Kurz vorm Kollaps: Hamburger JVA-Bedienstete kritisieren eklatanten Personalmangel

Mit drastischen Worten haben Bedienstete der JVA Fuhlsbüttel die Personalnot in ihrem Gefängnis kritisiert. "Wir gehen auf dem Zahnfleisch", sagt einer der Beamten der Wochenzeitung DIE ZEIT. Die Folge der schlechten personellen Ausstattung seien fatale Sicherheitslücken.

In einem Brief, der der ZEIT vorliegt, äußert einer der Beamten erhebliche Zweifel an der Sicherheit in seiner Anstalt. "Die JVA Fuhlsbüttel steht vor einem Kollaps", heißt es in dem Schreiben. "Die Sicherheit der Bediensteten und der Gefangenen ist in Frage gestellt." Notwendige Kontrollen können aufgrund des Personalmangels nicht mehr durchgeführt werden. Der Brief schließt mit dem Satz: "Es ist eine Frage der Zeit, wann es in der JVA Fuhlsbüttel zum Super-GAU kommt."

Als Folge des Personalmangels würden entgegen anders lautender Dienstvorschriften die Türen zwischen den Stationen des Gefängnisses offen gelassen, wodurch Gewalt und Einschüchterungsversuche unter Häftlingen zunähmen. "Es heißt immer, das Haus sei in sich geschlossen", sagt ein Beamter. "Aber das ist völliger Unsinn."

Zudem müssen den Berichten zufolge schon Anwärter, also Auszubildende, Stationen alleine betreuen. Es sei vorgekommen, dass sich ein Berufsanfänger von einem Häftling so geschickt manipulieren ließ, dass er sein Handy mit in die Anstalt schmuggelte, um darauf mit dem Insassen gemeinsam Videos zu gucken. Auch das ist ein deutlicher Dienstverstoß, Handys sind in Gefängnissen streng verboten.

Justizbehörde und Gefängnisleitung nehmen die Hinweise nach eigener Aussage sehr ernst. Für den kommenden Donnerstag wurde eine Krisensitzung einberufen. In Hamburger Gefängnissen fehlen Schätzungen zufolge 80 bis 100 Vollzugsbeamte. Justizsenator Till Steffen (Grüne) hat das Problem erkannt und die Ausbildung ausgeweitet. Laut Behörde ist die Personallücke aber so groß, dass sie mangels Bewerbern nicht zu schließen sein wird.