Neu in der ZEIT Aktuelle Vorabmeldungen
Seite 9/11:

Wille sieht ihre Wahl als „ein Stück Rundfunkgeschichte“

Rund 100 Tage nach Amtsantritt hat Karola Wille ihre Wahl zur Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks als „Beispiel für Zivilcourage“ der beteiligten Gremien bezeichnet. „Ich denke, da ist ein Stück Rundfunkgeschichte geschrieben worden“, sagte sie in einem Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. Wille war im Oktober vom Rundfunkrat des MDR gewählt worden. Zuvor hatte das Gremium einen anderen Kandidaten aus Sachsen durchfallen lassen, der als zu regierungsnah kritisiert worden war.

Dieser Vorgang könne im deutschen Mediensystem eine Signalwirkung entfalten, meinte Wille: „Gerade entscheidet das Bundesverfassungsgericht, ob die Ablösung des damaligen ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender verfassungskonform war – auch da geht es um politische Einflussnahme auf den Sender“, so die 52-Jährige. „Ich bin gespannt, ob das Aufbäumen der MDR-Gremien im Prozess zur Sprache kommen wird.“

Anzeige

Wille, die seit der Gründung des MDR im Jahr 1991 als Juristin für die Drei-Länder-Anstalt gearbeitet hat, ist als Intendantin auf sechs Jahre gewählt. Als einen inhaltlichen Schwerpunkt nannte sie die weitere Aufarbeitung der DDR-Geschichte. In den ersten Jahren nach dem Mauerfall sei der Blick insbesondere auf „Stacheldraht und Stasi“ gerichtet worden. „Da ist in Zukunft ein genauerer Blick gefragt, auf den Alltag“, sagte Karola Wille.

Service