G-20-Treffen
Ackermann befürchtet magere Jahre für Finanzbranche
Deutsche-Bank-Chef Ackermann sieht schwarz: Sollte der G-20-Gipfel die Finanzmarktregeln verschärfen, würden die Profite auf dem Kapitalmarkt schrumpfen, warnt er.
© Arne Dedert/dpa

Auf die fetten folgen nun die mageren Jahre: Ackermann warnt vor weniger Profit bei den Banken
Die Rechnung des Josef Ackermann geht so: Mehr plus strengere staatliche Auflagen gleich weniger Gewinne für die internationale Finanzindustrie. Angesichts des an diesem Donnerstag beginnenden G-20-Gipfels in Pittsburgh erklärte der Chef der Deutschen Bank, die Finanzbranche sollte sich keinen Illusionen hingeben und auf einschneidende Verschärfungen bei der Regulierung einstellen.
"Der politische Wille ist eindeutig", schreibt der Bankmanager in einem Gastbeitrag für die Neue Zürcher Zeitung: "Dem Bankensektor werden engere Grenzen gesetzt, und die Profitabilität des Finanzsektors in seiner Gesamtheit wird geringer sein." Der Schweizer Ackermann formulierte die Zeilen in seiner Funktion als Vorsitzender des Internationalen Bankenverbandes IIF.
Seiner Ansicht nach werden die Banken künftig mehr und qualitativ hochwertigeres Kapital vorhalten müssen. Zusätzlich zu den bereits erhöhten Kapitalanforderungen für das Handelsbuch und für Verbriefungen seien weitere Maßnahmen wie die Einführung antizyklischer Kapitalpuffer, eine dynamische Risikovorsorge sowie ein besonderer Zuschlag für große Banken. Zudem sei geplant, Ausschüttungen in Form von Dividenden, Aktienrückkäufen und Zahlungen an Mitarbeiter gegebenenfalls zu begrenzen.
In puncto Erhöhung der Eigenkapitalbasis würden die Banken die Bemühungen der G-20-Staaten grundsätzlich unterstützen. Der Verbandschef deutete aber an, dass die strengeren Kapitalanforderungen dazu führen dürften, dass Banken weniger finanzielle Mittel für Wachstum und Innovation bereitstellen könnten. "Höhere Eigenkapitalanforderungen bedeuten engere Grenzen für die Höhe der Bank-Aktiva", erklärte Ackermann. "Wir mögen als Gesellschaften entscheiden, dass die Hoffnung auf eine größere Stabilität des Finanzsystems diesen Preis wert ist – aber wir sollten uns des Trade-off bewusst sein."
- Mehr Überblick
Regulieren wollen die G20 künftig den Markt für Kreditderivate. Über solche Finanzprodukte sichern sich Banken und andere Unternehmen zum Beispiel gegen Zahlungsausfälle oder Preisschwankungen an den Rohstoffmärkten ab.
Das Problem: Den Handel mit den Derivaten wickeln die Finanzhäuser untereinander ab. Geht eine Bank unter, die anderen eine Absicherung verkauft hat, ist diese Versicherung womöglich wertlos, und die Krise springt auf die zweite Bank über.
Deshalb soll das Geschäft mit Kreditderivaten künftig über reguläre Handelsplattformen mit einer zentralen Abwicklungsstelle laufen. Im Fall einer Pleite springt dann diese Abwicklungsstelle ein – so wird die Kettenreaktion unterbrochen.
Zudem sollen die Produkte standardisiert werden. Den Banken bricht damit ein Milliardengeschäft weg, denn für die außerbörslich gehandelten Kontrakte konnten sie wegen der geringen Transparenz des Marktes sehr hohe Gebühren verlangen.
- Mehr Schutz
Mit neuen Eigenkapitalvorschriften wollen die G20 die Widerstandskraft der Banken stärken und Übertreibungen entgegenwirken.
Die Institute müssen mehr Kapital vorhalten – besonders für riskante Geschäfte und in Boomzeiten. Großbanken müssen einen zusätzlichen Kapitalpuffer anlegen. Das Eigenkapital muss zudem von höherer Qualität sein.
Bisher können sich die Banken auch sogenanntes Hybridkapital anrechnen lassen. In diese Kategorie fallen etwa Nachranganleihen, die prinzipiell Fremdkapital darstellen, in ihren Charakteristika aber Eigenkapital nahekommen.
Das Problem: Kapital in der klassischen Aktienform absorbiert Verluste und bietet in der Krise Schutz – derartige Anleihen nicht. Speziell deutsche Banken haben viel Hybridkapital in ihren Bilanzen, weshalb sie demnächst womöglich neue Aktien ausgeben müssen. Das würde deren Kurs belasten.
Für Sparkassen und Genossenschaftsbanken gelten schon jetzt Sonderregeln.
- Weniger Exzesse
Umstritten ist innerhalb der G20, wie streng Bonuszahlungen an Banker reguliert werden sollen.
Deutschland und Frankreich vertreten hier eine harte Linie. So fordert der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy eine Deckelung der Boni. Er stößt damit aber auf Skepsis in den USA sowie in Großbritannien.
