1. Regisseurin Sofia Coppola: "Eigentlich hasse ich Remakes"

2. Marc Almond: "Ich singe weder in Taxis noch in Handys hinein"

3. CDU-Werber nennt Merkel ein "überlegenes Produkt"

4. Susanne Schmidt zum G20-Gipfel: "Was für ein Unfug!"

5. DIE ZEIT: Henry Kissinger würdigt Helmut Kohl

6. Kardinal Lehmann über seinen Freund Helmut Kohl: "Ich hatte Angst um ihn"

7. Facebook-Chefin Sheryl Sandberg fordert neue Fehlerkultur in Firmen: "Führt brutal ehrliche Gespräche mit Kollegen"

8. Andreas Beuth will mit Demo den G20-Gipfel in Hamburg "blockieren, lahmlegen, verzögern"

9. Vorsitzende der Missbrauchskommission Sabine Andresen fordert mehr Willen zur Aufklärung

10. ADAC rät, Dieselkauf zu verschieben

11. Weltbank-Präsident fordert: "Globalen Marktkapitalismus so ausrichten, dass er den Armen hilft"

12. Designierter NRW-Minister Andreas Pinkwart (FDP) will Erfahrungen beim Aufbau Ost nutzen

Regisseurin Sofia Coppola: "Eigentlich hasse ich Remakes"

Sofia Coppolas neuester Film "Die Verführten" wurde bereits 1971 verfilmt und das stört sie: "Eigentlich hasse ich Remakes", gesteht die US-Regisseurin im Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Aber bei dieser Geschichte konnte ich nicht anders, als sie noch einmal auf meine Weise zu erzählen, aus einer weiblichen Perspektive."

Coppola, 46, Tochter des Filmemachers Francis Ford Coppola, interessiert sich dabei besonders für "die komplexen Beziehungen der Frauen untereinander. Und das Bild, nach dem weibliche Wesen in dieser Zeit geformt wurden." Isolation sei für Coppola, die mit "Lost in Translation" berühmt wurde, eine "Versuchsanordnung", eine "Situation, in der man von Übergangszuständen erzählen kann."

Sie habe schon als Kind, das oft mit ihren Eltern unterwegs war, gelernt, Menschen zu verstehen: "Ich war immer die Neue in der Schule. Ich musste die anderen sehr schnell ‚dechiffrieren‘, um nicht unterzugehen. Ich musste mich unterschiedlichen Gruppen anpassen, ihre Codes verstehen." Sie erinnere sich im privaten Umfeld der Eltern u.a. an Andy Warhol und an viele Menschen "mit einem interessanten Habitus. Ich konnte als Kind gar nicht anders, als sie zu beobachten. Instinktiv versuchte ich herauszufinden, wie sich durch einen bestimmten Stil auch eine Persönlichkeit ausdrückt."

Den Sound eines Films habe sie schon im Kopf, wenn sie das Drehbuch schreibe. "Er ist sehr wichtig, daraus entsteht das Grundgefühl der Geschichte. In ‚Die Verführten’ sollte es der Sound des amerikanischen Südens sein."

Marc Almond: „Ich singe weder in Taxis noch in Handys hinein“

Marc Almond: "Ich singe weder in Taxis noch in Handys hinein"

Marc Almond, der ehemalige Sänger des Popduos Soft Cell, wird auch heute noch ständig dazu aufgefordert, den Song "Tainted Love" aus dem Jahr 1981 zu singen – insbesondere von Taxifahrern: "Das passiert mir immer, immer und immer wieder, jede Woche drei- bis viermal", sagt Almond dem ZEITmagazin. "Manche Taxifahrer rufen sogar ihre Frau an und halten mir dann das Handy hin", mit der Aufforderung: "Singen Sie es für meine Frau!" Diesem Wunsch verweigere er sich allerdings: "Ich singe weder in Taxis noch in Handys hinein", so Almond.

Es gebe allerdings auch Taxifahrer, "die selber ‚Tainted Love‘ singen, sobald sie mich im Rückspiegel erkennen. Es gibt für mich einfach kein Entkommen."

