Umfrage unter 131 Firmen: Ein Viertel bekommt regelmäßig Beschwerden wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Sexuelle Belästigung ist in vielen deutschen Unternehmen regelmäßig Thema. Das zeigt eine Umfrage des Frauen-Karriere-Index unter 131 Unternehmen, die der Wochenzeitung DIE ZEIT exklusiv vorliegt. 24 Prozent der befragten Firmen gaben an, dass bei ihnen einmal jährlich oder häufiger eine Beschwerde über sexuelle Belästigung bekannt werde. 37 Prozent erklärten, dass es nach ihrem Wissen bislang noch keine solche Beschwerde gegeben habe. Der Rest machte keine Angabe oder gab an, es nicht zu wissen. In jedem Fünften der befragten Unternehmen musste schon ein Täter wegen sexueller Belästigung das Unternehmen verlassen. Besonders häufig war dies in Firmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern der Fall: 37 Prozent von ihnen gaben an, dass ein Mitarbeiter wegen sexueller Belästigung gehen musste. "Diese Zahl zeigt, dass das Thema leider sehr aktuell ist", sagt die Leiterin der Studie Barbara Lutz der ZEIT.

Wie unklar vielerorts ist, was als sexuelle Belästigung anzusehen ist, zeigte die Einschätzung von konkreten Fällen. 69 Prozent der Firmen gaben an, dass das Aufhängen eines Pinup-Kalenders bei ihnen geahndet würde. 88 Prozent fanden den Besuch eines Bordells mit Kunden ahndungswert, die Hand auf dem Knie 81 Prozent. Witze mit sexuellem Inhalt hielten hingegen nur 44 Prozent für einen ausreichenden Anlass. Die aktuelle Debatte um Hollywood-Prominente wie Harvey Weinstein scheint bislang kaum etwas zu verändern. Mehr als 80 Prozent der Firmen gehen davon aus, dass jetzt keine neuen Regeln erdacht werden.  

Befragt wurden  Personalverantwortliche, Geschäftsführer, Vorstände und Führungskräfte, die Umfrage führte der Frauen-Karriere-Index unter Leitung von Barbara Lutz in Zusammenarbeit mit der Komma Marktforschung durch.