1. Caroline Peters: "Magazine sind eigentlich wie Manuals für Lebensabschnitte"

2. Prinz Pi: "Ich weiß noch heute, welche Waffen eine F-16 tragen kann"

3. Günter Wallraff über sein Kindheitstrauma

4. Jan Weiler: Daiquiri mixen konnte ich schon früh

5. David Remnick über die Erfolgsgeschichte des New Yorker

6. TV-Moderatorin Anja Reschke erlebte den Hass im Netz

7. Medizinethikerin Claudia Wiesemann fordert Reform des geltenden Embryonenschutzgesetzes

8. SPD-Politiker Lauterbach fordert ein Ende des Streikverbots bei den Kirchen

9. Robert Habeck: Die Grünen müssen wieder linker werden

10. Von der Leyen warnt Union vor Rechtsruck

11. Martin Schulz im ZEIT-Interview: SPD muss wieder die Systemfrage stellen

12. Steuerräuber verklagen den Staat

13. Präsident der Banque de France zu einem gemeinsamen Budget der Eurozone: "Jetzt oder nie"

Caroline Peters: "Magazine sind eigentlich wie Manuals für Lebensabschnitte"

Die Schauspielerin Caroline Peters, 46, erinnert sich, welche Zeitschriften ihr bei ihrem Umzug nach Berlin 1995 den Weg gewiesen haben: "1995 zog ich nach Berlin. Die Schaubühne, wo ich arbeitete, kannte ich vom Theater heute-Lesen in- und auswendig, Berlin aber nicht. Ich brauchte Hilfe: Clubs, Style, Musik, Kunst – alles schien aus der Luft zu fallen. Man musste nur wissen, wie die besten Stücke zu erkennen waren. Zu diesem Zeitpunkt trat Dazed & Confused in mein Leben. Sowie Vogue und Spex. Der Spiegel folgte, und als ich anfing, mir Gedanken über Lebenspläne zu machen: Brand eins."

Für Peters spielen Zeitschriften eine besondere Rolle im Leben: "Magazine sind eigentlich wie Manuals für Lebensabschnitte."

Prinz Pi: „Ich weiß noch heute, welche Waffen eine F-16 tragen kann“

Prinz Pi: "Ich weiß noch heute, welche Waffen eine F-16 tragen kann"

Der Rapper Prinz Pi, 38, ist mit Magazinen aufgewachsen: "Auf der Toilette meines Elternhauses lag zum Lesen immer der Spiegel. In meiner Erinnerung war Adolf Hitler auf jedem zweiten Cover zu sehen und auf jedem vierten Helmut Kohl – ich bin in den achtziger Jahren groß geworden. Ich mochte den Schreibstil, die besonderen Bildunterschriften, ich mochte sogar, wie sich das Papier anfühlte."

Einen besonderen Effekt hatte das ZEITmagazin auf ihn: "Bevor ich zum ZEIT-Leser wurde, las ich das ZEITmagazin und habe mich ein bisschen intellektuell gefühlt."

Sein Interesse an Technik stillte die Zeitschrift P.M.: "Die Titelstory handelte oft von militärischen Top-Secret-Dingen: von Tarnkappenbombern, Stinger-Raketen, Apache-Helikoptern. Ich war immer technikaffin und weiß noch heute, welche Waffen eine F-16 tragen kann. Es hat mich auf eine schaurige Weise fasziniert, was man so alles an Waffen herstellen kann, die ästhetisch und hochfunktional aussehen."

Günter Wallraff über sein Kindheitstrauma

Günter Wallraff über sein Kindheitstrauma

Undercover-Reporter Günter Wallraff, 75, der als Kind ein halbes Jahr in einem Kinderheim verbracht hat, sagt heute über diese Zeit: "Dieses Trauma hat möglicherweise mein weiteres Leben bestimmt."

Lange habe er unter Albträumen gelitten, die ein befreundeter Psychiater auf "frühkindliche Traumata" zurückgeführt habe. Dem ZEITmagazin sagt Günter Wallraff: "Für mich war das eine plausible Erklärung. Meine Mutter litt nach meiner Geburt unter Kindbettfieber und lag monatelang im Koma. Als sie daraus erwachte, erkannte sie mich nicht wieder. Sie dachte, ich wäre im Krankenhaus vertauscht worden". Einige Jahre später habe sie ihn dann "aus wirtschaftlicher Not" in ein Kinderheim gebracht. Der Schriftsteller erinnert sich noch genau: "Die Szene habe ich bis heute wie in einem Film vor Augen. Ich betrete das Heim an der Hand meiner Mutter, dann ist sie plötzlich verschwunden. Die Nonnen nehmen mir meine Kleidung ab und stecken mich in Anstaltskleider; es fühlte sich an, als würde mir meine Identität genommen." Mehr als ein halbes Jahr sei er in dem Heim geblieben.