Nach dem Ende von Soft Cell habe er mit dem Song "Tainted Love" zunächst nichts mehr zu tun haben wollen. "Aber solche Geschichten einer Hassliebe können auch viele andere Musiker erzählen, die einen Hit haben, der ihr Leben zu überstrahlen scheint", sagt Almond. Irgendwann müsse man als Musiker lernen, "seine Erfolge zu würdigen." Er habe im Laufe der Jahre akzeptiert, "dass ich einen Weg finden musste, mit ihm zu leben. Er würde sich ja nicht in Luft auflösen", sagt er. "Hätte ich nicht gelernt, ihn wieder in mein Herz zu schließen, wäre ich bestimmt untergegangen."

Auf die Frage, wie weit er heute in einer Castingshow kommen würde, antwortet er: "Ich wäre chancenlos. Vermutlich würde man mich in den Vorrunden eine Weile als Exoten belächeln und durchwinken, aber bald würde man mich aussortieren. Ich hatte trotzdem Erfolg, weil meine Karriere zum Glück in einer anderen Zeit begann."

Marc Almond bestätigt, dass er einen Pass besitzt, der auf einen anderen Namen ausgestellt ist: "Ja, ich nutze manchmal einen anderen Namen", sagt er. "Ich bin froh, dass dieser andere Name da ist, denn ich will nicht, dass später mal Almond, also der Name meines Vaters, auf meinem Grabstein steht. Wir hatten kein gutes Verhältnis."

CDU-Werber nennt Merkel ein „überlegenes Produkt“

CDU-Werber nennt Merkel ein "überlegenes Produkt"

Der Werbeprofi Jean-Remy von Matt, der aktuell den CDU-Bundestagswahlkampf unter Angela Merkel als Chefkreativer betreut, hält die Kanzlerin für überaus reklametauglich: "Ich durfte in meiner Laufbahn die besten Biermarken und schnellsten Sportwagen betreuen", sagt von Matt in der Wochenzeitung DIE ZEIT, "aber noch nie ein dem Wettbewerb so überlegenes Produkt wie Frau Merkel."

Zu Details seiner Arbeit für die Kanzlerin will sich Jean-Remy von Matt bis zur Wahl nicht weiter öffentlich äußern. "Ich möchte mich nicht mit einer Arbeit profilieren, die noch nicht abgeschlossen ist. Und erst recht nicht mit einem Erfolg, der noch nicht feststeht", so von Matt.

Die Agentur Jung von Matt mit Sitz in Hamburg hatte im vergangenen Jahr den Zuschlag für den CDU-Wahlkampf erhalten. Für die Agentur, zu deren Kunden Unternehmen wie Sixt, BMW oder Edeka zählen, ist es die erste politische Kampagne in Deutschland.

Agenturgründer Jean-Remy von Matt, 64, ist der Schöpfer berühmter Werbeclaims wie "Geiz ist geil" oder "Bild dir deine Meinung". In der vergangenen Woche wurde Jung von Matts Slogan "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben" für den CDU-Wahlkampf vorgestellt.

Susanne Schmidt zum G20-Gipfel: „Was für ein Unfug!“

Susanne Schmidt zum G20-Gipfel: "Was für ein Unfug!"

Ihr Vater Helmut Schmidt hat die Gipfeltreffen als Bundeskanzler einst erfunden. Nun kritisiert Susanne Schmidt das übertriebene Ausmaß des G20-Treffens in Hamburg. "10.000 Menschen werden erwartet, darunter tausende Journalisten und Lobbyisten. Was für ein Unfug!", sagt Schmidt im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT (Hamburg-Seiten). "Das ist absolut kontraproduktiv."

Früher hätten die Gipfeltreffen durchaus etwas bewirkt, so Schmidt: "Das waren kleine, intime Treffen, man konnte offen miteinander reden, sich auf Diskretion verlassen, keiner twitterte unterm Tisch." Dieses Jahr wäre es mit der neuen amerikanischen Regierung schon ein Erfolg, "wenn alle am selben Strang zögen und eine gemeinsame Grundhaltung beibehielten".

