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Wolfgang Huber: Im Notfall Waffengewalt

Wolfgang Huber: Im Notfall Waffengewalt

Der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD erklärt in der aktuellen Ausgabe der ZEIT, warum Militäreinsätze moralisch verpflichtend sein können und fordert die Politik auf, dem Islamischen Staat (IS) das Terrorhandwerk zu legen. "Unsere Verantwortung für den Frieden kann im äußersten Notfall den Einsatz von Waffengewalt einschließen", so der evangelische Theologe. "Die Frage lautet nicht nur: Will ich mich selber verteidigen? Sondern auch: Verteidige ich andere? (…) Wir haben Verantwortung für andere und werden auch dann schuldig, wenn wir die Opfer des IS alleinlassen."

Huber erklärte, er sei empört, dass die UN ihre Schutzverantwortung nicht wahrnehmen. "Ich bedaure sehr, dass die Vereinten Nationen den Opfern nicht gerecht werden. Erstens, weil der Islamische Staat täglich mehr Menschen terrorisiert. Zweitens, weil die UN durch Untätigkeit ihre innere Legitimität untergraben." Der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD sagte, er verstehe das Zögern des Sicherheitsrates nicht: "Das gilt auch für Sondersitzungen im Bundestag." Damit kritisierte Huber auch die langsame  Reaktion Deutschlands auf die Gewalt im Irak. Der Hintergrund: Am 1. September wird der Bundestag über Waffenlieferungen an die irakischen Kurden debattieren.

Huber forderte: "Wir müssen dem Islamischen Staat das Terrorhandwerk legen. Aber wir müssen auch tragfähige, friedensfähige politische Strukturen aufbauen." Ein Militäreinsatz verstößt aus Hubers Sicht nicht notwendigerweise gegen das christliche Tötungsverbot: "Für mich schließt das Gebot ‚Du sollst nicht töten‘ auch das Gebot ein: ‚Du sollst nicht töten lassen‘."

Damit wendet sich einer der namhaftesten deutschen Christen gegen einen Pazifismus aus Prinzip, wie er in der Debatte über deutsche Militäreinsätze zuletzt von Margot Käßmann, der ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, vertreten wurde. Huber: "Pazifismus heißt nicht Passivität. Pazifisten sind diejenigen, die Frieden machen. Pazifisten sind nicht diejenigen, die alles geschehen lassen." In Anspielung auf Käßmanns Vorschlag, die Bundeswehr abzuschaffen, plädierte ihr Amtsvorgänger für ein verantwortungsethisches Handeln der Politik: "Verantworte, was du tust, vor Gott und den Menschen. Das gilt aber auch für den, der die Abschaffung der Bundeswehr vorschlägt."

Auf die Frage, ob Frieden machen auch das Töten von Menschen einschließen könne, antwortete Huber wörtlich: "Im äußersten Notfall ja. Doch im Bewusstsein, dass Töten mit Schuld verbunden ist und dass Töten allein niemals hinreicht, um Frieden zu machen."

Abschließend forderte Huber Christen und Muslime auf, als Reaktion auf den militanten Islamismus die kritischen Stimmen im Innern des Islam zu stärken. Er bemängelte, dass "eine kritische Auseinandersetzung mit der Gewaltlegitimation im Islam von manchen sofort als islamophob betrachtet wird".

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Hier finden Sie die Vorabmeldungen der ZEIT Nr. 36 mit Erstverkaufstag am Donnerstag, 28. August 2014. Die kompletten Artikel zu den nachfolgenden Meldungen senden wir Ihnen für Zitierungen gerne zu. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an DIE ZEIT Unternehmenskommunikation und Veranstaltungen (Tel.: 040/3280-237, Fax: 040/3280-558, E-Mail: presse@zeit.de). Unsere aktuellen Pressemitteilungen finden Sie unter www.zeit.de/presse.

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