Jugendforscher Klaus Hurrelmann über die Umkehr traditioneller Geschlechterordnungen: Schlaue Frauen, erfolgreiche Männer

Eine tiefergehende Analyse der Daten von Schulleistungsstudien wie Pisa und der Shell-Jugendstudie zeigen: Frauen sind längst die eindeutigen Bildungsgewinner in Schule und an der Universität. Sie haben die besseren Noten, schneiden bei Prüfungen erfolgreicher ab und erwerben die Mehrzahl der hochwertigen Schulabschlüsse.

Der Bildungs- und Jugendforscher Klaus Hurrelmann fragt nun in der aktuellen ZEIT, wann die Umkehr der Geschlechterverhältnisse im Bildungsbereich dazu führen wird, dass Frauen auch im Beruf den Männern Paroli bieten. Hurrelmanns Erkenntnis: Obwohl die jungen Frauen bestens ausgebildet und krisenerprobt sind und viel soziales Kapital mitbrächten, gelinge es ihnen nicht, diese Stärke in beruflichen Erfolg umzumünzen. Das liege vor allem daran, dass die Männer nach wie vor die Führungspositionen dominierten und eine Schlüsselrolle bei Nachwuchsentscheidungen spielten. Eine Frau zu sein, gelte auch deshalb noch immer als Karrierehindernis, weil die Doppelbelastung von Beruf und Familie überwiegend von ihnen getragen werde. Was wiederum damit zu tun habe, dass nur rund 40 Prozent der jungen Männer bereit seien, sich auf "als weiblich codierte Lebensbereiche" einzulassen, schreibt Hurrelmann. Eine solche Rollenerweiterung betrachte die Mehrheit der Männer als "erniedrigend und unter ihrer Würde".