrauenskrise – in Politik und Kirche. Seine eigene Erfahrung mit Missbrauchsopfern in der evangelischen Kirche sei: "Sie brauchen ein Gegenüber, das ihnen ihre Leidensgeschichte glaubt." Und: "Interessengeleitetes Misstrauen stand der Wahrheit im Wege!" Schneider sagt weiter: "Wir brauchen Gesten der Wiedergutmachung" und eine "materielle Geste kann ein bleibendes Eingeständnis der Wahrheit sein".

Anselm Grün fordert Politik zu mehr Vertrauen auf

Anselm Grün fordert Politik zu mehr Vertrauen auf

In der Politik "stellen wir bei jedem Fehler gleich die Vertrauensfrage. Das ist nicht nur unbarmherzig, sondern verleitet auch dazu, Fehler zu leugnen, weil man unverhältnismäßig heftig angeklagt wird." Das sagt der Bestsellerautor Anselm Grün im Gespräch mit Nikolas Schneider in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT.

Mit dem ehemaligen Ratsvorsitzenden der EKD, Nikolaus Schneider, spricht Anselm Grün über die aktuelle Vertrauenskrise – in Politik und Kirche. "Ich verstehe schon, dass manche Menschen in unserem Land wütend sind, weil sie sich nicht gesehen fühlen. Aber ich habe kein Verständnis dafür, wenn Schwache noch Schwächere treten", so Grün. Das Schlechtreden anderer sei ein Ablenken von sich selbst. "Die Politik kann vom Christentum schon noch lernen", sagt er. Gott habe gezeigt: Niemand ist alleingelassen. "Deshalb sollten wir selber Mut haben, hinabzusteigen in die Abgründe und die Not."

Grün ist der bekannteste spirituelle Autor Deutschlands. Er lebt als Benediktinermönch in der Abtei Münsterschwarzach und hat mehr als 200 Bücher geschrieben, darunter viele zum Thema Vertrauen. Sein neuestes Buch "Von der verwandelnden Kraft negativer Gefühle" ist am 16. Januar im Vier-Türme-Verlag erschienen.

Jameda bevorzugt Ärzte, die für ihr Profil zahlen

Jameda bevorzugt Ärzte, die für ihr Profil zahlen

Beim Internetportal Jameda scheinen Ärzte, die für ihr Profil bezahlen, besser abzuschneiden als nicht zahlende Ärzte. Das legt eine Datenanalyse der Wochenzeitung DIE ZEIT nahe. Für diese Analyse hat die ZEIT in den zehn größten deutschen Städten innerhalb eines bestimmten Radius nach Ärzten aus acht Fachrichtungen gesucht und die öffentlich zugänglichen Angaben aus ihren Jameda-Profilen ausgelesen. In der Stichprobe zeigt sich, dass zahlende Ärzte im Durchschnitt bessere Noten sowie mehr Bewertungen haben als nicht zahlende Ärzte, und dass ihre Profile auch häufiger aufgerufen werden.

Über die genauen Gründe kann man nur spekulieren, eine wichtige Rolle könnte aber spielen, dass zahlende Ärzte mit einem Foto auf ihrem Profil abgebildet werden, während die Nicht-Zahler nur mit einer Silhouette erscheinen.

Biathlon-Trainer Wolfgang Pichler: „Ich bin Opfer eines Komplotts“

Biathlon-Trainer Wolfgang Pichler: "Ich bin Opfer eines Komplotts"

In seinem ersten Interview seit Bekanntwerden der Sanktion gegen ihn wehrt sich der 62-jährige Biathlon-Trainer Wolfgang Pichler gegen die Sperre für die Olympischen Spiele in Südkorea. "Das ist eine Farce! Ich bin Opfer eines Komplotts", wettert Pichler. "Ich verabscheue Doping. Sollte an der Geschichte was dran sein, dann habe ich ganz gewiss davon nichts gewusst, das verspreche ich bei bestem Gewissen." Pichler wurde die Akkreditierung für die am 9. Februar beginnenden Olympischen Spiele entzogen, weil er als ehemaliger Trainer der russischen Biathletinnen unter Verdacht steht, Teil eines der größten Dopingskandale der Sportgeschichte zu sein.

