Blackrocks Hildebrand warnt vor Zurückdrehen der Agenda 2010

Philipp Hildebrand, früher Präsident der Schweizer Notenbank und heute Mitglied der Konzernspitze beim weltweit größten Investor Blackrock, warnt im Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT vor einer Rücknahme der Agenda 2010. "Wer auch immer die Bundestagswahl gewinnt: Wichtig ist, dass Deutschland ein verlässlicher Anker bleibt, in Europa vorangeht und nicht anfängt, wichtige Reformen zurückzunehmen", sagt Hildebrand, angesprochen auf die Pläne des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Zugleich lobt er Angela Merkel (CDU) als "Konstante", die über eine "enorme Glaubwürdigkeit" verfüge. "Es ist nicht einfach, sich die Welt ohne sie vorzustellen, auch für Anleger nicht", sagt Hildebrand über die Bundeskanzlerin. "Sie steht für eine große Verlässlichkeit, und das ist für Finanzmärkte sehr, sehr wichtig."

Sorgen vor weiteren Erfolgen populistischer Parteien in Europa seien übertrieben. "Sie wird die Wahl nicht gewinnen", so Hildebrand über Marine Le Pen, die rechtsnationale Präsidentschaftskandidatin in Frankreich. "Europa hat – was die Verteilung der wirtschaftlichen Gewinne angeht – ein viel besseres Modell als die USA", erklärt Hildebrand, "deshalb glauben wir bei Blackrock, dass das politische Zentrum in Europa hält." Der Kontinent habe einen eigenen Ansatz entwickelt, der verhindere, dass ganze Gruppen aus der Gesellschaft fielen und sich ein großer Graben zwischen den Eliten und dem Rest der Bevölkerung auftue. "Die Idee des sozialen Zusammenhalts gehört zum Kern des europäischen Modells", sagt Hildebrand und fordert mehr Selbstbewusstsein: "Ich finde, wir Europäer könnten auf der Weltbühne ruhig etwas mutiger auftreten und sagen, dass wir an diese Werte glauben." Dies sei "unsere moralische Pflicht".

Blackrock verwaltet aktuell mehr als fünf Billionen Dollar.