Wahl-O-Mat : Wahlhelfer für Kurzentschlossene

Viele Bürger stehen vor jeder Wahl aufs Neue vor der Frage: Wen soll ich nur wählen? Der Wahl-O-Mat hilft bei der Beantwortung.
Der Wahl-O-Mat unterstützte zum Beispiel bei der Wahlentscheidung für die Bürgerschaftswahl in Bremen

Regelmäßig geben rund 80 Prozent der Wahlberechtigten an, dass sie sich vorstellen können, eine andere Partei zu wählen als beim letzten Mal. Selbst Tage vor dem Wahltermin hadern manche Unentschlossene mit der Frage, wo sie ihr Kreuz setzen sollen.

Soll man nun buchdicke Wahlprogramme wälzen, um mehr Informationen als die zugespitzten Wahlkampfthesen zu erfahren? Entweder das. Oder sich vom Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) weiterhelfen lassen.

Wahl-O-Mat begleitet Wahlen seit 2002

Die bpb bietet den Wahl-O-Mat seit 2002 an. Er informiert darüber, welche Partei zu welchem Thema welche Meinung vertritt. Die Entscheidungshilfe ist beliebt: Laut bpb wurde der Wahl-O-Mat zur letzten Bundestagswahl 13,3 Millionen Mal aufgerufen. Insgesamt wurde er seit 2002 vor Bundestags-, Europa- und Landtagswahlen fast 43 Millionen Mal genutzt.

Das Projekt soll vor allem junge Wähler informieren und zur Stimmabgabe motivieren – ein Drittel der Nutzer ist unter 30 Jahre alt. Die Idee stammt aus den Niederlanden und wurde in vielen europäischen Ländern übernommen. Bei Europawahlen kann man seine Positionen mittlerweile nicht nur mit deutschen, sondern auch mit anderen europäischen Parteien vergleichen. Möglich macht dies eine Kooperation mit dem Netzwerk Votematch.

Wie funktioniert der Wahl-O-Mat?

Der Wahl-O-Mat präsentiert dem Benutzer 38 Thesen aus allen politischen Bereichen. Bei jeder These kann der Benutzer entscheiden, ob er zustimmt, nicht zustimmt oder neutral bleiben will. Die Themen, die ihm besonders wichtig sind, kann er zum Schluss doppelt werten.

Die Thesen werden zuvor von einem Redaktionsteam aus Jung- und Erstwählern, Politikwissenschaftlern, Statistikern und weiteren Experten erarbeitet. Der Nutzer kann seine eigenen Positionen mit denen von bis zu acht Parteien vergleichen und so herausfinden, mit welcher er die größten Überschneidungen hat – und welche überhaupt nicht zu den eigenen Vorstellungen passt. Das Angebot gibt es für Europa-, Bundestags- und die meisten Landtagswahlen. Im Wahl-O-Mat-Archiv lassen sich die Positionen für vergangene Wahlen noch einmal miteinander vergleichen.

Was sagt der Wahl-O-Mat aus?

Eine FDP-Empfehlung für den Liebhaber des Sozialstaats? Die meisten Übereinstimmungen mit der Tierschutzpartei? Soll ich die jetzt wirklich wählen? Nicht unbedingt, sagt die bpb. Der Wahl-O-Mat nimmt dem Benutzer nicht die Entscheidung ab: Er dient als Orientierungshilfe und soll dazu anregen, sich weiter zu informieren. Und wer als Ergebnis eine hohe Übereinstimmung mit extremistischen Parteien erhält, muss sich deshalb noch keine Sorgen machen. Gegen Atomkraft und für mehr Kindergeld gestimmt? Die NPD wahrscheinlich auch.

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Kommentare

112 Kommentare Seite 1 von 17 Kommentieren

Nicht wählen oder ungültige Stimme

Ich habe darauf in Kommentar 12 geantwortet.

Ich habe mich aber wohl zu kurz gefasst. Es ging mir eher darum, dass man eine ungültige Stimme abgeben soll, anstatt nicht zu wählen. Alternativ könnte man auch zusätzlich "Enthaltung" ankreuzen können. "unschuldig" im ursprünglichem Kommentar war mit etwas trockenem Humor gedacht.

Dass man sich nicht enthalten kann, empfinde ich als recht undemokratisch.