Reform der Agrarpolitik – Ende der Brüsseler Direktzahlungen gefordert

Für eine grundlegende Reform der europäischen Agrarpolitik (GAP) plädiert der Landwirtschaftsexperte Harald Grethe im Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. Der Professor für internationalen Agrarhandel und Entwicklung an der Berliner Humboldt Universität will die Brüsseler Direktzahlungen "vollständig zurückfahren und sie durch ein Prämiensystem zur Honorierung von gesellschaftlich gewünschten Leistungen" ersetzen. Bauern sollten konsequent dafür bezahlt werden, dass sie mehr für Landschaftspflege und Erhalt der Artenvielfalt, für Klimaschutz und Tierwohl tun.

In den nächsten Monaten werden wichtige Weichen gestellt, wofür der mit rund 60 Milliarden Euro pro Jahr größte Anteil des EU-Budgets ab 2021 ausgegeben werden soll und in welcher Höhe er erhalten bleibt.

Die derzeitigen direkten Zahlungen an die Bauern bezeichnet Harald Grethe als "Anachronismus" und "ungerecht", weil sie weder an die Bedürftigkeit der Bauern noch an besondere Leistungen gebunden seien und einfach pro Hektar bezahlt würden: "Da wird Steuergeld aus dem Fenster geworfen." Die bisherigen Umweltauflagen für einen Teil dieser Gelder hätten sich als "Scheinökologisierung" erwiesen.

Harald Grethe, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, warnt den Bauernverband, "dass seine Mitglieder irgendwann mit leeren Händen dastehen könnten, wenn das Geld nicht sinnvoll verwendet wird".

Grethe lehnt jedoch ab, die GAP-Subventionen ganz zu streichen. "Wir haben in der Landwirtschaft enorme Probleme! Um sie bewältigen zu können, benötigen wir auch öffentliche Mittel." Der Markt honoriere nicht, wenn die Bauern in tierfreundlichere Ställe investierten.

Grethe erwartet, dass sich der notwendige Umbau nur mit "Reformdruck von außen" durchsetzen ließe: "Leider überlässt das zuständige Bundesministerium das Thema zu häufig dem Umweltministerium und Nichtregierungsorganisationen, statt es selbst voranzutreiben", sagt Grethe.