1. DIE ZEIT: Berliner Polizei will Auswahlverfahren verbessern / Neue Vorwürfe gegen Rekruten

2.Umfrage unter 131 Firmen: Ein Viertel bekommt regelmäßig Beschwerden wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

3. Welternährungsprogramm warnt vor neuer Flüchtlingskrise

4. Emnid-Umfrage: Mehrheit will weg von der Kohle

5. Mediziner warnt: Psychische Ferndiagnosen führen zu Stigmatisierung

6. Schweizer Rapper Mimiks: "Blocher hat der Politik ein Gesicht gegeben"

7. Vor 25 Jahren sagten die Schweizer Nein zum EWR-Beitritt – "Ein kluger Entscheid", sagt der Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann

8. Vor 25 Jahren sagten die Schweizer Nein zum EWR-Beitritt – "Ein veritabler Schock", schreibt Historiker Jakob Tanner

9. Renate Künast über Hass im politischen Geschäft

10. Kelly Clarkson: "Ein Pop-Püppchen wollte ich nie sein"

11. Volkswagen: Streit um Nachhaltigkeitspolitik eskaliert

12. Carolin Kebekus zur Sexismus-Debatte: Frauen sollten häufiger verbal zurückschlagen

13. Ex-Kultusminister: Streit um Umgang mit Sexualität an Schulen ist ein "Kulturkampf"

14. Gerhard Schröder rechnet mit Neuwahlen 2019 / Altbundeskanzler übt scharfe Kritik an SPD-Flüchtlingspolitik

15. Gerhard Schröder: "Können froh sein, einen Putin zu haben" / Altbundeskanzler will auch in Zukunft in der Türkei vermitteln

16. Ministerin Katarina Barley fordert zweites Referendum für Großbritannien

17. Kubicki-Gespräch von Ermittlern abgehört

18. Historiker Herfried Münkler vergleicht IS-Konflikt mit Dreißigjährigem Krieg

DIE ZEIT: Berliner Polizei will Auswahlverfahren verbessern / Neue Vorwürfe gegen Rekruten

Nach massiver Kritik an der Tauglichkeit von Berliner Polizeischülern hat Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers Mängel im Auswahlverfahren eingeräumt und Verbesserungen angekündigt. "Wir können und dürfen nur bedingt kontrollieren, welche politischen Meinungen Auszubildende privat äußern, wenn sie nicht als Polizist auftreten", sagt Koppers der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Für Recherchen auf Facebook fehlt uns außerdem die Rechtsgrundlage, das machen wir bisher noch nicht."

Die ZEIT berichtet in der aktuellen Ausgabe über einen Rekruten, der auf Facebook gegen homosexuelle Muslime wetterte und ein Werbevideo der Terrororganisation Hamas geteilt hat. "Oft plappern die jungen Leute nur Parolen nach. Aber natürlich müssen wir schauen, ob da eine verfestigte Haltung vorliegt", sagt Koppers. "Das können wir mit dem derzeitigen Verfahren nicht so gut. (…) Deswegen überlegen wir, am Ende des Einstellungsverfahrens ein professionell geführtes Gespräch einzuführen, bei dem wir diese Haltungen prüfen."

Die Polizeiakademie der Hauptstadt steht seit Wochen in der Kritik, nachdem die Sprachnachricht eines Ausbilders öffentlich wurde, in der dieser über angeblich unhaltbare Zustände berichtet hatte.

Außerdem gibt es anonyme Vorwürfe, dass die Akademie von kriminellen arabischen Clans unterlaufen werde. Dafür gibt es nach Aussage von Koppers bisher allerdings keine Belege. Zwar hätten sich zwei Mitglieder berüchtigter Clans in diesem Jahr für die Ausbildung beworben, beide seien jedoch schon an der Aufnahmeprüfung gescheitert, sagt die Polizeivizepräsidentin der ZEIT.