Für die massiven Sicherheitsvorkehrungen und das Demonstrationsverbot in der Hamburger Innenstadt hat die Tochter des Altkanzlers "absolut" Verständnis. "Diese Art von Gipfeln ist doch in den letzten 15 Jahren zum Albtraum für alle geworden, die für die Sicherheit der Teilnehmer und der Bevölkerung zuständig sind", sagt Schmidt in der ZEIT. "Ob das der Polizist auf der Straße ist oder der zuständige Innensenator, die machen doch alle drei Kreuze, wenn das vorbei und nichts passiert ist."

Susanne Schmidt, 70, ist promovierte Ökonomin. Ihr Vater hat 1975 mit dem französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing den ersten G-Gipfel erfunden, damals noch als G6.

DIE ZEIT: Henry Kissinger würdigt Helmut Kohl

DIE ZEIT: Henry Kissinger würdigt Helmut Kohl

In einem Nachruf in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT bezeichnet der ehemalige amerikanische Außenminister Henry Kissinger Helmut Kohl als "Mann von außerordentlicher Vitalität, bewandert im do ut des der Innenpolitik und zugleich ein Meister einer Außenpolitik, die darauf zielte, die Hinterlassenschaft jahrhundertelanger Konflikte zu überwinden."

Nicht jeder habe die Wiedervereinigung Deutschlands gewollt, so Kissinger, "nicht einmal in der Bundesrepublik. Nicht wenige – darunter viele nachdenkliche Deutsche – hielten es für wünschenswert, nach dem Kollaps der kommunistischen Herrschaft zwei demokratische deutsche Staaten fortbestehen zu lassen". Dass die Zögerlichkeit der Verbündeten überwunden werden konnte, habe "vor allem an dem Vertrauen, das die ausländischen Staatenlenker des Auslands in das Wertesystem von Helmut Kohl setzten – und in die Lauterkeit seines Wollens von Helmut Kohl setzten", gelegen.

Die beiden Politiker verband eine jahrelange Freundschaft. Kissinger hat häufig mit Kohl telefoniert und ihn an seinem Wohnsitz in Oggersheim besucht, als der Altbundeskanzler bereits gesundheitlich eingeschränkt war. "Der Lebensmut, der Kohl befähigte, trotz angeschlagener Gesundheit stets von Neuem sein Vermächtnis zu formulieren, bezeugte seinen festen Glauben – an sein Volk, an die Alte Welt und an die atlantische Partnerschaft", schreibt Kissinger.

Kardinal Lehmann über seinen Freund Helmut Kohl: „Ich hatte Angst um ihn“

Kardinal Lehmann über seinen Freund Helmut Kohl: "Ich hatte Angst um ihn"

Der langjährige Mainzer Bischof Karl Lehmann blickt voraus auf die Trauerfeier für seinen Freund Helmut Kohl: "Dass er jetzt in Speyer beerdigt wird, ist zwar etwas seltsam, aber auch ein bedeutungsvolles Zeichen seiner Herkunft." Die große Liebe des Kanzlers habe immer dem Dom von Speyer gegolten, sagt Lehmann im Gespräch mit der ZEIT. "Mir gefällt, dass neben der immer etwas großspurigen nationalen und europäischen Dimension solcher Staatsakte hier auch das Lokale eine Rolle spielt."

Über Kohls Heimatverbundenheit sagt Lehmann: "Dass er seine Pfälzer Heimat so liebte, war kein oberflächliches Provinzlertum, sondern der Wunsch nach Halt, auch nach Frieden und Aussöhnung."

Kardinal Lehmann, 81, lernte Helmut Kohl 1968 kennen und war bis zum Schluss mit ihm befreundet. "Er war herzhaft und nüchtern fromm. Jedenfalls trat er nie frömmelnd auf, setzte auch seine Kirchenzugehörigkeit nicht als politische Waffe ein." Er habe ein hohes Maß an religiöser Toleranz besessen. "Dogmatismus war ihm fremd."

