Melinda Gates weist Vorwurf der Allmachtsgelüste zurück

Melinda Gates wehrt sich gegen Vorwürfe, sie und ihr Ehemann Bill verfolgten mit ihrer gemeinsamen Gates-Stiftung in erster Linie eigene Ziele. "Wir sind Teil eines großen Systems", sagte die ehemalige Microsoft-Managerin im Interview mit der Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT. Zwar versuche die Gates-Stiftung, den Vereinten Nationen Anstöße für die Neuformulierung der Millenniumsziele wie etwa eine Senkung der Mütter- oder Kindersterblichkeit zu geben. Aber "wir sind nicht dabei, wenn über die Ziele abgestimmt wird", sagte die 51-Jährige der ZEIT. "Auch sonst können wir nur in einem Land arbeiten, wenn die Regierung zugestimmt hat." 

Mit mehr als 40 Milliarden US-Dollar ist die Stiftung von Melinda Gates und ihrem Ehemann, Microsoft-Gründer Bill Gates, die größte gemeinnützige  Privatstiftung der Welt. Allein in Gesundheitsprogramme, etwa zum Schutz vor Malaria, investierte die Organisation aus Seattle schon mehr als 15 Milliarden Dollar. Andererseits halten Kritiker der Stiftung seit längerem vor, sie verfolge Allmachtsgelüste des Ehepaares Gates und erzeuge politischen Druck, um eigene Projekte durchzusetzen. So sagte der britische Gesundheitsaktivist David McCoy, die Gates-Stiftung definiere selbst, was Fortschritt sei. 

Ihre Stiftung definiere den Fortschritt nicht, sie messe ihn nur, entgegnete Melinda Gates im Gespräch mit der ZEIT. "Selbst auf dem Feld der Familienplanung, das wir mit aufgebaut haben, sind wir also nur Teil eines Systems. Ich habe das Ziel nicht gesetzt, dass bis 2020 120 Millionen Frauen mehr über Verhütungsmittel verfügen sollen. Das haben mehrere Regierungen mit uns geplant. Und glauben Sie mir, es gab viele Kämpfe." Die Stiftung könne mit ihrem Geld der Politik immer nur einen "Anstoß" geben. Am Ende müsse die Regierung eines Landes "entscheiden, ob sie den Wandel befördern will".