Umfrage unter 131 Firmen: Ein Viertel bekommt regelmäßig Beschwerden wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Umfrage unter 131 Firmen: Ein Viertel bekommt regelmäßig Beschwerden wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Sexuelle Belästigung ist in vielen deutschen Unternehmen regelmäßig Thema. Das zeigt eine Umfrage des Frauen-Karriere-Index unter 131 Unternehmen, die der Wochenzeitung DIE ZEIT exklusiv vorliegt. 24 Prozent der befragten Firmen gaben an, dass bei ihnen einmal jährlich oder häufiger eine Beschwerde über sexuelle Belästigung bekannt werde. 37 Prozent erklärten, dass es nach ihrem Wissen bislang noch keine solche Beschwerde gegeben habe. Der Rest machte keine Angabe oder gab an, es nicht zu wissen. In jedem Fünften der befragten Unternehmen musste schon ein Täter wegen sexueller Belästigung das Unternehmen verlassen. Besonders häufig war dies in Firmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern der Fall: 37 Prozent von ihnen gaben an, dass ein Mitarbeiter wegen sexueller Belästigung gehen musste. "Diese Zahl zeigt, dass das Thema leider sehr aktuell ist", sagt die Leiterin der Studie Barbara Lutz der ZEIT.

Wie unklar vielerorts ist, was als sexuelle Belästigung anzusehen ist, zeigte die Einschätzung von konkreten Fällen. 69 Prozent der Firmen gaben an, dass das Aufhängen eines Pinup-Kalenders bei ihnen geahndet würde. 88 Prozent fanden den Besuch eines Bordells mit Kunden ahndungswert, die Hand auf dem Knie 81 Prozent. Witze mit sexuellem Inhalt hielten hingegen nur 44 Prozent für einen ausreichenden Anlass. Die aktuelle Debatte um Hollywood-Prominente wie Harvey Weinstein scheint bislang kaum etwas zu verändern. Mehr als 80 Prozent der Firmen gehen davon aus, dass jetzt keine neuen Regeln erdacht werden.  

Befragt wurden  Personalverantwortliche, Geschäftsführer, Vorstände und Führungskräfte, die Umfrage führte der Frauen-Karriere-Index unter Leitung von Barbara Lutz in Zusammenarbeit mit der Komma Marktforschung durch.

Welternährungsprogramm warnt vor neuer Flüchtlingskrise

Welternährungsprogramm warnt vor neuer Flüchtlingskrise

Der Chef des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen, David Beasley, warnt angesichts der Versorgungsengpässe in einigen Flüchtlingslagern in Afrika und im Nahen Osten vor einer neuen Flüchtlingskrise. Wie vor dem Anstieg der Flüchtlingszahlen 2015 müssten derzeit in einigen Lagern die Essenrationen gekürzt werden. "Wir haben einen hohen Preis bezahlt für diesen Fehler – und ich befürchte, dass wir ihn gerade ein zweites Mal begehen. Das ist doch verrückt! Wir wissen, dass viele Flüchtlinge in ihrer Heimatregion bleiben wollen, zum Beispiel um schnell zurückkehren zu können, wenn es die Sicherheitslage erlaubt. Aber wenn sie nicht genug zu essen bekommen, werden sie sich auf den Weg machen. Und viele wollen dann nach Europa", sagt Beasley der Wochenzeitung DIE ZEIT. 

Beasley sagt, dass viele Länder zwar mehr Geld für den Kampf gegen den Hunger zur Verfügung gestellt hätten, allerdings habe sich die Versorgungslage so sehr verschlechtert, dass das nicht ausreiche. Erstmals seit mehr als zehn Jahren sei die Zahl der Hungernden weltweit im Jahr 2016 wieder gestiegen. Grund dafür seien vor allem Kriege und der Klimawandel. So drohe etwa im Jemen eine "Hungersnot", weil Saudi-Arabien die Häfen für Hilfslieferungen blockiere. 

"Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Hunger und Migration, das hat eine Studie ergeben, die wir gemacht haben. Ich hatte seit meinem Amtsantritt über 200 Gespräche mit Politikern aus Ländern, die uns mit Geld ausstatten, und ich weise immer auf diesen Zusammenhang hin", sagt Beasley. Insbesondere die Länder der Golfregion sollten sich wegen ihrer räumlichen Nähe zu vielen Krisenländern "angemessen" an den Kosten der Nahrungsmittelhilfe beteiligen. Das sei aber "nicht der Fall".

Emnid-Umfrage: Mehrheit will weg von der Kohle

Emnid-Umfrage: Mehrheit will weg von der Kohle

Die Deutschen wollen mit großer Mehrheit den Kohleausstieg. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Emnid im Auftrag der Bürgerbewegung Avaaz, die der Wochenzeitung DIE ZEIT vorliegt. Danach wünschen sich 76 Prozent der Befragten, dass "die nächste Bundesregierung einen schrittweisen Kohleausstieg beschließt, um die nationalen Klimaziele noch zu erreichen". 