Lehmann kritisiert: "Dass sein Sohn Walter nicht mehr an das Totenbett seines Vaters herankam, ist allerdings furchtbar." Weiter sagt er: "Dass Walter Kohl zu Lebzeiten des Vaters ein Buch gegen ihn schrieb, habe ich jedoch nie verstanden."

Über seinen letzten Besuch bei dem kranken Kohl sagt der Kardinal: "Er wirkte zwar fit und froh, hatte auch in dieser Zeit eine ungeheure Selbstbeherrschung und Disziplin. Doch ich hatte Angst um ihn."

Facebook-Chefin Sheryl Sandberg fordert neue Fehlerkultur in Firmen: „Führt brutal ehrliche Gespräche mit Kollegen“

Facebook-Chefin Sheryl Sandberg fordert neue Fehlerkultur in Firmen: "Führt brutal ehrliche Gespräche mit Kollegen"

Zwei Jahre nach dem plötzlichen Tod ihres Ehemannes spricht die fürs operative Geschäft von Facebook verantwortliche Sheryl Sandberg in der Wochenzeitung DIE ZEIT über die zurückliegende Zeit – und die Lehren, die Firmen daraus ziehen können.

"Auch Firmen können Resilienz lernen", sagt sie der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Viele Unternehmen behaupten, sie würden aus Fehlschlägen lernen, aber die wenigsten tun es." Man müsse sich nach jedem Misserfolg zusammensetzen und ihn analysieren. Ehrlichkeit sei dabei wichtig. "Ich habe beispielsweise meine Mitarbeiter aufgefordert: Führt brutal ehrliche Gespräche mit Kollegen, mindestens einmal im Monat."

Über die Zeit nach dem Tod ihres Mannes sagt Sandberg: "Der Tod meines Mannes war das Schlimmste, was mir je widerfahren ist, und ich habe lange gezweifelt, ob ich die nötige Kraft besitze, um diese Zeit durchzustehen." Sie sei bald nach der Beerdigung wieder arbeiten gegangen, aber: "Trotzdem saß ich in den ersten Wochen in vielen Meetings und weinte".

Sie habe inzwischen dafür gesorgt, dass Mitarbeiter in solchen Situationen mehr Hilfe vom Unternehmen bekommen. Außerdem ermuntere sie alle Kollegen dazu, ihre Gefühle nicht zu verstecken. "Die Menschen denken, dass es unprofessionell ist, Gefühle mit zur Arbeit zu bringen. Aber sie haben diese Gefühle trotzdem, sie bringen sie nur nicht zum Ausdruck."

Andreas Beuth will mit Demo den G20-Gipfel in Hamburg „blockieren, lahmlegen, verzögern“

Andreas Beuth will mit Demo den G20-Gipfel in Hamburg "blockieren, lahmlegen, verzögern"

Die Initiatoren der Demonstration "Welcome to Hell" wollen alles tun, um den G20-Gipfel in Hamburg zu stören. "Wir wünschen uns viele Leute auf der Straße, so dicht wie möglich an der Messe dran, die so viel wie möglich blockieren, lahmlegen, aufhalten, verzögern", sagt der Anwalt Andreas Beuth im Gespräch mit der ZEIT:Hamburg. Er fügt hinzu: "Das Beste wäre der vorzeitige Gipfelabbruch – jetzt träume ich." Beuth und Andreas Blechschmidt, Aktivist von der Roten Flora und Mit-Anmelder der Demonstration, rechnen mit einem Schwarzen Block von etwa 5.000 Teilnehmern. "Es ist ja klar, dass wir nicht die katholische Pfadfinderjugend versammeln. Es geht uns um eine kämpferische Demo", sagt Blechschmidt. Das Vorgehen erklärt Beuth so: "Wir wollen gemeinsam losgehen, möglichst nah an die Messehallen ran, und gemeinsam ankommen. Geplant ist nicht, dass wir nach 50 Metern eine Straßenschlacht mit der Polizei anzetteln."

