Führende Pädagogin fordert Qualitätsstandards für Kitas

Die Direktorin des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München, Fabienne Becker-Stoll, fordert einheitliche Standards für Deutschlands Kitas. Man müsse sich "auf Qualitätsstandards einigen und diese dann evaluieren. Berlin hat über 1000 Kitas und überprüft sie alle fünf Jahre. Das könnte auch ein Modell für andere Bundesländer sein", so Becker-Stoll in der Wochenzeitung DIE ZEIT. Die letzte große nationale Studie zur Qualität in Krippen und Kindergärten habe gezeigt, dass über 80 Prozent aller Einrichtungen nur über eine mittelmäßige Qualität verfügen: "Von hervorragend bis grottenschlecht und kindeswohlgefährdend ist da leider alles dabei", so Becker-Stoll.

Auch die aus einer nicht repräsentativen ZEIT ONLINE-Umfrage gewonnenen Ergebnisse seien, so Becker-Stoll, nicht überraschend. "Wir müssen davon ausgehen, dass die Dunkelziffer noch viel höher ist." In der Leser-Umfrage berichteten Eltern und Kita-Mitarbeiter von permanentem Personalmangel, aber auch davon, dass Kinder etwa angeschrien oder zum Essen und Schlafen gezwungen werden. Vieles entspreche in Kitas nicht den Bedürfnissen der Kinder, so Becker-Stoll. Durch den massiven quantitativen Ausbau von Kita-Plätzen in den vergangenen Jahren sei die Debatte über die Qualität der Betreuung vernachlässigt worden.

Der Maßstab für die Qualität einer Kita sollte, so Becker-Stoll, allein das Wohlergehen des Kindes sein, "also all das, was das Kind tagtäglich am eigenen Leib erfährt". Wichtiger als Personalschlüssel und Ausstattung der Kita seien Fachkräfte, die in der Lage sind, feinfühlig auf sämtliche Bedürfnisse des Kindes zu reagieren. Die Expertin empfiehlt: "Wenn Kinder weinen, und keiner kümmert sich drum: ganz schlimm! Sofort abmelden."