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CDU-Alt-Ministerpräsident Bernhard Vogel: Thüringen wird unter Ramelow „eher ruhige Jahre erleben“

CDU-Alt-Ministerpräsident Bernhard Vogel: Thüringen wird unter Ramelow "eher ruhige Jahre erleben"

Für Thüringens früheren CDU-Ministerpräsidenten Bernhard Vogel wäre eine Regierung unter dem Linken Bodo Ramelow "nicht der Untergang des Abendlandes". Im Gegenteil: "Wir werden mit ihm eher ruhige Jahre erleben", sagte Vogel in einem Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Ich rechne nicht damit, dass er alles auf den Kopf stellen wird. Nein, er wird sich sehr bemühen. Er wird auf leisen Sohlen regieren, er wird sehr friedlich und verbindlich die ersten beiden Jahre bestreiten."

Vogel, der von 1992 bis 2003 in Thüringen regierte, begründete dies in dem ZEIT-Gespräch auch damit, dass es den Linken nicht vordergründig um die Macht in Thüringen gehe – sondern vor allem um die Macht im Bund 2017. "Schon aus diesem Grund wäre es Ramelows größte Torheit, jetzt den Eindruck zu erwecken, er plane in Thüringen die Revolution." Der Schaden, den Ramelow Thüringen zufügen könne, werde sich schon aus praktischen Gründen in Grenzen halten. "Man kann ein Land, das so gut dasteht, nicht in fünf Jahren kaputt wirtschaften." Es sei "nicht in Ramelows Interesse, hier irgendetwas zu zerstören", so Vogel. "Wahrscheinlich wird er wenige grobe Fehler machen."

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Aus persönlicher Sicht würde Vogel Ramelows Aufstieg trotzdem "als schlimmes Signal" empfinden, sagte der 81-Jährige. "Alles hätte ich mir vorstellen können. Alles, nur das nicht. Die Vorstellung, dass in meinem Dienstzimmer, das ich in der Staatskanzlei eingerichtet habe, einmal Herr Ramelow sitzen könnte: Das ist schockierend."

Dafür, dass die Linke in Thüringen nun die Möglichkeit habe, an die Macht zu gelangen, machte Vogel indirekt auch die aktuelle CDU-Regierung unter seiner Nach-Nachfolgerin Christine Lieberknecht verantwortlich. "Am Schluss muss ein Regierungschef immer dafür sorgen, dass alle halbwegs zufrieden sind. Der Koalitionspartner ebenso wie die eigene Partei", so Vogel. "Ich habe selten erlebt, dass jemand an seinen Erfolgen nur ganz alleine die Schuld trägt. Das ist beim Erfolg der Linken genauso. Meist hilft die Konkurrenz kräftig mit."

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Hier finden Sie die Vorabmeldungen der ZEIT Nr. 49 mit Erstverkaufstag am Donnerstag, 27. November 2014. Die kompletten Artikel zu den nachfolgenden Meldungen senden wir Ihnen für Zitierungen gerne zu. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an DIE ZEIT Unternehmenskommunikation und Veranstaltungen (Tel.: 040/3280-237, Fax: 040/3280-558, E-Mail: presse@zeit.de). Unsere aktuellen Pressemitteilungen finden Sie unter www.zeit.de/presse.

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