Carl-Albrecht Bartmer, DLG-Präsident, fordert Kurswechsel in der Landwirtschaft

Der Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), Carl-Albrecht Bartmer, fordert eine grundsätzliche Kurskorrektur in der Landwirtschaft: "Es ist an der Zeit, das System als Ganzes infrage zu stellen", sagt Bartmer, einer der einflussreichsten Bauern des Landes, im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT.

In den vergangenen Jahrzehnten habe der Markt den Landwirten signalisiert, dass nur noch eine kleine Zahl von Feldfrüchten wettbewerbsfähig seien. Deshalb seien besonders Weizen, Mais, Raps oder Zuckerrüben angebaut worden. Die Folge, mehr Unkraut und Pilzinfektionen, habe man durch chemischen Pflanzenschutz ausgeglichen. "Dieser Optimierungspfad birgt aber die Gefahr von Resistenzen, die unsere Anbausysteme instabiler machen", kritisiert Bartmer, der selbst einen großen Hof in Sachsen-Anhalt betreibt.

Das Problem wachse noch dadurch, dass weniger neue chemische Wirkstoffe auf den Markt kämen. Diese Entwicklung müsse allen Sorgen machen: "Wir erkaufen uns heute höhere Erträge mit dem Risiko, dass sie morgen sehr teuer werden." Die Landwirtschaft müsse auf Innovationen bei Züchtung und Landmaschinen setzen und wieder auf die Vielfalt der ackerbaulichen Werkzeuge und des landwirtschaftlichen Könnens zurückgreifen. "Dazu brauchen wir gut ausgebildete Landwirte, die neben der Chemie auch mechanische Lösungen nutzen."