Pichler kündigt juristische Schritte gegen den Internationalen Olympischen Sportbund an: "Mein Anwalt wird dem IOC einen Brief schreiben und eine Anhörung fordern. Bislang hat mir ja noch keiner die Chance gegeben, mich zu äußern. Ich habe keine Beweise gesehen: weder, dass ich in irgendeiner Weise involviert gewesen sein soll, noch ein positives Testergebnis meiner Athletinnen."

Auch die Aussagen des Kronzeugen Grigori Rodschenkow zweifelt Pichler an. Wenn man drei Jahre in Russland gearbeitet habe, so Pichler, dann könne man sich schon vorstellen, "dass bei den Spielen etwas nicht sauber gelaufen ist". Laut den Aussagen des ehemaligen Chefs des russischen Doping-Kontrolllabors hatte dieser Dopingproben der Athleten durch ein Loch in der Wand erhalten und den Urin in die Toilette gekippt. "Nach drei Jahren intensiver Auseinandersetzung mit Russland kann ich mir das mit dem Loch in der Wand sogar vorstellen", so Pichler. Aber nicht, um Dopingsubstanzen zu verschleiern, "vielleicht wollte man genau das Gegenteil bezwecken und hat das deshalb gemacht, weil man keinen weiteren Dopingfall haben wollte, nachdem im Vorfeld zwei aufgeflogen waren. So könnte ich mir das Austauschen erklären. Man sollte bei allem nicht vergessen, dass der Hauptzeuge auch einer der Hauptverbrecher war und dass die Beweise dünn sind."

Auf die Frage, ob er jemals von den Russen zum Doping gedrängt wurde, antwortet Pichler: "Nie! Die Russen sind doch nicht blöd. Wenn man ein System des Dopings aufrecht erhalten will, dann muss man den Kreis der Mitwisser klein halten." Er sei eine viel zu große Gefahr für die Russen gewesen, alles auszuplaudern. "Und das hätte ich getan. Ich habe keine Angst vor Konsequenzen."

Trotzdem ist sich Pichler sicher: "Wenn dich ein Doktor wirklich dopen will, dann hast du als Athlet keine Chance. Im Zweifel wird dir das Zeug untergeschoben." Das russische System sei bis heute noch wie in der Sowjetunion organisiert. "Während des Trainingslagers sind immer ein Arzt und ein Biochemiker anwesend, und in der Früh wird pausenlos Harnstoff gemessen. Es gibt erlaubte Substanzen, die du als Sportler dem Körper zuführen kannst, Vitaminpräparate zum Beispiel als Infusion. Dein Urin ist der Maßstab. Ist der in Ordnung, dann bist du sauber. Aber wer weiß, ob du immer die Wahrheit gesagt bekommst? Du musst deinem Team vertrauen – als Sportler und als Trainer. Gerade Jana Romanowa und Olga Saizewa waren immer sehr skeptisch und wurden nun trotzdem gesperrt."

Beckstein (CSU) vergleicht Machtverlust mit Tod eines Freundes

Beckstein (CSU) vergleicht Machtverlust mit Tod eines Freundes

Nach Ansicht des früheren CSU-Ministerpräsidenten Günther Beckstein ist der Verlust von Macht für Politiker besonders schmerzhaft. In einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT vergleicht Beckstein das Gefühl nach einem Machtverlust mit dem Tod eines Freundes. "Der Verlust von Macht ist sehr, sehr schmerzhaft. In der Politik besonders, weil es selten selbstbestimmt geschieht, sondern meist von außen gesteuert wird. Das ist ein massiver Verlust", so Beckstein.