"Als Jugendlicher war ich schüchtern, introvertiert und unsicher", so Wallraff. "Da gab es mich kaum." Er sei "ein schlechter Schüler" gewesen, "in die Schule zu gehen war oft eine Qual für mich". Erst durch seine spätere Arbeit als investigativer Reporter, so Wallraff, habe er dann seinen "Platz in der Gesellschaft gefunden".

Jan Weiler: Daiquiri mixen konnte ich schon früh

Jan Weiler: Daiquiri mixen konnte ich schon früh

Der Bestsellerautor Jan Weiler, 49, spricht im ZEITmagazin über Zeitschriften, die ihn geprägt haben: "Die erste Zeitschrift meines Lebens hieß Playboy und lag immer bei uns zu Hause rum, weil mein Vater für das Magazin arbeitete. Durch die Rubrik ‚Playboy-Berater‘ war ich bereits im Grundschulalter gut darüber informiert, wie man einen perfekten Daiquiri zubereitet – was mir auf dem Pausenhof jedoch keinen Distinktionsgewinn verschaffte."

Beim Blick zurück auf die Zeitschrift Tempo hat Weiler gemischte Gefühle: "Tempo, von dem ich alle Ausgaben bis zur Einstellung erwarb, war ein riesiges Tor in die Popkultur. Das Heft führte zudem regelmäßig selbstquälerische Sex-Diskurse, in denen früh desillusionierte und in Lifestyle-Autoren umgebaute Ex-Hippies ziemlich dummes und chauvinistisches Zeug über Frauen daherschwafelten, was ich mit 19 natürlich hochinteressant fand. Als ich im vergangenen Jahr umzog, wollte ich meine Tempo-Sammlung verschenken, doch niemand wollte sie haben. Sie landete im Altpapier – wo am Ende fast alles landet, was einen irgendwann mal geprägt hat."

David Remnick über die Erfolgsgeschichte des New Yorker

David Remnick über die Erfolgsgeschichte des New Yorker

David Remnick, 58, Chefredakteur des renommierten New Yorker, verrät im ZEITmagazin den "Zaubertrick" seines Magazins, das gerade eine wöchentliche Rekordhöhe von 1,2 Millionen verkauften Exemplaren erreicht hat. Die vor zwei Jahren ins Leben gerufene "Radio Hour" des New Yorker hat im Monat zwei Millionen Downloads.

Remnick beschreibt die besondere Formel des New Yorker so: "Ein Autor oder eine Autorin taucht tief in ein Thema ein, geht an Orte, die bisher von anderen übersehen wurden, nimmt sich die Zeit, die nötig ist, um eine möglichst perfekte Geschichte zu recherchieren – auch wenn es Perfektion natürlich nie geben kann –, wird danach genau redigiert, und am Ende erscheint diese Geschichte in einem Magazin mit Sinn für Humor und Respektlosigkeit. Das ist unser Zaubertrick."

Remnick, seit 1998 Chefredakteur, steigerte die Auflage um 400.000 Exemplare. Heute geht es seinem Wochenmagazin besser als allen anderen in Amerika.

"Die komplizierteste Frage beim New Yorker ist die Digitalisierung", sagt er. "Wie behalten wir unseren Ton, unsere besondere Qualität, wenn wir täglich aktuellen Journalismus machen?" Seine Antwort: Auch hier setzt er auf Autoren, auf den eigenen, besonderen Blick. Den New Yorker gebe es nur deshalb schon so lange, weil er sich immer wieder verändert habe, ohne seine DNA zu verraten.


TV-Moderatorin Anja Reschke erlebte den Hass im Netz

TV-Moderatorin Anja Reschke erlebte den Hass im Netz

Die Fernseh-Moderatorin Anja Reschke berichtet in der ZEIT:Hamburg erstmals öffentlich von den Anfeindungen und dem Hass, den sie 2015 erlebte, nachdem sie sich in einem Kommentar in den "Tagesthemen" gegen rassistische Hetze im Netz stellte. "Es gab Momente im Herbst 2015, da dachte ich: Jetzt hältst du dich mal zurück, sprichst keinen Kommentar, gehst nicht in Sendungen", sagt Reschke. "Aber dann dachte ich: Das kann doch nicht sein, das ist doch dein Job, du hast nichts Falsches gemacht."

