Der designierte Intendant der Berliner Volksbühne Chris Dercon: "Ich habe mich noch nie so unfrei gefühlt wie in Berlin" 

Der designierte Intendant der Berliner Volksbühne Chris Dercon kündigt für die neue Spielzeit einen "Bruch mit dem Bisherigen" an. Er wolle sich um "neue Formen des Performativen" bemühen, so Dercon in der Wochenzeitung DIE ZEIT,  und das Abc des Theaters stärken: "Stimme, Bewegung, Raum, Licht, Maske".  Es werde keine Zusammenarbeit mit den Regisseuren René Pollesch, Herbert Fritsch und Frank Castorf geben: Man habe diese  angeschrieben, doch "sie verweigerten jede Kooperation", so Dercon. Nun sei die Reform der Berliner Volksbühne ungewollt "zu einer stillen Revolution" geworden. 

Den Vorwurf, er verfolge eine neoliberale Politik, weist der designierte Intendant entschieden von sich: "Ich bin immer für einen ‚lefty’ gehalten worden." In der Stadtregierung rege sich nun eine Front gegen ihn, "die mitunter Parallelen zu rechter, identitärer Politik" habe. "Das alles kostet uns viel Energie und erzeugt auch Misstrauen bei Künstlern, mit denen wir gerne arbeiten würden. Die sagen: ‚Ich mache doch nicht mit euch einen Vertrag, weil ihr selbst nicht wisst, ob ihr überlebt.‘" 

Trotz der Proteste gegen seine Ernennung habe der 1958 geborene Theaterwissenschaftler und ehemalige Leiter der Tate Gallery of Modern Art in London seine Entscheidung, nach Berlin zu kommen, nie bereut und "an keinem einzigen Tag" ans Aufhören gedacht. "Aber ich muss sagen, dass ich mich in meinem Leben nie so unfrei gefühlt habe wie hier in Berlin. Ich bin ein Außenseiter, ich bin immer ein Außenseiter gewesen".