Chefanklägerin am Internationalen Strafgerichtshof beklagt "Glasdecke" für Frauen

Fatou Bensouda, Chefanklägerin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, plädiert für mehr Chancengleichheit: Die Gesellschaft wolle "uns Frauen einreden, dass für uns an einem bestimmten Punkt Schluss sein sollte. Da existiert eine Art Glasdecke, die unser Weiterkommen verhindert. Aber diese Barriere muss zerschmettert werden", so Bensouda im ZEITmagazin. "Es gibt keine Begrenzung! Nicht für mich und auch für niemand anderen."

Die 55-jährige Juristin stammt aus Gambia. Ihre Eltern hätten sie dazu erzogen, ein nützliches Mitglied der Gesellschaft zu sein: ",Sei kein Yafus‘, sagt man in Wolof, meiner Muttersprache. Das bedeutet, dass man nicht nutzlos und faul sein soll. Dass man immer danach streben muss, besser zu werden und etwas zur Gesellschaft beizutragen."

Eine Situation in der Vergangenheit sei ihr zum Ansporn geworden: Als der Vater eines Freundes gesehen habe, dass ihr Zeugnis besser war, als das des Sohnes, "schrie er ihn an: Wie kannst du es zulassen, dass ein Mädchen besser ist als du? Ich fühlte mich so erniedrigt", erinnert sich Bensouda. "Das war einer der seltenen Momente, in denen ich wirklich weinen musste. Und ich schwor mir, niemals in eine Situation zu geraten, wo man sagen könnte: Sie war eben schlechter, weil sie ein Mädchen ist. Bildung wurde mein Werkzeug, Bildung wurde meine Rettung. Letztlich bestärkte mich dieses Erlebnis nur auf meinem Weg."