Die Vertreter dieser Länder zweifeln daran, dass hohe Boni für die Krise verantwortlich seien. Sie argumentieren, dass die Debatte um die Gehälter weniger mit der Finanzstabilität zu tun, sondern einen verteilungspolitischen Hintergrund habe. Es geht dabei auch um nationale Interessen, denn gerade in London und New York werden hohe Boni bezahlt.
Wahrscheinlich werden sich die G20 in Pittsburgh allgemein auf Standards bei der Vergütung festlegen – unter anderem darauf, dass Boni stärker am langfristigen Geschäftserfolg ausgerichtet werden. Wie diese Empfehlungen ausgelegt werden, wird wohl Sache der nationalen Behörden sein.
- Mehr Kontrolle
Die Finanzaufsichtsbehörden sollen nach dem Willen der G20 mehr Macht bekommen und sich international besser abstimmen.
So wurde das wichtigste internationale Gremium, das Financial Stability Board, aufgewertet und um die wichtigsten Schwellenländer erweitert. Auch auf europäischer Ebene werden die Kompetenzen der Aufsichtsbehörden für Banken, Versicherungen und Börsen ausgeweitet. Künftig sollen die Kontrolleure zudem Hedgefonds strenger überwachen. Das Financial Stability Board soll regelmäßig die Aufsichtsstandards in Steueroasen überprüfen.
Hierzulande wurden bisher grenzüberschreitende Aufsichtsgremien für die Deutsche Bank, die Commerzbank und die BayernLB eingerichtet.
Die eigentliche Prüfung der Banken liegt aber weiter in nationaler Hand, weil die Staaten keine Kompetenzen an europäische oder internationale Institutionen abgeben wollen.
Diese Einschätzung teilt er mit vielen Branchenexperten. Sie befürchten, dass die strengeren Regeln für die Eigenkapitalausstattung von Banken, wenn sie zu früh eingeführt werden, neue Belastungen mit sich bringen und den sich gerade von der Finanzkrise erholenden Geldhäusern das Leben zusätzlich schwer machen. Allerdings zeichnet sich unter den G 20 sowieso ein Konsens ab, wonach die neuen Regeln für die Finanzbranche erst nach dem Ende der Krise gelten sollen.
In seinem Gastbeitrag warnte der Deutsche-Bank-Chef auch generell davor, dass Europa in der laufenden Konsolidierung der Bankbranche den Anschluss verpasse – weil es seinen Banken stärkere Fesseln anlegt als die USA und China. So seien in den USA aus Fusionen starke, wettbewerbsfähige Großbanken entstanden. Zugleich hätten sich Banken aus China unter die führenden Institute der Welt geschoben: "Während also die USA und China die Krise nutzen, um große und leistungsfähige Institute zu formen, droht Europa den Anschluss zu verpassen." Für die europäischen Banken werde es immer schwieriger, international tätig zu sein.
- Datum 25.9.2009 - 09:00 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 22
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Im Zweifelsfall berufen sich die Großbanken auf den Grundsatz "too big to fail" und schreien nach dem Staat. Herr Ackermann möchte Gewinne privatisieren, Verluste aber sozialisieren. Für diese Haltung, das scheint Josef Ackermann zu ahnen, gibt es zumindest in der westlichen Welt keine Mehrheiten mehr - es herrscht ein inzwischen breiter Konsenz.
Inzwischen weiß fast jeder, dass Renditeversprechen von 25% mit höchsten Risiken beladen sind und es ist die Frage, ob die Staaten bei einer neuerlichen "Party" noch einmal einspringen - oder ob der Souverän dem nicht massiv einen Riegel vor schiebt und die Casinos, in denen Hasadeure ihr unappetitliches, egomanisches Spiel treiben, nicht nur ein für alle Mal schließt, sondern gleich abreißt.
da sind Sie viel zu optimistisch.
Kleinere Institute und weniger Renditewahn klingen in meinen Ohren nicht unbedingt negativ...
Nach den fetten Jahren folgen die mageren. Nicht nur Pharaos haben solche Wahrträume.
... für eine Branche die nichts produziert und durch überzogene Margen auch Kosten und Preise getrieben hat.
Michel Katzentisch
...könnte (auch) ihm nicht schaden!
Hat Ackermann vergessen, dass nicht zu wenig, sondern zu viel freilaufendes Kapital die Krise verursacht hat? Sicherlich nicht! Seine vorübergehende Kleinmäuligkeit, als ihm der Arsch auf Grundeis ging als noch nicht sicher war ob schwarz/rot seine Rettungsvorschläge akzeptierte, ist längst vergangen.
Schnell noch vor dem G 20 Treffen die internationale Bankersolidarität in Erinnerung rufen. Ackermnann weiß, dass die Regierungen die Signale hört.
Und ab Montag wird die Krise in Deutschland beginnen. Dann werden auch die Wirtschaftsinstitute aufhören, Hoffnungszahlen zu verlautbaren. Und dabei spielt das Wahlergebnis überhaupt keine Rolle.
Armer Herr Ackermann. Sollten die Boni mal um zwei, drei Prozent niedriger ausfallen, geht direkt die Welt unter!
Was Arroganz und Dummheit betrifft, kann man Ackermann in einen Sack mit Frau Schickedanz stecken: Immer draufhauen . es trifft nie den Falschen.
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