Leserdebatte Soll die Politik den Markt stärker regeln?
Ab 2015 gibt beim Milchhandel der Wettbewerb den Ton an. Für unsere Bauern ein Schlag ins Gesicht. Sollte der Milchmarkt reguliert oder eher liberalisiert werden?
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Nur 24 Cent pro Liter Milch bleiben dem Bauer
Zukünftig soll der Milchmarkt nur noch den Regeln des Wettbewerbs gehorchen. Die bisherige Regulierung des Kuhmilchhandels wird nach und nach abgebaut und sorgt somit bei den deutschen Milchbauern für Frust und Unsicherheit. Gunhild Lütge meint, der Milchmarkt braucht wirksamere Regeln als bisher. Claas Tatje hingegen glaubt, dass die Quotenausweitung hier gar keine Rolle spielt - die Bauern eher Kartellopfer sind. Sollte der Milchmarkt reguliert oder liberalisiert werden? Schreiben Sie Ihre Meinung auf und diskutieren Sie mit der ZEIT ONLINE-Community!
- Datum 18.09.2009 - 17:17 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 14
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Die Milchbauern sollten sich in Kooperativen zusammenschließen, um ihre Milch und Milchprodukte zu vermarkten. Zusätzlich müßten die EU und auch die Regierungen der EU-Länder keine Subventionen mehr an Lebensmittelkonzerne wie Müllermilch u.ä. vergeben, sondern regionale
Bio-Betriebe fördern.Organisationen wie "Fair Trade" oder "Transfair"
können dabei als Vorbild dienen.
Der Unterchied zwischen Bergbauern und Großgrariern ist zu gravierend als daß man zu einer generellen Lösung kommen könnte. Sinnvoll wäre eine Beschränkung der Viehhaltung pro Hektar Boden. Ausgleichszahlungen für kleinere Bergbauernbetriebe sidn aber weiter notwendig. Die erhalten mit ihrer Almwirtschaft ja auch die Natur.
Auf der anderen Seite ist auch das Interesse der Verbraucher zu beachten. Gerade kinderreiche Familien haben einen erhöhten Milchbedarf, aber nicht die finanziellen Mittel, um teurer als notwendig einzukaufen. Da sind Billigpreise nach wie vor gefragt.
Der Marktmechanismus ist ein dynamischer Prozeß. Die Bewegungen von Preisen und Mengen beinhalten Verzögerungen und Anapssungsfristensowohl bei den Nachfragern als auch bei den Anbietern.
Besonders stark wirken sich solche zeitlichen Änderungen bei Produktionen aus, die nicht kurzfristig erweitert oder gestoppt werden können. Das trifft bei vielen landwirtschaftlichen Produkten zu und eben auch bei der Milcherzeugung. Es braucht viele Monate, um Milchkühe heranwachsen zu lassen und man kann bei ihnen auch nicht mal eben den "Hahn zudrehen".
Änderungen in der Nachfrage nach Milch, z.B. ausgelöst durch einen Mehrbedarf im Ausland, erzeugen mit time lag eine erhöhte Produktion - möglicherweise erst dann, wenn die Nachfrage bereits wieder rückläufig ist.
Es ist fraglich, ob und wie sich die zukünftigen Nachfragemengen einigermaßen präzise vorhersagen lassen. Die nationalen bzw. überstaatlichen Regulierungen haben dabei bisher keineswegs besser abgeschnitten als ein freies Spiel der Kräfte - die Agrarmarktregeln in der EWG, in der EG und in der EU sind bekannte Negativbeispiele.
Häufig genug haben behördliche Eingriffe wie z.B. Exportsubventionen zusätzlich noch zu Belastungen im Ausland geführt und insbesondere in Entwicklungsländern die Finanzhilfen dahin geradezu konterkariert.
Zusätzlich entstanden enorme Kosten durch die für die Planung und Umsetzung erforderlichen beördlichen Verwaltungsapparate, die in keinem Verhältnis zu ihrem Nutzen standen.
Also weg damit.
Das stimmt. Und damit die Milch nicht zur Ramschware verkommt, deren Preis freier schwankt als die Pensionen von Agrarministern und Bauernverbandsfunktionären, darf man auch gerne zu Protestzwecken 10.000 Liter davon in den Gulli schütten, während drinnen die Beauftragten für den Fünfjahresplan Preise und Kontingente festsetzen und keine tausend Kilometer vom Demonstrationsort entfernt Menschen verhungern, weil sie nichts zu essen haben.
Warum nur schlägt niemand vor, die Milchsubventionen direkt an die Verbraucher auszuzahlen? Dann könnten wir Verbraucher endlich selbst entscheiden, ob und wie weitgehend die heimische/europäische Milchproduktion gefördert werden soll oder nicht.
Andere Variante: Die bereits diskutierte kanadische Variante, nach der rein die Angebotsmenge an die jeweilige Nachfrage gekoppelt wird. Mittels Gewichtungsfaktoren könnten kleine und mittlere Höfe dabei bevorzugt werden. Und dafür soll bitte kein Steuergeld eingesetzt werden, sondern es soll ein Fonds vom Handel und den Milchproduzenten eingerichtet werden, aus dem Mengensteuerungsmaßnahmen bezahlt werden. Gespeist wird dieser Fonds aus Strafzahlungen des Handels bzw. der Milchproduzenten, wenn sie gegen die Auflagen aus der Angebotssteuerung verstoßen.