Die Demonstranten von "Welcome to Hell" gelten als gewaltbereit. Blechschmidt und Beuth räumen ein, dass es innerhalb der Szene eine Diskussion darüber gibt, ob und wann Gewalt gerechtfertigt ist. "Die Militanzdiskussion begleitet autonome Politik seit 40 Jahren", sagt Blechschmidt. "Es ist klar, dass nicht jede militante Aktion in Ordnung ist." Die Grenze sei da, wo es an die physische Integrität von Menschen gehe, sagt Beuth. "Wenn allerdings gut geschützte Polizeibeamte Demonstranten angreifen, dann verteidigen sich einige", sagt Blechschmidt.

Die beiden wollen ein starkes Zeichen gegen G20 setzen, weil die Staatspräsidenten in ihren Augen für Hunger, Tod und Kriege in der Welt verantwortlich seien, sagt Beuth. "Die Bundesrepublik gehört zu den größten Waffenlieferanten der Welt. Die Wirtschaft profitiert von kriegerischen Auseinandersetzungen. Es gibt kein Interesse daran, das zu ändern", ergänzt Blechschmidt. Seiner Ansicht nach möge es bei den Staatschefs der G20 graduelle Unterschiede geben. Das hieße aber nicht, dass deshalb Angela Merkel für eine humanitärere Politik stehe.

Vorsitzende der Missbrauchskommission Sabine Andresen fordert mehr Willen zur Aufklärung

Vorsitzende der Missbrauchskommission Sabine Andresen fordert mehr Willen zur Aufklärung

Die Frankfurter Sozialpädagogikprofessorin Sabine Andresen fordert mehr Aufklärungswillen bei der Misshandlung von Heimkindern in den vergangenen Jahrzehnten. "Nach allem, was bislang bekannt ist, wurden Kindern und Jugendlichen Medikamente verabreicht, ohne medizinische Indikation und ohne deren Wissen und Einverständnis. Hier braucht es dringend den Willen zur Aufarbeitung", so die Vorsitzende der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs im Gespräch mit der ZEIT-Beilage Christ & Welt. Ein unbehandeltes Gebiet sei außerdem die Gewalt in Kinderkurheimen in den fünfziger und sechziger Jahren.  

Kinder und Jugendliche hätten Heime oft als rechtsfreien Raum erlebt. "Ihnen wurden keine Rechte gewährt", so die Professorin. In der Gesellschaft seien sie stigmatisiert worden. "Man machte sie mit dafür verantwortlich, dass sie nicht in einer ‚normalen’ Familie aufwuchsen." Die Verantwortlichen hätten sie nicht gefördert. "Man hat ihre Schutzbedürftigkeit ignoriert und ihr Recht auf Bildung missachtet."  

Die Schicksale der Betroffenen fügten sich in eine größere Gewalterzählung, so Andresen. "Gewalt war in der jungen Bundesrepublik und auch in der DDR im Umgang mit Kindern über Jahrzehnte ein legitimes Erziehungsmittel." Die Gesellschaft habe lange weggesehen und sich für eine Aufarbeitung nicht interessiert.  

Sabine Andresen, Jahrgang 1966, lehrt als Professorin an der Universität Frankfurt/Main. Sie ist zudem die Vorsitzende der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, die 2016 von der Bundesregierung einberufen wurde.

ADAC rät, Dieselkauf zu verschieben

ADAC rät, Dieselkauf zu verschieben

Ulrich Klaus Becker, Vizepräsident des ADAC, rät angesichts der Debatte um Fahrverbote in Städten dazu, den Kauf eines Dieselautos zu verschieben: "Unsere Empfehlung ist, mit einem Neuwagenkauf eventuell noch zu warten, bis im Herbst Modelle mit dem Standard Euro 6D auf den Markt kommen. Die müssen strengere Tests unter Realbedingungen bestehen, eben auch auf der Straße", sagt Becker in der Wochenzeitung DIE ZEIT.