Die Moderatorin des ARD-Politmagazins "Panorama" sieht sich durch die Reaktionen ins falsche Licht gerückt. "Alle Menschen, die mich kennen, wissen, ich bin nicht die unkritische Flüchtlings-Ursel, nicht die Friede-Freude-Eierkuchen-Hurra-Frau. Aber durch den Kommentar von 2015 wurde ich von vielen in dieser Ecke positioniert." Es habe massive Reaktionen gegeben, Kommentare wie "das bezahlte Lügenmaul" oder "Du linksversiffte Schlampe". "Einmal", erzählt Reschke, "hat jemand bei der Polizei angerufen und gesagt, ich läge zerstückelt in meiner Küche. Da stand plötzlich eine voll bewaffnete Polizeieinheit vor meiner Tür."

Reschke sagt, dass sie die Ereignisse verändert haben. "Das Erlebte hat mir vielleicht eine Unbefangenheit genommen. So eine grundpositive Einstellung." Wenn heute jemand auf sie zukäme und sage: "Sie sind doch Frau Reschke", dann halte sie kurz die Luft an und denke: Freund oder Feind? Die Morddrohungen und Vergewaltigungsphantasien erschreckten sie. "Viel mehr erschüttert aber hat mich diese rassistische Welle unter dem bürgerlichen Deckmantel", sagt Reschke.

Medizinethikerin Claudia Wiesemann fordert Reform des geltenden Embryonenschutzgesetzes

Medizinethikerin Claudia Wiesemann fordert Reform des geltenden Embryonenschutzgesetzes

Die Medizinethikerin Claudia Wiesemann hat das geltende Embryonenschutzgesetz als überholt und ungerecht kritisiert und den Bundestag aufgefordert, die knapp dreißig Jahre alte Regelung zu reformieren. "Es gibt einen Moment, zu dem Aufschieben unerträglich geworden ist", sagt Wiesemann der ZEIT. "Dieser Punkt ist jetzt erreicht."

Die Göttinger Wissenschaftlerin ist Mitglied der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaft. In einem Brief mahnt das Gelehrtengremium in dieser Woche die Abgeordneten des neuen Bundestages, sich möglichst schnell für ein modernes Fortpflanzungsmedizingesetz einsetzen.

Die geltende Reglung, so die Leopoldina, ignoriere die neuesten Entwicklungen in der Kinderwunschmedizin und setze betroffene Frauen und Kinder unnötigen gesundheitlichen Risiken aus. Es sei fatal, dass heute "im Namen des Lebensschutzes", so Wiesemann, "Gesundheit und Leben gefährdet" würden.

SPD-Politiker Lauterbach fordert ein Ende des Streikverbots bei den Kirchen

SPD-Politiker Lauterbach fordert ein Ende des Streikverbots bei den Kirchen

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert ein Ende des Streikverbots im kirchlichen Arbeitsrecht, damit Mitarbeiter auf Missstände aufmerksam machen können. "Wenn Stationen zu schlecht besetzt sind, dann ist das eine Gefahr für Patienten und Personal – ganz gleich, ob es sich um ein kirchliches oder ein anderes Krankenhaus handelt. Darauf muss man auch mit einem Streik hinweisen dürfen", sagt Lauterbach der ZEIT-Beilage Christ & Welt. An dieser Stelle müsse das kirchliche Arbeitsrecht angepasst werden, so der SPD-Politiker. In der vergangenen Woche hatten im saarländischen Ottweiler erstmals Mitarbeiter eines Krankenhauses in katholischer Trägerschaft für mehr Personal in der Pflege gestreikt. Im kirchlichen Arbeitsrecht sind Streiks in der Regel nicht erlaubt.

Die Arbeitsbedingungen sind aus Lauterbachs Sicht in kirchlichen Kliniken nicht zwingend besser als in anderen Krankenhäusern: "In den kirchlichen Häusern ist die Selbstausbeutung der Mitarbeiter häufig sogar noch ein wenig größer, weil sie sich der gemeinsamen Sache noch etwas mehr verpflichtet fühlen als anderswo", sagt der Mediziner.

Es gebe Chefs, die genau diese Bereitschaft ausnutzten. "Darunter leiden dann Mitarbeiter, denen eine Burn-Out-Erkrankung droht, und Patienten, die schlecht versorgt werden", so Lauterbach. Und weiter: "Gerade ein kirchliches Haus sollte mehr tun und besser ausgestattet sein, als ein anderes Krankenhaus."

