Vor 25 Jahren sagten die Schweizer Nein zum EWR-Beitritt – "Ein kluger Entscheid", sagt der Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann

Für den Schweizer Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann war es ein "kluger Entscheid", den das Schweizer Stimmvolk am 6. Dezember 1992 fällte, als es Nein zu einem Beitritt der Schweiz zum Europäischen Wirtschaftsraum EWR sagte. Dies schreibt er in einem Essay in der Schweiz-Ausgabe der deutschen Wochenzeitung DIE ZEIT, die dem Schicksalsjahr 1992 eine Sonderausgabe widmet. 

"Die Schweiz ist in manchen Politikfeldern kaum von einem EU-Staat zu unterscheiden", schreibt der liberale Wirtschaftshistoriker. "Der einzige fundamentale Unterschied ist: Die Schweizer Regierung kann nicht in Brüssel mitreden." Straumann sieht darin aber einen entscheidenden Vorteil: "Die Schweiz schaffte sich damit etwas Spielraum. Er ermöglicht es ihr bis heute, eine offene Europadebatte zu führen und jeden weiteren Integrationsschritt demokratisch abzustützen." Dieser Spielraum sei umso höher zu gewichten, "als die EU mit der Euro-Krise den Charme eines Zukunftsprojekts verloren hat", schreibt der liberale Wirtschaftshistoriker in der ZEIT. Für Straumann ist deshalb klar: "In einem solch unsicheren Umfeld ist die Schweiz gut beraten, mit weiteren Integrationsschritten zuzuwarten." 

Der Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann lehrt an den Universitäten Zürich und Basel.