ADAC-Mitglieder seien angesichts der Debatte um Fahrverbote, Abschalteinrichtungen und drohende Preisverfälle zutiefst verunsichert: "Uns erreichen täglich hunderte, manchmal tausende Anfragen von Mitgliedern, wie man sich jetzt am besten verhalten sollte", so der Vizepräsident. "Wer sich vor ein, zwei Jahren ein Auto gekauft hat, spürt jetzt schon Einbußen."

Sollten sich Autohersteller zu Nachbesserungen bei Dieseln bereit erklären, erwartet Becker Kulanz: "Wir wünschen uns eine verbindliche Garantie, dass eine fehlgeschlagene Nachrüstung zu einer einklagbaren Haftung führt."

Weltbank-Präsident fordert: „Globalen Marktkapitalismus so ausrichten, dass er den Armen hilft“

Weltbank-Präsident fordert: "Globalen Marktkapitalismus so ausrichten, dass er den Armen hilft"

Private Investoren sollen in Zukunft die staatliche Entwicklungshilfe unterstützen. Das fordert Weltbank-Präsident Jim Yong Kim eine Woche vor dem Beginn des G20-Gipfels in Hamburg. "Die offizielle Entwicklungshilfe kann das Problem nicht lösen, dafür fehlt einfach das Geld", sagt Kim in einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Privatkapital muss her", so Kim. "Wir müssen den globalen Marktkapitalismus so ausrichten, dass er den Armen hilft."

Die Weltbank wolle künftig nicht nur selbst Kredite vergeben, sondern auch mit privaten Investoren Hand in Hand arbeiten, um die Infrastruktur in armen Ländern zu verbessern und Jobs zu schaffen. Wichtig, so Kim, sei außerdem ein offener Welthandel. "Wir stehen für ein offenes und freies Handelssystem, das gerade den ärmsten Ländern am meisten geholfen hat", erklärt der Weltbank-Präsident.

Designierter NRW-Minister Andreas Pinkwart (FDP) will Erfahrungen beim Aufbau Ost nutzen

Designierter NRW-Minister Andreas Pinkwart (FDP) will Erfahrungen beim Aufbau Ost nutzen

Nordrhein-Westfalens designierter Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) hat in Ostdeutschland viel für sein künftiges Ministeramt gelernt. "Man kann vom Osten lernen, dass sich Ausdauer auszahlt. Dass man nicht verzagen sollte", sagt Pinkwart in einem Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Man kann vom Osten lernen, wie schnell sich Dinge entwickeln können, wenn nur alle wollen."

Der FDP-Politiker und Wirtschaftswissenschaftler Pinkwart war seit 2011 Rektor der Leipziger Handelshochschule (HHL). Ihn habe der Aufschwung, insbesondere der Region um Leipzig, tief beeindruckt, so Pinkwart. "Als Rektor habe ich ständig Gäste aus dem Westen in Leipzig gehabt", sagt er, "und ich habe kaum einen gehört, der nicht sagte: Großartig wie sich diese Stadt entwickelt hat!" Vielleicht lehre das Beispiel von Leipzigs Aufstieg, "dass sich Mut lohnt." Erfolg sei, wenn Glück auf Vorbereitung treffe. "Dieses Gefühl will ich mit zurück in den Westen nehmen."

Zwar seien die Probleme des Ruhrgebiets nicht so schwerwiegend wie jene des Ostens nach 1990. Trotzdem seien die Kommunen im Ruhrgebiet "froh, dass der Länderfinanzausgleich jetzt neu verhandelt ist". Es sei richtig, zu sagen: "Nach 30 Jahren wollen wir auch andere Regionen unterstützen, die besonderen Entwicklungsbedarf haben. Ich glaube, der Osten ist auch froh über diese Normalität." Man könne stolz auf den Aufbau Ost sein, so Pinkwart. "Der Aufbau Ost ist aus meiner Sicht insgesamt eine Erfolgsstory, die sich andere Länder wünschen würden. Mich ermutigt das."

Pinkwart soll am Freitag zum Wirtschaftsminister Nordrhein-Westfalens ernannt werden. Er war von 2005 bis 2010 bereits Wissenschaftsminister in dem Bundesland gewesen.