Ein solcher Verlust fühle sich ähnlich an "wie wenn man jemanden verliert, im Extremfall durch den Tod oder wenn eine Freundschaft zerbricht oder aufgekündigt wird oder ein enger Freund wegzieht. Als Politiker richten Sie Ihr Leben daran aus, alles orientiert sich daran, Einfluss zu gewinnen, Macht."

Als völlig untauglichen "Versuch eines Machtworts" bezeichnete Beckstein den Satz von Angela Merkel: "wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land." Anders als Helmut Kohl oder Edmund Stoiber habe Merkel nie versucht, politisch zu polarisieren. "Sie hat Macht gewonnen, indem sie anderen Themen weggenommen hat", so Beckstein. Mit ihrer Flüchtlingspolitik habe sie es aber "in Kauf genommen", selbst zu einer polarisierenden Person zu werden.

Künstler Georg Baselitz: Donald Trump agiert „wie ein vernünftiger Politiker“

Künstler Georg Baselitz: Donald Trump agiert "wie ein vernünftiger Politiker"

Einer der bekanntesten Maler der Gegenwart, Georg Baselitz, zeigt Verständnis für die Politik des US-Präsidenten Donald Trump. "Er agiert, wie ein vernünftiger Politiker heute agieren muss", sagt der 79-Jährige in einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. Gefragt, wie er Trumps Mauerpläne bewerte, antwortet Baselitz: "So ein Land muss das machen. Viele installieren ja auch auf ihren Grundstücken eine Kamera, stellen einen Elektrozaun auf oder schaffen sich einen scharfen Hund an."

Baselitz kritisiert die in seinen Augen vorschnelle Verurteilung Trumps in Deutschland: "Sehen Sie, wenn im Ausland ein Präsident gewählt wird, wird die deutsche Presse laut, eine Presse, die ja konform ist wie das Neue Deutschland. Dann wissen wir es wieder einmal besser, Trump ist der Falsche, Kaczyński und Orbán auch." Ebenso gelte für Österreich: "Der Herrenmensch mischt sich ein." Aus der deutschen Demokratie, so Baselitz, sei eine Autokratie geworden. "Wir leben keineswegs in einer Demokratie, wir leben unter dem falschen Begriff der Demokratie." Er fürchte sich hierzulande und sei deshalb nach Österreich gezogen. "Wegen der Sicherheit", sagt Baselitz. "Ich fühle mich in Deutschland nicht wohl."

Am 23. Januar feiert Baselitz seinen 80. Geburtstag. Die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel zeigt aus diesem Anlass eine große Retrospektive.

„Da haben wir alle viel zu oft geschwiegen“ – Iris Berben über Machtmissbrauch am Film-Set

"Da haben wir alle viel zu oft geschwiegen" – Iris Berben über Machtmissbrauch am Film-Set

Die Schauspielerin Iris Berben begrüßt es, dass in der #MeToo-Debatte mit Dieter Wedel in Deutschland zum ersten Mal ein Beschuldigter genannt worden sei. In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT sagt sie, sie habe großen Respekt vor den Frauen, die Wedel öffentlich beschuldigen. Gleichzeitig mahnt sie: "Was wir aber jetzt wirklich nicht brauchen können, ist eine hysterische, voyeuristische Debatte, die dann genauso schnell wieder verschwindet." Im Kern gehe es "um Machtmissbrauch und darum, wie der in Zukunft möglichst verhindert werden kann".

Berben ist seit 2010 Präsidentin der Deutschen Filmakademie, die den Deutschen Filmpreis vergibt. Dort werde gerade überlegt, "ob es Sinn macht, eine Art Beschwerdestelle bei Filmproduktionen einzurichten, an die sich Betroffene vertrauensvoll wenden können". Sie selbst halte das für eine gute Idee.