Robert Habeck: Die Grünen müssen wieder linker werden

Robert Habeck: Die Grünen müssen wieder linker werden

Der grüne Spitzenpolitiker Robert Habeck fordert von seiner Partei, wieder linker zu werden. Jamaika "darf kein Bündnis des Bürgertums oder der Besserverdienenen werden. Da haben die Grünen eine besondere Aufgabe", sagt er im Videointerview "Eine Frage der ZEIT". Habeck: "Das heißt, dass wir eine eigene Sozialstaatsidee entwickeln, die nicht nur über die Erhöhung der Tarife oder Transfersysteme geht, sondern sich um Menschen kümmert, die nicht in geschützten Verhältnissen sind." Links zu sein bedeute für die Grünen aber nicht "linker sein als die SPD, weil die SPD gar keine linke Partei ist".

Robert Habeck ist stellvertretender Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Dort regieren die Grünen seit diesem Jahr mit CDU und FDP in einer Jamaika-Koalition.

"Eine Frage der ZEIT" ist eine Videointerviewreihe auf ZEIT Online und wird abwechselnd moderiert von Tina Hildebrandt und Marc Brost, den beiden Leitern des ZEIT-Hauptstadtbüros.

Von der Leyen warnt Union vor Rechtsruck

Von der Leyen warnt Union vor Rechtsruck

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) warnt ihre Partei davor, aus dem Ergebnis der Österreich-Wahl falsche Schlüsse zu ziehen. Zwar habe der ÖVP-Chef Sebastian Kurz einen "fulminant modernen Wahlkampf" geführt. "Aber wir sollten auch nicht ausblenden, dass die stramm rechte FPÖ enorm von der aufgeheizten Atmosphäre profitiert hat und nur wenige Prozente hinter der ÖVP gelandet ist", sagt von der Leyen der Wochenzeitung DIE ZEIT.

Es sei klar, dass Probleme bei der inneren Sicherheit und der Integration gelöst werden müssten. "Aber Wohl und Wehe unseres Landes hängen doch ebenso ab von Digitalisierung, Fachkräften, sozialer Balance und einem stabilen Europa. Da spielt die Musik in den kommenden Jahren", so von der Leyen weiter. An diese Themen gehe die Union "jetzt mit Mut ran".

Den Forderungen von Teilen der Union nach einem Rechtsruck hält die stellvertretende CDU-Vorsitzende den Erfolg des SPD-Ministerpräsidenten bei den Landtagswahlen in Niedersachsen entgegen: "Stephan Weil hat gezeigt, dass Wahlen in der Mitte gewonnen werden können, ohne zugleich die AfD groß zu machen."

In einer Jamaika-Koalition sieht die Verteidigungsministerin eine große Chance für einen Aufbruch, auch in der Außen- und Sicherheitspolitik. In dieser Vier-Parteien-Konstellation habe niemand "Erbhöfe", es gebe "keine eingefahrenen Raster". Und weiter: "Darin liegt eine große Chance, Gutes und Neues für unser Land zu gestalten", so von der Leyen. "Da ist viel Offenheit unter den vieren, zuzuhören, um herauszufiltern, wo neue Wege liegen."

Martin Schulz im ZEIT-Interview: SPD muss wieder die Systemfrage stellen

Martin Schulz im ZEIT-Interview: SPD muss wieder die Systemfrage stellen

Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz setzt auf einen deutlichen Linkskurs, um die Krise seiner Partei zu überwinden. "Wir müssen wieder Mut zur Kapitalismus-Kritik fassen", sagt Schulz der Wochenzeitung DIE ZEIT. Die Unterwerfung der Sozialdemokratie unter die These, es gehe nicht mehr um das System, sondern nur noch um die Verteilung der Effekte im System, sei falsch gewesen. "Der Geist, den seinerzeit beispielsweise das Schröder-Blair-Papier atmete, der ist und bleibt eine der Ursachen für unsere Krise", so Schulz. Es müsse vielmehr um die Fragen gehen, "welches System wir haben, wie wir wirtschaften und wie die Digitalisierung diesen außer Rand und Band geratenen Spekulationskapitalismus noch weiter befeuert, anstatt ihn kontrollierbar zu machen. Und wie sich das alles auf die Menschen auswirkt."

Der SPD-Chef kündigte an, seine Partei aus dem "Klein-Klein" der vergangenen Jahre führen zu wollen. "Die SPD war immer dann stark, wenn sie die großen Debatten der Zeit stellvertretend für die ganze Gesellschaft geführt hat", sagt Schulz. Die SPD müsse daher nun die globalen Herausforderungen beschreiben, "vom Klimawandel bis zu den Finanzströmen, von der Migration bis zur Abrüstungspolitik, zum Waffenexport". Explizit wandte sich Schulz gegen negative Auswüchse des Freihandels. "Wollen wir wirklich, dass an den T-Shirts, die wir in Deutschland für ein paar Euro kaufen, buchstäblich Blut klebt?", so der SPD-Chef. "Ist es nicht an der Zeit zu sagen: Wer seine Produkte in Europa verkaufen will, muss soziale und ökologische Mindeststandards einhalten?"

