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Weitere Vorwürfe gegen adidas

Weitere Vorwürfe gegen adidas

Adidas hat nach der ZEIT-Enthüllung über ausgebeutete Arbeiter im Logistikzentrum in Rieste, Niedersachen, auf die Vorwürfe reagiert. Aber weitere Fälle, über die die ZEIT in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, werfen ein finsteres Licht insbesondere auf das Verhalten des Betriebsrates. So soll ein adidas-Supervisor, der zugleich Betriebsratsmitglied ist, einer Leiharbeiterin mit Kündigung gedroht haben, wenn sie nicht zusätzlich zu ihrer Schicht unter der Woche auch noch am Samstag arbeite. Adidas bestreitet die Drohung. Die Leiharbeiterin ist alleinerziehende Mutter von sechs Kindern, für die sie samstags keine Betreuung hat. Sie hatte ihren Chefs ihre verzweifelte Lage mehrfach geschildert. Die eigentlich bei der Leiharbeitsfirma Manpower angestellte Arbeiterin ist aufgrund dieses Vorfalls psychisch schwer erkrankt.   

Die ZEIT hatte bereits am 21. Mai über Leiharbeiter berichtet, die sich über die Behandlung im adidas-Logistikzentrum beschwerten. Es geht unter anderem um unbezahlte Überstunden und unbezahlten Bereitschaftsdienst, monatelange Urlaubssperre und willkürlichen Arbeitseinsatz. Von dem Logistikzentrum aus beliefert adidas Handelspartner und eigene Läden in Zentral- und Westeuropa mit Schuhen, Kleidung und weiteren Produkten der Marken adidas und Reebok. Dort werden auch eCommerce-Bestellungen bearbeitet. Die Mitarbeiter sind zuständig für Kommissionierung und Versand der Produkte. 

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Nach der ZEIT-Enthüllung wurde ein externer Gutachter bestellt, der die Prozesse im Logistikzentrum prüfen soll. Der Betriebsrat lässt von nun an die Leiharbeitsfirmen wöchentlich von  Kündigungen, Abmahnungen, Einstellungen und Problemen der Leiharbeiter berichten. Der Betriebsrat hat jetzt täglich zwei Stunden Sprechstunde. Die Mitarbeiter sollen anonym befragt werden. Aushänge auf Polnisch, mit denen bislang Arbeitern monatelang der Urlaub gesperrt wurde und worin sie aufgefordert wurden, im Bereitschaftsdienst den ganzen Tag erreichbar zu sein, müssen fortan mit der adidas-Geschäftsführung abgesprochen werden.  

Die Rolle des Betriebsrates bei adidas scheint allerdings dubios zu sein. Die ZEIT berichtet von einem weiteren Fall einer ehemaligen Mitarbeiterin im adidas Sports Performance Concept Store in Köln, die ständig Reibereien hatte, weil sie offiziell Aushilfe war, inoffiziell aber weit verantwortungsvollere Aufgaben übernahm. Die Mitarbeiterin wandte sich in ihrer Not an die Betriebsrätin, die ihr von rechtlichen Schritten abriet. Als die Anwältin der Mitarbeiterin später doch noch einmal die Betriebsrätin kontaktierte, informierte diese auch die Personal- und Rechtsabteilung davon.

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Hier finden Sie die Vorabmeldungen der ZEIT Nr. 26 mit Erstverkaufstag am Donnerstag, 25. Juni 2015. Die kompletten Artikel zu den nachfolgenden Meldungen senden wir Ihnen für Zitierungen gerne zu. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an DIE ZEIT Unternehmenskommunikation und Veranstaltungen (Tel.: 040/3280-237, Fax: 040/3280-558, E-Mail: presse@zeit.de). Unsere aktuellen Pressemitteilungen finden Sie unter www.zeit.de/presse.

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