Am höchsten ist die Zustimmung bei den Wählern der Grünen mit 99 Prozent, gefolgt von denen der SPD mit 81 Prozent, der CDU/CSU und der Linkspartei mit jeweils 75 Prozent. Auch die große Mehrzahl der Anhänger der AfD und der FDP, jeweils 70 Prozent, bejaht ein Ende der Kohle. Die FDP-Anhänger unterscheiden sich damit deutlich von der Parteiführung, die in den Sondierungsgesprächen für eine Jamaika-Koalition bisher einen schnellen Ausstieg blockiert.

Mediziner warnt: Psychische Ferndiagnosen führen zu Stigmatisierung

Mediziner warnt: Psychische Ferndiagnosen führen zu Stigmatisierung

Jeder Psychiater solle sich an die Regel halten, Menschen nur nach einem persönlichen Gespräch zu diagnostizieren, fordert der Berliner Psychiater und Publizist Jan Kalbitzer in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung DIE ZEIT. Das gelte selbst in Ausnahmefällen wie dem des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. "Durch das öffentliche Stellen von Diagnosen aus der Ferne nehmen Psychiater in Kauf, dass sie Menschen mit psychischen Beschwerden abschrecken, die immer noch häufig Angst haben, in starre diagnostische Schubladen gepresst und stigmatisiert zu werden", warnt der Mediziner. 

Besonders wenn Psychiater Ferndiagnosen in politischen Auseinandersetzungen anwendeten, "verspielen sie Vertrauen und erschweren Menschen mit Beschwerden den Zugang zum Hilfesystem", schreibt Kalbitzer. Der Hintergrund: Eine Vielzahl amerikanischer und auch mehrere deutsche Psychiater und Psychologen haben Donald Trump auf Basis seiner Äußerungen und seines Auftretens in der Öffentlichkeit eine "narzisstische Persönlichkeitsstörung" attestiert, ohne ihn jedoch untersucht zu haben.

Schweizer Rapper Mimiks: „Blocher hat der Politik ein Gesicht gegeben“

Schweizer Rapper Mimiks: "Blocher hat der Politik ein Gesicht gegeben"

Der erfolgreichste Schweizer Rapper Mimiks spricht in einem Interview mit der Schweiz-Ausgabe der deutschen Wochenzeitung DIE ZEIT über seine Heimat. Die Schweiz sei für ihn, anders als viele Länder, "immer noch huere chillig. Dass alles immer tätschsuber ist, das wird dir erst bewusst, wenn du mal an einem Ort bist, wo das nicht so ist", sagt er im Gespräch mit der ZEIT. Der Luzerner ist überzeugt, dass die Schweiz in einem derart guten Zustand ist, "dass man es sich erlauben kann, die Politik nicht an sich heranzulassen – und die Welt dreht sich trotzdem weiter". 

Gefragt, woher sein Interesse für Politik kommt, sagt der 25-jährige: "Blocher war in der Schweizer Hip-Hop-Szene immer wieder ein Thema, er war ein Ultrafeindbild." Und weiter: "Das hat sich so in mein Hirn eingebrannt: Blocher ist der schlimmste Mensch, den es in der Schweiz gibt. Ich war in einem Alter, da habe ich diese Anfeindungen richtig aufgesaugt", sagt er im Gespräch mit der ZEIT. 

Mimiks ist überzeugt: "Blocher hat der Politik ein Gesicht gegeben. Er hat etwas daraus gemacht, wofür man sich interessieren musste. Auch wenn Blocher für Dinge steht, die ich vielleicht nicht unterschreiben würde, so hat er mich doch dazu gebracht, mich überhaupt mit Politik zu befassen." Deshalb habe er sich auch gefreut, als der SVP-Politiker vor zehn Jahren als Bundesrat abgewählt wurde. 

Mimiks wuchs als Angel Egli in Luzern bei seiner Mutter auf. Mit seinem Debütalbum "VodkaZombieRambogang" schaffte er es 2014 auf den ersten Platz der Schweizer Albumcharts. Im Frühling erschienen das Album "Jong & Hässig reloaded", das ebenfalls ein Nummer-eins-Hit wurde.