Außerdem, sagt Berben in der ZEIT, habe die Filmakademie begonnen, "eine Art von Arbeitsgruppe zu bilden, unter Anleitung von geschulten Psychologen, in der Menschen aus unserer Branche von ihren Erlebnissen erzählen – und was sie nun damit machen wollen und können. Wir spüren ein großes Bedürfnis, es gibt viel zu erzählen. Das Besondere ist: Es findet erst mal ohne Öffentlichkeit statt."

Die Schauspielerin schildert außerdem, wie der Regisseur Dieter Wedel sie Ende der 1970er-Jahre am Set der TV-Serie Halbzeit demütigte, nachdem sie seine Einladung zum Essen ausgeschlagen hatte. Wedel habe ihr damals einen großen Film in Aussicht gestellt, den er mit ihr drehen wolle. Sie könnten das gemeinsam im Restaurant besprechen. "Ich antwortete ihm, das klinge alles sehr schön, und sehr gerne sei ich dabei", erzählt Berben in der ZEIT, "ich hätte allerdings eine Bitte: Ob ich meinen Mann kurz anrufen könne, ‚der würde Sie so wahnsinnig gerne kennenlernen‘."

Daraufhin habe Wedel sich wegen des angeblichen Filmprojekts nie wieder gemeldet, sie aber am Set der aktuellen TV-Produktion eine Szene "sicher mehr als dreißigmal" wiederholen lassen. Sie habe in der Szene nur ein Wort zu sagen gehabt, "und zwar Hallo".

"Er machte mich fertig", so beschreibt Berben den Vorfall in der ZEIT. "Wedel rächte sich, wenn jemand nicht bereit war, sein Spiel zu spielen." Erst als sie drohte, den Vertrag aufzulösen, habe Wedel sie in Ruhe gelassen.

Reform der Agrarpolitik – Ende der Brüsseler Direktzahlungen gefordert

Reform der Agrarpolitik – Ende der Brüsseler Direktzahlungen gefordert

Für eine grundlegende Reform der europäischen Agrarpolitik (GAP) plädiert der Landwirtschaftsexperte Harald Grethe im Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. Der Professor für internationalen Agrarhandel und Entwicklung an der Berliner Humboldt Universität will die Brüsseler Direktzahlungen "vollständig zurückfahren und sie durch ein Prämiensystem zur Honorierung von gesellschaftlich gewünschten Leistungen" ersetzen. Bauern sollten konsequent dafür bezahlt werden, dass sie mehr für Landschaftspflege und Erhalt der Artenvielfalt, für Klimaschutz und Tierwohl tun.

In den nächsten Monaten werden wichtige Weichen gestellt, wofür der mit rund 60 Milliarden Euro pro Jahr größte Anteil des EU-Budgets ab 2021 ausgegeben werden soll und in welcher Höhe er erhalten bleibt.

Die derzeitigen direkten Zahlungen an die Bauern bezeichnet Harald Grethe als "Anachronismus" und "ungerecht", weil sie weder an die Bedürftigkeit der Bauern noch an besondere Leistungen gebunden seien und einfach pro Hektar bezahlt würden: "Da wird Steuergeld aus dem Fenster geworfen." Die bisherigen Umweltauflagen für einen Teil dieser Gelder hätten sich als "Scheinökologisierung" erwiesen.

Harald Grethe, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, warnt den Bauernverband, "dass seine Mitglieder irgendwann mit leeren Händen dastehen könnten, wenn das Geld nicht sinnvoll verwendet wird".

Grethe lehnt jedoch ab, die GAP-Subventionen ganz zu streichen. "Wir haben in der Landwirtschaft enorme Probleme! Um sie bewältigen zu können, benötigen wir auch öffentliche Mittel." Der Markt honoriere nicht, wenn die Bauern in tierfreundlichere Ställe investierten.

Grethe erwartet, dass sich der notwendige Umbau nur mit "Reformdruck von außen" durchsetzen ließe: "Leider überlässt das zuständige Bundesministerium das Thema zu häufig dem Umweltministerium und Nichtregierungsorganisationen, statt es selbst voranzutreiben", sagt Grethe.