Politikberater Erik Flügge wirft Konservativen Sprachlosigkeit vor

er Politikberater und Bestseller-Autor Erik Flügge wirft konservativen Politikern wie dem Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) Sprachlosigkeit vor. "Besorgt bin ich, weil sich ein politisches Lager, ob aus rhetorischer Hilflosigkeit oder denkerischer Dürftigkeit, aus dem Diskurs verabschiedet", so Flügge in einem Gastbeitrag der ZEIT-Beilage Christ & Welt. Für viele Konservative seien Fakten nicht mehr ausschlaggebend. Sie klammerten Gegenargumente aus und lieferten nur noch Pseudoargumente, die der eigenen Selbstvergewisserung dienten. Als Beispiel verweist Flügge auf die Rede von Volker Kauder zur Homo-Ehe im Bundestag. Diese sei "Ausdruck einer großen Überforderung" und "symptomatisch für die Sprachlosigkeit eines ganzen politischen Lagers" gewesen.

Flügge, der sich selbst als liberalen Katholiken bezeichnet, appelliert an die katholische Kirche, die Evangelikalen und konservative Politiker, wieder Argumente zu liefern, die "wissenschaftlichen Standards genügen und der Logik folgen". Dies sei für einen Diskurs zwischen "bewahrenden und verändernden Kräften" in der Gesellschaft nötig. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass die konservative Position anfällig für Populisten werde. Dann werde die "Sprachlosigkeit der konservativen Eliten zum gesamtgesellschaftlichen Problem" und vertiefe nur noch die "Spaltung zwischen den abgehängten Diskursflüchtlingen auf der einen und der Restöffentlichkeit auf der anderen Seite".

Erik Flügge, 31, lebt als Politikberater und Autor in Köln. Sein Buch "Der Jargon der Betroffenheit. Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt" stand 2016 auf der Spiegel-Bestsellerliste.