Vor 25 Jahren sagten die Schweizer Nein zum EWR-Beitritt – „Ein kluger Entscheid“, sagt der Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann

Vor 25 Jahren sagten die Schweizer Nein zum EWR-Beitritt – "Ein kluger Entscheid", sagt der Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann

Für den Schweizer Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann war es ein "kluger Entscheid", den das Schweizer Stimmvolk am 6. Dezember 1992 fällte, als es Nein zu einem Beitritt der Schweiz zum Europäischen Wirtschaftsraum EWR sagte. Dies schreibt er in einem Essay in der Schweiz-Ausgabe der deutschen Wochenzeitung DIE ZEIT, die dem Schicksalsjahr 1992 eine Sonderausgabe widmet. 

"Die Schweiz ist in manchen Politikfeldern kaum von einem EU-Staat zu unterscheiden", schreibt der liberale Wirtschaftshistoriker. "Der einzige fundamentale Unterschied ist: Die Schweizer Regierung kann nicht in Brüssel mitreden." Straumann sieht darin aber einen entscheidenden Vorteil: "Die Schweiz schaffte sich damit etwas Spielraum. Er ermöglicht es ihr bis heute, eine offene Europadebatte zu führen und jeden weiteren Integrationsschritt demokratisch abzustützen." Dieser Spielraum sei umso höher zu gewichten, "als die EU mit der Euro-Krise den Charme eines Zukunftsprojekts verloren hat", schreibt der liberale Wirtschaftshistoriker in der ZEIT. Für Straumann ist deshalb klar: "In einem solch unsicheren Umfeld ist die Schweiz gut beraten, mit weiteren Integrationsschritten zuzuwarten." 

Der Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann lehrt an den Universitäten Zürich und Basel.

Vor 25 Jahren sagten die Schweizer Nein zum EWR-Beitritt – „Ein veritabler Schock“, schreibt Historiker Jakob Tanner

Vor 25 Jahren sagten die Schweizer Nein zum EWR-Beitritt – "Ein veritabler Schock", schreibt Historiker Jakob Tanner

Für den wichtigsten linken Schweizer Historiker Jakob Tanner war das Nein zum EWR im Dezember 1992 ein "veritabler Schock", der das Land bis heute in Frage stellt. Das schreibt er in einem Essay in der Schweiz-Ausgabe der deutschen Wochenzeitung DIE ZEIT, die dem EWR-Nein eine Sonderausgabe widmet. 

Dieser Schock "schlug auf die Wirtschaft durch; die krisenhafte Stagnation dauerte in der Schweiz wesentlich länger an als in den EU-Ländern", schreibt Tanner in der ZEIT. Der emeritierte Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte erkennt im Rückblick auf die vergangenen 25 Jahre einen schleichenden Umbau der direkten Demokratie. Die zur wählerstärksten Partei aufgestiegene SVP nutzte Volksinitiativen als permanentes Wahlkampfvehikel: "Sie setzt dabei auf diskriminierende Feindbilder und Xenophobie, stellt Völkerrecht und Menschenrechte infrage und verabsolutierte das Volk zum transzendentalen Souverän", schreibt Tanner in der ZEIT. 

Jakob Tanner, 67, war bis zu seiner Emeritierung Lehrstuhlinhaber am Historischen Seminar der Universität Zürich.

Renate Künast über Hass im politischen Geschäft

Renate Künast über Hass im politischen Geschäft

Die Grünen-Politikerin Renate Künast, 61, bekommt regelmäßig Hassmails. Um die Motive der Absender etwas mehr zu verstehen, machte sie sich auf Erkundungstour durch Deutschland, wie sie im aktuellen ZEITmagazin erzählt: "Es hat für mich Sinn gemacht, mal zu gucken: Wer ist das? Mir war klar, dass ich dabei aufpassen muss. Wir haben einen Hassbrief-Schreiber in der Uckermark besucht, und meine Begleitung hat das Auto gleich in die Gegenrichtung geparkt, damit wir nicht noch wenden müssen, wenn es Ärger gibt. Am Ende kam es ganz anders, und wir saßen auf der Terrasse beim Kaffee." 