In Kanada ist die gesamte Angebotsseite der Milchwirtschaft komplett reguliert. Es existiert kein Markt im eigentlichen Sinn mehr. Mengen und Preise werden quasi staatlich festgelegt; Export ist de facto nicht möglich, da die limitierten Mengen komplett im Inland benötigt werden. Hohe Importzölle schotten Kanada nach außen ab.
Siehe hier:
http://www.landnet.at/art...
und hier:
http://www.unternehmen-mi...
Das System hat in relativ kurzer Frist (rund 10 Jahre) zu einer radikalen Reduzierung der kanadischen Milchfarmen geführt.
Man kann davon ausgehen, daß in einem freien Milchmarkt die Sache ähnlich läuft, eventuell etwas langsamer. Es wird in jedem Fall zu einem "Sterben" von Höfen kommen, also zu einer Reduzierung der Angebotsmengen.
Übrigens heißt die Beseitigung von Marktregulierungen keineswegs, daß man man die Menschen auf den Höfen im Stich lassen sollte. Hilfe in Notfällen als finanzielle Unterstützung in der Umbruchphase ist wohl selbstverständlich. Das muß aber ohne Eingriffe in den Milchmarkt geschehen.
In Kanada ist die gesamte Angebotsseite der Milchwirtschaft komplett reguliert. Es existiert kein Markt im eigentlichen Sinn mehr. Mengen und Preise werden quasi staatlich festgelegt; Export ist de facto nicht möglich, da die limitierten Mengen komplett im Inland benötigt werden. Hohe Importzölle schotten Kanada nach außen ab.
Siehe hier:
http://www.landnet.at/art...
und hier:
http://www.unternehmen-mi...
Das System hat in relativ kurzer Frist (rund 10 Jahre) zu einer radikalen Reduzierung der kanadischen Milchfarmen geführt.
Man kann davon ausgehen, daß in einem freien Milchmarkt die Sache ähnlich läuft, eventuell etwas langsamer. Es wird in jedem Fall zu einem "Sterben" von Höfen kommen, also zu einer Reduzierung der Angebotsmengen.
Übrigens heißt die Beseitigung von Marktregulierungen keineswegs, daß man man die Menschen auf den Höfen im Stich lassen sollte. Hilfe in Notfällen als finanzielle Unterstützung in der Umbruchphase ist wohl selbstverständlich. Das muß aber ohne Eingriffe in den Milchmarkt geschehen.
Ich bin entsetzt und bestürzt, wenn ich die Notlage der milcherzeugenden Bauern auf mich wirken lasse und frage mich, warum gibt es für sie keine wirksame Hilfe.Der Bankenkrise ist man mit MIlliardengarantiesummen begegnet. Warum ist die Politik so wirkungs- und tatenlos, wenn es um die Existenz dieser Bauern in Not geht?Es ist eine Schande, dass der Milchpreis, den die Bauern bekommen, so niedrig ist, dass er bei weitem nicht die Produktionskosten deckt. Hier muss entschieden etwas getan werden, es besteht akuter Interventionsbedarf.Es wäre gut, wenn so manche Theoretiker des sich selbst regulierenden Marktes einmal die Realitäten zur Kenntnis nähmen.Die Fernsehbilder von den hunderten von mit Traktoren gezogenen Milchwagen, die dieses "weiße Gold" wie zu beseitigender Abfall auf das Feld streuten, wird jedem einigermaßen sensiblen Menschen sehr traurig machen und ihm weh tun.Die Kommissare in Brüssel und die nationalen Politker sind dringend gefordert, den Bauern zu helfen, denn es geht nicht nur um die Milch sondern auch um dass, was die Bauern tun für die Natur- und Landschaftspflege mit der Bewirtschaftung der Grünflächen und des Weidelandes tun.
In Kanada ist die gesamte Angebotsseite der Milchwirtschaft komplett reguliert. Es existiert kein Markt im eigentlichen Sinn mehr. Mengen und Preise werden quasi staatlich festgelegt; Export ist de facto nicht möglich, da die limitierten Mengen komplett im Inland benötigt werden. Hohe Importzölle schotten Kanada nach außen ab.
Siehe hier:
http://www.landnet.at/art...
und hier:
http://www.unternehmen-mi...
Das System hat in relativ kurzer Frist (rund 10 Jahre) zu einer radikalen Reduzierung der kanadischen Milchfarmen geführt.
Man kann davon ausgehen, daß in einem freien Milchmarkt die Sache ähnlich läuft, eventuell etwas langsamer. Es wird in jedem Fall zu einem "Sterben" von Höfen kommen, also zu einer Reduzierung der Angebotsmengen.
Übrigens heißt die Beseitigung von Marktregulierungen keineswegs, daß man man die Menschen auf den Höfen im Stich lassen sollte. Hilfe in Notfällen als finanzielle Unterstützung in der Umbruchphase ist wohl selbstverständlich. Das muß aber ohne Eingriffe in den Milchmarkt geschehen.
Ich arbeite in einem kleinen Bauunternehmen und ich finde auch, dass dieser Wirtschaftszweig stärker staatlich subventioniert und allen anderen vorgezogen werden sollte. Ich finde auch, wir sollten unseren Markt mit Schutzzöllen abschirmen und den der anderen mit Exportsubventionen ruinieren. Ich finde auch man sollte die Bestandsimmobilien regulieren und quotieren. Dann hätten wir endlich wieder höhere Preise! Das wären gute Nachrichten für die Verbraucher, die uns mit Steuermitteln subventionieren. Besonders die Proteste der Bauern finde ich inspirierend. Wenn das weiße Gold mit Güllewagen auf Äckern verklappt wird, führt uns das den Wert und die immense Wichtigkeit dieses Lebensmittels drastisch vor Augen.
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