NS-Raubkunstfall in Bayern: Geschädigter fordert mehr Transparenz von Museen

Zu dem NS-Raubkunstfall, in den die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und der Xantener Dombauverein verwickelt sind, meldet sich in einem Interview mit der ZEIT der Erbe John Graykowski zu Wort. Gemälde aus der Sammlung von Graykowskis jüdischem Urgroßvater waren während des Zweiten Weltkriegs von der Gestapo in Wien beschlagnahmt und dann an hochrangige Nazis verkauft worden. Nach Kriegsende hatten die Alliierten einige dieser Gemälde an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen übergeben, das Museum sollte die rechtmäßigen Eigentümer ausfindig machen. Stattdessen verkaufte das Museum in den fünfziger und sechziger Jahren jedoch mehrfach Raubkunst an Familien von Nazigrößen – zu teilweise erstaunlich niedrigen Preisen. "Mit uns nahm kein Museum Kontakt auf", sagt Graykowski. "Die staatlichen Institutionen unternehmen von sich aus nichts, das ist sehr verstörend."

Auf die Frage, was sich in Deutschland im Umgang mit NS-Raubkunst ändern müsse, antwortet Graykowski: "Es müssen genaue Verfahrensregeln für Restitutionsverfahren eingeführt werden, und es muss viel mehr Transparenz vonseiten der Museen geben. Es geht hier schließlich nicht um Nuklearwaffen, die Geheimnistuerei muss jetzt ein Ende haben. (…) Die Archive müssen für die Familien auf der Suche nach der geraubten Kunst endlich frei zugänglich gemacht werden. Oder will Deutschland, dass dieses ruhmlose Kapitel nie ein Ende findet?"

Eines der Gemälde aus der Sammlung von Graykowskis Urgroßvater, das zuerst von den Nazis geraubt und später von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen verkauft wurde, befindet sich heute im Besitz des Xantener Dombauvereins, der die geforderte Rückgabe aber seit Jahren ablehnt: "Ich war schockiert", so Graykowski, "denn ich bin selbst Katholik. Dieser Dombauverein hat in den vergangenen sechs Jahren nicht ein Zeichen des Mitempfindens an uns ausgesendet. Stattdessen wird dort erstaunlich viel Energie in die Ablehnung der Rückgabe investiert. Und das bei einem Gemälde, das zwar für meine Familie von großem ideellem Wert ist, nicht aber für den Kunstmarkt."