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Geheime DDR-Studie der Bundesregierung wiederentdeckt

Geheime DDR-Studie der Bundesregierung wiederentdeckt

Kurz vor dem 25. Jahrestag des Mauerfalls zeigt eine wiederentdeckte Geheim-Studie der Bundesregierung, wie beliebt und verhasst das SED-Regime wirklich war. Wie die Wochenzeitung DIE ZEIT berichtet, hat die Bonner Regierung von 1968 bis 1989 Meinungsumfragen zu den Einstellungen und Befindlichkeiten der DDR-Bürger durchführen lassen. Dabei nutzte das Meinungsforschungsinstitut Infratest so genannte Stellvertreter-Befragungen.

Anhand der bislang weitgehend unbekannten Studie lässt sich erstmals nachweisen, dass der Satz "Es war nicht alles schlecht" keine Ostalgie bedeutet, sondern dass die DDR-Bürger tatsächlich damals vieles in ihrem Staat nicht negativ bewerteten. So betrachtete eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung die Lebensbedingungen im SED-Staat nicht als "schlecht". In den siebziger Jahren beurteilte fast jeder dritte Bewohner die Lebensbedingungen in der DDR sogar als "sehr gut", jeder zweite bezeichnete sie als "mittelmäßig".

Wie die Langzeituntersuchung zeigt, hatte der SED-Staat innerhalb seiner Bevölkerung weniger politischen Rückhalt als vielfach angenommen. Nie mehr als 30 Prozent der Bürger konnten als Anhänger des Regimes gelten. Der Anteil der erklärten Systemgegner lag schon 1981 bei 30 Prozent, 1989 waren es rund 40 Prozent. Die größte Gruppe bildeten demnach in den Jahrzehnten vor der Wende die "Angepassten".

Zudem ergibt die demoskopische Studie, dass die Ostdeutschen vor 1989 nicht Bananen oder andere Südfrüchte am meisten vermisst haben. Vielmehr klagten 70 Prozent der Bürger darüber, dass Baustoffe, Fliesen, Farben und Tapeten "nur unter der Hand" zu bekommen seien. Auch Handwerker-Dienstleistungen (60 Prozent) und Auto-Ersatzteile (58 Prozent) galten als schwer erhältlich, erst danach kamen die Südfrüchte (43 Prozent).

Für die Studie wurde die Meinung von jährlich mehr als Tausend DDR-Bewohnern ermittelt. Dies geschah über einen Umweg: Bundesbürger, die Verwandte oder Bekannte im Osten besuchten, wurden gezielt angesprochen und gebeten, nach ihrer Rückkehr in den Westen in Fragebögen Auskunft zu geben über Haltung und Meinungen ihrer ostdeutschen Gastgeber.

Die Wiederentdeckung der einst geheimen Studie geht zurück auf Everhard Holtmann, Direktor des Zentrums für Sozialforschung in Halle. Er stieß kürzlich in den Archiven von Infratest Dimap auf die Studie, die einst vom Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen beauftragt und finanziert worden war.

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Hier finden Sie die Vorabmeldungen der ZEIT Nr. 45mit Erstverkaufstag am Donnerstag, 30. Oktober 2014. Die kompletten Artikel zu den nachfolgenden Meldungen senden wir Ihnen für Zitierungen gerne zu. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an DIE ZEIT Unternehmenskommunikation und Veranstaltungen (Tel.: 040/3280-237, Fax: 040/3280-558, E-Mail: presse@zeit.de). Unsere aktuellen Pressemitteilungen finden Sie unter www.zeit.de/presse.

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