Am schlimmsten findet die ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin Beleidigungen, die sie aus ihrem privaten und politischen Umfeld bekommt. "Von den Rechten angegriffen zu werden, von Personen, mit denen man überhaupt nichts zu tun hat, das ist das eine. Ich habe aber erlebt, wie hart es auch innerhalb einer Partei zugehen kann, so wie nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl 2011. Da gab es schon Angriffe, wo ich mal Luft holen und auch auf mich selber aufpassen musste. Ich habe das teilweise als Hass empfunden. Als ich die Bürgermeisterwahl verloren hatte, haben Leute in meiner Partei, die weiterkommen wollten oder mit mir nicht zufrieden waren, das ausgenutzt. Das war eigentlich das Schlimmste: Bekannte Gesichter, die die Unwahrheit sagen, wo du merkst, dass sie andere gegen dich in Stellung bringen. Man sagt zwar Parteifreund, aber man lernt, dass eben nur eine begrenzte Zahl wirkliche Freunde sind", sagt sie dem ZEITmagazin. 

"Mich verletzt Unehrlichkeit, darauf kannst du dich auch am schlechtesten vorbereiten. Und du denkst: Mit wem sitzt du jetzt eigentlich am Tisch?", so Künast weiter. "In solchen Situationen fühlst du dich schon alleingelassen. Du musst dann wieder dahin kommen, zu überlegen: Was ist eigentlich das Wichtigste im Leben? Man muss dann so etwas wie eine Reset-Taste drücken, um den Kopf frei zu haben." 

Renate Künast war von 2001 bis 2005 Bundesministerin für Landwirtschaft und von 2005 bis 2013 Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Ihr neues Buch "Hass ist keine Meinung. Was die Wut in unserem Land anrichtet" ist bei Heyne erschienen.

Kelly Clarkson: „Ein Pop-Püppchen wollte ich nie sein“

Kelly Clarkson: "Ein Pop-Püppchen wollte ich nie sein"

Die weltweit erfolgreiche Sängerin Kelly Clarkson hat sich ihre musikalische Laufbahn ganz anders vorgestellt. Sie habe nie davon geträumt, ein Popstar zu sein, sagt Clarkson dem ZEITmagazin. "Ich fand mich dafür eigentlich zu klein", so Clarkson. "Außerdem halte ich es für Zeitverschwendung, mich mit meiner Frisur und meinem Make-up zu beschäftigen", sagt sie. "Ich trage auch gern Trainingsanzüge, nur zum Trainieren habe ich keine Lust." Sie sei "ein Jeans-und-T-Shirt-Girl – ein Pop-Püppchen wollte ich nie sein". Ihr Ehrgeiz habe sich lange darauf beschränkt, "als Backgroundsängerin Erfolg zu haben und im Schatten anderer Sänger die Welt zu sehen". 

Am Anfang ihrer Karriere hätten ihr Manager gesagt, dass sie Leadsängerin werden sollte, dass sie dafür aber "etwas an meinem Gesicht, meiner Kleidung und meinem Repertoire ändern müsse", so Clarkson. Erst dadurch, dass sie sich bei der US-Casting Show "American Idol" beworben habe, sei Bewegung in ihre Karriere gekommen: "Denn da ging es wirklich nur darum, ob man singen kann oder nicht." Und weiter: "Wenn ich heutzutage vor die Tür gehe, trage ich immer noch Trainingsanzüge und kein Make-up."

Volkswagen: Streit um Nachhaltigkeitspolitik eskaliert

Volkswagen: Streit um Nachhaltigkeitspolitik eskaliert

Im Volkswagenkonzern ist der Streit um ein Öko-Projekt eskaliert. Der Konzern hatte 2016 die Beschaffung von Segelfrachtern für den Autotransport über den Atlantik erwogen, diese aber dann wieder verworfen. DIE ZEIT  berichtet in der aktuellen Ausgabe über die Hintergründe.

So wirft eine Führungskraft den Kollegen aus der Logistikabteilung vor, mit falschen Zahlen operiert zu haben, damit anstelle des Segelschiffs Ecoliner sogenannte LNG-Frachter den Zuschlag erhalten: Die Kostendarstellung sei "nicht nur suggestiv" gewesen, "sie ist auch methodisch absurd". Offiziell teilt der Konzern dazu mit: "Die Gesamtkostenbetrachtung pro Fahrzeug hätte zu erheblichen Mehrkosten geführt."

