Recherche von DIE ZEIT und ZDF-Magazin Frontal21: Tausende E-Mails aus der Ostukraine belegen ausgeklügelte Propagandastrategie gegen den Westen

Berlin/Hamburg. Pro-russische Separatisten, die Teile der Ostukraine beherrschen, führen im Auftrag von Moskauer Beratern einen Propagandafeldzug gegen die Regierung in Kiew und gegen den Westen. Dies geht aus Tausenden E-Mails hervor, die dem ZDF-Magazin Frontal21 und der Wochenzeitung DIE ZEIT vorliegen. Die Moskauer Berater, die diese psychologische Kriegsführung steuern, gehören offenbar zum Umfeld des Kremls oder zur Präsidialadministration von Wladimir Putin. Der russische Präsident hatte bisher immer bestritten, die Separatisten in der Ostukraine erhielten Weisungen aus Moskau.

In einem 41-seitigen Strategiepapier geben die russischen Berater detailliert vor, wie die Medien in der Ostukraine die gewählte Regierung diskreditieren und die USA als Urheber des Ukrainekonflikts beschrieben werden soll.

Unter anderem soll eine "Kommentargruppe für das Internet gegründet" werden, um in sozialen Medien wie Facebook für Russland Partei zu ergreifen. Aufgrund der Intensität ihrer Arbeit soll der Eindruck entstehen, dass "eine Mehrheit" so denkt. Außerdem belegen die Donezk-Leaks, dass kritische Journalisten mit Repressalien rechnen müssen. Die Separatisten werten dazu systematisch die internationale Berichterstattung aus und legen sogenannte "Stopplisten" an. Betroffen sind zum Beispiel die Nachrichtenagenturen Reuters und Associated Press. In den Donezk-Leaks werden sie: "als ausgemachte Feinde Russlands aufgeführt".

Das rund elf Gigabyte große Daten-Leak stammt aus dem Informationsministerium der Separatisten in der Ostukraine. Vom E-Mail-Account der Ministerin Elena Nikitina waren im Frühjahr dieses Jahres rund 10 000 E-Mails abgeflossen. Mutmaßlich pro-ukrainische Aktivisten haben sie ins Netz gestellt. Ein Team des ZDF-Magazins Frontal21 und der Wochenzeitung DIE ZEIT hat es über Monate ausgewertet.

Die Recherchen zeigen, dass die verdeckt agierenden Berater der Separatisten in kremlnahen Think Tanks wie dem "Zentrum für politische Konjunktur" in Moskau arbeiten. Einige Mails weisen zudem direkt in die "Präsidialadministration". Sie ist das Moskauer Pendant zum Berliner Kanzleramt.

Die russische Botschaft in Berlin hat auf Fragen zu den Recherchen nicht reagiert.