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Heinz Buschkowsky: „Einwanderer müssen zur Integration bereit sein“

Heinz Buschkowsky: "Einwanderer müssen zur Integration bereit sein"

Heinz Buschkowsky, scheidender SPD-Bezirksbürgermeister des Berliner Problemviertels Neukölln, hat seiner Partei vorgeworfen, Integrationsdefizite von Zuwanderern allein auf soziale Ursachen zurückzuführen. "Es geht hier um Haltungen, Werte und tradierte Kulturriten. Ein feudales Patriarchat, die Vielehe, Akzeptanz von Gewalt innerhalb der Familie oder als Selbstjustiz, die Unterordnung der Frau als Lebewesen minderen Werts, all diese Dinge sind keine Folge des sozialen Status", sagt Buschkowsky in einem Streitgespräch mit der SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi für die Wochenzeitung DIE ZEIT.

"Die Erziehung von Mädchen zur Reinheit, Keuschheit und zum unbedingten Gehorsam und die der Jungen zu Tapferkeit, zu Manneskraft und zu Kampfesmut" seien mit dem Menschenbild aufgeklärter Gesellschaften nicht zu vereinbaren. Einwanderer müssten zur Integration bereit sein, sie müssten Teil der neuen Gesellschaft werden wollen. "Fordert das eine Gesellschaft nicht ein, so wird sie nicht respektiert werden", so Buschkowsky weiter.

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Fahimi wehrt sich gegen Buschkowskys pessimistische Sicht. "Wenn Neukölln überall wäre, dann hätten wir keine 16,5 Millionen Deutsche mit sogenanntem Migrationshintergrund, die in unserem Land bestens integriert sind. Wie unter anderem ein Bezirksbürgermeister namens Buschkowsky und eine SPD-Generalsekretärin namens Fahimi belegen", so die SPD-Politikerin. "In der öffentlichen Wahrnehmung sind Ausländer entweder immer nur Täter oder immer nur Opfer. Ich will sie als aktive, mündige und stolze Bürger dieses Landes sehen." Diese Haltung bezeichnet Buschkowsky als "Einwandererkitsch".

Streit gab es zwischen den beiden SPD-Politikern auch um die Rolle des Islam. Der Satz, Islamismus habe mit dem Islam nichts zu tun, sei absurd, so Buschkowsky. Fahimi wiederum setzt Hoffnungen in einen "aufgeklärten, europäischen Islam", der die Trennung von Kirche und Staat akzeptiere und zum kulturellen Erbe Europas gehöre. Das sei "reines Wunschdenken", so Buschkowsky.

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Hier finden Sie die Vorabmeldungen der ZEIT Nr. 13 mit Erstverkaufstag am Donnerstag, 26. März 2015. Die kompletten Artikel zu den nachfolgenden Meldungen senden wir Ihnen für Zitierungen gerne zu. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an DIE ZEIT Unternehmenskommunikation und Veranstaltungen (Tel.: 040/3280-237, Fax: 040/3280-558, E-Mail: presse@zeit.de). Unsere aktuellen Pressemitteilungen finden Sie unter www.zeit.de/presse.


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