Leif Miller, Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu), sagt der ZEIT: "Der Ecoliner war eine gute Gelegenheit zu zeigen, dass Volkswagen seiner gesellschaftlichen Verantwortung wieder gerecht wird. Doch der Umgang mit diesem Thema offenbart, welch Geistes Kind das Topmanagement nach wie vor ist. Es hat aus dem Dieselbetrug nichts, aber auch gar nichts gelernt. Insofern sind wir heilfroh, dass wir die Zusammenarbeit mit Volkswagen beendet haben." Bis zum Ausbruch des Dieselskandals kooperierte der Nabu bei Umweltschutzprojekten mit Volkswagen.

Die Reederei Döhle, Partner des Ecolinerprojektes, erwägt nun sogar eine Klage gegen Volkswagen: "Wir lassen derzeit prüfen, ob wir rechtliche Schritte gegen die Volkswagen AG einleiten." Anlass ist die von der Compliance-Abteilung verbreitete Behauptung, Döhle sei womöglich in "illegalen Waffenschmuggel" verwickelt. Die Reederei habe von dem VW-Vorwurf erst erfahren, als die ZEIT sie damit konfrontierte.

Carolin Kebekus zur Sexismus-Debatte: Frauen sollten häufiger verbal zurückschlagen

Carolin Kebekus zur Sexismus-Debatte: Frauen sollten häufiger verbal zurückschlagen

Die Komikerin Carolin Kebekus hat in der Wochenzeitung DIE ZEIT Frauen aufgefordert, gegen Sexismus häufiger verbal zurückzuschlagen. "Es ist das erste und wichtigste, dass man lernt, die eigenen Grenzen zu markieren", sagt sie der ZEIT. Das versuche sie auch selbst. "Meine Kunst ist ein Versuch, die Opferrolle zu verlassen: den Sexismus, der überall herrscht, zu verwenden – und ihn zur Waffe zu machen."

Kebekus glaubt, fast jede Frau werde sexuell belästigt. "Und ich finde, ehrlich gesagt, die Überraschung darüber überraschend", sagt sie. "Natürlich bin ich schon auf Partys begrabscht worden. Aber wenn ich das öffentlich sage, heißt es plötzlich: Huch!" Sie kritisiert besonders die Reaktionen im Netz. Da hieß es etwa: "Jaja, als ob dich jemand begrabschen würde. Das ist Wunschdenken", erzählt Kebekus der ZEIT. "Es ist erstaunlich, wie sehr mir bei solch normalen Erlebnissen nicht geglaubt wird."

"Ich finde, der Weinstein-Fall sollte eine Debatte auslösen, wie man Frauen schützen kann in gefährlichen Situationen und wie sie sich selbst wehren können", sagt sie. "Es sollte nicht darum gehen, dass die armen Männer nun gar nicht mehr wissen, wie sie ihre schönen Komplimente verpackt kriegen. Das ist nicht das Problem."

Ex-Kultusminister: Streit um Umgang mit Sexualität an Schulen ist ein „Kulturkampf“

Ex-Kultusminister: Streit um Umgang mit Sexualität an Schulen ist ein "Kulturkampf"

Der ehemalige baden-württembergische Kultusminister Andreas Stoch hält die Auseinandersetzungen um den Umgang mit Sexualität an Schulen für einen "Kulturkampf". Dies sagt Stoch der Wochenzeitung DIE ZEIT. Der heutige Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion sah sich im Frühjahr 2014 wochenlang heftigen Angriffen ausgesetzt, als er sexuelle Toleranz fächerübergreifend im Lehrplan verankern wollte. Gegen die Pläne gingen damals tausende Eltern auf die Straße. "Erst beim Lesen von deren Mails wurde mir klar, dass sie Angst vor dem Verlust ihrer kulturellen Identität hatten", so Stoch, der Parallelen zum Thema Flüchtlinge sieht. Beide Ängste hätten die AfD groß gemacht, auch wenn sie irrational seien. So sei in einer Petition behauptet worden, er wolle die Kinder zur Homosexualität umerziehen. "Völliger Blödsinn!", so Stoch. "Es ging dabei nie um Sexualpraktiken, wie das von böswilligen Menschen unterstellt wurde." Trotzdem zeigten die Proteste damals Wirkung. Im endgültigen Lehrplan von 2016 war nur noch die Rede von "Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt".

Gerhard Schröder rechnet mit Neuwahlen 2019 / Altbundeskanzler übt scharfe Kritik an SPD-Flüchtlingspolitik

Gerhard Schröder rechnet mit Neuwahlen 2019 / Altbundeskanzler übt scharfe Kritik an SPD-Flüchtlingspolitik

Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hält Bundestags-Neuwahlen im Jahr 2019 für möglich. "Wenn Jamaika dazu führt, dass die CSU bei der Landtagswahl in Bayern die Mehrheit verliert, wird sie die Koalition sprengen. Dann werden wir 2019 sehr interessante Neuwahlen haben", sagt Schröder in einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT.

