Ex-WTO-Chef Pascal Lamy rät Europäern, sich gegen Handelskrieg mit Amerika zu wappnen

Der langjährige Chef der Welthandelsorganisation WTO und frühere EU-Handelskommissar Pascal Lamy hat vor Überreaktionen auf die jüngsten protektionistischen Drohungen der USA gewarnt. "Trump ist ein Hund, der mehr bellt als beißt", sagt er in einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Eine ernsthafte protektionistische Welle sehe ich bisher nicht".

Trotzdem rät der Handelsspezialist den Europäern dazu, sich jetzt gegen künftige Angriffe aus den USA zu wappnen. In der Trump-Regierung ist "ein Mann zum Handelskommissar gemacht worden, Robert Lighthizer, der sein Metier sozusagen im Mittelalter gelernt hat", warnt Lamy in dem Interview. Schon jetzt blockiere die US-Administration einen Teil der Arbeit der Welthandelsorganisation WTO: Sie verweigere die Besetzung neuer Richter im Berufungsgericht der Organisation. Außerdem drohten die Amerikaner alle möglichen Handelshemmnisse gegenüber China an, die auch Unternehmen aus Europa treffen. "Trumps Beißreflex lautet: Ich will Zölle!" warnt Lamy und sprach dem US-Präsidenten das nötige Wissen über Handelsfragen ab. "Wenn Sie so wenige Dinge verstehen wie Trump, begehen Sie womöglich große Fehler."

Europa könne sich gegen eine protektionistische Trump-Administration aber erfolgreich wehren, sagt Lamy. Europäischen Handelspolitikern rät er zur Stärkung von Allianzen, "mit Brasilien, Indonesien, Japan, der Schweiz, Norwegen, Australien, Neuseeland. Es gibt doch genug Länder, die einen vernünftigen Mittelweg wollen und die alle ein Problem bekommen, wenn die USA die WTO destabilisieren!"

Falls das nicht gelinge, empfiehlt Lamy einen Plan B: die Drohung, die USA aus der Welthandelsorganisation WTO auszuschließen. Dann gebe es "eine WTO ohne die USA. Also denken Sie zweimal drüber nach, Herr Trump, bevor Sie die Welthandelsorganisation zerschlagen! Denn wenn wir eine WTO ohne die USA haben, sitzen Sie draußen in der Kälte."