DIE ZEIT: Henry Kissinger würdigt Helmut Kohl

In einem Nachruf in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT bezeichnet der ehemalige amerikanische Außenminister Henry Kissinger Helmut Kohl als "Mann von außerordentlicher Vitalität, bewandert im do ut des der Innenpolitik und zugleich ein Meister einer Außenpolitik, die darauf zielte, die Hinterlassenschaft jahrhundertelanger Konflikte zu überwinden."

Nicht jeder habe die Wiedervereinigung Deutschlands gewollt, so Kissinger, "nicht einmal in der Bundesrepublik. Nicht wenige – darunter viele nachdenkliche Deutsche – hielten es für wünschenswert, nach dem Kollaps der kommunistischen Herrschaft zwei demokratische deutsche Staaten fortbestehen zu lassen". Dass die Zögerlichkeit der Verbündeten überwunden werden konnte, habe "vor allem an dem Vertrauen, das die ausländischen Staatenlenker des Auslands in das Wertesystem von Helmut Kohl setzten – und in die Lauterkeit seines Wollens von Helmut Kohl setzten", gelegen.

Die beiden Politiker verband eine jahrelange Freundschaft. Kissinger hat häufig mit Kohl telefoniert und ihn an seinem Wohnsitz in Oggersheim besucht, als der Altbundeskanzler bereits gesundheitlich eingeschränkt war. "Der Lebensmut, der Kohl befähigte, trotz angeschlagener Gesundheit stets von Neuem sein Vermächtnis zu formulieren, bezeugte seinen festen Glauben – an sein Volk, an die Alte Welt und an die atlantische Partnerschaft", schreibt Kissinger.