Nachfahren von Holocaust-Opfern unter Gründungsmitgliedern der AfD

Unter den 18 Gründungsmitgliedern der Partei AfD waren 2013 auch drei Nachfahren von Holocaust-Opfern. Das ergaben Recherchen des ZEITmagazins. Bei der Gründungsversammlung der Partei in Oberursel am 6. Februar 2013 hätten drei Männer offenbart, aus "Holocaust-Familien" zu stammen. Heute ist keiner der drei mehr Mitglied der AfD.

Einer der damals Anwesenden, der 52-jährige Markus Keller, sagt, er habe während der heftigen Diskussion um den Namen der Partei seine Familiengeschichte erzählt, "um zu zeigen, dass nicht jeder, der ‚Deutschland‘ sagt, gleich rechts sein muss". Kellers Großvater väterlicherseits war Jude und wurde 1944 in Auschwitz umgebracht.

Ein weiteres Gründungsmitglied, Jobst Landgrebe, hatte eine jüdische Großmutter. Die Familie musste sich im Nationalsozialismus verstecken. Die Großeltern eines weiteren Gründungsmitglieds, das seinen Namen nicht veröffentlichen will, waren Kommunisten und wurden von den Nazis ermordet.

Keller zog sich nach und nach aus der Partei zurück, die vom anfänglich eurokritischen Kurs zu einem zunehmend fremdenfeindlichen Kurs überging. Im Januar 2015 trat er ganz aus, nachdem er eine Rede von Björn Höcke auf YouTube gesehen hatte.  "Er sah aus, als habe er vor dem Spiegel den Goebbels geübt", sagt Keller über Höcke. Über die AfD von heute sagt er: "Am Anfang waren wir 18 normale Bürger, die etwas verändern wollten. Es ist furchtbar traurig, was daraus geworden ist."

Das ZEITmagazin rekonstruiert in seiner neuesten Ausgabe den Tag der AfD-Gründung.