Bundestagsvize Johannes Singhammer fordert Zurückhaltung der Kirchen in politischen Fragen

Der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Johannes Singhammer (CSU), fordert Zurückhaltung der beiden großen Kirchen bei politischen Fragen: "Manche fragen sich, ob detailliertere Einlassungen notwendig sind zu Einzelfragen des Mindestlohnes oder den Detailprozessen der Energiewende", so Singhammer in einem Gastbeitrag für die ZEIT-Beilage Christ & Welt. "Bei fast 400 000 Kirchenaustritten allein im Jahr 2015 sollten katholische und evangelische Kirche sich darauf konzentrieren, Menschen zu erreichen und mitzunehmen. Dass politische Lobbyarbeit dafür der richtige Weg ist, ist unwahrscheinlich", schreibt Singhammer.

Und weiter: "Kaum eine Entscheidung in Berlin, des Bundestages oder der Regierung, bleibt unkommentiert." Die Religionsfreiheit verlange nach dem öffentlichen Wort und der Tat der Kirchen. "Dennoch wächst bei nicht wenigen ein Unbehagen über die immer häufigere Bewertung von dem, was gut oder schlecht in der Tagespolitik sei. Weil in der politischen Arena ein zusätzlicher Meinungsbildner auftritt, der nie beabsichtigt, sich freien und gleichen und geheimen Wahlen zu stellen, und seine Autorität auch in politischen Fragen stattdessen von einer höheren Macht ableitet." 

Johannes Singhammer (CSU) ist Vizepräsident des Deutschen Bundestages und Direktkandidat des Wahlkreises München-Nord. 2012 forderte er die Verschärfung des Blasphemie-Paragrafen, nachdem ein islamfeindliches Schmähvideo in einigen Ländern zu gewalttätigen Ausschreitungen geführt hatte.