Schulz betont, die SPD müsse Debatten- und Kümmererpartei zugleich sein. Er fordert  Mandatsträger auf, den Kontakt zu jenen Bürgern zu suchen, die sich von den Sozialdemokraten abgewendet haben. "Ich selber werde Diskussionsveranstaltungen in AfD-Hochburgen machen", kündigt er an.

Zugleich deutet  Schulz an, noch eine geraume Zeit Parteichef bleiben zu wollen: "Die SPD war immer dann am erfolgreichsten, wenn wir eine große Beständigkeit in unserer Führung hatten." Ständiges Rotieren und Wechseln gehe auf Kosten der Stabilität und Glaubwürdigkeit. Dasselbe gelte schließlich für die Union. "Frau Merkel hat jetzt ihr schlechtestes Ergebnis eingefahren, und sie wechseln sie trotzdem nicht aus."

Steuerräuber verklagen den Staat

Steuerräuber verklagen den Staat

Ein US-Pensionsfonds, der in Cum-Ex-Geschäfte verwickelt war, klagt nach Informationen der Wochenzeitung DIE ZEIT vor dem Finanzgericht Köln gegen das Bundeszentralamt für Steuern.  Der Fonds namens KK Law Firm Retirement Plan Trust besteht auf eine Auszahlung von 28 Millionen Euro. Und das, obwohl mittlerweile mehrere Staatsanwaltschaften wegen der Cum-Ex-Geschäfte ermitteln und gegen einige der Beteiligten bereits Anklage erhoben wurde. 

Bei den Cum-Ex-Geschäften ging es darum, eine Steuer, die man einmal bezahlt hat, doppelt oder noch öfter vom Staat zurückerstattet zu bekommen. KK Law hatte die Rückerstattung 2011 beantragt. Das Bundeszentralamt für Steuern zahlte die Millionen aber nicht mehr aus, weil es bereits den Verdacht hatte, es könnte sich um Betrug handeln. Zum ersten Mal landete der Fall dann in diesem Sommer vor dem Finanzgericht Köln. Die Richter verpflichteten das Bundeszentralamt für Steuern, einen Bescheid über den Antrag zu erlassen. Das tat das Amt. Die Forderung von KK Law wurde abgelehnt. Gegen diese Entscheidung klagt der Fonds nun.

Das Urteil, das frühestens Ende des Jahres erwartet wird, könnte Signalwirkung haben. Denn es gibt noch eine ganze Reihe weiterer US-Pensionsfonds, denen das Bundeszentralamt ebenfalls kein Geld mehr ausgezahlt hat. Insgesamt geht es um mehrere Hundert Millionen Euro.

Präsident der Banque de France zu einem gemeinsamen Budget der Eurozone: „Jetzt oder nie“

Präsident der Banque de France zu einem gemeinsamen Budget der Eurozone: "Jetzt oder nie"

Der Präsident der französischen Notenbank François Villeroy de Galhau kündigt für den 26. Oktober eine Entscheidung der Europäischen Zentralbank über die Zukunft des Staatsanleihekaufprogramms an. "Der EZB-Rat wird entscheiden, wahrscheinlich am 26. Oktober", sagt er der Wochenzeitung DIE ZEIT. Er fordert: "Wir müssen die Anleihekäufe jetzt adäquat reduzieren in Richtung eines möglichen Endes." Er weist darauf hin, dass die bislang diskutierten Szenarien zum Ausstieg womöglich noch nicht alle Möglichkeiten enthielten. Er fordert, zu vermeiden, dass Geldpolitik "the only game in town" sei.

Außerdem empfiehlt er Deutschland einen wirtschaftlichen Stimulus. "Weil es mehr Reformen in Frankreich gibt, ist Raum entstanden für einen Stimulus in anderen Ländern wie Deutschland", sagt er der ZEIT. Dafür gebe es drei Möglichkeiten: öffentliche Investitionen, Steuersenkungen für deutsche Haushalte oder Lohnerhöhungen.

Auch ein gemeinsames Budget der Eurozone befürwortete Villeroy de Galhau und fordert die Deutschen auf, hier mutiger zu sein. "Es ist jetzt die richtige Zeit, die Zukunft anzugehen: Jetzt oder nie!"