Die 90-jährige Cembalistin Zuzana Růžičková fand Halt in der Musik von Bach

Die legendäre Cembalistin, Zuzana Růžičková, hat eine besondere Beziehung zu Bach. "Bei Bach fühlte ich, was man nur mit Déjà-vu beschreiben kann", sagt Růžičková in der Wochenzeitung DIE ZEIT. In Deutschland sei die inzwischen 90-jährige Holocaust-Überlebende stets mit gemischten Gefühlen aufgetreten. Sie habe  sich nicht damit abfinden können, "dass Nazis auch Leute mit hohen intellektuellen Fähigkeiten waren oder ein Instrument gespielt haben wie der Heydrich. Die waren so krank in ihrer Seele, dass nicht einmal die Musik half. Dass das Volk von Goethe und Schiller und Thomas Mann und Bach so tierisch werden konnte, haben wir bis heute nicht verdaut."

An Wanda Landowskas Cembaloschule bei Paris 1942 sei Růžičková zum Studium angemeldet gewesen, aber "dann kamen die Nazis, und alles wurde anders", erinnert sich die Ausnahmekünstlerin. Als damals 15-Jährige habe sie sich den Anfang der Sarabande der Englischen Suite e-Moll notiert, bevor sie im Dezember 1943 mit ihrer Mutter nach Auschwitz deportiert wurde. An den drei Tagen "im Viehwagen (...) ohne Essen, ohne Trinken, der Durst war furchtbar, da hab ich eben mit meiner Mutter gesessen und immer die Sarabande angeschaut, dieses Stück Papier, und hab mir alles im Kopf gespielt, was ich von Bach kannte", erinnert sich Růžičková.

"Als wir vergast werden sollten, kam die Nachricht, dass die Nazis 1000 gesunde Frauen und 3000 gesunde Männer brauchten", so Růžičková. Danach seien sie nach Hamburg gebracht worden, um Trümmer wegzuräumen. Ihre Hände seien vom Frost und der harten Arbeit kaputt gewesen. "Aber ich konnte mir ein Leben ohne Musik gar nicht vorstellen!"