Volkswagen: Streit um Nachhaltigkeitspolitik eskaliert

Im Volkswagenkonzern ist der Streit um ein Öko-Projekt eskaliert. Der Konzern hatte 2016 die Beschaffung von Segelfrachtern für den Autotransport über den Atlantik erwogen, diese aber dann wieder verworfen. DIE ZEIT  berichtet in der aktuellen Ausgabe über die Hintergründe.

So wirft eine Führungskraft den Kollegen aus der Logistikabteilung vor, mit falschen Zahlen operiert zu haben, damit anstelle des Segelschiffs Ecoliner sogenannte LNG-Frachter den Zuschlag erhalten: Die Kostendarstellung sei "nicht nur suggestiv" gewesen, "sie ist auch methodisch absurd". Offiziell teilt der Konzern dazu mit: "Die Gesamtkostenbetrachtung pro Fahrzeug hätte zu erheblichen Mehrkosten geführt."

Leif Miller, Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu), sagt der ZEIT: "Der Ecoliner war eine gute Gelegenheit zu zeigen, dass Volkswagen seiner gesellschaftlichen Verantwortung wieder gerecht wird. Doch der Umgang mit diesem Thema offenbart, welch Geistes Kind das Topmanagement nach wie vor ist. Es hat aus dem Dieselbetrug nichts, aber auch gar nichts gelernt. Insofern sind wir heilfroh, dass wir die Zusammenarbeit mit Volkswagen beendet haben." Bis zum Ausbruch des Dieselskandals kooperierte der Nabu bei Umweltschutzprojekten mit Volkswagen.

Die Reederei Döhle, Partner des Ecolinerprojektes, erwägt nun sogar eine Klage gegen Volkswagen: "Wir lassen derzeit prüfen, ob wir rechtliche Schritte gegen die Volkswagen AG einleiten." Anlass ist die von der Compliance-Abteilung verbreitete Behauptung, Döhle sei womöglich in "illegalen Waffenschmuggel" verwickelt. Die Reederei habe von dem VW-Vorwurf erst erfahren, als die ZEIT sie damit konfrontierte.