Judith Butler: Die Freiheit der Universitäten verteidigen

Judith Butler wehrt sich gegen den Vorwurf von Alice Schwarzer, ihr Werk sei sektiererisch und schade der feministischen Sache. Schwarzers Darstellung ihrer Person, sei, so die amerikanische Philosophin im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT, eine "Karikatur" und entstamme keiner "sorgsamen, wissenschaftlichen Lektüre". Schwarzer hatte Butler und die von ihr begründeten Gender Studies vergangene Woche in der ZEIT (Nr. 33/2017) als frauenfeindlich kritisiert. Dies sei zwar Schwarzers gutes Recht: "Allerdings unterstützt Alice Schwarzer damit einen antiintellektuellen Zeitgeist", so Butler.

Judith Butler, die an der University of California in Berkeley Rhetorik und Komparatistik lehrt, fordert außerdem, sich nach den rechtsextremen Gewaltausbrüchen in Charlottesville zu positionieren: "Wir müssen dem systemischen Rassismus radikal entgegentreten." Es sei kein Zufall, dass die Gewalt ausgerechnet in einer Campus-Stadt ausgebrochen sei: "Die Universitäten gelten als liberale Orte, an denen Antirassismus unterrichtet wird und wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden, die soziale und politische Debatten stützen, etwa die Klima- und Gesundheitspolitik."

Die weltweite Solidarität für die Wissenschaft beim "March for Science" im April diesen Jahres bewertet Butler als "bedeutend". Die Bedingungen für freie Forschung und Lehre gerieten weltweit in Gefahr.