Prominenter Priester liest Gläubigen die Leviten

Der katholische Priester und Buchautor Thomas Frings kritisiert die Haltung vieler Gottesdienstbesucher in Deutschland. "Das Schlimmste ist die Vergeblichkeit", sagt Frings der ZEIT-Beilage Christ & Welt über den Beruf des Gemeindepfarrers. Dazu gehöre das Wissen, "dass man von den 500 oder 800 Menschen im Erstkommunion-Gottesdienst 95 Prozent sonntags nicht wiedersieht." Fragwürdig seien überdies Trauungen, in denen "das Paar und die Hochzeitsgesellschaft mehr schlecht als recht durch eine unbekannte Zeremonie stolpern", so Frings weiter. Kirche müsse auch Erwartungen an die Menschen stellen dürfen. "Unter den jetzigen Bedingungen kann ich meine Aufgabe langfristig nicht mehr erfüllen, ohne vielleicht Schaden an der Seele zu nehmen", sagt der Priester, der sich inzwischen in ein Kloster zurückgezogen hat.

Frings beklagt auch die fehlende Vorbildrolle der älteren Generation. "Wie viele aus der Großelterngeneration sind ihren Kindern und Enkeln denn heute noch ein Vorbild in gelebtem Glauben?", so der Priester. "Deshalb sind die jungen Menschen, die mit Kirche nichts mehr anfangen können, auch nicht das größte Problem. Es sind die Alten. Die kommen ja ebenfalls nicht." Gleichzeitig habe sich aber die Kirche auch eine falsche Vorstellung von den Gläubigen gemacht. Es habe die Hoffnung bestanden, "wenn wir möglichst wenig von ihnen wollen und möglichst keine Ansprüche stellen, dann kommen sie irgendwann zurück", so Frings, "doch sie kamen nicht."

Thomas Frings ist Großneffe des ehemaligen Kölner Erzbischofs Kardinal Joseph Frings. 2016 legte er sein Amt als Gemeindepfarrer nieder und ging als Priester in ein niederländisches Kloster. Am 19. Februar erscheint sein Buch "Aus, Amen, Ende? So kann ich nicht mehr Pfarrer sein" im Herder Verlag.