Anselm Grün fordert Politik zu mehr Vertrauen auf

In der Politik "stellen wir bei jedem Fehler gleich die Vertrauensfrage. Das ist nicht nur unbarmherzig, sondern verleitet auch dazu, Fehler zu leugnen, weil man unverhältnismäßig heftig angeklagt wird." Das sagt der Bestsellerautor Anselm Grün im Gespräch mit Nikolas Schneider in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT.

Mit dem ehemaligen Ratsvorsitzenden der EKD, Nikolaus Schneider, spricht Anselm Grün über die aktuelle Vertrauenskrise – in Politik und Kirche. "Ich verstehe schon, dass manche Menschen in unserem Land wütend sind, weil sie sich nicht gesehen fühlen. Aber ich habe kein Verständnis dafür, wenn Schwache noch Schwächere treten", so Grün. Das Schlechtreden anderer sei ein Ablenken von sich selbst. "Die Politik kann vom Christentum schon noch lernen", sagt er. Gott habe gezeigt: Niemand ist alleingelassen. "Deshalb sollten wir selber Mut haben, hinabzusteigen in die Abgründe und die Not."

Grün ist der bekannteste spirituelle Autor Deutschlands. Er lebt als Benediktinermönch in der Abtei Münsterschwarzach und hat mehr als 200 Bücher geschrieben, darunter viele zum Thema Vertrauen. Sein neuestes Buch "Von der verwandelnden Kraft negativer Gefühle" ist am 16. Januar im Vier-Türme-Verlag erschienen.