Der SPD empfiehlt er, für den Fall des Scheiterns der Jamaika-Sondierungen, nicht in eine große Koalition einzutreten. Damit revidiert er seine Aussagen wenige Tage nach der Bundestagswahl. Damals hatte er kritisiert, die SPD habe sich zu früh auf die Opposition festgelegt.

Schröder erklärt weiter, dass sich die SPD nun nicht in Personaldebatten aufreiben dürfe. "Bei der SPD gibt es gute Leute wie Andrea Nahles und Olaf Scholz", sagt er und hebt die Leistung des ehemaligen SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel hervor. "Mich bedrückt, dass einer der Begabtesten, Sigmar Gabriel, nicht die Wertschätzung erhält, die er verdient", so der Altbundeskanzler.

Schröder übt außerdem scharfe Kritik an der SPD für ihr Verhalten in der Flüchtlingskrise. "Unsere Leute sind rumgelaufen mit ‚Refugees welcome‘-Plaketten. Das war falsch, weil sie nicht wahrgenommen haben, dass damit der Eindruck einer uferlosen Zuwanderung entstehen könnte", so Schröder gegenüber der ZEIT. "Das hat Ängste bei unseren potenziellen Wählern geweckt. Man hatte viel Herz, aber keinen Plan." Viele Flüchtlinge müssten erst alphabetisiert, andere qualifiziert werden. "Das wird Milliarden kosten." Wenn dies gelänge, "wären diese Leute durchaus hilfreich angesichts des Mangels an Fachkräften".

Gerhard Schröder: „Können froh sein, einen Putin zu haben“ / Altbundeskanzler will auch in Zukunft in der Türkei vermitteln

Gerhard Schröder: "Können froh sein, einen Putin zu haben" / Altbundeskanzler will auch in Zukunft in der Türkei vermitteln

Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) kritisiert in einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT die westlichen Sanktionen gegen Russland infolge der Krim-Krise. Er beschuldigt die Regierung der Ukraine dafür, "Krieg gegen den Donbass" zu führen. Die Vorstellung, dass Russland die baltischen Länder annektieren wolle, bezeichnet Schröder als "absurd". Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bescheinigt der Altbundeskanzler und Aufsichtsratschef des russischen Rosneft-Konzerns ein hohes Maß an Rationalität. "Verglichen mit dem US-Präsidenten können wir froh sein, einen Putin zu haben", so Schröder.

Er hofft zudem, auch in Zukunft Verhandlungen mit der türkischen Regierung zu führen. "Ich hoffe, hier und da noch vermittelnd hilfreich sein zu können", sagt Schröder der ZEIT. Vor einigen Wochen hatte Schröder im Fall des deutschen Menschenrechts-Aktivisten Peter Steudtner mit der türkischen Regierung verhandelt und war an dessen Freilassung beteiligt. Über seine Verhandlungstaktik und den Inhalt der Gespräche habe Schröder mit niemandem gesprochen, sagt er. Es gelte: "Schnauze halten." Wer über seine Tätigkeit rede, "ist als Vermittler raus".

Ministerin Katarina Barley fordert zweites Referendum für Großbritannien

Ministerin Katarina Barley fordert zweites Referendum für Großbritannien

Kurz vor der nächsten, entscheidenden Brexit-Verhandlungsrunde hat die Arbeits- und Familienministerin Katarina Barley die Londoner Regierung zu einer zweiten Abstimmung zur EU aufgefordert. "Ich fände es nur fair, wenn das britische Volk nach den Verhandlungen in einem zweiten Referendum die Chance bekäme zu sagen, ob es wirklich das ist, was es wollte",  sagt sie der ZEIT.

Als Arbeitsministerin ist Barley Teil einer Arbeitsgruppe, die sich für die Verhandlungen mit Großbritannien mit dem Thema Personenfreizügigkeit beschäftigt. Momentan stocken die Gespräche, zudem steht die Regierung von Theresa May unter Druck – laut der Zeitung The Times fordern 40 Abgeordnete ihrer eigenen Partei ihren Rücktritt. "Ich glaube nicht, dass das (ein Rücktritt) an den verfahrenen Verhandlungen irgendetwas ändern würde", sagt Barley. "Die EU wird weiter bei ihrem harten Kurs gegenüber den Briten bleiben." In Anspielung auf die Vorzüge der EU-Mitgliedschaft sagt sie: "Unsere Botschaft ist klar: There will be no better deal."

