Roberto Saviano zum Erdbeben in Italien: Katastrophen verwandeln sich in Goldminen

Für den italienischen Schriftsteller und Journalisten Roberto Saviano sind es Tragödien wie das Erdbeben, das Italien erschütterte, die zu wahren Ressourcen werden, um – legal oder illegal – Geld zu schöpfen. "Eines der gravierendsten Probleme Italiens ist, dass Katastrophen sich in Goldminen verwandeln", schreibt Saviano in der Wochenzeitung DIE ZEIT.

Bezeichnend für die Art, wie mit öffentlichen Aufträgen verfahren wird, sei die Geschichte der Schule Romolo Capranica in Amatrice. Deren erst kürzlich erfolgte Sanierung  beschränkte sich wegen angeblicher Denkmalschutzauflagen auf oberflächliche Reparaturarbeiten. In öffentlich zugänglichen Gutachten sei die Gefahr für den Fall eines Erdbebens bestens dokumentiert gewesen. "Trotzdem wurden in all diesen Jahren keinerlei Anstrengungen unternommen, die Schüler, die in dieser Schule beständig in Lebensgefahr schwebten, anderswo unterzubringen", schreibt Saviano.

Während die finanziellen Hilfen wohl auch diesmal nicht ihre Adressaten erreichten, sei auf die überwältigende Hilfsbereitschaft der Italiener Verlass. Saviano beschwört "die herzzerreißenden Momente, als inmitten von Schutt und Angst Polizisten, Freiwillige, Angehörige des Zivilschutzes und einfache Dorfbewohner mit Schaufeln oder bloßen Händen, die Augen und Münder vom Staub verkrustet, um das Leben Verschütteter kämpfen – sie sind die Verkörperung der besten Seite Italiens."