Die SPD-Ministerin Barley besitzt die deutsche und britische Staatsangehörigkeit, ihr Vater arbeitete als britischer Redakteur für die Deutsche Welle in Köln. "Ich respektiere die Entscheidung des britischen Volkes", sagt sie. "Aber ich halte sie für tragisch."

Kubicki-Gespräch von Ermittlern abgehört

Kubicki-Gespräch von Ermittlern abgehört

Der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki vertritt als Anwalt Hanno Berger, der als Erfinder der umstrittenen Cum-Ex-Geschäfte gilt. Ein Gespräch der beiden wurde nach Informationen der Wochenzeitung DIE ZEIT von Ermittlern abgehört. Das geht aus einem Briefwechsel zwischen der Staatsanwaltschaft Köln, dem Amtsgericht Köln und Kubickis Anwaltskanzlei hervor, der der ZEIT vorliegt. Kubicki wurde demnach im Sommer 2016 über das abgehörte Gespräch informiert und beantragte daraufhin Akteneinsicht.  

Obwohl die Protokolle daraufhin gelöscht wurden, existiert ein Vermerk, der einen Hinweis auf das gibt, was Berger und Kubicki besprochen haben könnten. In einem Gespräch, das Bergers Frau im November 2014 mit ihrer Tochter führt, berichtet sie, Kubicki habe Berger für eine Sendung bei Günther Jauch "empfohlen". Sowohl Bergers Frau als auch die Tochter sind allerdings gegen einen solchen Auftritt. Sie fürchten, dass Berger, der sich schon 2012 aus Angst vor der deutschen Justiz in die Schweiz abgesetzt hat, anschließend festgenommen werden könnte. Kubicki hat sich auf Anfrage zu dem Vorgang nicht geäußert. 

Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen, kritisiert Kubickis Doppelrolle in diesem Fall. Der ZEIT sagte er über den Mann, der als aussichtsreicher Kandidat für das Amt des Bundesfinanzministers gilt: "Wie kann jemand in Parlament oder Regierung die Interessen der deutschen Steuerzahler vertreten und gleichzeitig die Argumente derer unterstützen, die dem Staat und damit den Steuerzahler Milliarden aus der Tasche gezogen haben?" Und weiter: "Für mich passt das nicht zusammen."

Historiker Herfried Münkler vergleicht IS-Konflikt mit Dreißigjährigem Krieg

Historiker Herfried Münkler vergleicht IS-Konflikt mit Dreißigjährigem Krieg

Der Historiker Herfried Münkler zieht Parallelen zwischen dem IS-Konflikt und dem Dreißigjährigen Krieg. "Gier, Langeweile, Abenteuerlust sind hier wie dort mindestens ebenso wichtige Faktoren für die Entscheidung zum Krieg wie die religiöse Inbrunst", so Münkler im Gespräch mit der ZEIT-Beilage Christ & Welt. Die Forderung des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, Denkmodelle des Westfälischen Friedens auf den Nahen Osten anzuwenden, hält er für bedenkenswert. "Dafür müsste man allerdings die verschiedenen Kriege und Bürgerkriege von Syrien bis Jemen als einen großen Konflikt sehen und die richtigen Lehren aus dem Westfälischen Frieden ziehen", so Münkler.

Vorbildhaft am Westfälischen Frieden seien vor allem das "Ausklammern der Religion als politischer Faktor und die Konzentration auf die Interessen der beteiligten Hegemonialmächte". Diese hätten über viele Jahre ein Feuer genährt, das das Potenzial gehabt habe, sie zu vernichten. Erst als sich diese Erkenntnis durchgesetzt habe, sei Frieden möglich gewesen. "Nach 30 Jahren waren alle Kriegsparteien gleichermaßen erschöpft. Der Krieg hatte sich ausgebrannt", so Münkler.

Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler lehrt Politische Theorie und Ideengeschichte an der Berliner Humboldt-Universität. Sein neues Buch über den Dreißigjährigen Krieg ist bei Rowohlt erschienen.